{"id":626267,"date":"2025-12-05T23:42:23","date_gmt":"2025-12-05T23:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626267\/"},"modified":"2025-12-05T23:42:23","modified_gmt":"2025-12-05T23:42:23","slug":"wehrdienst-streikende-schueler-ihr-alten-knacker-muesst-ja-nicht-kaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626267\/","title":{"rendered":"Wehrdienst \u2013 Streikende Sch\u00fcler: \u00bbIhr alten Knacker m\u00fcsst ja nicht k\u00e4mpfen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315149\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315149.jpeg\" alt=\"Die Streiks gegen den Wehrdienst sind die gr\u00f6\u00dften Sch\u00fcler*innenproteste seit Fridays For Future.\"\/><\/p>\n<p>Die Streiks gegen den Wehrdienst sind die gr\u00f6\u00dften Sch\u00fcler*innenproteste seit Fridays For Future.<\/p>\n<p>Foto: DPA\/Markus Lenhardt<\/p>\n<p>\u00bbWir wollen nicht kriegst\u00fcchtig sein, wir wollen friedensf\u00e4hig sein\u00ab, ruft ein Redner von der B\u00fchne des Lautsprecherwagens aus. Die Sch\u00fcler*innen vor ihm stimmen applaudierend zu. Mehrere Tausend von ihnen stehen dicht gedr\u00e4ngt auf dem Mehringplatz in Berlin-Kreuzberg, um gegen den <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195966.abstimmung-im-bundestag-wehrdienst-vorerst-freiwillig-n-bald-verpflichtend.html?sstr=wehrdienst\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195966.abstimmung-im-bundestag-wehrdienst-vorerst-freiwillig-n-bald-verpflichtend.html?sstr=wehrdienst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neuen Wehrdienst<\/a> zu protestieren. Doch es ist kurz nach Mittag und damit eigentlich noch Schulzeit. In \u00fcber 90 St\u00e4dten bestreiken Sch\u00fcler*innen am Freitag ihren Unterricht, um gegen den Dienst an der Waffe zu demonstrieren. Aufgerufen hatte die Kampagne <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195965.wehrdienst-gesetz-schulstreik-frieden-ohne-drill-und-gehorsam.html?sstr=wehrdienst\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195965.wehrdienst-gesetz-schulstreik-frieden-ohne-drill-und-gehorsam.html?sstr=wehrdienst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbSchulstreik gegen Wehrpflicht\u00ab<\/a>, die bundesweit von \u00fcber 50\u2009000 Teilnehmer*innen spricht.<\/p>\n<p>Der Unmut der Sch\u00fcler*innen in Berlin ist deutlich sichtbar. \u00bbDiese Politiker sind <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195836.frankreich-macron-verzweifelt-und-kriegsbereit.html?sstr=wehrdienst\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195836.frankreich-macron-verzweifelt-und-kriegsbereit.html?sstr=wehrdienst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nicht unsere Politiker<\/a>\u00ab, meint der Redner weiter, \u00bbsie handeln aktiv gegen uns.\u00ab Auf dem Platz tummeln sich neben den Sch\u00fcler*innen auch Eltern mit Kindern sowie Aktivist*innen aus Friedens- und sozialistischen Organisationen. Von Grundschule bis Oberstufe sind alle dabei: Der neue Wehrdienst ber\u00fchrt sie alle. Wie bei Fridays For Future, den letzten gro\u00dfen Schulstreiks, geht es auch hier um eine Zukunft, die sich bedrohlich abzeichnet. Und eine Politik, die deren Lasten auf den Schultern der Jugend ablegen will. \u00bbWer wird am Ende in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben liegen?\u00ab, fragt ein anderer Redner. Im Falle eines Krieges s\u00e4\u00dfen \u00bbdie Bosse in den Bunkern, trinken Champagner und freuen sich \u00fcber die steigenden <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195881.sipri-bericht-ruestungsumsaetze-grosse-profiteure-in-europa.html?sstr=sipri\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195881.sipri-bericht-ruestungsumsaetze-grosse-profiteure-in-europa.html?sstr=sipri\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gewinne der R\u00fcstungskonzerne<\/a>\u00ab.<\/p>\n<p>Der Berliner Senat verwies vorab auf die Schulpflicht und darauf, dass Sch\u00fcler*innen, die streikten, als unentschuldigt fehlend gelten w\u00fcrden. Auch der Deutsche Lehrerverband nahm diese Position ein. Verbandspr\u00e4sident Stefan D\u00fcll mahnte, man m\u00fcsse \u00bbmit erzieherischen Ma\u00dfnahmen bis hin zu einem Verweis\u00ab rechnen. Die politischen Entwicklungen scheinen die Sch\u00fcler*innen mehr zu sorgen. \u00bbEs ist unsere Zukunft\u00ab, meint Emily aus Berlin. \u00bbDann verpasse ich halt drei Stunden Unterricht.\u00ab \u00bbWehr dich gegen Wehrpflicht\u00ab, \u00bbIch krieg einen Knax wegen Wehrpflicht\u00ab und \u00bbIhr alten Knacker m\u00fcsst ja nicht k\u00e4mpfen\u00ab steht auf Schildern der jungen Teilnehmer*innen.<\/p>\n<p>Die Initiative \u00bbSchulstreik gegen Wehrpflicht\u00ab hatte sich vor ungef\u00e4hr zwei Monaten gegr\u00fcndet. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit entwickelte sie sich zu einem bundesweiten Netzwerk aus Streikkomitees. In einigen St\u00e4dten gebe es auch Komitees unterst\u00fctzender Eltern, berichtet ein Sch\u00fcler aus M\u00fcnster im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Der Instagram-Seite der Kampagne folgen mehr als 14\u2009000 Menschen.<\/p>\n<p>Zu viel Aufsehen, als dass die \u00bbalten Knacker\u00ab im Bundestag sich wegducken k\u00f6nnten. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sah sich denn auch einen Tag vor dem Protest veranlasst, ein Video auf Instagram zu ver\u00f6ffentlichen. In diesem versucht er, die streikenden Sch\u00fcler*innen vom Wehrdienst zu \u00fcberzeugen. Die Demokratie k\u00f6nne sich nicht \u00bbselber verteidigen, das m\u00fcssen Menschen tun\u00ab. Seine Logik: \u00bbje besser unsere Abschreckung\u00ab, desto unwahrscheinlicher der Verteidigungsfall.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Initiative zieht dieses Argument nicht. Sie betrachtet umgekehrt die Wehrpflicht selbst \u00bbals elementaren Teil der Kriegsvorbereitung\u00ab. Ein Vertreter von ihnen verweist gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab auf die milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit der Nato im <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195187.eurospaesische-sichersheit-greift-russland-die-nato-an.html?sstr=sipri\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195187.eurospaesische-sichersheit-greift-russland-die-nato-an.html?sstr=sipri\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vergleich zu Russland<\/a>. \u00bbWarum soll ich auf jemanden schie\u00dfen, der viel mehr mit mir gemeinsam hat als Gooflord Friedrich Merz?\u00ab, fragt ein anderer Sch\u00fcler in einem Kampagnenvideo. \u00bbStatt Milliarden in Waffen zu stecken\u00ab, fordert die Initiative \u00bbMilliarden f\u00fcr Bildung, bessere Ausbildungspl\u00e4tze, das Klima und f\u00fcr unsere Zukunft\u00ab.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir wollen nicht kriegst\u00fcchtig sein, wir wollen friedensf\u00e4hig sein.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nRedner auf der Demo gegen die Wehrpflicht<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Bildungsgewerkschaft GEW, Friedensorganisationen, das BSW und die Linkspartei unterst\u00fctzten den Aufruf. Die Bundessch\u00fclerkonferenz forderte, die Sch\u00fcler*innen bundesweit vom Unterricht freizustellen. In einer Pressemitteilung schrieb sie, dass der \u00bbMehrwert so einer demokratischen Erfahrung\u00ab weitaus h\u00f6her sei, \u00bbals es der von einem einzelnen Schultag je sein k\u00f6nnte\u00ab. Eine Position zur Wehrpflicht selbst nimmt sie nicht ein.<\/p>\n<p>Laut der Nachrichtenseite \u00bbJugendinfo\u00ab versuchten Schulleitungen vorab, die Protestierenden einzusch\u00fcchtern. In St\u00e4dten wie D\u00fcsseldorf und Heilbronn soll es zu Androhungen von Disziplinarverfahren und Schulverweisen gekommen sein. Einige Schulen untersagten es den Sch\u00fcler*innen, Flyer zu verteilen. In anderen St\u00e4dten sollen Lehrkr\u00e4fte den Streik hingegen unterst\u00fctzt haben. Die Kampagne verweist auf die Meinungs- und Versammlungsfreiheit als Grundpfeiler einer aktiven Beteiligung an demokratischen Prozessen.<\/p>\n<p>Die Initiative versteht den Kampf gegen Militarisierung dar\u00fcber hinaus als einen Kampf gegen rechts. Sie kritisiert, dass Sch\u00fcler*innen in die Kaserne sollten und dort \u00bbzu Nationalismus erzogen werden\u00ab. Schlie\u00dflich h\u00e4uften sich Meldungen \u00fcber Rassismus und rechte Strukturen in der Bundeswehr. In einer Stellungnahme mit dem Titel \u00bbSchulstreik ohne die AfD\u00ab verweist die Kampagne mit verschiedenen Beispielen darauf, dass die AfD \u00bbden wahnsinnigen Militarisierungsdiskurs der Regierung\u00ab mitgehe. Sie distanziert sich auch von jenen Teilen der AfD, die wie die Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt behaupten, an der Seite der Wehrpflichtgegner*innen zu stehen. Der Aufruf verdeutlicht: \u00bbIhr seid Teil des Problems.\u00ab Man werde sich von der rechten Partei nicht vereinnahmen lassen.<\/p>\n<p>Es ist eine Ansage \u2013 nicht nur an die Politiker*innen, die \u00fcber die K\u00f6pfe der Jugend hinweg entscheiden, sondern auch an diejenigen, die behaupten, eine Opposition dagegen zu sein. Dieser Freitag scheint ein Auftakt zu sein, der \u00bbGrundstein f\u00fcr eine wehrhafte Sch\u00fclerbewegung\u00ab, wie ein Redner auf dem Mehringplatz meint. \u00bbKeiner k\u00e4mpft f\u00fcr uns, wenn wir es nicht tun.\u00ab Einen Termin f\u00fcr den n\u00e4chsten Streiktag hat die Kampagne mit dem 5. M\u00e4rz bereits festgelegt. Pistorius wird wohl noch viele weitere Videos drehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315150\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315150.jpeg\" alt=\"Die Sch\u00fcler*innen wollen selbst \u00fcber ihre Zukunft entscheiden.\"\/><\/p>\n<p>Die Sch\u00fcler*innen wollen selbst \u00fcber ihre Zukunft entscheiden.<\/p>\n<p>Foto: Ruta Dreyer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Streiks gegen den Wehrdienst sind die gr\u00f6\u00dften Sch\u00fcler*innenproteste seit Fridays For Future. 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