{"id":624004,"date":"2025-12-05T01:26:14","date_gmt":"2025-12-05T01:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624004\/"},"modified":"2025-12-05T01:26:14","modified_gmt":"2025-12-05T01:26:14","slug":"wie-deutschland-fuer-die-abwanderung-seiner-industriearbeitsplaetze-bezahlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624004\/","title":{"rendered":"Wie Deutschland f\u00fcr die Abwanderung seiner Industriearbeitspl\u00e4tze bezahlt"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein Schock f\u00fcr die Angestellten des <a href=\"https:\/\/www.man.eu\/de\/de\/homepage.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchner Lkw-Herstellers MAN<\/a>: Rund 2300 Stellen sollen in den kommenden Jahren bundesweit abgebaut werden, der Gro\u00dfteil davon in Bayern. Der Konzern will wesentliche Teile der Lkw-Produktion nach Polen verlagern. MAN begr\u00fcndet den Jobabbau mit Standortnachteilen wie hohen Strom- und Lohnkosten.<\/p>\n<p>Doch der IG-Metall zufolge sollen EU-Subventionen den Ausschlag f\u00fcr die Entscheidung gegeben haben. Wie hoch die Zusch\u00fcsse aus Br\u00fcssel f\u00fcr den Standort Krakau sind, kann die Gewerkschaft nicht beziffern. Sie erkl\u00e4rt aber: MAN bekomme auch in Deutschland F\u00f6rdergelder, doch die Gelder f\u00fcr Polen seien h\u00f6her.<\/p>\n<p>Der Truckhersteller \u00e4u\u00dfert sich nicht zur H\u00f6he der F\u00f6rdersumme. F\u00fcr Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, ist aber klar: \u201eMAN greift in Deutschland F\u00f6rdergelder f\u00fcr Forschung und Entwicklung ab und kassiert dann EU-Subventionen f\u00fcr Verlagerungen nach Polen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00f6rdergelder f\u00fcr Standortverlagerungen nach Osteuropa<\/p>\n<p>Ein \u00e4rgerlicher Einzelfall? Zumindest die IG Metall glaubt das nicht. \u201eBei quasi jeder Verlagerung nach Osteuropa erhalten die Unternehmen EU-F\u00f6rdermittel\u201c, sagt ein Sprecher der Gewerkschaft. Nat\u00fcrlich ist so etwas mit entscheidend f\u00fcr Standortverlagerungen.<\/p>\n<p>Auch das bayerische Wirtschaftsministerium kritisiert, dass es in der EU ein zu gro\u00dfes F\u00f6rdergef\u00e4lle zugunsten Polens und anderer osteurop\u00e4ischer Staaten gebe. \u201eDas beg\u00fcnstigt Standortverlagerungen wie bei MAN\u201c, sagt eine Sprecherin. Und der Trend gewinnt offenbar an Fahrt. Industriebetriebe d\u00e4chten zunehmend \u00fcber Standortverlagerungen in Regionen mit besseren F\u00f6rderbedingungen nach, so die Sprecherin.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren verlagerten unz\u00e4hlige Konzerne und Mittelst\u00e4ndler zumindest Teile ihrer Produktion nach Ungarn, Polen und andere osteurop\u00e4ische Staaten. So prosperiert etwa die polnische Region Lodz nicht zuletzt dank EU-Geld: Miele etwa will ab 2027 Waschmaschinen ausschlie\u00dflich dort herstellen.<\/p>\n<p>Menschen finanzieren die Verlagerung ihrer Jobs<\/p>\n<p>Letztlich finanzieren Arbeiterinnen und Arbeiter hierzulande \u00fcber den Umweg Br\u00fcssel die Verlagerung ihrer Jobs ins osteurop\u00e4ische Ausland. Denn Deutschland ist konstant der gr\u00f6\u00dfte Nettozahler. In den vergangenen drei Jahren hat Berlin insgesamt 50 Milliarden Euro mehr in den EU-Haushalt eingezahlt als es erhielt. Unterm Strich zahlte Deutschland im vergangenen Jahr fast drei Mal so viel wie Frankreich.<\/p>\n<p>Polen wiederum hat seit seinem EU-Beitritt 2004 bis M\u00e4rz 2024 rund 155 Milliarden Euro mehr aus dem EU-Haushalt erhalten, als es eingezahlt hat.<\/p>\n<p>Es geht nicht fair zu<\/p>\n<p>Dass sich das wirtschaftliche Niveau angleicht, sei von der EU gew\u00fcnscht, erl\u00e4utert Nils Witte vom Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung. Doch immer \u00f6fter wird beklagt, dass es bei der F\u00f6rderung Br\u00fcssels f\u00fcr tats\u00e4chlich oder angeblich strukturschwache Regionen nicht immer fair zugehe. Das liege auch am europ\u00e4ischen Beihilferecht, sagt eine Sprecherin des FW-gef\u00fchrten bayerischen Wirtschaftsministeriums. Oskar Lipp, Wirtschaftsexperte der AfD-Landtagsfraktion, nennt es nicht hinnehmbar, dass Unternehmen in Polen mehr EU-Gelder als in Deutschland erhalten: \u201eWir finanzieren damit unsere eigene Deindustrialisierung.\u201c<\/p>\n<p>Doch es geht l\u00e4ngst nicht nur um Subventionen. Polen investiert kr\u00e4ftig in Bildung, Verteidigung und den Sozialstaat. Auch dank der \u00dcberweisungen aus Br\u00fcssel kann das Land dabei mit niedrigen Steuern bei Investoren punkten. Dass die EU nicht nur als Absatzmarkt Vorteile hat, bestreiten wenige. Auch deshalb waren deutsche Kanzler bei EU-Gipfeln bis auf Ex-Kanzler Gerhard Schr\u00f6der stets mit dem Scheckbuch unterwegs.<\/p>\n<p>Gerade laufen die Verhandlungen f\u00fcr den EU-Haushalt 2028 bis 2034. Geht es nach dem Willen Br\u00fcssels, soll Deutschland bald noch mehr zahlen.<br \/>(Tobias Lill)<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war ein Schock f\u00fcr die Angestellten des M\u00fcnchner Lkw-Herstellers MAN: Rund 2300 Stellen sollen in den kommenden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":624005,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1982,772,1984,1983,548,663,158,3934,3935,1096,13,259,1987,80,1985,963,1988,62,14,15,16,12,1986],"class_list":{"0":"post-624004","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bayerische-staatszeitung-de","11":"tag-bayern","12":"tag-bsz","13":"tag-bsz-de","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europaeische-union","17":"tag-europe","18":"tag-european-union","19":"tag-freistaat","20":"tag-headlines","21":"tag-informationen","22":"tag-kommunales","23":"tag-kultur","24":"tag-landtag","25":"tag-lokales","26":"tag-maximilianeum","27":"tag-medien","28":"tag-nachrichten","29":"tag-news","30":"tag-politik","31":"tag-schlagzeilen","32":"tag-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115664361033934664","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/624004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=624004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/624004\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/624005"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=624004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=624004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=624004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}