{"id":626223,"date":"2025-12-05T23:18:16","date_gmt":"2025-12-05T23:18:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626223\/"},"modified":"2025-12-05T23:18:16","modified_gmt":"2025-12-05T23:18:16","slug":"nsu-prozess-in-dresden-zschaepe-spricht-viel-aber-sagt-wenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626223\/","title":{"rendered":"NSU-Prozess in Dresden \u2013 Zsch\u00e4pe spricht viel, aber sagt wenig"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315140\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315140.jpeg\" alt=\"Teilnehmer einer Kundgebung stehen vor dem Oberlandesgericht und erkl\u00e4ren: \u00bbDas Problem hei\u00dft immer noch Rassismus\u00ab.\"\/><\/p>\n<p>Teilnehmer einer Kundgebung stehen vor dem Oberlandesgericht und erkl\u00e4ren: \u00bbDas Problem hei\u00dft immer noch Rassismus\u00ab.<\/p>\n<p>Foto: Tobias Hase\/dpa<\/p>\n<p>Beate Zsch\u00e4pe hat nur ein Ziel: Die zu lebenslanger Haft verurteilte NSU-Terroristin will nicht bis zu ihrem Lebensende hinter Gittern bleiben. Um die Strafvollstreckungskammer milde zu stimmen, die im kommenden Jahr \u00fcber die Perspektive der mittlerweile 50-J\u00e4hrigen zu entscheiden hat, lie\u00df sich Zsch\u00e4pe k\u00fcrzlich nicht nur ins Neonazi-Aussteigerprogramm \u00bbExit\u00ab aufnehmen, unter dem lauten Protest von Opferangeh\u00f6rigen. Sie trat jetzt auch als Zeugin<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195287.nationalsozialistischer-untergrund-nsu-prozess-was-wusste-susann-e.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> im Prozess gegen ihre einstmals beste Freundin Susann Eminger<\/a> auf, die sich vor dem Dresdner Oberlandesgericht wegen Unterst\u00fctzung der rechtsterroristischen Mordbande verantworten muss.<\/p>\n<p>Zsch\u00e4pe will L\u00e4uterung, Offenheit, Aussagebereitschaft demonstrieren. Doch das Bild, das ihr zweit\u00e4giger Auftritt als Zeugin hinterl\u00e4sst, ist ein ganz anderes. Sie redet viel, aber bleibt oft vage. Sie laviert und scheut sich, die menschenverachtenden Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) beim Namen zu nennen. \u00bbUnerkl\u00e4rlich\u00ab und durch nichts zu entschuldigen seien \u00bbdiese Sachen, die da passiert sind\u00ab, sagt sie: \u00bbWir waren kleine W\u00fcrstchen.\u00ab<\/p>\n<p>Der NSU hat, bis er sich 2011 mit dem Suizid von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt selbst enttarnte, neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin ermordet, rassistisch motivierte Sprengstoffanschl\u00e4ge begangen und Banken \u00fcberfallen. Susann Eminger half dem Kerntrio, ein Leben unter falschen Namen in Zwickau zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u00bbSie war eine sehr lustige Person, zuvorkommend, empathisch\u00ab, sagt Zsch\u00e4pe, als sie gebeten wird, die Angeklagte zu charakterisieren. \u00bbEine gute Mutter f\u00fcr ihre Kinder.\u00ab Und politisch? \u00bbEs ist schwer vorstellbar\u00ab, antwortet Zsch\u00e4pe, \u00bbaber wir hatten nicht so die Gespr\u00e4che \u00fcber Politik.\u00ab Sondern eher \u00fcber \u00bbFrauensachen\u00ab. Die Kinder vor allem. Anders als noch im M\u00fcnchner NSU-Prozess, als sie selbst auf der Anklagebank sa\u00df, versucht Zsch\u00e4pe zwar nicht mehr, sich als emotional abh\u00e4ngiges Heimchen am Herd zu inszenieren. Sie habe den Schuldspruch \u00bbvollumf\u00e4nglich angenommen\u00ab, sagt sie. Sie habe eingesehen, dass sie eine Mitschuld an dem jahrelangen Morden trage, auch wenn sie selbst niemanden get\u00f6tet habe. \u00bbIch war nie daf\u00fcr. Aber ich war auch nicht genug dagegen.\u00ab<\/p>\n<p>Doch die Antworten, auf die die Angeh\u00f6rigen der Ermordeten seit Jahren warten, gibt sie immer noch nicht. Zsch\u00e4pe offenbart keine weiteren Mitglieder des NSU und keine Helfer*innen in den Tatortst\u00e4dten. Und sie erkl\u00e4rt nicht, wie die Opfer ausgew\u00e4hlt wurden \u2013 au\u00dfer, dass es \u00bbWillk\u00fcr\u00ab und \u00bbHass auf t\u00fcrkische Menschen\u00ab gewesen sei. Statt \u00fcber die neonazistische Ideologie, die sie mit den beiden Uwes ebenso verband wie mit ihren Unterst\u00fctzer*innen, spricht sie lieber \u00fcber das Private, das \u00bbFamili\u00e4re\u00ab, wie sie es nennt: \u00bbIch war, glaube ich, der Eckpfeiler, der das Zusammenleben m\u00f6glich gemacht hat.\u00ab Und ganz in diesem Sinne <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186396.justiz-nsu-unterstuetzerin-susann-e-soll-keine-terroristin-sein.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nimmt sie auch Susann Eminger in Schutz.<\/a><\/p>\n<p>Schon seit den ersten NSU-Ermittlungen ist bekannt, dass Zsch\u00e4pe bei etlichen Gelegenheiten die Ausweise der Angeklagten genutzt hat. F\u00fcnfmal ging sie mit deren Krankenkassenkarte zum Zahnarzt, sie besa\u00df Bahncards auf den Namen der Freundin (aber mit ihrem eigenen Foto), buchte Urlaube unter der geborgten Identit\u00e4t und gab sich einmal sogar bei der Polizei als Susann Eminger aus. Aus alledem macht Zsch\u00e4pe als Zeugin keinen Hehl. Und sie gibt auch freim\u00fctig zu, dass die Angeklagte dabei war, als sie und B\u00f6hnhardt im Oktober 2011 das Wohnmobil f\u00fcr den letzten Raub\u00fcberfall abholten.<\/p>\n<p>Doch entscheidend ist, wie viel Susann Eminger w\u00e4hrenddessen von den Mordtaten des NSU wusste. Alles, glaubt die Bundesanwaltschaft. Nichts, sagt Zsch\u00e4pe. Nur von den Bank\u00fcberf\u00e4llen h\u00e4tten sie und ihr Ehemann Andr\u00e9, der bereits im M\u00fcnchner Prozess mitangeklagt war und mit milden zweieinhalb Jahren Gef\u00e4ngnis davonkam, gewusst. Die Mordserie habe sie Andr\u00e9 E. erst gebeichtet, als sie nach dem Suizid von Mundlos und B\u00f6hnhardt die Wohnung in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe angez\u00fcndet hatte und gefl\u00fcchtet war, mit seiner Hilfe. Der Neonazi, der sich NS-Parolen und antisemitische Vernichtungsdrohungen auf den Leib hatte t\u00e4towieren lassen, habe dann \u00bbfast geheult\u00ab.<\/p>\n<p>Selbstbewusst, bestimmend, oftmals geradezu entspannt wirkt Zsch\u00e4pe im <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194592.prozess-gegen-johann-g-hochbetrieb-am-dresdner-hammerweg.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresdner Hochsicherheitsgerichtssaal.<\/a> Mit fester Stimme spricht sie, freundlich zumeist, doch wenn ihr Fragen nicht passen, kann die Rechtsterroristin auch ungehalten werden. \u00bbIch habe das Gef\u00fchl, ich sitze hier auf der Anklagebank\u00ab, raunzt sie die Senatsvorsitzende Simone Herberger irgendwann an. \u00bbIch f\u00fchle mich ein bisschen unwohl.\u00ab Es ist offensichtlich: Hier will jemand das Heft unbedingt in der Hand behalten.<\/p>\n<p>Gamze Kuba\u015f\u0131k, Tochter des 2006 in Dortmund erschossenen Mehmet Kuba\u015f\u0131k, sitzt im Publikum und ertr\u00e4gt das alles irgendwann nicht l\u00e4nger. Sie springt auf und schreit: \u00bbDann sag die Wahrheit! Du bist verantwortlich, dass mein Vater nicht mehr lebt! Du hast mein Leben zerst\u00f6rt! Wer hat euch unterst\u00fctzt?\u00ab Justizbedienstete f\u00fchren sie aus dem Saal, es kommt zu Tumulten. Beate Zsch\u00e4pe redet nach einer Verhandlungspause weiter, als w\u00e4re nichts geschehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Teilnehmer einer Kundgebung stehen vor dem Oberlandesgericht und erkl\u00e4ren: \u00bbDas Problem hei\u00dft immer noch Rassismus\u00ab. 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