{"id":626958,"date":"2025-12-06T06:44:15","date_gmt":"2025-12-06T06:44:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626958\/"},"modified":"2025-12-06T06:44:15","modified_gmt":"2025-12-06T06:44:15","slug":"spenden-fuer-die-telefonseelsorge-in-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/626958\/","title":{"rendered":"Spenden f\u00fcr die Telefonseelsorge in Leipzig"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig. Das Telefon klingelt. Mitten in der Nacht. Bettina Gruber (Name von der Redaktion ge\u00e4ndert) nimmt den H\u00f6rer ab. Wer am anderen Ende der Leitung sitzt, wei\u00df sie nicht. Nur so viel: Wahrscheinlich k\u00e4mpft die anrufende Person mit einem Problem. \u201eHallo, hier ist die Telefonseelsorge\u201c, meldet sich die 67-J\u00e4hrige. Ihre Telefonstimme klingt ein paar T\u00f6ne tiefer als im Alltag, wie sie berichtet: \u201eSo tief, dass ich schon mal gefragt wurde, ob ich ein Mann oder eine Frau sei.\u201c Das ist aber eigentlich auch egal: Die Telefonseelsorge funktioniert ohnehin anonym.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Rund um die Uhr ist die Nummer der Telefonseelsorge bundesweit erreichbar. Kostenlos f\u00fcr alle \u2013 auch an Feiertagen und nachts. \u201eImmer\u201c, bekr\u00e4ftigt Tina Freitag, die Leiterin der \u00f6kumenischen Telefonseelsorge der Diakonie in Leipzig. Sie betont: Das Angebot ist zwar christlich, wird \u00fcberwiegend durch die katholischen und evangelischen Landeskirchen finanziert, ist aber f\u00fcr alle da, unabh\u00e4ngig von der Religion.<\/p>\n<p>Anrufer oft in psychischen Notlagen<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die durchgehende Erreichbarkeit der Telefonseelsorge machen Ehrenamtliche wie Bettina Gruber m\u00f6glich. Bundesweit sind es fast 8000 Freiwillige. In Leipzig engagieren sich aktuell 72, wie Tina Freitag berichtet. Wer die Nummern der Telefonseelsorge w\u00e4hlt \u2013 es sind die 0800 1110111 oder die 0800 1110222, wird automatisch an die besetzten Stellen verteilt, landet vielleicht an Bettina Grubers H\u00f6rer in Leipzig.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sie sitzt in einem wohnlich eingerichteten Apartment in der Stadt: Teppich vor dem Schreibtisch, ein kleines Sofa in der Ecke, B\u00fccher im Holzregal an der Wand. Der Standort muss zum Schutz der Ehrenamtlichen jedoch geheim bleiben. Auch Bettina Gruber hei\u00dft eigentlich anders. Die 67-J\u00e4hrige will aber anonym bleiben. Sie sei am Telefon auch schon bedroht worden. Nicht selten rufen bei ihr Menschen an, die sich in akuten psychischen Notlagen befinden.<\/p>\n<p>Vierst\u00fcndige Dienste am Telefonh\u00f6rer<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Depressionen, Suizidgedanken, Einsamkeit, Ausweglosigkeit: Die Themen, die die Anrufenden besch\u00e4ftigen, h\u00e4ngen meist mit pers\u00f6nlichen Krisen zusammen. \u201eDas hat sich in den vergangenen Jahren kaum ver\u00e4ndert\u201c, wei\u00df Bettina Gruber. Sie hat vor 20 Jahren bereits ehrenamtlich die Ausbildung zur Telefonseelsorgerin absolviert. Seit sie vor zwei Jahren in Rente gegangen ist, engagiert sie sich wieder aktiv im Ehrenamt. Bettina Gruber \u00fcbernimmt rund zehn bis 20 Stunden im Monat die vierst\u00fcndigen Dienste am Telefonh\u00f6rer. Mit vier bis neun Anrufenden spricht sie in dieser Zeit im Schnitt.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist wichtig, dass die Ehrenamtlichen nach belastenden und kr\u00e4ftezehrenden Gespr\u00e4chen am Telefon einen Wohlf\u00fchlort haben, in dem sie sich wieder st\u00e4rken k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 iQZobn\">Tina Freitag<\/p>\n<p class=\"Quotestyled__AuthorDescription-sc-q277fq-2 hQAqgn\">Leiterin der \u00f6kumenischen Telefonseelsorge der Diakonie in Leipzig<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Tina Freitag w\u00fcrde die R\u00e4ume und damit das Umfeld, in denen die Ehrenamtlichen oft kr\u00e4ftezehrend arbeiten, gern sch\u00f6ner gestalten. Die gelernte Sozialarbeiterin und Supervisorin hat selbst schon Dienste am Telefon \u00fcbernommen und wei\u00df, wie intensiv die Gespr\u00e4che werden k\u00f6nnen. \u201eDeshalb ist es wichtig, dass sich die Ehrenamtlichen an ihrem Arbeitsort wohl und sicher f\u00fchlen und auch nach belastenden und kr\u00e4ftezehrenden Gespr\u00e4chen am Telefon einen Wohlf\u00fchlort haben, in dem sie sich wieder st\u00e4rken k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\u201eDer Bedarf ist gr\u00f6\u00dfer, als wir ihn decken k\u00f6nnen\u201c: Tina Freitag leitet die \u00f6kumenische Telefonseelsorge der Diakonie in Leipzig.  \" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DX2SPYHIQ5AVPFIO67LGICHB5U.jpg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Arbeit bis an die Grenzen der Belastbarkeit<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Hier m\u00f6chte die LVZ-Spendenaktion \u201eEin Licht im Advent helfen\u201c: Mit den Spenden der Leserinnen und Leser sollen die Arbeitsbedingungen f\u00fcr die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge verbessert werden \u2013 auch, damit das Angebot weiter erhalten oder vielleicht auch erweitert werden kann.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Denn die Arbeit geht auch f\u00fcr die geschulten ehrenamtlichen Helfer oft an die Grenzen der Belastbarkeit. \u201eViel Negativit\u00e4t, ganz viel Negativit\u00e4t\u201c, berichtet Bettina Gruber aus ihrem Alltag. Die Menschen sprechen mit ihr \u00fcber alles, was ihnen auf dem Herzen liegt. Insbesondere Einsamkeit sei ein immer gr\u00f6\u00dfer werdendes Problem, das viele tangiert \u2013 nicht nur \u00e4ltere Menschen, wie Tina Freitag berichtet. <\/p>\n<p>Gespr\u00e4che drehen sich oft um Einsamkeit <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Zahlen der Telefonseelsorge best\u00e4tigen sie: Im Jahr 2022 haben 1.010.214 Seelsorge- und Beratungsgespr\u00e4che stattgefunden, im vorigen Jahr stieg die Zahl auf \u00fcber 1,3 Millionen. \u201eDer Bedarf ist gr\u00f6\u00dfer, als wir ihn decken k\u00f6nnen\u201c, sagt Tina Freitag. In der Jahresstatistik hei\u00dft es: \u201eDas Thema Einsamkeit bleibt am Telefon Spitzenreiter bei den Nennungen. Seit der Corona-Pandemie wird das Leiden daran in jedem vierten Gespr\u00e4ch thematisiert.\u201c Speziell jetzt, wenn die Tage k\u00fcrzer werden, es drau\u00dfen kalt und grau ist, und die Feiertage anstehen, plagt die Einsamkeit. \u201eEs geht uns in unserer Gesellschaft vielleicht wirtschaftlich gut\u201c, erz\u00e4hlt Bettina Gruber, \u201eaber der Seele geht es \u00fcberhaupt nicht gut\u201c, wei\u00df sie aus ihrem Ehrenamtsalltag.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die LVZ-Spendenaktion \u201eEin Licht im Advent helfen\u201c: Mit den Spenden der Leserinnen und Leser sollen die Arbeitsbedingungen f\u00fcr die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge verbessert werden.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MLGPSFB2XZBEJAIT5FD5LXPOCA.jpg\" \/><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sie h\u00f6rt am Telefon Lebensgeschichten \u00fcber zerbrochene famili\u00e4re Beziehungen, \u00fcber Missbrauch, der schon im jungen Alter begann, \u00fcber den Plan, das eigene Leben bald zu beenden. All das geht nat\u00fcrlich nicht spurlos an einem vorbei. \u201eDiese verdammte Gesellschaft\u201c, platzt es aus der sonst so ruhigen Bettina Gruber auch mal heraus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Hilfe durch die LVZ-Spendenaktion \u201eEin Licht im Advent helfen\u201c: Die Bedingungen f\u00fcr die Mitarbeiter der Telefonseelsorge in Leipzig sollen verbessert werden.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/S3AN6QVZJJAY3EFSJJ3HPEWDEQ.jpg\" \/>Zuh\u00f6ren, aber nicht bewerten<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Sie nimmt sich am Telefon bis zu einer Stunde Zeit, um den Anrufenden zuzuh\u00f6ren. \u201eWirklich zuh\u00f6ren, nicht bewerten\u201c, erkl\u00e4rt sie. Wenn es passt, versucht sie, geeignete Hilfsangebote aufzuzeigen. Aber die gelernte Sozialarbeiterin wei\u00df: Das deutsche Hilfesystem ist \u00fcberlastet. \u201eMit unserem Angebot schlie\u00dfen wir zumindest ein paar L\u00fccken\u201c, so Bettina Gruber. Aber auch das ist begrenzt. \u201eWir d\u00fcrfen nicht den Anspruch haben, alle Probleme zu l\u00f6sen\u201c, wei\u00df die 67-J\u00e4hrige. Schon allein deshalb nicht, weil sie sich distanzieren muss, um die geh\u00f6rten Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wie funktioniert das bei all der Negativit\u00e4t? \u201eSich bewusst sein: Ich kann die Welt f\u00fcr die Anrufenden nicht retten, aber ich kann f\u00fcr sie da sein\u201c, hat Bettina Gruber f\u00fcr sich festgelegt. Am Ende ihres Dienstes zieht sie die Brandschutzt\u00fcr des Apartments hinter sich zu. Laut f\u00e4llt diese ins Schloss. \u201eSo ein ganz spezielles Ger\u00e4usch ist das\u201c, beschreibt Bettina Gruber. Mit dem Ger\u00e4usch l\u00e4sst sie die Probleme am Arbeitsort, geht m\u00f6glichst unbeschwert nach Hause. Bettina Gruber wei\u00df, geholfen zu haben, etwas Sinnvolles getan zu haben: \u201eIch bin nicht die Retterin\u201c, f\u00fcgt sie hinzu. \u201eIch bin einfach da.\u201c<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig. Das Telefon klingelt. Mitten in der Nacht. 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