{"id":625095,"date":"2025-12-05T12:11:15","date_gmt":"2025-12-05T12:11:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625095\/"},"modified":"2025-12-05T12:11:15","modified_gmt":"2025-12-05T12:11:15","slug":"pergamonmuseum-besuch-auf-der-milliardenbaustelle-wie-berlin-sein-beruehmtestes-museum-erneuert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625095\/","title":{"rendered":"Pergamonmuseum: Besuch auf der Milliardenbaustelle \u2013 wie Berlin sein ber\u00fchmtestes Museum erneuert"},"content":{"rendered":"<p>Nach jahrelangen Verz\u00f6gerungen n\u00e4hert sich die Sanierung des Berliner Pergamonmuseums ihrem ersten Meilenstein. Ab 2027 sollen Teile des Besuchermagnets wieder \u00f6ffnen. Besonders eine Sammlung wird dadurch gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Die Grundinstandsetzung des Berliner Pergamonmuseums geht voran. Das Haus wird voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2027 wiederer\u00f6ffnen \u2013 wenn auch nur zur H\u00e4lfte. Nach den Verz\u00f6gerungen und Kostensteigerungen hatten viele schon innerlich Abschied genommen. <\/p>\n<p>Eine Wiederer\u00f6ffnung erst in den 2030er-Jahren hat sich in den K\u00f6pfen festgesetzt. Tats\u00e4chlich soll das Haus, welches die Antikensammlung, das Vorderasiatische Museum und das Museum f\u00fcr Islamische Kunst beherbergt, erst 2037 vollst\u00e4ndig der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stehen. Dieses Datum gilt f\u00fcr die Gesamtheit des Geb\u00e4udes, das in zwei Bauteile untergliedert ist. Der schon fast fertig sanierte Bauteil A, bestehend aus Nord- und Mittelfl\u00fcgel, wurde am 4. Dezember 2025 bei einem Rundgang der Presse vorgestellt. <\/p>\n<p>Vor dem Pergamonaltar ist ein Ger\u00fcst aufgebaut, Skulpturen sind in Schaumstoffpolster gepackt, w\u00e4hrend nebenan letzte Fehlstellen in der reich verzierten Fassade eines niemals fertiggestellten W\u00fcstenschlosses aus Jordanien geschlossen werden. Unter der hohen Decke des f\u00fcr die Mschatta-Fassade neu gestalteten Saales meint man, im W\u00fcstenlicht zu stehen. Sie stammt aus dem heutigen Jordanien und gilt als eines der gr\u00f6\u00dften musealen Objekte islamischer Kunst weltweit. Ab 2027 wird sie wieder geb\u00fchrend gezeigt. <\/p>\n<p>Wolfram Weimer lobt \u201eweltumspannende Bedeutung\u201c des Pergamonmuseums<\/p>\n<p>Die zur Baustellenbegehung erschienene Pr\u00e4sidentin der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz Marion Ackermann, die Museumsdirektoren und die Politiker sind sichtlich froh, auch mal wieder gute Nachrichten verbreiten zu k\u00f6nnen. \u201eEine Schatztruhe der Menschheit geht wieder auf\u201c, sagte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus6926ed3ebf07554e4577b7c9\/kulturstaatsminister-in-der-krise-ich-finde-toll-dass-sie-nicht-gemerkt-haben-dass-der-wahre-weimer-gar-nicht-hier-sitzt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus6926ed3ebf07554e4577b7c9\/kulturstaatsminister-in-der-krise-ich-finde-toll-dass-sie-nicht-gemerkt-haben-dass-der-wahre-weimer-gar-nicht-hier-sitzt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturstaatsminister Wolfram Weimer<\/a> vor der Kulisse des Pergamonaltars, dessen \u201eweltumspannende Bedeutung\u201c er in seiner Rede hervorhob. Die Sanierung wird vollst\u00e4ndig aus Bundesmitteln finanziert, also \u00fcber den Haushalt von Weimers Beh\u00f6rde. Das ist am Ende viel mehr, als man Anfang des Jahrtausends dachte, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der binnen zehn Jahren die Berliner Museumsinsel instand setzen lassen wollte. <\/p>\n<p>Die 2016 veranschlagten Kosten von rund 490 Millionen Euro f\u00fcr den Bauabschnitt A seien aber im Plan, so die verantwortliche Pr\u00e4sidentin des Bundesamtes f\u00fcr Bauwesen und Raumordnung, Petra Wesseler. Insgesamt wird die Instandsetzung des Museums im Herzen Berlins wohl 1,5 Milliarden Euro kosten, inklusive 300 Millionen Euro Puffer f\u00fcr Risiken und Baupreissteigerungen. <\/p>\n<p>Das Pergamonmuseum ist der f\u00fcnfte und letzte historische Bau auf der Museumsinsel (im Jahr 2018 wurde der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article185449380\/Berliner-Museumsinsel-Chipperfield-uebergibt-James-Simon-Galerie.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article185449380\/Berliner-Museumsinsel-Chipperfield-uebergibt-James-Simon-Galerie.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neubau der James-Simon-Galerie<\/a> er\u00f6ffnet). Bis auf das Alte Museum, dessen Grundinstandsetzung noch aussteht, sind die anderen H\u00e4user bereits saniert worden. Der Baubeginn des Pergamonmuseums im Jahr 1910 fiel noch ins Kaiserreich. Auch damals schon gab es massive Verz\u00f6gerungen, nicht zuletzt durch den Ersten Weltkrieg. Zwanzig Jahre nach Baubeginn wurde das Haus 1930 nach Abriss eines kleineren Vorg\u00e4ngerbaus er\u00f6ffnet, als dreifl\u00fcgeliger neoklassizistischer Koloss. <\/p>\n<p>Die riesigen S\u00e4le waren notwendig geworden, um die in Babylon, Assur und \u00c4gypten ausgegrabenen antiken Gro\u00dfarchitekturen bei Tageslicht zeigen zu k\u00f6nnen. Diese Sammlung von Architekturfragmenten verschiedener Kulturen der Antike in voller Gr\u00f6\u00dfe macht das von Alfred Messel entworfene Haus weltweit einzigartig. Dank des Markttors von Milet, des babylonischen Ischtar-Tors und der Prozessionsstra\u00dfe sowie der Westflanke des Pergamonaltars ist das Haus der Publikumsmagnet im Unesco-Weltkulturerbe Museumsinsel. Grundlegend saniert worden aber war es nie \u2013 im Krieg besch\u00e4digt und danach zusammengeflickt, stand das Pergamonmuseum wie die ganze Insel unter der Verwaltung der klammen DDR. <\/p>\n<p>Es schwindelt einen, wenn man das alles mal zusammenrechnet: Vor einem Vierteljahrhundert bereits wurde mit der Planung f\u00fcr die Instandsetzung begonnen, bis zu ihrem Abschluss werden wohl 32 Jahre vergangen sein. Der Architekt Oswald Mathias Ungers hatte den Zuschlag f\u00fcr das komplexe Projekt erhalten. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article1234512\/Architektur-Herr-der-Wuerfel-Oswald-Mathias-Ungers-tot.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article1234512\/Architektur-Herr-der-Wuerfel-Oswald-Mathias-Ungers-tot.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Ungers verstarb im Jahr 2007<\/a>. Durchgef\u00fchrt wird das Unterfangen seitdem von der Werkgemeinschaft Pergamonmuseum mit den B\u00fcros Kleihues+Kleihues und BAL. <\/p>\n<p>Dabei geht es nicht nur um Ert\u00fcchtigung: Das Pergamon bekommt auch neu gebaute Erg\u00e4nzungen. Der sogenannte Tempietto, eine Glas-Stahl-Konstruktion mit einer Verkleidung aus fr\u00e4nkischem Muschelkalk, ist gro\u00dfenteils fertiggestellt. Sie wird im Hof der Anlage den Haupteingang bilden. Bis 2032 soll noch ein vierter Fl\u00fcgel hinzukommen, der sich als gl\u00e4serner Riegel entlang des Kupfergrabens, einem Seitenkanal der Spree, pr\u00e4sentieren wird. Er umschlie\u00dft dann den Hof und erm\u00f6glicht erstmals einen echten Rundgang durch alle Sammlungen der drei Museen. <\/p>\n<p>Innovativstes Museum seiner Art<\/p>\n<p>Das Museum f\u00fcr Islamische Kunst wird nach der Wiederer\u00f6ffnung dreimal so viel Platz f\u00fcr seine Exponate haben wie bisher \u2013 und die Sammlung \u201eim Referenzrahmen der Antike\u201c pr\u00e4sentieren, wie sein Direktor Stefan Weber es ausdr\u00fcckt, also die Verbindungen zwischen Antike und islamischer Welt nachzeichnen. Mit der neuen Ausstellung will man \u201edas gr\u00f6\u00dfte und innovativste Haus seiner Art weltweit\u201c werden. <\/p>\n<p>Damit es so weit kommt, ist viel technisches K\u00f6nnen gefragt. Beim Rundgang kann man sich erkl\u00e4ren lassen, wie genau die farbigen W\u00e4nde verputzt worden sind \u2013 n\u00e4mlich so wie schon damals in den 1920er-Jahren. Das k\u00f6nnen heute nicht mehr viele, ebenso wenig wie Stuckaturen an der Decke anbringen mit selbstgefertigten Werkzeugen. F\u00fcr die Bauarbeiten wurde unter anderem ein provisorisches zweites Dach errichtet, 730 Mikropf\u00e4hle in den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article138905614\/Kommentar-Wahnsinn-was-der-Kolk-kostet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article138905614\/Kommentar-Wahnsinn-was-der-Kolk-kostet.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">problematischen Baugrund<\/a> getrieben und mit Sensoren jede Mini-Ersch\u00fctterung registriert, um rechtzeitig die Arbeiten unterbrechen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Das Pergamonmuseum, so viel steht fest, ist die Mammutaufgabe einer Generation. Es wird mit seiner detailverliebten Sorgfalt auch ein Schaufenster des zeitgen\u00f6ssischen Bauhandwerks sein. Vom Zahn der Zeit ist im Inneren von Bauteil A heute schon nichts mehr zu sehen. Komplett beseitigt werden die Spuren der Geschichte aber nicht, jedenfalls so weit sie nicht von Wind und Wetter, sondern von den Brutalit\u00e4ten historischer Ereignisse verursacht wurden. <\/p>\n<p>\u201eWo es technisch und statisch m\u00f6glich war\u201c, hei\u00dft es in der Pressemappe, \u201esollten Kriegssch\u00e4den als historisches Zeugnis in ihrem Erscheinungsbild erhalten bleiben. Dagegen wurden Steinausbr\u00fcche oder Abplatzungen, die nicht im Zweiten Weltkrieg entstanden sind, durch Ersatzelemente aus Stein oder Restaurierungsm\u00f6rtel beseitigt.\u201c Die \u00dcberreste der Vergangenheit waren am Ende auch der Hauptgrund f\u00fcr die lange Bauzeit. <\/p>\n<p>Um den Tempietto neu zu bauen, musste man bis zu sieben Meter in den Untergrund vorsto\u00dfen, dreieinhalb Meter unter den Grundwasserpegel. Die notwendig gewordene wasserdichte \u201eTrogbaugrube\u201c im schwammartigen Grund der Museumsinsel kollidierte mit unvermuteten Hindernissen. Anstatt alles komplett zu entkernen, baute man um die \u00dcberreste der Berliner Geschichte herum und sparte sich so etwas Zeit. In eineinhalb Jahren soll das Pergamonmuseum wiederer\u00f6ffnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach jahrelangen Verz\u00f6gerungen n\u00e4hert sich die Sanierung des Berliner Pergamonmuseums ihrem ersten Meilenstein. 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