{"id":625478,"date":"2025-12-05T15:57:48","date_gmt":"2025-12-05T15:57:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625478\/"},"modified":"2025-12-05T15:57:48","modified_gmt":"2025-12-05T15:57:48","slug":"warum-poller-wie-in-hannover-oft-nur-placebos-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625478\/","title":{"rendered":"Warum Poller wie in Hannover oft nur Placebos sind"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Hannover. Poller sind nur Placebos: Diese These vertreten Christian Buschhoff und Christian Weicht. Sie treten vielmehr f\u00fcr eine Kultur ohne Angst ein. Als Experten f\u00fcr den Schutz von Veranstaltungen im \u00f6ffentlichen Raum beraten sie St\u00e4dte, unter anderem in Workshops kommunaler Spitzenverb\u00e4nde. Die wachsende Zahl an Zufahrtssperren sehen sie kritisch, stattdessen fordern sie eine fundierte Risikobewertung und langfristige L\u00f6sungen als Bestandteil der Stadtentwicklung. Versenkbare Poller, wie sie auch in Stadthagen einmal diskutiert wurden, halten sie allerdings durchaus f\u00fcr sinnvoll. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Wer in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt besucht, passiert ganz unterschiedliche Sperren. Mal aus Beton, mal aus Stahl. Einige sind im Boden verankert, andere dienen als Blockade. Haben Sie noch einen \u00dcberblick?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Christian Weicht: Auf dem Markt gibt es aktuell etwa 250 verschiedene Produkte, die in Deutschland getestet wurden und hier vertrieben werden. Und ja: Wir kennen sie alle.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Fordert sinnvolle Pr\u00e4vention und langfristige L\u00f6sungen: Christian Weicht.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/3445ZPH66VFNJAIJEK6CR35CDU.jpeg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Welche davon empfehlen Sie den Kommunen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Christian Buschhoff: Wir sprechen bei unseren Workshops keine Empfehlung f\u00fcr einzelne Produkte aus. Vielmehr stellen wir den Vertretern der Polizei, vom Veranstalter, Rettungsdienst, Handel, Rathaus und Politik die wichtigste aller Fragen: Wogegen wollt ihr euch eigentlich sch\u00fctzen? Und wenn wir dann in die Tiefe gehen, stellen wir gemeinsam schnell fest, dass der urbane \u00f6ffentliche Raum f\u00fcr das Zusammentreffen von vielen Menschen oft schon sehr sicher ist. Auch vor Amokfahrten mit einem Auto oder einem Lastwagen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Und doch w\u00e4chst nach Anschl\u00e4gen wie in Magdeburg im vergangenen Jahr die Sorge vor Nachahmern bei allen Beteiligten. K\u00f6nnen Sie das nachvollziehen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Weicht: Diese Sorge kann ich emotional gut nachvollziehen. Gerade nach so einschneidenden Ereignissen wie in Magdeburg. Gleichwohl hilft ein n\u00fcchterner Blick auf die Gesamtsituation: In Deutschland finden jedes Jahr sehr viele Wochenm\u00e4rkte, Weihnachtsm\u00e4rkte, Volksfeste, Sch\u00fctzenfeste und andere Zusammenk\u00fcnfte statt, und schwere \u00dcberfahrtaten sind im Verh\u00e4ltnis dazu zum Gl\u00fcck \u00e4u\u00dferst selten. Aus fachlicher Sicht spricht vieles daf\u00fcr, dass die Gefahr auf dem Markt selbst durch die bestehenden Sicherheitsma\u00dfnahmen oft geringer ist als auf dem ungesch\u00fctzten Heimweg. Verkehrsunf\u00e4lle oder andere Ungl\u00fccksf\u00e4lle im Umfeld von diesen Orten fordern regelm\u00e4\u00dfig Opfer, ohne dass dies eine vergleichbare \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit erh\u00e4lt wie eine gezielte \u00dcberfahrt. Das soll die Betroffenheit nach solchen Taten nicht relativieren, sondern eher daf\u00fcr werben, Gefahren angemessen einzuordnen und Sicherheitskonzepte ganzheitlich zu denken. Auf dem Platz und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Buschhoff: Wir schaffen Orte, an denen Menschen ausgelassen feiern wollen und sollen. Diese R\u00e4ume lassen sich nicht zu 100 Prozent \u00fcberwachen, das m\u00f6chte am Ende auch niemand. Und deshalb muss die Politik auch klar kommunizieren, dass es keinen 100-prozentigen Schutz vor solchen Taten gibt. Stattdessen setzen die Verantwortlichen mit den Pollern auf einen Placebo-Effekt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Poller als Placebo: Christian Buschhoff im Interview.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/GNDCLNJXXZFXXHOJLXUE37E5S4.jpeg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Gleichwohl w\u00e4re es aus Sicht der G\u00e4ste und der Veranstalter doch gleicherma\u00dfen fatal, wenn die Kommunen unt\u00e4tig blieben. Was schlagen Sie stattdessen vor?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Buschhoff: Wenn eine Stadtgesellschaft solche Veranstaltungen wie Weihnachtsm\u00e4rkte m\u00f6glichst umfassend vor \u00dcberfahrttaten sch\u00fctzen m\u00f6chte, dann m\u00fcsste sie in einem Umkreis von zwei, drei Kilometern eine autofreie Zone einrichten. Das l\u00e4sst sich aber in den seltensten F\u00e4llen realisieren, weil es politisch viel zu aufgeladen ist. Wir empfehlen deshalb eine fundierte Risikoanalyse und ein Sicherheitskonzept, das den Namen auch verdient. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Weicht: Es gibt gute Beispiele in der Historie, an denen wir uns orientieren k\u00f6nnen. Die Amokl\u00e4ufe an Schulen, auch die Androhungen, sind deutlich zur\u00fcckgegangen, weil die Akteure aus den Schulen, Polizei und Bauverwaltungen leise, aber sehr zielgerichtet zusammengearbeitet haben. Es geht um sinnvolle Pr\u00e4vention und um langfristige L\u00f6sungen. <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Buschhoff: Und dazu geh\u00f6rt auch klar zu benennen, dass einige Unternehmen die Sicherung der Gesellschaft als Gesch\u00e4ftsmodell entdeckt haben. Als eine Empfehlung f\u00fcr Kommunen haben wir zum Beispiel im Jahr 2018 mit dem Deutschen Forum Kriminalpr\u00e4vention zwei Standards f\u00fcr das Thema Zufahrtsschutz entwickelt. Einer betrifft die mobilen Barrieren f\u00fcr Fahrzeuge, die andere die Fachkr\u00e4fte, die die Standards auch umsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Nun setzen Kommunen wie Hannover nicht nur auf Poller, die Weihnachtsmarktbesucher sch\u00fctzen, sondern auf versenkbare Hindernisse, die dauerhaft installiert werden. Wie beurteilen Sie diese Planungen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Weicht: Aus unserer Sicht ist das eine absolut sinnvolle L\u00f6sung, wenn eine Kommune sich f\u00fcr Stadtmobiliar entscheidet, das f\u00fcr die n\u00e4chsten 25 Jahre im Einsatz ist. Das gilt nicht nur f\u00fcr Poller, sondern auch f\u00fcr Sitzb\u00e4nke oder Blumenbeete. Wichtig ist, dass die Zufahrt f\u00fcrs Be- und Entladen und f\u00fcr den Rettungsdienst m\u00f6glich ist. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Buschhoff: Letztlich geh\u00f6ren Elemente f\u00fcr den Zufahrtsschutz mit in die st\u00e4dtebauliche Perspektive, auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\"><b>Besuchen Sie dieses Jahr einen Weihnachtsmarkt? <\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 dKgfuR\">Weicht: Ich besuche ihn sogar mit meinen Enkelkindern. Aus meiner Erfahrung geht eine viel h\u00f6here Gefahr auf solchen M\u00e4rkten \u00fcbrigens von Taschendieben aus. <\/p>\n<p>Zur Person: Christian Buschhoff<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 btEcRZ Infoboxstyled__InfoText-sc-1l4p3ie-1 frXoXc\">Christian Buschhoff hat eine Pr\u00fcfung als Meister f\u00fcr Veranstaltungstechnik abgelegt, der 51-J\u00e4hrige arbeitet als technischer Projektleiter. Der Verleger und Fachautor hat zudem die Arbeitsgruppe Veranstaltungssicherheit gegr\u00fcndet, zu seinen Fachgebieten geh\u00f6rt seit gut zehn Jahren auch der Zufahrtsschutz bei Veranstaltungen im \u00f6ffentlichen urbanen Raum.<\/p>\n<p>Zur Person: Christian Weicht<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 btEcRZ Infoboxstyled__InfoText-sc-1l4p3ie-1 frXoXc\">Christian Weicht ist pensionierter Kriminalhauptkommissar, er hat mehr als 20 Jahre als Fachberater f\u00fcr st\u00e4dtebauliche Kriminalpr\u00e4vention gearbeitet. Der 70-J\u00e4hrige arbeitet au\u00dferdem in europ\u00e4ischen Gremien und Aussch\u00fcssen, in denen Regeln, Empfehlungen und Standards f\u00fcr Sicherheit entwickelt werden. Zus\u00e4tzlich setzt er sein Wissen auch ganz praktisch bei Konzepten vor Ort um, direkt bei der Umsetzung von Ma\u00dfnahmen, die St\u00e4dte sicherer machen sollen.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">SN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hannover. Poller sind nur Placebos: Diese These vertreten Christian Buschhoff und Christian Weicht. 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