{"id":625677,"date":"2025-12-05T17:48:14","date_gmt":"2025-12-05T17:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625677\/"},"modified":"2025-12-05T17:48:14","modified_gmt":"2025-12-05T17:48:14","slug":"entmietung-berliner-strasse-84-leben-ohne-strom-und-waerme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/625677\/","title":{"rendered":"Entmietung \u2013 Berliner Stra\u00dfe 84: Leben ohne Strom und W\u00e4rme"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315146\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315146.jpeg\" alt=\"Auch in diesem Wohnhaus in Osnabr\u00fcck gab es 2019 Probleme mit Licht und Heizung.\"\/><\/p>\n<p>Auch in diesem Wohnhaus in Osnabr\u00fcck gab es 2019 Probleme mit Licht und Heizung.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Friso Gentsch<\/p>\n<p>Der Mieter ist gut vorbereitet. Er zieht sich eine Kopflampe auf, auch einen batteriebetriebenen kleinen Baustrahler hat er dabei. Der Mann macht aber keine Expedition oder einen Ausflug, er betritt den Hauseingang seines Wohnhauses in der Berliner Stra\u00dfe\u200584 in Pankow. Seit dem 20.\u2005November ist der Hausstrom abgestellt. Der Hauseingang ist genauso d\u00fcster wie die Treppenh\u00e4user. Lediglich eine von einem anderen Mieter im Vorderhaus provisorisch angebrachte batteriebetriebene kleine LED-Leuchte gibt dort, besonders f\u00fcr eine Familie mit Kleinkind, etwas Licht.<\/p>\n<p>Die Dunkelheit ist aber das kleinste Problem der Bewohner*innen. Die Zentralheizungen in Vorder- und Hinterhaus sind ausgefallen, da ohne Hausstrom weder die Steuerung noch die Umw\u00e4lzpumpen der Heizungen funktionieren. Auch Warmwasser gibt es f\u00fcr die Mieter*innen in beiden H\u00e4usern nicht mehr.<\/p>\n<p>Das zust\u00e4ndige Bezirksamt Pankow wei\u00df um den Zustand der Geb\u00e4ude. \u00bbIn der Berliner Stra\u00dfe\u200584 herrschen katastrophale Zust\u00e4nde, die nahelegen, dass der Eigent\u00fcmer beabsichtigt, das Haus zu entmieten\u00ab, teilt der zust\u00e4ndige Baustadtrat Cornelius Bechtler (Gr\u00fcne) dem \u00bbnd\u00ab mit.  Am 1.\u2005Dezember war das Bezirksamt mit drei Vertreter*innen \u00fcber mehrere Stunden vor Ort und hat M\u00e4ngel in Haus und Wohnungen aufgenommen. Da aber nicht alle Wohnungen begehbar gewesen seien, sei die Gesamtaufnahme der M\u00e4ngel noch nicht abgeschlossen, erkl\u00e4rt Bechtler. \u00bbDie f\u00fcr die Beseitigung der bisher festgestellten und klassifizierten Gefahrenstellen und Wohnungsmissst\u00e4nde notwendigen Verfahren gegen\u00fcber den Verantwortlichen sind angeschoben.\u00ab <\/p>\n<p>Dass der Strom abgestellt werde, hat der Netzbetreiber Stromnetz Berlin den Bewohner*innen vorab angek\u00fcndigt. Der Stromlieferant habe den Auftrag dazu erteilt, steht in dem Aushang, den \u00bbnd\u00ab einsehen konnte. Die Mieter*innen gehen davon aus, dass der Hauseigent\u00fcmer die Rechnungen nicht bezahlt hat. Das teilen sie in einer Presseerkl\u00e4rung mit.<\/p>\n<p>\u00bbAlle Mieter zahlen meines Wissens die Betriebskostenvorauszahlungen, aber der Vermieter bezahlt die Hausstrom- und Hausgasrechnungen nicht\u00ab, berichtet der Mieter mit der Kopflampe. Es ist nicht das erste Mal, dass der Hausstrom abgestellt wurde. Schon ab dem 30.\u2005Juni 2025 war das f\u00fcr f\u00fcnf Wochen der Fall, erinnert er sich. Im Sommer waren die Folgen nicht so schwerwiegend, und nachdem die bezirkliche Wohnungsaufsicht aktiv geworden war, gab es wieder Strom. Wegen der aktuellen Temperaturen sprechen die Mieter*innen jetzt von einer \u00bbakuten Gesundheits- und Unfallgefahr\u00ab. \u00bbWir frieren in unseren Wohnungen. Wir haben Zimmertemperaturen um die zehn Grad. Das Treppenhaus ist stockdunkel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier ein Mensch zu Schaden kommt\u00ab, hei\u00dft es in der Presseerkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Zwei Mieter haben mittlerweile eine einstweilige Verf\u00fcgung erwirkt. In dieser wird die Eigent\u00fcmergesellschaft, die JFT Grundbesitz Nr.\u200525 GmbH dazu aufgefordert, die Versorgung mit Hausstrom und auch der W\u00e4rmeversorgung wiederherzustellen. Stromnetz Berlin teilt auf nd-Anfrage mit, dass daf\u00fcr lediglich eine Anweisung des Stromlieferanten notwendig sei. Aber auch wenn der Hausstrom wieder funktionieren w\u00fcrde, funktioniert die Heizung nicht zwangsl\u00e4ufig. Denn seit dem 1.\u2005Dezember ist auch die Gasversorgung im Hinterhaus abgestellt. Die Gasag teilt dem \u00bbnd\u00ab mit, man sei mit dem Vertragspartner seit Monaten und mit unterschiedlichen Vorschl\u00e4gen im Austausch.<\/p>\n<p>Zeitweise hatte sich die Situation sogar noch verschlimmert. In zwei Wohnungen war der Strom komplett ausgefallen, nicht einmal mehr das Licht funktionierte. Die Vermutung der Mieter*innen, dass die alten Stromleitungen das behelfsm\u00e4\u00dfige Heizen mit \u00d6lradiatoren nicht ausgehalten haben, hatte sich best\u00e4tigt. Der Schaden wurde zeitnah durch eine Elektrofirma behoben.<\/p>\n<p>Die jetzt vollends eskalierte Situation ist aber nur der Gipfel der unhaltbaren Zust\u00e4nde in der Berliner Stra\u00dfe\u200584. Das Haus ist marode. Im Treppenhaus sind offene Leitungen zu sehen. An den W\u00e4nden zeigen sich die Spuren mehrerer Wassersch\u00e4den. In einer Wohnung hat sich im Bad nach einem Wasserschaden die Tapete komplett von der Decke gel\u00f6st. Am 10.\u2005November lief Wasser aus dem Heizungsraum \u00fcber dieser Wohnung aus. Auf dem Dachboden sind manche der Dachbalken feucht. Ein halb voller Eimer f\u00e4ngt Wasser auf, damit es nicht bis in die darunterliegenden Wohnungen vordringt. Die Mieter*innen haben dem Vermieter alle Sch\u00e4den mitgeteilt. Bislang wurde keines der Probleme durch den Eigent\u00fcmer oder die Verwaltung gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Gleichzeitig beklagen die Mieter*innen, dass vier Wohnungen im Haus zweckentfremdet worden seien. Dort seien Gefl\u00fcchtete untergebracht. Teilweise gebe es mehrere Doppelstockbetten in den Zimmern. \u00bbWir haben mit den Menschen gesprochen. Sie zahlen 500\u2005Euro pro Bett im Monat\u00ab, hei\u00dft es in der Pressemitteilung. <\/p>\n<p>Auch rechtlich gab es schon viele Auseinandersetzungen. 2019 hatte der Bezirk bereits das Vorkaufsrecht f\u00fcr das Geb\u00e4ude gezogen, die landeseigene Gewobag sollte das Haus \u00fcbernehmen. Aber nach einem Widerspruch des jetzigen Eigent\u00fcmers kam es nicht mehr dazu, nachdem das Bundesverwaltungsgericht das bezirkliche Vorkaufsrecht 2021 faktisch gekippt hat.<\/p>\n<p>Seitdem beklagen die Mieter*innen, sie lebten in Angst. \u00bbEs begann mit willk\u00fcrlichen Mieterh\u00f6hungen, falschen Abmahnungen und K\u00fcndigungen. Man warf uns Dinge vor, die nie passiert sind, vertauschte Namen und Daten. Es war reine Zerm\u00fcrbungstaktik\u00ab, hei\u00dft es. Ein Mieter musste sich im Juni 2024 gegen eine Wohnungsk\u00fcndigung verteidigen. Ihm wurden Mietr\u00fcckst\u00e4nde vorgeworfen. \u00bbOhne jede Grundlage\u00ab, wie er sagt. Eine von ihm beauftragte Anw\u00e4ltin hat der K\u00fcndigung widersprochen. Er hat nun seinerseits R\u00fcckforderungen f\u00fcr \u00fcberzahlte Miete an die Eigent\u00fcmer geltend gemacht. \u00bbWie meistens ohne R\u00fcckantwort\u00ab, sagt er. <\/p>\n<p>Mittlerweile zieht der Bezirk auch radikalere Schritte in Erw\u00e4gung. \u00bbDas Bezirksamt Pankow wird den Eigent\u00fcmer zwingen, seinen Pflichten nachzukommen. Sollte es erforderlich sein, auch mit einer Treuh\u00e4nderschaft\u00ab, erkl\u00e4rt Baustadtrat Bechtler. F\u00fcr ein solches Einschreiten gegen den Eigent\u00fcmer des Hauses gibt es ein Vorbild. Einer anderen Gesellschaft desselben Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers geh\u00f6rt im hessischen Offenbach ein Wohnhaus mit rund 150\u2005Mieter*innen. Die Zust\u00e4nde dort sind so katastrophal, dass das Haus seit dem 25.\u2005November zwangsverwaltet wird, wie <a href=\"https:\/\/www.op-online.de\/offenbach\/wohnhaus-offenbach-beantragt-zwangsverwaltung-fuer-kaiserlei-94045971.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die \u00bbOffenbach-Post\u00ab berichtet<\/a>. Dort funktioniert unter anderem der Aufzug nicht, und der Fernw\u00e4rmeversorger hatte nach Zahlungsr\u00fcckst\u00e4nden die W\u00e4rmelieferung eingestellt.<\/p>\n<p>\u00bbEine Ersatzvornahme zur Wiederherstellung des Hausstroms geh\u00f6rt zu den Ma\u00dfnahmen, die derzeit gepr\u00fcft werden, ebenso wie die bereits genannte M\u00f6glichkeit, das Haus unter Zwangsverwaltung zu stellen\u00ab, erkl\u00e4rt Baustadtrat Bechtler, auf die Situation in Offenbach angesprochen. Man habe die dortigen Kolleg*innen bereits kontaktiert. \u00bbIch hoffe, mit diesen in den kommenden Tagen weiter ins Gespr\u00e4ch zu kommen, und bin fest entschlossen, hier alles Machbare zu tun, um die uns\u00e4glichen Zust\u00e4nde in der Berliner Stra\u00dfe\u200584 m\u00f6glichst bald beenden zu k\u00f6nnen.\u00ab <\/p>\n<p>Die Mieter*innen dr\u00e4ngen auf die sofortige Wiederherstellung der Heizung.  \u00bbAlle schauen sich das an und sagen, wie schlimm das sei, aber wir sitzen immer noch in der K\u00e4lte\u00ab, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Auf eine Anfrage reagierte der Eigent\u00fcmer nicht innerhalb der gesetzten Frist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch in diesem Wohnhaus in Osnabr\u00fcck gab es 2019 Probleme mit Licht und Heizung. 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