{"id":625238,"date":"2025-12-05T13:36:17","date_gmt":"2025-12-05T13:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625238\/"},"modified":"2025-12-05T13:36:17","modified_gmt":"2025-12-05T13:36:17","slug":"wie-wien-und-berlin-an-der-kultur-sparen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625238\/","title":{"rendered":"Wie Wien und Berlin an der Kultur sparen"},"content":{"rendered":"<p><strong>W\u00e4hrend die deutsche Hauptstadt \u00fcberall ein bisschen spart, scheint \u00d6sterreich Priorit\u00e4ten zu setzen: Gewinner ist Kultur, die sich nahe an den Menschen bewegt.<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background has-small-font-size\"><strong>English summary:<\/strong> Vienna trims culture spending more strategically than Berlin. While both face cuts, Vienna shields community-focused arts and the independent scene, reducing funding mainly for commercial or less essential projects. Berlin applies broader cuts, but Vienna signals clear priorities for culture that directly serves its people.<\/p>\n<p>Die Sarah Wedl-Wilson von Wien hei\u00dft Veronica Kaup-Hasler. W\u00e4hrend Berlins Kultursenatorin 74 Millionen f\u00fcr 2026 einsparen muss, sind es bei ihrer Kollegin in \u00d6sterreich immerhin noch 26 Millionen \u2013 in Prozenten bedeutet das: Berlin muss rund 10 Prozent einsparen, Wien immerhin noch 7,6 Prozent seines Kulturbudgets.\u00a0<\/p>\n<p>Was beiden Kulturpolitikerinnen dabei gelingt, ist, dass sie die K\u00fcrzungen weitgehend lautlos abwickeln. Hinter den Kulissen wurden viele Gespr\u00e4che mit den Institutionen und ihren Leiterinnen und Leitern gef\u00fchrt, au\u00dferdem wurden klug jene Gelder gestrichen, von deren K\u00fcrzung erst einmal niemand betroffen ist. In Wien f\u00e4llt das K\u00fcrzen auch deshalb noch etwas leichter, da man hier einfach keine neuen Projektkosten f\u00fcr das kommende Jahr ansetzt. 2025 wurden immerhin 9,5 Millionen f\u00fcr das Strau\u00df-Jubil\u00e4um und 9,5 Millionen f\u00fcr ein neues Zentrum f\u00fcr Kinderkultur ausgegeben.<\/p>\n<p><strong>Kultur, die Menschen erreicht<\/strong><\/p>\n<p>Und noch einen Unterschied gibt es: W\u00e4hrend in Berlin auch unter Wedl-Wilson noch weitgehend mit dem Rasenm\u00e4her gespart wird, also alle Institutionen bluten m\u00fcssen, scheint Wien seine K\u00fcrzungen politisch zu sortieren. Die Wiener SP\u00d6-Regierung h\u00e4lt besonders an jener Kultur fest, die direkt in die Stadtgesellschaft wirkt \u2013 zum Teil auf Kosten der etablierten Hochglanz-Kultur. W\u00e4hrend 250.000 Euro f\u00fcr das Sch\u00f6nbrunn-Open-Air der Wiener Philharmoniker gestrichen werden, bleibt die F\u00f6rderung des Prater Picknicks der Wiener Symphoniker bestehen \u2013\u00a0hier h\u00f6ren besonders Familien am letzten Schultag traditionell eine Melange aus Klassik und Pop auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad. Auch die Ausgaben f\u00fcr die Freie Szene und andere verwurzelte Institutionen wie Festwochen, Volkstheater oder Kindertheater Dschungel bleiben bestehen, ebenso wie das Gratisangebot des Kultursommers. Kaup-Hasler setzt klare Zeichen: Wer sich nicht wandelt, ger\u00e4t unter die R\u00e4der. \u00a0<\/p>\n<p>Und noch einem Kriterium scheint Wiens Kulturpolitik zu folgen: Staatliche Kulturunterst\u00fctzung flie\u00dft dorthin, wo ein freier Markt sich nicht etablieren kann; wo F\u00f6rderung also dringend n\u00f6tig ist. Auch deshalb sind die Vereinigten B\u00fchnen Wien mit ihren Musicalb\u00fchnen, dem Raimundtheater und dem Ronacher von den K\u00fcrzungen besonders betroffen. Sie werden in Zukunft noch zus\u00e4tzlich Konkurrenz bekommen, wenn 2027 das \u00bbTheater im Prater\u00ab der ATG Entertainment er\u00f6ffnet. Hier wird offen die Frage gestellt, wie viel Staatsgeld kommerziell erfolgreiche Formate erwarten k\u00f6nnen. Etwas geringer fallen dagegen die K\u00fcrzungen am ebenfalls zu den Vereinigten B\u00fchnen geh\u00f6renden Theater an der Wien aus, hier muss Hausherr Stefan Herheim wohl auf eine Premiere und eventuell auch auf Kammeropern verzichten.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Noch nicht am Ende<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Kaup-Hasler von einem \u00bbblauen Auge\u00ab spricht, bedeutet das auch, dass dieses Auge in den kommenden Jahren noch anschwellen und etwas dunkler werden kann. Schon jetzt m\u00fcssen Konzerthaus und Musikverein k\u00fcrzen, und viele andere Institutionen bangen um den Ausgleich ihrer strukturbedingten wachsenden Ausgaben, etwa durch Lohnsteigerungen. Und die Flexibilit\u00e4t durch den Wegfall der Sonderausgaben wird es im Haushalt 2027 nicht geben.\u00a0<\/p>\n<p>Derweil hei\u00dft es aus dem Berliner B\u00fcro von Sarah Wedl-Wilson, dass man bereits in \u00bbintensiven Gespr\u00e4chen\u00ab, auch \u00fcber strukturelle Einsparungen f\u00fcr die kommenden K\u00fcrzungs-Runden sei. Wien scheint bereits einen klareren Plan daf\u00fcr zu haben, welche Kultur man in Zukunft eher leisten \u2013 und welche man sich selber \u00fcberlassen will. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4hrend die deutsche Hauptstadt \u00fcberall ein bisschen spart, scheint \u00d6sterreich Priorit\u00e4ten zu setzen: Gewinner ist Kultur, die sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":625239,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,402,100582,6296],"class_list":{"0":"post-625238","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-kulturpolitik","12":"tag-sparmassnahmen","13":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115667231676961356","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/625238","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=625238"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/625238\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/625239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=625238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=625238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=625238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}