{"id":623749,"date":"2025-12-04T23:04:21","date_gmt":"2025-12-04T23:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/623749\/"},"modified":"2025-12-04T23:04:21","modified_gmt":"2025-12-04T23:04:21","slug":"wohnen-in-stuttgart-in-diesem-stadtteil-sind-die-wohnungspreise-seit-2012-um-142-prozent-gestiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/623749\/","title":{"rendered":"Wohnen in Stuttgart: In diesem Stadtteil sind die Wohnungspreise seit 2012 um 142 Prozent gestiegen"},"content":{"rendered":"<p>Eine Szene wie gemacht, um den immer noch ziemlich rauen Charme des <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.architektur-spaziergang-in-stuttgart-9-der-lauschigsten-arbeitervillen-und-buergerhaeuser-im-stuttgarter-osten.6e042ef1-b26b-4b40-adc6-60558f162369.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgarter Ostens <\/a>zu verstehen, ereignet sich an einem Donnerstagnachmittag im Sp\u00e4therbst. Eine Verabredung mit den Organisatoren eines <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.baugenossenschaft-gegruendet-wie-man-in-stuttgart-gut-und-guenstig-wohnen-kann.aed5d807-5524-46d1-ab00-cb3c46093abd.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">innovativen Wohn-Projekts<\/a> sollte im Kulturwerk in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ostendstrasse-und-bad-cannstatt-perle-des-suedens-musiker-besingt-stuttgarter-strassen-und-stadtteile.06de6192-06c6-42f0-a682-fe589d2f2f51.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ostendstra\u00dfe<\/a> stattfinden. Ein sanierter Gewerbebau mit Hinterhof und einem \u00fcberdachten Au\u00dfenbereich. Ausgerechnet an diesem Tag findet dort aber eine geschlossene Veranstaltung eines Theaters, der \u201eWilden B\u00fchne\u201c statt. <\/p>\n<p>Im Nieselregen stehen und reden? Das ist keine Alternative, doch<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ausgecheckt-in-stuttgart-ost-ostendstrasse-vom-schlampazius-bis-zum-scheibenwirt.7710b006-6cfe-4e96-9058-78ba013a8183.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> das \u201eSchlampazius\u201c<\/a> um die Ecke \u00f6ffnet erst in einer Stunde. Weit und breit finden sich ansonsten keine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neueroeffnung-in-stuttgart-ost-im-caf-bona-sollen-sich-alle-menschen-wohlfuehlen.24a1a575-1cc2-4262-b0d2-1d6c6e19d010.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Caf\u00e9s<\/a>. \u201eWissen Sie was, gehen Sie in unseren Besprechungsraum\u201c, sagt eine der Organisatorinnen. <\/p>\n<p>Sie f\u00fchrt das kleine Gr\u00fcppchen, das sie in ihrem Leben zuvor noch nie gesehen hat, in den dritten Stock. Ein heller Raum mit einem langen Tisch und Designerst\u00fchlen. Der Innenarchitekt, mit dem die \u201eWilde B\u00fchne\u201c sich den Raum teilt, \u00f6ffnet netterweise auch sp\u00e4ter wieder die T\u00fcr, nachdem die Gruppe f\u00fcr einen Fototermin noch einmal kurz drau\u00dfen war. <\/p>\n<p>Der Stuttgarter Osten ist sogar Romanheld <\/p>\n<p>Einiges fehlt im Osten, daf\u00fcr gibt es ganz sch\u00f6n viele spontan freundliche Leute und mehr Kreative und Engagierte (j\u00fcngst wurde das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ostend-buchhandlung-in-stuttgart-besitzer-hoert-nach-33-jahren-auf-wie-stuttgart-ost-seine-buchhandlung-rettet.13a10b60-01a0-4c5e-b105-098ba460814d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weiterleben der Ostend-Buchhandlung <\/a>gesichert) als man vermuten k\u00f6nnte. Die Fantastischen Vier besangen zwar mal das \u201eKillesberg Baby\u201c. Aber einen Literaturklassiker, den \u201eOstend-Roman\u201c, wie Manfred Esser sein Buch nannte, das im \u201eSpiegel\u201c rezensiert wurde und es auf die Theaterb\u00fchne geschafft hatte? Das hat der Osten exklusiv. Arbeiter, Kleinb\u00fcrger, Intellektuelle, Akademiker bev\u00f6lkern den Roman, Jens Krimmel und Thomas Teegen z\u00e4hlen zu den letzteren, wiewohl sie sich in ihrem innovativen Wohnprojekt die komplette soziale Bandbreite an Bewohnern w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Ihre Gruppe Gemeinsam27 hofft darauf, ein Haus samt Hinterhaus und bebaubarer Brache ergattern zu k\u00f6nnen, um f\u00fcr seine Mitglieder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. \u201eWir wollen im Bestand sanieren und nachhaltig nachverdichten. Fl\u00e4chen in Hinterh\u00f6fen entsiegeln, positiv zu einem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.extremhitze-durch-klimawandel-hitzedom-ueber-stuttgart-die-dinge-laufen-dann-anders.6ff7ac22-a2a1-4c4a-ac2c-40a48cd20224.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fchlenden Stadtklima <\/a>beitragen und den Bewohnern verl\u00e4sslich g\u00fcnstige Mieten erm\u00f6glichen\u201c, sagt Jens Krimmel. Er selbst ist vom <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.eine-liebeserklaerung-ti-amo-heusteigviertel.e17dc713-5ea9-4bb9-a199-45c89a070876.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heusteigviertel<\/a> nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.gaisburg-eine-der-schoensten-kirchen-in-der-region.af850893-329e-4e47-8327-35796b4151d9.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gaisburg<\/a> gezogen, jetzt w\u00fcrde er sich gern verkleinern, denn der Nachwuchs ist aus dem Haus, die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Wohnung\" title=\"Wohnung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wohnung<\/a> wird zu gro\u00df. Er w\u00fcrde auch in einen anderen Stadtteil ziehen, doch gern im Osten bleiben \u2013 selbst wenn der ganz sch\u00f6n teuer geworden ist. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.8befd3e3-849a-4f8b-a8e9-dbfaeadb0955.original1024.media.jpeg\"\/>     Thomas Teegen (li.) und Jens Krimmel von der Genossenschaft Gemeinsam27 hoffen, im Stuttgarter Osten etwas kaufen zu k\u00f6nnen.    Foto: Julian Rettig\/Lichtgut    <\/p>\n<p>\u201eIch mag den Osten\u201c, sagt Jens Krimmel. \u201eEr gewinnt nicht \u00fcberall einen Sch\u00f6nheitswettbewerb, aber er ist irgendwie locker. Der Osten ist nicht so durchgestylt wie der Westen. Er ist nicht so dicht bebaut und es gibt viel Gr\u00fcn\u201c, sagt der Architekt. Und es leben Menschen selbstverst\u00e4ndlich miteinander, vom Arbeitslosen bis zum Reichen von der Halbh\u00f6he.\u201c<\/p>\n<p> Der Osten besteht nicht nur aus Berg, Gaisburg, Ostheim, sondern auch aus Frauenkopf, G\u00e4nsheide, Uhlandsh\u00f6he. Wohlhabende wohnten da nicht nur fr\u00fcher \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.die-bosch-dynastie-zuendkerze-nobelpreis-biohof-die-bewegte-geschichte-der-familie-bosch.2fb7c0ae-fc7f-4f42-9183-2f945467aa82.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Robert Bosch <\/a>baute seine Villa im Neorenaissancestil dort, nahe des Wagenburggymnasiums baute der Architekt Rudolf Schweitzer die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/gallery.architektur-spaziergang-in-stuttgart-die-pittoreske-villen-kolonie-auf-der-uhlandshoehe.57753789-c05b-4fa9-b2a7-5253f5d3f03d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Villenkolonie am Hohengeren<\/a> \u2013 sondern auch heute. Lofts \u00fcber eine Million Euro werden freilich inzwischen in allen Teilen des Ostens angeboten. <\/p>\n<p>Seit einigen Jahren sind Gemeinsam27 auf der Suche \u2013 und sie wissen um die heftig steigenden Immobilienpreise und wie umk\u00e4mpft der Markt ist. Viele Bautr\u00e4ger bauen nichts Neues, sondern investieren in Bestand. Neu gebaut wird im Osten derzeit fast gar nichts. Die Preise von Eigentumswohnungen im Bestand in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> (Netto-Kaufpreise Bestand und Neubau) sind im Osten am st\u00e4rksten angestiegen zwischen 2012 und 2024 \u2013 um 142,2 Prozent. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis 2024 betr\u00e4gt 4814,8 Euro, 2012 lag er noch bei 1988,2 Euro.<\/p>\n<p>  Die folgende Karte zeigt die Entwicklung der mittleren Kaufpreise pro Quadratmeter von gebrauchten Wohnungen im Bestand in Stuttgart in Prozent zwischen 2012 und 2024:   <\/p>\n<p>Anjulie Timur, Professorin f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Immobilien\" title=\"Immobilienwirtschaft\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Immobilienwirtschaft<\/a> an der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg (DHBW) in Stuttgart, sagt: \u201eEin solcher Effekt kann an der Nachverdichtung liegen: In Quartieren mit wenig Neubau bleibt das Angebot knapp, w\u00e4hrend die Nachfrage steigt. Das f\u00fchrt automatisch zu h\u00f6heren Preisen.\u201c <\/p>\n<p>Also wird der Bestand umso begehrter. Das stimmt auch mit den Erfahrungen der Gruppe \u00fcberein: \u201eUnser erstes Projekt nahe dem Ostendplatz haben am Ende nicht wir bekommen, sondern, soweit wir wissen, ein Investor\u201c, sagt Jens Krimmel. \u201eDer Verk\u00e4ufer erschien uns erst wohlgesonnen, dann ging es nicht weiter. Auf Nachfrage sagte er, es gebe einen konkurrierenden Mitbewerber. Wir haben ein Gef\u00fchl des Misstrauens erlebt\u201c, sagt der Architekt und Mitbegr\u00fcnder der Gruppe. <\/p>\n<p> Gemeinschaftliches <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Wohnen\" title=\"Wohnen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wohnen<\/a> in Stuttgart <\/p>\n<p>Dabei hatten sich bereits ausreichend Genossinnen und Genossen gefunden, \u00fcber mehrere Monate hinweg regelm\u00e4\u00dfig getroffen, kennengelernt, das weitere Vorgehen geplant. Der Ingenieur Thomas Teegen, der sich in der Gruppe \u00d6ffentlichkeitsarbeit engagiert, w\u00e4re auch dort eingezogen. Anfang des Jahres kam das Aus. \u201eEs war eine Riesenentt\u00e4uschung\u201c, sagt Thomas Teegen. \u201eEs hatten sich bereits Freundschaften gebildet, man hatte getr\u00e4umt, dar\u00fcber nachgedacht, wie das Leben dort werden w\u00fcrde. Ich habe fr\u00fcher schon im Osten gewohnt und habe jetzt wieder gemerkt, dass ich den Stadtteil immer noch sehr sympathisch finde.\u201c <\/p>\n<p>Aktuell wohnt er in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wohnen-in-stuttgart-cooler-klinker-eines-der-schoensten-mietshaeuser-der-stadt-steht-in-feuerbach.02911c87-3fbb-4275-9d97-3f7a17ce4816.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Feuerbach<\/a>, Motive f\u00fcr gemeinschaftliches Wohnen nennt er mehrere. \u201eIch wollte etwas kaufen und hatte mich schon umgeschaut, aber da ich nicht wei\u00df, wie sich in den n\u00e4chsten Jahren meine private Situation ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, z\u00f6gerte ich. Ist die Wohnung klein, muss ich wieder umziehen, bleibe ich allein, verbrauche ich in einer gro\u00dfen Wohnung viel Wohnraum\u201c, sagt Thomas Teegen. \u201eUnd ich fand die Idee mit der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.wohnen-in-stuttgart-wie-lebt-es-sich-in-der-preisgekroenten-baugruppe-im-stuttgarter-westen.184955e2-1cb1-4679-8002-4dc65bb277d9.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Genossenschaft<\/a> sympathisch, weil viel Wert auf \u00d6kologie und Nachhaltigkeit gelegt wird, die in Deutschland durchschnittlichen 47 Quadratmeter pro Person unterschreiten wir bewusst, wir wollen das durch gemeinschaftlich genutzte R\u00e4ume kompensieren. Man wei\u00df zudem immer, wer die Nachbarn sind, man ist nicht allein, hat aber doch Privatsph\u00e4re.\u201c <\/p>\n<p>Der Architekt Jens Krimmel f\u00fcgt hinzu: \u201eUnd man k\u00f6nnte eventuell auch einmal eine Wohnung tauschen, falls sich die Lebensverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern, die Familie w\u00e4chst oder schrumpft. Und wir haben Clusterwohnungen und ver\u00e4nderbare Wohnungen geplant, bei denen ein Zimmer mal der einen, mal der anderen Wohnung zugeschaltet werden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p> F\u00fcr ein Projekt in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart-Ost\" title=\"Stuttgart Ost\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart Ost<\/a> suchen sie noch Familien <\/p>\n<p>Aufgegeben haben sie nicht, aktuell stehen sie damit kurz vor ihrem ersten Projekt, wieder eines im Osten im St\u00f6ckach nahe dem Park der Villa Berg. Das Vorderhaus ist aus der Gr\u00fcnderzeit, es gibt ein Hinterhaus aus den 1950ern und eine Fl\u00e4che, die man neu bebauen k\u00f6nnte. \u201eWir haben uns mit dem Verk\u00e4ufer \u00fcber den Kaufpreis geeinigt, er unterst\u00fctzt unsere Ziele und r\u00e4umt uns die n\u00f6tige Zeit ein\u201c, sagt Thomas Teegen. <\/p>\n<p>\u201eVoraussetzung f\u00fcr das Gelingen ist allerdings, dass die Stadt unsere Bauvoranfrage f\u00fcr den Neubau positiv entscheidet\u201c, sagt Jens Krimmel. \u201eWir haben noch Platz f\u00fcr zwei bis drei Familien, f\u00fcr eine gute Altersmischung im Projekt suchen wir eher noch junge Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Die Gruppe ist nicht auf den Osten festgelegt, hat aber eben bisher dort nur passende und bezahlbare Geb\u00e4ude gefunden. Diese Erfahrung deckt sich mit dem, was die Professorin f\u00fcr Immobilienwirtschaft an der DHBW sagt: \u201eIn Mitte und Ost spielt vor allem die Zentralit\u00e4t eine Rolle. Der Osten hat in den letzten Jahren einen deutlichen Nachholeffekt erlebt \u2013 er wird zunehmend als Wohnlage wahrgenommen, die urban, aber noch etwas bezahlbarer ist. Der Osten ist eine Art ,Ausweichmarkt\u2019 geworden \u2013 wer im Westen nichts findet, schaut zunehmend dorthin. Gleichzeitig hat sich die Aufenthaltsqualit\u00e4t deutlich verbessert: mehr Gastronomie, mehr Gr\u00fcn, eine andere st\u00e4dtebauliche Atmosph\u00e4re\u201c, sagt Anjulie Timur. <\/p>\n<p> G\u00fcnstiges Wohnen in der Siedlung Ostheim   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.0947cc62-7491-46a5-b053-9ebd08a14827.original1024.media.jpeg\"\/>     Eduard-Pfeiffer-Platz in der Siedlung Ostheim in Stuttgart.    Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko    <\/p>\n<p>Stichwort Atmosph\u00e4re und Lebensqualit\u00e4t: Schon seit Jahren wird von der Gentrifizierung des Ostens gemunkelt. Der Architekt l\u00e4chelt, er wohnt seit \u00fcber zwanzig Jahren im Stuttgarter Osten. \u201eSchon als wir nach Gaisburg gezogen sind, hat man gesagt, der Osten wird gentrifiziert. Ich merke davon wenig.\u201c Das liegt zum Teil an den zahlreichen Mietsh\u00e4usern im \u201eunteren\u201c Osten in Richtung Gaskessel, an der Talstra\u00dfe, in Raitelsberg. <\/p>\n<p>Und es gibt immer noch gesch\u00fctzten Wohnraum in einem der lauschigsten Quartiere der Stadt, das l\u00e4ngst gentrifiziert w\u00e4re, wenn nicht ein Bankier im fr\u00fchen 20. Jahrhundert eine Stiftung gegr\u00fcndet h\u00e4tte. Die Rede ist von der \u201eSiedlung Ostheim\u201c. Eduard Pfeiffer lie\u00df um 1900 nach Entw\u00fcrfen des<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-spaziergang-in-stuttgart-romantische-schwarzwaldhaeuser-mitten-in-der-stadt-entdecken.762fbf59-ae26-49b4-a1a8-cccf52339422.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Architekten Karl Hengerer<\/a> eine Siedlung f\u00fcr sozialen und gemeinn\u00fctzigen Wohnungsbau mit kleinen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.der-stuttgarter-sozialreformer-eduard-pfeiffer-maezen-mit-herz-fuer-die-arbeiterklasse.63a87146-b8cc-4c3b-9b11-454ccca00f32.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gr\u00fcnderzeitmietsh\u00e4usern f\u00fcr die untersten Einkommensschichten errichten<\/a>. Heute verf\u00fcgt die Eduard Pfeiffer-Stiftung (EPS) mit seinem Bau- und Wohnungs-Verein Stuttgart (BWV) immer noch \u00fcber 190 Wohnungen.<\/p>\n<p> Manche Mieter haben eine Wohnung in so einer Arbeiter-Villa gekauft, manche konnten Mehrparteienh\u00e4uschen erwerben und machten aus drei kleinen Wohnungen ein Einfamilienhaus. Doch viele Menschen wohnen immer noch zu bezahlbaren Preisen in den Backsteinbauten. <\/p>\n<p> Gentrifizierung im Osten?  <\/p>\n<p>Die Gemeinsam27-Gruppe w\u00fcrden an die Idee mit dem g\u00fcnstigen Wohnen ankn\u00fcpfen: Jeder Genosse macht eine Eigenkapital-Einlage und bezahlt dann f\u00fcr seine Wohnung Miete. Mit gesch\u00e4tzt rund 15 Euro pro Quadratmeter liegt man nicht gerade im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.fehlbelegungsabgabe-wenn-sozial-ungerecht-wird.e5b82da3-42b8-4928-a43f-85bf591527ef.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialwohnungsbereich<\/a>. <\/p>\n<p>Tr\u00e4gt so eine Genossenschaft am Ende zur <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stadtplanerin-im-gespraech-wie-gentrifiziert-ist-stuttgart.4d058709-2368-429a-89b8-ed883a3eb3b2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gentrifizierung<\/a> bei?\u201eNein. Wir decken mit dem Betrag lediglich die Baukosten\u201c, erkl\u00e4rt Jens Krimmel. Und Thomas Teegen f\u00fcgt an: \u201eWir haben auch vor, ein Programm f\u00fcr finanziell schw\u00e4chere Genossinnen und Genossen aufzulegen, wir wollen divers sein, w\u00fcnschen uns eine gute Durchmischung von jungen Familien bis zu Alleinstehenden und Rentnern, Besserverdienern bis zu Wohngeldempf\u00e4ngern.\u201c <\/p>\n<p>Ihnen allen w\u00fcrden sicher auch die Gesch\u00e4fte gefallen, die sich rund um den Eduard-Pfeiffer-Platz angesiedelt haben und die man eigentlich eher im schon gentrifizierten Westen vermuten w\u00fcrde. Eine Kaffeer\u00f6sterei, eine Eismanufaktur, wenige Meter weiter am Ostendplatz ein sympathischer Kiosk namens \u201eKiost\u201c und ein schickes vietnamesisches Restaurant (j\u00fcngst kam noch ein Sushi-Laden gleich um die Ecke an der Landhausstra\u00dfe dazu). <\/p>\n<p> Feinkost in der Hau\u00dfmannstra\u00dfe  <\/p>\n<p>Passenderweise an der Hau\u00dfmannstra\u00dfe, die den Osten durchschneidet von den Mietsh\u00e4usern unten an der Haltestelle \u201eSchlachthof\u201c nahe dem Gaskessel bis hinauf zu den Halbh\u00f6hen-Villen mit Ausblick, hat sich 2023 in einem sorgsam sanierten Laden in einem Gr\u00fcnderzeiteckhaus eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.feinkostladen-feiert-eroeffnung-monsieur-renard-eroeffnet-in-stuttgart-ost.7d89ec9b-b042-4a9f-98eb-2919da323dc3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00e4semanufaktur mit Eventraum<\/a> angesiedelt. Gleich um die Ecke gegen\u00fcber dem Jugendstil-Bau \u201eJosefsheim\u201c leuchtet es hell und einladend an diesem regnerischen Donnerstagnachmittag im \u201eMonsieur Renard\u201c. <\/p>\n<p>Eigentlich ist schon geschlossen. Alexander und Alejandro Bonilla-Cardona sind gerade dabei Gl\u00e4ser zu putzen, Teller zu arrangieren, denn am Abend findet eine Wein- und K\u00e4severkostung statt, doch sie finden auch rasch Zeit f\u00fcr eine Kundin, die nach franz\u00f6sischem Rohmilchk\u00e4se verlangt. \u201eWir wohnen selbst auch in der Hau\u00dfmannstra\u00dfe \u2013 im unteren Teil und f\u00fchlen uns wohl\u201c, sagt Alejandro Bonilla-Cardona. \u201eDas Publikum ist sehr gemischt. Wir wollen nicht, dass der Osten gentrifiziert wird.\u201c <\/p>\n<p>Noch bestimmen jene, die in den vergangenen Jahren Wohnungen f\u00fcr eine halbe oder eine ganze Million Euro gekauft haben, nicht das Stra\u00dfenbild. Auch nicht auf der Haupteinkaufsstra\u00dfe, der Ostendstra\u00dfe, die sich von der Villa Berg bis zur Talstra\u00dfe erstreckt.<\/p>\n<p>Man sieht Leute, die an einem Kiosk die \u201eBild\u201c oder einen Underberg kaufen und jene, die im \u201eKiost\u201c nebenan das Architekturmagazin \u201eDetail\u201c erstehen und auf dem h\u00f6lzernen Fenstersims vor dem L\u00e4dchens sitzend, mit ihrem Coffee to go in der Hand \u00fcber ihre Pl\u00e4ne zum Wohnungskauf oder den anstehenden Jobwechsel plaudern. Leute, wie sie auch Essers \u201eOstend-Roman\u201c bev\u00f6lkern. Das Buch ist nur noch antiquarisch zu erhalten, es wird sich zeigen, ob auch sein Inhalt irgendwann nur noch historisch relevant sein wird.<\/p>\n<p> Info <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Daten<\/strong><br \/>Die Daten wurden von der Investmentberatung Jones Lang Lasalle (JLL) zur Verf\u00fcgung gestellt und bilden den jeweiligen mittleren Kaufpreis in gebrauchten Wohnungen in den Stuttgarter Stadtbezirken ab. Der Median wird weniger von niedrigen oder hohen Mieten verzerrt. Betrachtet wurde der Zeitraum von 2012 bis 2024.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Kaufpreis-Daten<\/strong><br \/>Bei den Daten handelt es sich um Value Marktdaten, also Angebotspreise pro Quadratmeter, die Inserate auf g\u00e4ngigen Immobilienportalen umfassen und h\u00e4ufig als Grundlage f\u00fcr Marktanalysen und Bewertungen in der Immobilienbranche dienen. Auch wenn es sich um Angebotspreise handelt, gelten diese als realistisch, da Makler in der Regel zwar noch verhandlungsbereit sind, K\u00e4uferinnen und K\u00e4ufer jedoch zus\u00e4tzlich Kosten wie Maklerprovision, Grunderwerbsteuer oder Notargeb\u00fchren tragen m\u00fcssen, die den tats\u00e4chlichen Kaufpreis insgesamt wieder an das Angebotsniveau heranf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Stuttgart-Ost<\/strong><br \/>Die Landeshauptstadt Stuttgart hat 23 Stadtbezirke. Stuttgart-Ost besteht aus den \u00e4lteren Stadtgebieten Berg, Gablenberg, Gaisburg und Ostheim sowie den neueren Stadtteilen Frauenkopf, St\u00f6ckach, Uhlandsh\u00f6he und G\u00e4nsheide. In dem Bezirk wohnen rund 48100 Einwohnerinnen und Einwohner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Szene wie gemacht, um den immer noch ziemlich rauen Charme des Stuttgarter Ostens zu verstehen, ereignet sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":623303,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[2250,1634,3364,29,1553,30,8781,5331,3768,1441,15389,1463,626],"class_list":{"0":"post-623749","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-architektur","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-genossenschaft","13":"tag-germany","14":"tag-grafik","15":"tag-immobilien","16":"tag-kaufen","17":"tag-stuttgart","18":"tag-stuttgart-ost","19":"tag-wohnen","20":"tag-wohnung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/623749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=623749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/623749\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/623303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=623749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=623749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=623749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}