{"id":62510,"date":"2025-04-26T10:09:09","date_gmt":"2025-04-26T10:09:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/62510\/"},"modified":"2025-04-26T10:09:09","modified_gmt":"2025-04-26T10:09:09","slug":"mannheim-gegen-das-vergessen-beim-wasserturm-eroeffnet-mannheim-und-metropolregion-rhein-neckar-nachrichten-und-aktuelles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/62510\/","title":{"rendered":"Mannheim: &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; beim Wasserturm er\u00f6ffnet &#8211; Mannheim und Metropolregion Rhein-Neckar &#8211; Nachrichten und Aktuelles"},"content":{"rendered":"<p>Von Marco Partner<\/p>\n<p>Mannheim.\u00a0Nach \u00fcber zehn Jahren kehren sie zur\u00fcck nach Mannheim. Aus einem Aufruf ist in der Zwischenzeit ein Appell, eine Mahnung geworden. Mit &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; portr\u00e4tierte der Fotograf Luigi Toscano \u00dcberlebende des NS-Terrors. Nun sind 60 dieser gro\u00dfformatigen Gesichter am Vorplatz des Wasserturms ausgestellt. Sie bilden das Herzst\u00fcck der Veranstaltungsreihe &#8222;1945-2025: 80 Jahre Verantwortung f\u00fcr Frieden und Demokratie&#8220;.<\/p>\n<p>\u00dcberlebensgro\u00df blicken sie einem entgegen. Ohne Worte erz\u00e4hlen sie mit ihren Gesichtern Geschichten. Wach, ausdruckstark, fordernd. Um zu erinnern und nicht zu verdr\u00e4ngen. In Kiew, Jerusalem, im Unesco-Quartier in Paris. Vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York oder am Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington D.C. hat Toscano seine ber\u00fchrenden Biografie-Werke bereits pr\u00e4sentiert. Den Anfang aber nahm die Ausstellung 2015 an der Fassade der Alten Feuerwache. \u00a0<\/p>\n<p>Mehr als 500 \u00dcberlebenden der NS-Verfolgung ist Luigi Toscano inzwischen pers\u00f6nlich begegnet. Ob j\u00fcdische KZ-H\u00e4ftlinge, politisch Verfolgte oder polnische Zwangsarbeiter: F\u00fcr die Portr\u00e4tierten war der Schritt vor die Kamera auch die R\u00fcckkehr in eine eigentlich nicht zu \u00fcberw\u00e4ltigende Vergangenheit. Aber auch die fast einmalige Chance, als Zeitzeuge der Nachwelt erhalten zu bleiben, das Leid, die Qual, aber auch das \u00dcberleben an sich sichtbar werden zu lassen.<\/p>\n<p>&#8222;Nichts geh\u00f6rt der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden&#8220;, zitiert Kulturb\u00fcrgermeister Thorsten Riehle zur Er\u00f6ffnung den KZ-\u00dcberlebenden und sp\u00e4teren Auschwitz-Ankl\u00e4ger Fritz Bauer. Bewusst werde die Schau um den 8. Mai gelegt. Dem Gedenktag, der in Frankreich oder Gro\u00dfbritannien als das Ende des Zweiten Weltkriegs gefeiert wird. In West-Deutschland hingegen tat man sich lange schwer mit dem Datum, das auch als Tag der Kapitulation oder gar Niederlage wahrgenommen wurde. &#8222;Es dauerte 40 Jahre, bis 1985 mit Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker erstmals \u00f6ffentlich vom Tag der Befreiung gesprochen wurde&#8220;, schildert Riehle.\u00a0<\/p>\n<p>Ganz bewusst wurde die frei zug\u00e4ngliche Ausstellung auch am Wasserturm platziert. Dem Wahrzeichen Mannheims, das w\u00e4hrend der Nazi-Diktatur mit Hakenkreuzen beflaggt war. Toscano gibt diesem Gr\u00e4uel der 1930er und 40er Jahre mit seinem Gro\u00dfprojekt ein Gesicht. Er macht die menschlichen Schicksale hinter starren Todeszahlen begreifbar. Denn hinter den Furchen und Narben verbergen sich individuelle Geschichten, wie die von Zilly Schmidt. Eine Holocaust-\u00dcberlebende, die im Oktober 2022 im Alter von 98 Jahren in Mannheim verstarb.<\/p>\n<p>&#8222;Sie wuchs als Sinti und Roma in einer Schaustellerfamilie auf. Ihr Bruder trat sogar der Wehrmacht bei, doch das half nichts&#8220;, sagt Daniel Strau\u00df, Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma. Schmidt wurde zun\u00e4chst ins Konzentrationslager Lety in B\u00f6hmen und dann in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Am 2. August 1944 sollte dort ihre vierj\u00e4hrige Tochter in einer Gaskammer den Tod finden. Zilly Schmidt wurde am gleichen Tag nach Ravensbr\u00fcck zur Zwangsarbeit deportiert.<\/p>\n<p>Dabei gelang ihr die Flucht, doch es dauerte fast ihr ganzes Leben, bis sie \u00f6ffentlich \u00fcber ihre unvorstellbaren Erlebnisse sprechen konnte. &#8222;Das Erinnern ist vielleicht die wichtigste Form unserer Respektsbekundung&#8220;, appelliert daher Heidrun Deborah K\u00e4mper, die Vorsitzende der J\u00fcdischen Gemeinde Mannheim. Denn bei den Zeitzeugen herrschte auch immer die Angst vor, dass ihnen nicht geglaubt wird, dass ihre schrecklichen Erfahrungen einfach so in Vergessenheit geraten. Daher dankt sie Toscano f\u00fcr die Form des sichtbaren Gedenkens. Gerade in Zeiten, in denen Erinnerungskultur von Rechtsextremen als &#8222;d\u00e4mlich&#8220; oder gar &#8222;Schande&#8220; abgetan werde.<\/p>\n<p>Um die Erinnerungen f\u00fcr die Nachwelt zu bewahren, suchen Toscano und sein Team nicht nur die gro\u00dfen Pl\u00e4tze auf, sie arbeiten auch mit Schulen zusammen. Das Moll-Gymnasium hat eine Patenschaft f\u00fcr die bis zum 11. Mai w\u00e4hrende Ausstellung \u00fcbernommen und bietet spezielle F\u00fchrungen an.<\/p>\n<p>Luigi Toscano selbst erinnert noch einmal an den Beginn des Projekts. &#8222;Der Start war nicht prickelnd, bei Anfragen f\u00fcr F\u00f6rderungen bin ich auf viel Ablehnung gesto\u00dfen. Es hie\u00df: Wir investieren in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit&#8220;, erinnert er.<\/p>\n<p>Zur Er\u00f6ffnung vor zehn Jahren kamen noch Zeitzeugen pers\u00f6nlich angereist. In den letzten Jahren aber sind viele der Portr\u00e4tierten verstorben. &#8222;Ihnen geb\u00fchrt der Dank! Da sie bereit waren, ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen. Da sie uns daran erinnern, Haltung zu zeigen&#8220;, betont er. Um nicht zu vergessen. &#8222;Denn wer die Vergangenheit vergisst, ist verdammt, sie zu wiederholen&#8220;, mahnt Toscano.<\/p>\n<p><strong>Info:<\/strong> \u00dcber 30 Veranstaltungen gibt es im Rahmen der Veranstaltungsreihe &#8222;80 Jahre Verantwortung f\u00fcr Frieden und Demokratie&#8220;. Mit Lesungen, Konzerten, Stadtf\u00fchrungen, Ausstellungen, Workshops und Podiumsdiskussionen. Das Programm ist unter www.kriegsende-mannheim.de abrufbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Marco Partner Mannheim.\u00a0Nach \u00fcber zehn Jahren kehren sie zur\u00fcck nach Mannheim. 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