{"id":626938,"date":"2025-12-06T06:33:13","date_gmt":"2025-12-06T06:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626938\/"},"modified":"2025-12-06T06:33:13","modified_gmt":"2025-12-06T06:33:13","slug":"warum-viele-spielhallen-auf-ein-weihnachtswunder-hoffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626938\/","title":{"rendered":"Warum viele Spielhallen auf ein \u201eWeihnachtswunder\u201c hoffen"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Hannover. Martina Roos steht hinter dem Tresen einer Admiral-Spielhalle in Hannover. Sie l\u00e4chelt den G\u00e4sten zu, serviert Getr\u00e4nke, hilft bei Fragen zu den Automaten. Seit zwei Jahren arbeitet die 58-J\u00e4hrige hier. Doch inzwischen begleitet sie die Sorge, dass diese Routine bald enden k\u00f6nnte. Zum Jahresende l\u00e4uft im nieders\u00e4chsischen Spielhallengesetz eine \u00dcbergangsfrist aus \u2013 und f\u00fcr Standorte wie diesen h\u00e4tte das sp\u00fcrbare Folgen.\u00a0 <\/p>\n<p>Betroffen sind sogenannte Doppelspielhallen: zwei Spielst\u00e4tten unter einem Dach, jeweils mit h\u00f6chstens zw\u00f6lf Automaten und gemeinsamem Personal. Nach Angaben des Automatenverbands Niedersachsen gibt es landesweit rund 250 davon. K\u00fcnftig d\u00fcrften sie nicht mehr in dieser Form weiterbetrieben werden: Eine der beiden Hallen m\u00fcsste schlie\u00dfen. Rund 3.000 Arbeitspl\u00e4tze stehen nach Branchenangaben auf der Kippe. <\/p>\n<p>Einer davon ist der von Roos. Die Ungewissheit setzt ihr zu. \u201eSo viele schlaflose N\u00e4chte wie in letzter Zeit hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie gehabt\u201c, sagt sie. Auch ihren Kolleginnen und Kollegen gehe die Situation nahe. \u201eWir l\u00e4cheln, aber eigentlich k\u00f6nnten wir heulen.\u201c <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Niedersachsen als \u201eSorgenkind\u201c <\/p>\n<p>Admiral, die deutsche Gaming-Marke der Novomatic AG, betreibt zwischen Harz und K\u00fcste 25 Doppelspielhallen. Noch spreche man keine K\u00fcndigungen aus, sagt Regionalleiter Florian Baum, der auch f\u00fcr andere Bundesl\u00e4nder zust\u00e4ndig ist. Niedersachsen sei f\u00fcr das Unternehmen aber schon l\u00e4nger \u201eein Sorgenkind\u201c. <\/p>\n<p>Baum hofft, dass das Land noch eingreift. Sollte das nicht passieren, rechnet er damit, dass bis zu 75 der insgesamt knapp 700 Besch\u00e4ftigten in Niedersachsen gehen m\u00fcssten \u2013 im ung\u00fcnstigsten Fall k\u00f6nnten es auch 150 werden. Eine Kette wie Admiral k\u00f6nne solche Ver\u00e4nderungen eher auffangen, sagt er. F\u00fcr kleinere Betreiber hingegen k\u00f6nne der Wegfall einer Halle existenzbedrohend sein. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Admiral-Regionalleiter-Florian-Baum-warnt-Wenn-an-einem-1192735.jpg\" title=\"Warum viele Spielhallen auf ein \u201eWeihnachtswunder\u201c hoffen\" alt=\"Admiral-Regionalleiter Florian Baum warnt: Wenn an einem Standort nur eine Spielhalle weiterbetrieben werden darf, k\u00f6nne das f\u00fcr viele Betriebe zum Problem werden.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>Admiral-Regionalleiter Florian Baum warnt: Wenn an einem Standort nur eine Spielhalle weiterbetrieben werden darf, k\u00f6nne das f\u00fcr viele Betriebe zum Problem werden. &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Julian Stratenschulte\/dpa<\/p>\n<p> Petition fordert Landesregierung zum Umsteuern auf <\/p>\n<p>Mit einer Kampagne und einer Online-Petition will die Branche auf die drohenden Betriebsschlie\u00dfungen aufmerksam machen. Baum bezeichnet sie als \u201edas letzte Zucken des Fischs an der Angel\u201c. Mehr als 3.000 Menschen haben die Petition unterzeichnet. Gerichtet ist sie an die Landesregierung. <\/p>\n<p>Das Wirtschaftsministerium teilt dazu mit: Das nieders\u00e4chsische Spielhallengesetz so zu ver\u00e4ndern, dass die \u00dcbergangsfrist weiterl\u00e4uft, sei nach Ansicht der Landesregierung \u201enur schwer\u201c mit den Vorgaben des Gl\u00fccksspielstaatsvertrags zu vereinbaren. <\/p>\n<p>\u201eDie Landesregierung nimmt die Sorgen um Arbeitspl\u00e4tze sehr ernst und ist bereit, hierzu in einen Dialog mit der nieders\u00e4chsischen Spielhallenbranche zu treten\u201c, hei\u00dft es. Man pr\u00fcfe derzeit, welche M\u00f6glichkeiten es gebe, Arbeitspl\u00e4tze zu sichern \u2013 etwa durch eine Ausweitung der \u00d6ffnungszeiten. <\/p>\n<p>Gleichzeitig betont das Ministerium, dass in Niedersachsen bereits der \u00fcberwiegende Teil der Spielhallen als Einzelspielhallen betrieben werde. Ein Standort k\u00f6nne daher grunds\u00e4tzlich weiter genutzt werden, auch wenn eine von zwei Hallen schlie\u00dfen m\u00fcsse. <\/p>\n<p>Roos und ihre G\u00e4ste <\/p>\n<p>Viele ihrer G\u00e4ste h\u00e4tten die Petition ebenfalls unterschrieben, sagt Roos. Fr\u00fcher arbeitete sie im Lebensmitteleinzelhandel, heute versteht sie sich als eine Art \u201eSeelsorgerin\u201c. Mit den allermeisten sei sie per Du \u2013 und sie versuche, den \u00dcberblick zu behalten. Viele k\u00e4men, um \u201eihren Kopf freizukriegen\u201c. Manche setzten sich selbst ein Limit, spielten ihr Geld herunter und verg\u00e4\u00dfen f\u00fcr einen Moment ihre Sorgen. <\/p>\n<p>Wer sich auff\u00e4llig verhalte, etwa ungew\u00f6hnlich unruhig wirke, werde auf einen Kaffee oder eine Cola eingeladen. Roos sagt \u00fcber sich, sie h\u00f6re zu, mache Mut, wenn es n\u00f6tig sei. \u201eSo ist das bei uns: eine gro\u00dfe Familie, aber mit Richtlinien und Vorschriften.\u201c Ihr sei es wichtig, zu helfen. Manchmal empfehle sie G\u00e4sten auch eine Sperre. <\/p>\n<p>Zwischen Schutz und Sucht <\/p>\n<p>Wer eine Spielhalle betritt, muss seinen Personalausweis vorzeigen. Das Personal pr\u00fcft dann, ob im deutschlandweiten Sperrsystem Oasis ein Eintrag vorliegt. Eine Selbstsperre kann jederzeit und kostenfrei beantragt werden \u2013 sie gilt mindestens drei Monate. Bei einer Gl\u00fccksspielsucht oder einer \u00dcberschuldung k\u00f6nnen auch Angeh\u00f6rige oder andere eine Fremdsperre beantragen. <\/p>\n<p>Dem Gl\u00fccksspielatlas 2023 zufolge leiden rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland unter einer St\u00f6rung durch das Gl\u00fccksspielen; weitere 3 Millionen zeigen ein problematisches Spielverhalten. Unterst\u00fctzung erhalten Betroffene unter anderem telefonisch oder online. \u201eManche nehmen es an\u201c, sagt Roos. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend im legalen, regulierten Markt Jugendschutz und bestimmte Regeln zum Spielerschutz gelten, seien Spielende bei illegalen Angeboten weitgehend schutzlos, hei\u00dft es auf der Webseite des Bundesbeauftragten f\u00fcr Suchtfragen. <\/p>\n<p>\u201eKonjunkturprogramm f\u00fcr den Schwarzmarkt\u201c <\/p>\n<p>Die Deutsche Automatenwirtschaft warnt: \u201eWenn legale Spielhallen verschwinden, zieht das Spiel in Schattenm\u00e4rkte ab\u201c, sagt Vorstandssprecher Georg Stecker. \u201eDas ist ein Konjunkturprogramm f\u00fcr den Schwarzmarkt, auf Kosten der Sicherheit der Menschen.\u201c Nach Branchenangaben ist nahezu jedes dritte Gl\u00fccksspielger\u00e4t in Deutschland illegal oder manipuliert. <\/p>\n<p>Das Wirtschaftsministerium widerspricht: F\u00fcr die Annahme, dass eine Verringerung legaler Angebote automatisch den Schwarzmarkt wachsen lasse, gebe es \u201ekeinerlei wissenschaftliche Belege\u201c. Auch ein Zusammenhang zwischen dem Schlie\u00dfen von Doppelspielhallen und einer Zunahme illegalen Gl\u00fccksspiels sei nicht nachweisbar. <\/p>\n<p>Der Automatenverband Niedersachsen sieht ein weiteres Problem: Sollten landesweit rund 250 vergn\u00fcgungssteuerpflichtige Spielhallen schlie\u00dfen, fehlten den Kommunen wichtige Steuereinnahmen, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Justiziar Florian Heinze. Er rechnet mit Einbu\u00dfen von rund 20 Millionen Euro j\u00e4hrlich. <\/p>\n<p>CDU bringt Gesetzentwurf in Landtag <\/p>\n<p>Auch die CDU im Landtag sieht Handlungsbedarf. Sie will das nieders\u00e4chsische Spielhallengesetz so \u00e4ndern, dass die \u00dcbergangsfrist bis 2030 verl\u00e4ngert wird. Damit lie\u00dfen sich Spielerschutz und Arbeitspl\u00e4tze sichern, sagt der CDU-Abgeordnete Marcel Scharrelmann. \u201eGl\u00fccksspiel muss staatlich kontrolliert bleiben.\u201c <\/p>\n<p>In ihrem Gesetzentwurf verweist die CDU darauf, dass mehrere Bundesl\u00e4nder bereits l\u00e4ngere \u00dcbergangsfristen eingef\u00fchrt haben. In Hessen gilt sie bis 2032, in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt sogar bis 2037. In anderen L\u00e4ndern sind die Doppelspielhallen dagegen bereits Geschichte. <\/p>\n<p>Ministerium: Zeitrahmen war ausreichend <\/p>\n<p>Das Spielhallengesetz gilt in Niedersachsen seit dem 1. Februar 2022. Seitdem ist auch bekannt, dass die \u00dcbergangsfrist f\u00fcr Doppelspielhallen zum Jahresende ausl\u00e4uft. Aus Sicht des Wirtschaftsministeriums hatten die Betreiber damit gen\u00fcgend Zeit, \u201esich auf diese Situation einzustellen\u201c. Im nieders\u00e4chsischen Spielhallengesetz sei zudem ausdr\u00fccklich klargestellt, dass eine erneute Erlaubnis f\u00fcr einen Doppelbetrieb nicht zul\u00e4ssig sei. <\/p>\n<p>F\u00fcr Martina Roos bleibt dennoch die Unsicherheit. Was zum Jahresende aus ihrem Arbeitsplatz wird, wei\u00df sie nicht. Sie sagt, sie hoffe auf ein kleines \u201eWeihnachtswunder von Hannover\u201c. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Hannover. Martina Roos steht hinter dem Tresen einer Admiral-Spielhalle in Hannover. 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