{"id":625649,"date":"2025-12-05T17:33:14","date_gmt":"2025-12-05T17:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625649\/"},"modified":"2025-12-05T17:33:14","modified_gmt":"2025-12-05T17:33:14","slug":"holocaust-relativiert-im-ariowitsch-haus-leipzig-bundeswehrsoldat-verurteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625649\/","title":{"rendered":"Holocaust relativiert im Ariowitsch-Haus Leipzig: Bundeswehrsoldat verurteilt"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig. Er habe Fragen gehabt damals im Ariowitsch-Haus, das schon, sagt Bundeswehrsoldat Stefan S. am Freitag vor dem Landgericht Leipzig. Woher denn die Zahl von sechs Millionen im Holocaust get\u00f6teter Juden stamme, habe er wissen wollen, er habe im Internet von 5,5 Millionen gelesen. Und bei einem Einsatz im Libanon habe man ihm nun einmal erz\u00e4hlt, Adolf Hitler habe auch Gutes bewirkt in Deutschland.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dass das nicht alles gewesen sei, davon erz\u00e4hlt vor Gericht Clara Bergfeld (Name ge\u00e4ndert). Sie hat im Oktober 2022 ein Seminar im j\u00fcdischen Kulturzentrum Ariowitsch-Haus geleitet, bei dem Stefan S. dabei war, bei dem passiert sein soll, was ihn wegen des Verdachts der Volksverhetzung vor Gericht gebracht hat. Die Juden, habe Stefan S. damals gesagt, seien \u201eselbst schuld\u201c, es habe damals gar nicht sechs Millionen von ihnen gegeben, und heute brauche Israel die Holocaust-Story zur Selbstlegitimierung.<\/p>\n<p>Kameraden drucksen vor Gericht herum<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nachfragen, das m\u00fcsse gerade im Ariowitsch-Haus erlaubt sein, wird der Staatsanwalt am Ende des Prozesses in seinem Pl\u00e4doyer sagen. Aber, wenn es so gewesen sei, wie Bergfeld es schildere, \u201edann ist das einfach eine Relativierung des Holocausts\u201c. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Was ist geschehen, damals im Ariowitsch-Haus?<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Zun\u00e4chst etwas, das rund 20 Mal im Jahr passiert: Bundeswehrsoldaten kamen w\u00e4hrend einer Weiterbildung an der Unteroffiziersschule Delitzsch f\u00fcr einen Tag nach Leipzig, Thema: Antisemitismus und Extremismus. In einem Workshop sa\u00df Stefan S., heute 52 Jahre alt, mit f\u00fcnf anderen Soldaten zusammen, die meisten Stabsfeldwebel wie er. Dann, soweit unstreitig: das Wortgefecht zwischen ihm und der Seminarleiterin.<\/p>\n<blockquote><p>Das Wort Hitler kam nicht einmal, definitiv nicht. Das h\u00e4tte ich melden m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 iQZobn\">Bundeswehrsoldat als Zeuge vor Gericht<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Und die f\u00fcnf anderen Soldaten? Die drucksen herum vor Gericht: Stefan S. habe mit Bergfeld \u00fcber die im Holocaust get\u00f6teten Juden gestritten. Aber was genau er sagte? Abgeschaltet habe man, nicht hingeh\u00f6rt. Eingreifen h\u00e4tte man m\u00fcssen, \u201egerade als Soldat\u201c, wenn von Hitler die Rede gewesen sei, wie es sogar Stefan S. selbst sagt. Aber nein, da sei man sich ganz sicher: kein Hitler. <\/p>\n<p>875 rechtsextreme Verdachtsf\u00e4lle in der Bundeswehr<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nur einer der Soldaten ist in seiner Vernehmung bei der Polizei etwas deutlicher geworden. Seine Nackenhaare h\u00e4tten sich aufgestellt, als Stefan S. gesprochen habe. \u201eIn dem Moment hab ich gedacht: Was f\u00fcr ein Idiot!\u201c<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Oft bewacht, hier nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel: das Ariowitsch-Haus in Leipzig (Archiv).\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ZM3IWMC6BFCP7DLIBZYH37U7Q4.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Bei den meisten Extremismus-F\u00e4llen, die der Milit\u00e4rische Abschirmdienst in der Bundeswehr bearbeitetet, geht es um Rechtsextremismus. <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/aktuelles\/extremismusbericht-bundeswehr-2024-5958142\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/aktuelles\/extremismusbericht-bundeswehr-2024-5958142\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.bmvg.de\/de\/aktuelles\/extremismusbericht-bundeswehr-2024-5958142\">875 waren es 2024<\/a>, Tendenz leicht steigend. Ist Stefan S. so ein Fall?<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sein Facebook-Profil jedenfalls l\u00e4sst keinen Zweifel daran, wo er politisch steht \u2013 oder wenigstens: Wo er stand, inzwischen bespielt er das Profil nicht mehr. Davor aber eindeutig. Um 2017 herum, als noch voll im Dienst stehender Soldat, teilte er manchmal eine zweistellige Zahl von Beitr\u00e4gen am Tag, vor allem von: Bj\u00f6rn H\u00f6cke, Alice Weidel, anderen AfD-Politikern. Dazwischen auch mal einen Beitrag dazu, wie viele Menschen bei den Angriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg wirklich gestorben seien (20 Mal so viele, wie Wissenschaftler sagen). <\/p>\n<p>Die Erde eine Scheibe, die Mondlandung eine L\u00fcge?<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Bundeswehr untersucht den Fall Stefan S. noch, vertr\u00f6stet mit einer Stellungnahme dazu. Aktuell darf Stefan S. keine Uniform tragen, seine Kaserne nicht betreten und bekommt nur noch die H\u00e4lfte seiner Bez\u00fcge.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Was Stefan S. f\u00fcr einer ist, dazu sollen am Landgericht zwei Kameraden aus seiner Erfurter Kaserne aussagen. Manchmal habe er laut \u00fcber die wahre Ursache von Kondensstreifen nachgedacht oder gesagt, dass die Erde eine Scheibe sei, die Mondlandung eine L\u00fcge. \u201eDann ist man vielleicht ein Spinner\u201c, sagte seine Anw\u00e4ltin vor Gericht, \u201eaber das ist nicht strafbar.\u201c Sie forderte Freispruch. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dem war das Amtsgericht Leipzig bei einem ersten Prozess im April gefolgt, die Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Das Landgericht verurteilte Stefan S. am Freitag nun wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in H\u00f6he von 40 Tagess\u00e4tzen zu je 60 Euro. Denn das, was Seminarleiterin Bergfeld berichte, sei glaubhaft. Und was Stefan S. zum Holocaust gesagt habe, enthalte eine T\u00e4ter-Opfer-Umkehr, gehe sogar \u201ein Richtung Billigung\u201c. Stefan S. kann gegen das Urteil noch Revision einlegen.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig. 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