{"id":623249,"date":"2025-12-04T18:03:15","date_gmt":"2025-12-04T18:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/623249\/"},"modified":"2025-12-04T18:03:15","modified_gmt":"2025-12-04T18:03:15","slug":"russland-raus-usa-rein-aber-zu-welchem-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/623249\/","title":{"rendered":"Russland raus, USA rein \u2013 aber zu welchem Preis?"},"content":{"rendered":"<p>Die EU macht Ernst: Ab 2027 soll kein russisches Gas mehr flie\u00dfen. Ersatz soll aus den USA kommen \u2013 \u00fcber einen neuen Korridor quer durch den Balkan. Ob das klappt, ist alles andere als sicher.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/557141849-e1764861677902-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"US LNG Unloaded At Revithoussa Terminal Near Athens\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Die EU will bis 2027 raus aus russischen Gasimporten. Damit das klappt , braucht es neue Leitungskapazit\u00e4ten, wie den vertikalen Korridor auf dem Balkan. Der beginnt in Griechenland. Dort k\u00f6nnte LNG aus den USA, wie im Bild vom LNG-Tanker Geneva , am Hafenterminal Revithoussa bei Athens gel\u00f6scht und dann bis in die Ukraine treansportiert werden. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance \/ NurPhoto | Nicolas Koutsokostas<\/p>\n<p>Um S\u00fcdosteuropa und die Ukraine mit Gas zu versorgen, soll der sogenannte vertikale Gaskorridor von Griechenland \u00fcber Bulgarien bis in die Ukraine zum Highway f\u00fcr LNG aus den USA werden. Damit dieser bis zum geplanten Komplettausstieg der EU aus russischen Gasimporten 2027 den n\u00f6tigen Transportumfang abdecken kann, sind auf der Trasse aber noch Ausbauarbeiten n\u00f6tig.<\/p>\n<p>EU beendet Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/news\/eu-einigt-sich-auf-ausstieg-aus-russischen-gasimporten-2025-12-03_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Die Mitgliedsstaaten der EU und das Europaparlament erzielten am 3. Dezember eine vorl\u00e4ufige Einigung zum Komplettausstieg aus russischen Gasimporten<\/a>. Diese Regelung geh\u00f6rt <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_25_1131\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">zum EU-Ausstiegsfahrplan REPowerEU<\/a> aus allen russischen Energietr\u00e4gern. Sie sieht ein rechtsverbindliches und stufenweises Komplettverbot von Fl\u00fcssigerdgas (Liquified Petroleum Gas: LNG) und Pipelinegasimporten aus Russland ab Ende 2026 bzw. Herbst 2027 vor.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein gro\u00dfer Erfolg f\u00fcr uns und f\u00fcr ganz Europa. Wir m\u00fcssen die Abh\u00e4ngigkeit der EU von russischem Gas beenden, und ein dauerhaftes Verbot in der EU ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung\u201c, erkl\u00e4rte der d\u00e4nische Umwelt- und Energieminister Lars Aagaard. Die schnelle Einigung mit dem Europ\u00e4ischen Parlament zeige den Einsatz f\u00fcr eine sichere Energieversorgung.<\/p>\n<p>USA will russisches Gas ersetzen<\/p>\n<p>Auf dem Ministertreffen der transatlantischen Energiekooperation in Athen hatte der US-amerikanische Energieminister Chris Wright am 6. November erkl\u00e4rt, dass die USA \u201ebereit sind, russisches Gas vollst\u00e4ndig zu ersetzen.\u201c Dieses aus Europa zu verbannen, sei unerl\u00e4sslich. Jeder Kubikmeter, der Europa nicht erreiche, bleibe im Boden, da die Pipeline nach China bereits voll sei. \u201eWir wollen ein Europa mit reichlich vorhandenen und g\u00fcnstigen Energiequellen. Lasst uns gemeinsam darauf hinarbeiten\u201c, erkl\u00e4rte Wright.<\/p>\n<p>Genau das taten jetzt die Ratsvertreter und Parlamentarier der EU mit ihrem Beschluss zum Ende der russischen Gasimporte:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr kurzfristige Liefervertr\u00e4ge, die vor dem 17. Juni 2025 abgeschlossen wurden, soll demnach das Importverbot f\u00fcr russisches LNG ab 25. April 2026 g\u00fcltig sein. Pipelinegas kann noch bis zum 17. Juni 2026 importiert werden.<\/li>\n<li>F\u00fcr langfristige LNG-Vertr\u00e4ge tritt das Importverbot laut dem 19. Sanktionspaket indes ab Anfang 2027 in Kraft.<\/li>\n<li>Sowohl in Polen als auch in Griechenland kam es bereits zu Vertragsabschl\u00fcssen, um mehr LNG aus den USA nach Europa zu bringen.<\/li>\n<li>Auch die ukrainischen Gasversorger Naftogaz und DTEK schlossen im November Liefervertr\u00e4ge f\u00fcr US-amerikanisches LNG ab, um f\u00fcr den Winter vorzusorgen.<\/li>\n<li>Selbst Ungarn erkl\u00e4rte sich im Rahmen der Gespr\u00e4che zwischen Premier Viktor Orban und US-Pr\u00e4sident Donald Trump am 7. November bereit, LNG im Wert von 600 Mio. US-Dollar aus den USA zu beziehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Griechenland als Hub f\u00fcr US-LNG nach Osteuropa<\/p>\n<p>\u201eRussisches Erdgas darf nicht auf Umwegen \u00fcber die T\u00fcrkei nach Europa gelangen. Wir m\u00fcssen mit dem Vertikalen Korridor bereit sein, der in Griechenland beginnt und in der Ukraine endet\u201c, mahnte der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis am 7. November. Laut seinen Angaben \u201eentwickelt sich Griechenland zu einem Umschlagplatz f\u00fcr Gaslieferungen, die russisches Erdgas ersetzen werden.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr US-Energieminister Wright ist \u201eGriechenland der ideale Importpunkt f\u00fcr amerikanisches LNG\u201c. <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/energie\/wie-russisches-gas-in-der-eu-bis-2027-ersetzt-werden-koennte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Damit der vertikale Gaskorridor jedoch nennenswerte Mengen russischer Gaslieferungen in den s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Raum ersetzen kann, sind Ausbauarbeiten an Engstellen n\u00f6tig<\/a>. Dies betrifft in Griechenland zum Beispiel die Durchleitungskapazit\u00e4ten an der Grenze zu Bulgarien, die aktuell rund 5 Mrd. m3 Erdgas im Jahr umfassen. Davon entfallen 3 Mrd. m3 auf die Verbindungsgasleitung IGB, \u00fcber die Bulgarien 1 Mrd. m3 Gas im Jahr aus Aserbaidschan bezieht.<\/p>\n<p>Der Pipeline-Betreiber ICGB lie\u00df daher im November wissen, dass er beim Ausbau der IGB auf 5 Mrd. m3 Gas auf die Hilfe US-amerikanischer Geldgeber setzt. So w\u00fcrde die Durchleitungskapazit\u00e4t von LNG-Terminals in Griechenland zur Transbalkan-Pipeline nach Bulgarien auf 8 Mrd. m3 Gas steigen. Eine Engstelle an der Trasse ist zudem die Kapazit\u00e4t, um Gas von Moldau in die Ukraine zu transportieren. Die Transportnetzbetreiber der Ukraine und Moldau arbeiten daran, sie zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte das Z\u00fcnglein an der Waage werden<\/p>\n<p>Auf der Transbalkan-Route importierte die T\u00fcrkei bis zur Inbetriebnahme von Turkstream \u00fcber die Ukraine Gas aus Russland. Die Kapazit\u00e4t der Transbalkan-Pipeline bemisst sich in s\u00fcdlicher Auslegung auf 25 Mrd. m3 Gas im Jahr. Am Gas\u00fcbergabepunkt Strandzha-Malkoclar 1 lassen sich Entsog zufolge j\u00e4hrlich rund 18 Mrd. m3 Gas von Bulgarien in die T\u00fcrkei durchleiten. In umgekehrter Richtung sind es \u00fcber 4 Mrd. m3 Gas. Zusammen mit den griechischen Kapazit\u00e4ten lie\u00dfen sich im Jahr mehr als 12 Mrd. m3 Gas \u00fcber Bulgarien nach Norden in den s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Raum durchpumpen.<\/p>\n<p>Enden 2027 die russischen Gastransporte von Turkstream in die EU-Staaten, werden Kapazit\u00e4ten frei, um \u00fcber Strandzha-Malkoclar 2 mehr Gas von t\u00fcrkischen LNG-Terminals nach S\u00fcdosteuropa durchzuleiten.<a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/energie\/wie-die-tuerkei-als-gaslieferant-fuer-europa-auftrumpfen-will\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> Herkunftsnachweis und technische Fragen sind allerdings zu kl\u00e4ren, solange die T\u00fcrkei Gas aus Russland einf\u00fchrt.<\/a> Zwei auslaufende Gasliefervertr\u00e4ge mit einem Jahresumfang von insgesamt 22 Mrd. m3 Gas verl\u00e4ngerte der t\u00fcrkische Gasimporteur Botas mit dem russischen Gaskonzern Gazprom nur um ein Jahr, berichteten Medien am 4. Dezember.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei erw\u00e4ge, in die US-amerikanische Gasproduktion zu investieren und Gasquellen zu diversifizieren, erkl\u00e4rte der t\u00fcrkische Energieminister Alparslan Bayraktar. Mit g\u00fcnstigen Kampfpreisen d\u00fcrfte Putin die T\u00fcrkei und Ungarn als Abnehmer halten wollen, um Verluste in Europa einzud\u00e4mmen und LNG aus den USA abzuwehren.<\/p>\n<p>Ungarn und die Slowakei: Klage gegen EU-Beschluss<\/p>\n<p>Das meiste Gas aus Russland kommt in Ungarn bisher nach wie vor \u00fcber die Schwarzmeergasleitung Turkstream und die T\u00fcrkei an. Diese Lieferungen aus Langfristvertr\u00e4gen sollen dem j\u00fcngsten Ausstiegsbeschluss der EU zufolge je nach Speicherf\u00fcllstand sp\u00e4testens am 1. November 2027 enden. Dagegen wollen ungarische und slowakische Beh\u00f6rden klagen, gab der ungarische Au\u00dfenminister P\u00e9ter Szijj\u00e1rt\u00f3 bei einem Treffen der Nato-Au\u00dfenminister in Br\u00fcssel bekannt. Er erkl\u00e4rte, der vereinbarte EU-Plan stelle eine Bedrohung f\u00fcr die Energiesicherheit und die Wirtschaftst\u00e4tigkeit beider L\u00e4nder dar.<\/p>\n<p>Nach Zahlen des Br\u00fcsseler Think Tank Bruegel sind die russischen LNG-Importe der EU in diesem Jahr von Januar bis November um 8 % auf 17,5 Mrd. m3 gesunken. Gleichzeitig legten die europ\u00e4ischen Gasbez\u00fcge \u00fcber Turkstream in diesem Zeitraum nach Daten der europ\u00e4ischen Gastransportnetzbetreiber Entsog um knapp 8 % zu. Damit betrugen sie \u00fcber 16 Mrd. m3 Erdgas. Ungarn importierte davon knapp die H\u00e4lfte. J\u00fcngst besuchte Orban Pr\u00e4sident Wladimir Putin in Moskau, um sich die Abnahme von \u00d6l und Gas zu sichern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU macht Ernst: Ab 2027 soll kein russisches Gas mehr flie\u00dfen. 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