{"id":624427,"date":"2025-12-05T05:44:34","date_gmt":"2025-12-05T05:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624427\/"},"modified":"2025-12-05T05:44:34","modified_gmt":"2025-12-05T05:44:34","slug":"ukraine-wer-soll-das-land-nach-dem-krieg-wieder-aufbauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624427\/","title":{"rendered":"Ukraine: Wer soll das Land nach dem Krieg wieder aufbauen?"},"content":{"rendered":"<p>\n        05. Dezember 2025<\/p>\n<p>              Matthias Lindner<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/shutterstock_2541069319-3b75296a70d26dac.jpeg\"  width=\"6477\" height=\"3639\"  alt=\"Bauboom in der Westukraine. Ein Baukran silhouettierte gegen den warmen Schein eines fr\u00fchen Morgenhimmels.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Drop of Light \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/construction-boom-western-ukraine-crane-silhouetted-2541069319\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">4,5 Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen bis 2040. Millionen sind geflohen, die Geburtenrate kollabiert. Wie soll der Wiederaufbau gelingen?<\/p>\n<p>In der westukrainischen Kleinstadt Hoshcha steht eine Entbindungsstation leer. Nur 139 Babys kamen hier im laufenden Jahr zur Welt, vor gut einem Jahrzehnt waren es \u00fcber 400. &#8222;Viele junge M\u00e4nner sind gestorben&#8220;, sagt der Gyn\u00e4kologe Yevhen Hekkel gegen\u00fcber Reuters. M\u00e4nner, die eigentlich &#8222;den Genpool der Ukraine auff\u00fcllen sollten.&#8220;<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Was in Hoshcha sichtbar wird, ist Teil einer demografischen Katastrophe, die das ganze Land erfasst hat. Telepolis hatte schon mehrfach \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Kommt-der-demografische-Winter-9853767.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die d\u00fcsteren Prognosen<\/a> berichtet, die jetzt durch den Reuters-Bericht best\u00e4tigt werden: Die Ukraine blutet aus \u2013 demografisch, wirtschaftlich, sozial.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Ukraine-Krieg-Wie-totale-Schlachtfeld-Transparenz-die-Militaerdoktrin-veraendert-11088268.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">an der Front<\/a> gek\u00e4mpft wird, stellt sich eine Frage immer dringender: Wer ist nach Kriegsende noch \u00fcbrig, um <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Ukraine-nach-dem-Krieg-Die-Rechnung-kommt-erst-noch-10329351.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Ukraine wieder aufzubauen<\/a>?<\/p>\n<p><strong>Ein Land verliert seine Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Die Zahlen best\u00e4tigen die Prognosen der letzten Jahre. Lebten vor dem russischen Einmarsch noch etwa 42 Millionen Menschen in der Ukraine, sind es heute weniger als 36 Millionen. Das Demografie-Institut der Nationalen Akademie der Wissenschaften rechnet laut Bericht damit, dass bis 2051 nur noch 25 Millionen \u00fcbrig bleiben werden.<\/p>\n<p>Der Grund: Auf jede Geburt kommen mittlerweile drei Todesf\u00e4lle \u2013 der schlechteste Wert weltweit laut CIA World Factbook. Die <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Geburtenraten-sinken-weltweit-drastisch-9688165.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geburtenrate <\/a>liegt bei etwa einem Kind pro Frau, die niedrigste in ganz Europa.<\/p>\n<p>Besonders dramatisch: <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Werden-wir-ueberhaupt-noch-aelter-Die-ueberraschende-Wahrheit-zur-Lebenserwartung-10625798.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Lebenserwartung<\/a> ist eingebrochen. M\u00e4nner sterben im Schnitt mit 57,3 Jahren \u2013 acht Jahre fr\u00fcher als vor dem Krieg. Bei Frauen sank sie von 74,4 auf 70,9 Jahre.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Vereinten Nationen gehen <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/ukraine-stares-down-barrel-population-collapse-2025-12-04\/\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">in ihren Langfristprognosen<\/a> davon aus, dass im Jahr 2100 nur noch zwischen neun und 23 Millionen Menschen in der Ukraine leben werden.<\/p>\n<p><strong>4,5 Millionen Arbeitskr\u00e4fte werden fehlen<\/strong><\/p>\n<p>Die Regierung in Kiew hat das Problem erkannt und eine demografische Strategie bis 2040 vorgelegt. Ihre zentrale Warnung: In den kommenden zehn Jahren werden 4,5 Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen. Besonders kritisch wird es im Bauwesen, in der Technologiebranche und bei Verwaltungsdienstleistungen \u2013 ausgerechnet jenen Sektoren, die f\u00fcr den Wiederaufbau zentral sind.<\/p>\n<p>Der Plan, mit dem die Situation wieder gedreht werden soll, setzt auf drei Hebel:<\/p>\n<ul class=\"rte__list rte__list--unordered\">\n<li><strong>Abwanderung stoppen:<\/strong> Verbesserung von Wohnverh\u00e4ltnissen, Infrastruktur und Bildung soll Menschen im Land halten.<\/li>\n<li><strong>R\u00fcckkehr f\u00f6rdern:<\/strong> Ukrainer im Ausland sollen durch bessere Perspektiven zur R\u00fcckkehr bewegt werden.<\/li>\n<li><strong>Einwanderung:<\/strong> Wenn Stellen unbesetzt bleiben, sollen gezielt Arbeitskr\u00e4fte aus anderen L\u00e4ndern angeworben werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im besten Fall, so die Hoffnung, k\u00f6nnte die Bev\u00f6lkerung bis 2040 wieder auf 34 Millionen wachsen. Ohne Gegensteuern droht ein Absturz auf 29 Millionen.<\/p>\n<p>Doch Experten zeigten sich bereits in den vergangenen Jahren skeptisch. So warnte etwa eine im Jahr 2022 ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/population-europe.eu\/research\/books-and-reports\/war-and-future-ukraines-population\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Bev\u00f6lkerungsstudie<\/a>, dass die Zahl der Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter bis 2040 um ein Drittel schrumpfen k\u00f6nnte. Die <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Der-Mythos-einer-starken-Nachkriegs-Ukraine-9286735.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Zahl der Kinder w\u00fcrde sich halbieren<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Die meisten Gefl\u00fcchteten kommen nicht zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Etwa 5,2 Millionen Ukrainer leben derzeit im Ausland. Das ukrainische Centre for Economic Strategy sch\u00e4tzt laut Reuters, dass zwischen 1,7 und 2,7 Millionen dauerhaft wegbleiben werden. Nach Kriegsende k\u00f6nnten weitere Hunderttausende M\u00e4nner folgen, denen bislang die Ausreise verboten ist.<\/p>\n<p>Besonders problematisch: Unter den Gefl\u00fcchteten sind \u00fcberproportional viele junge Frauen. Das versch\u00e4rft die Geburtenkrise zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>In Deutschland zeigt sich das Dilemma deutlich. Laut einer Erhebung des Instituts f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) planen zwischen 59 und 69 Prozent der ukrainischen Gefl\u00fcchteten, <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Zwei-Drittel-der-Ukraine-Fluechtlinge-bleiben-in-Deutschland-10303871.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">langfristig in der Bundesrepublik zu bleiben<\/a>. Viele haben Jobs gefunden, machen Ausbildungen, ihre Kinder gehen hier zur Schule.<\/p>\n<p>Seit 2014 hat die Ukraine insgesamt <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Experte-Ukraine-verliert-25-Prozent-ihrer-Bevoelkerung-9999734.html\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">rund zehn Millionen Menschen verloren<\/a> \u2013 ein Viertel ihrer Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>Wenn die Infrastruktur zusammenbricht<\/strong><\/p>\n<p>Im Dorf Sadove, keine zehn Kilometer von Hoshcha entfernt, wurde, so berichtet Reuters, k\u00fcrzlich die Schule geschlossen. Nur noch neun Kinder waren \u00fcbrig. Die Entbindungsstation in Hoshcha verlor bereits 2023 ihre staatliche F\u00f6rderung, weil sie das Mindestziel von 170 Geburten pro Jahr verfehlte \u2013 um ein einziges Baby.<\/p>\n<p>Die D\u00f6rfer leeren sich. Wer kann, zieht in die Kleinst\u00e4dte, weil auf dem Land Kliniken, Schulen und L\u00e4den schlie\u00dfen. Aber auch das ist keine L\u00f6sung, sondern nur eine Verschiebung des Problems.<\/p>\n<p><strong>Warum junge Menschen z\u00f6gern<\/strong><\/p>\n<p>Viele junge Leute in der Ukraine z\u00f6gern laut Bericht, eine Familie zu gr\u00fcnden, obwohl sie es durchaus gern wollen. Aber nicht jetzt. Nicht unter diesen Bedingungen. &#8222;Es gibt keine Stabilit\u00e4t, nichts, worauf man aufbauen kann&#8220;, wird eine 21-j\u00e4hrige Ukrainerin zitiert.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde liegen auf der Hand:<\/p>\n<ul class=\"rte__list rte__list--unordered\">\n<li><strong>Fehlende Perspektive:<\/strong> Der Krieg macht jede Planung unm\u00f6glich \u2013 niemand wei\u00df, wie lange er dauert<\/li>\n<li><strong>\u00d6konomischer Druck:<\/strong> Mieten und Lebenshaltungskosten steigen rasant<\/li>\n<li><strong>Unsicherheit:<\/strong> Viele Partner sind an der Front, vermisst oder tot<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Leiterin der Entbindungsstation von Hoshcha berichtet gegen\u00fcber Reuters, dass ein Drittel der werdenden M\u00fctter Ehem\u00e4nner beim Milit\u00e4r hat. Manche werden nie zur\u00fcckkehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"05. Dezember 2025 Matthias Lindner (Bild:\u00a0Drop of Light \/ Shutterstock.com) 4,5 Millionen Arbeitskr\u00e4fte fehlen bis 2040. 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