{"id":624586,"date":"2025-12-05T07:18:14","date_gmt":"2025-12-05T07:18:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624586\/"},"modified":"2025-12-05T07:18:14","modified_gmt":"2025-12-05T07:18:14","slug":"rentnerrepublik-deutschland-politik-ignoriert-unser-wahres-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/624586\/","title":{"rendered":"Rentnerrepublik Deutschland: Politik ignoriert unser wahres Problem"},"content":{"rendered":"<p>Der Renten-Streit ist nur das Symptom eines viel gr\u00f6\u00dferen Problems: Die Bev\u00f6lkerung in Deutschland wird immer \u00e4lter. Das hat enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Staatshaushalt.<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr Analysen von Gabor Steingart? Jetzt kostenfrei das Pioneer Briefing abonnieren und werkt\u00e4glich im Postfach lesen. <a href=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/thepioneer-briefing-economy-edition\/folgen?utm_source=focus_online\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" title=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/thepioneer-briefing-economy-edition\/folgen?utm_source=focus_online\">Hier anmelden<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>In wenigen Stunden <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/reichinnek-hat-heute-merz-in-der-hand-die-optionen-im-renten-showdown_fb92fbdc-09f3-40a2-8b72-b26ea79e6058.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">wird der Bundestag \u00fcber ein Rentenpaket abstimmen<\/a>, das zu Unrecht den Namen &#8222;Reform&#8220; tr\u00e4gt. Die Rente wird dadurch nicht sicherer, nur teurer. Durch das Gesetzespaket wird der Bund zwischen 2031 und 2040 insgesamt rund 120 Milliarden Euro mehr in die Rentenkasse \u00fcberweisen m\u00fcssen als bislang im Koalitionsvertrag vorgesehen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfen Worten haben sich die Parteipolitiker der verschiedenen politischen Lager als letzte Bastion der Generationengerechtigkeit inszeniert. Die SPD k\u00e4mpfe f\u00fcr die heutigen, die Junge Gruppe der Unionsfraktion f\u00fcr die k\u00fcnftigen Rentner.<\/p>\n<p>Die Politik ignoriert, dass das Problem gr\u00f6\u00dfer ist als die Rente<\/p>\n<p>Politik f\u00fcr die Galerie: Das Milliardenpaket, das Kanzler <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz\/\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Friedrich Merz<\/a> heute mit seiner Zittermehrheit durchbringen will, hat das grundlegende Problem der Rente nicht gel\u00f6st, nur kaschiert: zu wenige Beitragszahler, zu viele Rentner und <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/mit-duesterem-wort-zeigt-ju-chef-warum-rentenstreit-unsere-zukunft-gefaehrdet_68814a53-cac0-4ceb-9c6d-5469f5c0d842.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">die zunehmende Man\u00f6vrierunf\u00e4higkeit des Bundesetats<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Die Verlierer sind die Babys von heute. Sie haben aus Sicht der Politiker einen Vorteil: Sie k\u00f6nnen sich nicht wehren. Wenn sie sp\u00e4ter begreifen, was heute passiert ist, werden Friedrich Merz\u00a0und B\u00e4rbel Bas im Nebel der Geschichte verschwunden sein.<\/p>\n<p>Was die Regierung heute erneut ignorieren wird: Das Problem ist deutlich gr\u00f6\u00dfer als die Rente. Der demografische Wandel \u2013 also die Halbierung der Geburtenrate seit den 60er Jahren \u2013 macht dem Land in vielerlei Hinsicht einen Strich durch die Rechnung.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>#1 Das Erwerbspersonenpotenzial schrumpft<\/p>\n<p>Schon heute reicht der produktive Kern der deutschen Volkswirtschaft nicht aus, um die laufenden Ausgaben der Sozialsysteme zu finanzieren.\u00a0<\/p>\n<p>Denn:\u00a0Bis zum Jahr 2060 wird das Erwerbspersonenpotenzial (Gesamtzahl aller Menschen, die dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verf\u00fcgung stehen) \u2013 so eine Projektion der Bertelsmann Stiftung\u00a0\u2013\u00a0ohne Zuwanderung auf knapp 35 Millionen schrumpfen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>#2 Die Kernschmelze setzt sich fort<\/p>\n<p>Das schrumpfende Arbeitsangebot von Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter wird das sowieso schon geringe Potenzialwachstum in Deutschland (unter 0,5 Prozent in diesem Jahr) weiter reduzieren. Arbeit und Kapital sind die beiden Zutaten, die den produktiven Kern eines Landes befeuern. Schrumpft der Faktor Arbeit, schrumpft der Kern hinterher.<\/p>\n<p>Die Folge, so schreibt es die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm in einem Beitrag f\u00fcr den Wirtschaftsdienst:\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Angesichts der absehbaren Verknappung von Arbeitskr\u00e4ften werden Unternehmen versuchen, die zuk\u00fcnftig fehlenden Arbeitskr\u00e4fte durch verst\u00e4rkten Einsatz von Kapital zu substituieren \u2026 Die Substitution von Arbeit durch Kapital erfordert eine strategische Umstellung auf relativ kapitalintensive Produktionsmethoden durch eine Erweiterung des produktiven Kapitalstocks. So d\u00fcrfte die Automatisierung mittels Industrierobotern in bestimmten Branchen und T\u00e4tigkeitsfeldern dazu beitragen, den Mangel an Fachkr\u00e4ften auszugleichen.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das einzige Problem: Woher kommt das Kapital? Und: Die neue Automatisierungstechnik zahlt keine Sozialbeitr\u00e4ge. Das Sozialsystem trocknet weiter aus.<\/p>\n<p>#3 Staatshaushalt ger\u00e4t aus der Balance<\/p>\n<p>Wenige Erwerbst\u00e4tige bedeuten weniger Steuereinnahmen, w\u00e4hrend die Ausgaben f\u00fcr Rente, Gesundheit und Pflege stark steigen. Der Staat rutscht dadurch strukturell in h\u00f6here Defizite und hat weniger Spielraum f\u00fcr Investitionen. Das Budget versteinert, wie das Dezernat Zukunft voraussagt.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>#4 Krankenkasse: Der Restrukturierungsfall\u00a0<\/p>\n<p>Was f\u00fcr die Rente gilt, gilt in besonderem Ma\u00dfe auch f\u00fcr die Krankenkassen \u2013 die erste S\u00e4ule des deutschen Gesundheitssystems.<\/p>\n<p>Die alternde und damit kr\u00e4nker werdende Bev\u00f6lkerung, die sinkende Zahl aktiver Arbeitnehmer und Einzahler, sowie steigende Kosten f\u00fcr medizinische Fortschrittstechnologien machen die gesetzlichen Krankenkassen zum Restrukturierungsfall.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Deloitte k\u00f6nnte sich der finanzielle Fehlbetrag der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2030 \u2013 also in knapp vier Jahren \u2013 bereits auf 87 Milliarden Euro\u00a0belaufen. Wohlgemerkt: Auch wenn alle im Koalitionsvertrag geplanten Ma\u00dfnahmen zu weiteren Einsparungen umgesetzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>#5 Die Pflegel\u00fccke<\/p>\n<p>Die Zahl der Menschen, die in Deutschland von Pflege\u00adbed\u00fcrftig\u00adkeit betroffen sind, steigt. Im Dezember 1999 gab es zwei Millionen Pflege\u00adbed\u00fcrftige, im Dezember 2009 war ihre Zahl auf 2,3 Millionen gestiegen und Ende 2023 waren es bereits 5,7 Millionen pflege\u00adbed\u00fcrftige Menschen \u2013 so die Daten des Statistischen Bundesamtes.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das Problem: Das Pflegesystem in Deutschland ist vom Fachkr\u00e4ftemangel stark betroffen \u2013 im Jahr 2024 fehlen rund 130.000 Pflegekr\u00e4fte. Die steigende Belastung wird nach den aktuellen Prognosen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2049 zu einem Mangel von 690.000 Fachkr\u00e4ften f\u00fchren. Fehlende Menschen kann auch ein steigender Bundeszuschuss nicht ersetzen.\u00a0<\/p>\n<p>#6 Silver Tsunami auf dem Immobilienmarkt<\/p>\n<p>Auch beim Eigenheim als Wertanlage schl\u00e4gt der demografische Wandel durch. Christof Sch\u00fcrmann, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute, schreibt in einer aktuellen Studie:\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Wer weit in die Zukunft schaut, muss sich bei alternden, wahrscheinlich kaufkraftschw\u00e4cheren Gesellschaften fragen, wer denn die K\u00e4ufer von \u00fcbermorgen sind.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Wer heute eine Immobilie kauft, l\u00e4uft mehr denn je Gefahr, einen \u00fcberteuerten Preis f\u00fcr ein Objekt zu zahlen, das er sp\u00e4ter schwerlich verkauft bekommt. Zumindest im l\u00e4ndlichen Raum, f\u00fcr dessen Immobilien sich kein Investor aus London, New York oder Shanghai interessiert, d\u00fcrften die Renditen tendenziell sinken.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen wird in den USA als &#8222;Silver Tsunami&#8220; diskutiert. Die Theorie:\u00a0Eine zunehmende Zahl \u00e4lterer Menschen \u2013 mit grauem (&#8222;silver&#8220;) Haar \u2013 verkauft, verschenkt oder vererbt ihre Immobilien an eine immer geringere Zahl junger Menschen. Das Angebot nimmt strukturell zu. Die Nachfrage, und damit der Preis, sinkt.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Das deutsche System der Sozialstaatsfinanzierung \u2013 das auf Menschen und nicht auf Kapitalertr\u00e4gen beruht \u2013 ist nicht rettbar. Dennoch wird der Systemwechsel heute im Bundestag nicht nur nicht beschlossen. Er wird auch nicht besprochen. Und wahrscheinlich wird er nicht mal gedacht.<\/p>\n<p><a data-hk=\"00942120a202a38030200\" href=\"https:\/\/www.thepioneer.de\/originals\/thepioneer-briefing-economy-edition\/folgen?utm_source=focus\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" data-hk=\"00942120a202a3803020110\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/43b45303-c040-4ac6-901a-b949cbb823cc.91a0cf54-d97a-42e6-bf66-d47cd55b6f2f.jpg\"  alt=\"Steingart Widget\" width=\"1890\" height=\"360\"\/><\/a> Steingart Widget  FOL <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Renten-Streit ist nur das Symptom eines viel gr\u00f6\u00dferen Problems: Die Bev\u00f6lkerung in Deutschland wird immer \u00e4lter. 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