{"id":627233,"date":"2025-12-06T09:31:13","date_gmt":"2025-12-06T09:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/627233\/"},"modified":"2025-12-06T09:31:13","modified_gmt":"2025-12-06T09:31:13","slug":"fehlbefunde-am-bremer-klinikum-mitte-was-bekannt-ist-was-ansteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/627233\/","title":{"rendered":"Fehlbefunde am Bremer Klinikum-Mitte: Was bekannt ist, was ansteht"},"content":{"rendered":"<p>Am Klinikum Bremen-Mitte gab es fehlerhafte Brustkrebs-Befunde.<\/p>\n<p>Bild: dpa bildfunk | Sina Schuldt<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Die Aufarbeitung von 34 bekannten Brustkrebs-Fehlbefunden in Bremen l\u00e4uft seit Tagen. Wir fassen den Stand zusammen \u2013 und beantworten die wichtigsten Fragen.<\/p>\n<p>Das Klinikum Bremen-Mitte steckt in der Krise. Grund daf\u00fcr sind Dutzende Fehlbefunde bei Brustkrebs-Patientinnen. Die betroffenen Frauen erhielten daraufhin eine Antik\u00f6rper-Therapie und in einigen F\u00e4llen auch eine Chemotherapie, die nicht notwendig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/brustkrebs-ultraschall-krebs-brust-100~_v-512x288_c-1765009543340.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-falsche-brustkrebs-befunde-100\" data-size=\"1920x1080\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ultraschall einer Brust mit Brustkrebs.\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Ultraschall einer Brust mit Brustkrebs.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/brustkrebs-ultraschall-krebs-brust-100~_v-512x288_c-1765009543340.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/brustkrebs-ultraschall-krebs-brust-100~_v-640x360_c-1765009543340.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ultraschall einer Brust mit Brustkrebs.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Wie wurden die Falschbefunde entdeckt?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Aufmerksam geworden auf die Befunde war ein behandelnder Gyn\u00e4kologe. Er hatte sich dar\u00fcber gewundert, dass bei zwei seiner Patientinnen der Krebs nicht wie erwartet auf die Therapie ansprach. Der Befund wurde \u00fcberpr\u00fcft, es stellte sich heraus: Er war falsch. Daraufhin wurden alle Befunde der betreffenden \u00c4rztin erneut gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Um sicherzugehen, nicht erneut Fehler zu machen, wurde dabei eine alternative Methode der Diagnostik angewandt. &#8222;F\u00fcr das Mammakarzinom k\u00f6nnen wir weitere F\u00e4lle ausschlie\u00dfen&#8220;, sagt Johann Ockenga, Klinikdirektor am Klinikum Bremen-Mitte.<\/p>\n<p>Welche Frauen sind betroffen?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Die verantwortliche \u00c4rztin war f\u00fcr die Geno von Oktober 2024 bis November 2025 t\u00e4tig. F\u00fcr diesen Zeitraum sind ihre rund 500 Befunde nachtr\u00e4glich gepr\u00fcft worden. Dabei wurden 34 F\u00e4lle festgestellt, die falsch befundet wurden.<\/p>\n<p>Betroffen sind dem Klinikverbund zufolge ausschlie\u00dflich Brustkrebs-Patientinnen des Klinikums Bremen-Mitte, des Klinikums Bremen-Nord sowie vom Krankenhaus St. Joseph-Stift. F\u00fcr diese drei Krankenh\u00e4user hatte die Pathologie in Bremen-Mitte Befunde erstellt.<\/p>\n<p>Welche Folgen haben &#8222;\u00dcbertherapierungen&#8220;?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Das l\u00e4sst sich nicht pauschal beantworten, sondern sei nur auf Grundlage individueller und detaillierter Pathologie-Befunde zu beurteilen, sagt Wolfgang Janni, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Gyn\u00e4kologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft.<\/p>\n<p>&#8222;Jede nicht indizierte Therapie birgt Risiken in sich, die nicht durch den erwarteten Mehrwert einer evidenzbasierten Therapie widergespiegelt wird&#8220;, sagt Janni. Sprich: Wenn eine Behandlung nicht wirklich notwendig ist, kann sie der Patientin schaden \u2013 und dieser Schaden kann dann gr\u00f6\u00dfer als der Nutzen sein.<\/p>\n<p>Wie wurden die betroffenen Frauen informiert?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Mit allen Frauen, deren Befunde fehlerhaft waren, haben die behandelnden \u00c4rztinnen und \u00c4rzte aus der Gyn\u00e4kologie unmittelbar Kontakt aufgenommen, sagt Klinikdirektor Ockenga gegen\u00fcber buten un binnen.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-with-authorimage\">\n<p class=\"citation-text\">Alle betroffenen Frauen wurden aufgekl\u00e4rt. Und es wurde ihnen Hilfe angeboten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-circled  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAP\/\/\/wAAACH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAICRAEAOw==\"   alt=\"Der Arzt Johann Ockenga im Studio von buten un binnen.\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Der Arzt Johann Ockenga im Studio von buten un binnen.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/johann-ockenga-102~_v-160x160_c-1764794334902.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/johann-ockenga-102~_v-640x360_c-1764794334902.jpg\"\/><\/p>\n<p>Johann Ockenga, Klinikdirektor am Klinikum Bremen-Mitte<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat das Klinikum Bremen-Mitte eine Hotline f\u00fcr Nachfragen eingerichtet (siehe Kasten).<\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nHotline f\u00fcr Nachfragen<\/p>\n<p>Das Klinikum Bremen-Mitte weist auf seiner Website darauf hin, dass alle betroffenen Patientinnen bereits informiert worden sind. Wer trotzdem noch Fragen zu entsprechenden Befunden oder Therapien hat, sollte sich entweder beim behandelnden Arzt oder unter der Telefonnummer 0421 497 81424 melden.<\/p>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Nicht betroffene Frauen wurden zun\u00e4chst auch nicht von ihren behandelnden \u00c4rzten informiert. Dies will die Geno nun nachholen. &#8222;Wir werden alle 500 Patientinnen, die bei uns in Behandlung sind, anschreiben&#8220;, sagt Sprecherin Karen Matiszick.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/johann-ockenga-100~_v-512x288_c-1581428372376.jpg\" data-gallery-entry-for=\"bremen-falsche-brustkrebs-befunde-100\" data-size=\"1920x1080\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Prof. Dr. med. Johann Ockenga\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Prof. Dr. med. Johann Ockenga\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/johann-ockenga-100~_v-512x288_c-1581428372376.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/johann-ockenga-100~_v-640x360_c-1581428372376.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Johann Ockenga ist Klinikdirektor am Klinikums Bremen-Mitte.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Wie konnte es zu den Fehlbefunden kommen?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Die verantwortliche \u00c4rztin soll einen spezifischen Marker bei Gewebeproben falsch interpretiert haben. Das blieb l\u00e4ngere Zeit unentdeckt. Daf\u00fcr gibt es Klinikdirektor Ockenga zufolge mehrere Gr\u00fcnde: &#8222;In einer Pathologie werden t\u00e4glich hunderte Befunde befundet&#8220;, sagt Ockenga. Nicht f\u00fcr alle Befunde k\u00f6nne ein Vier-Augen-Prinzip durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus galt die verantwortliche \u00c4rztin dem Klinikdirektor zufolge als erfahrene Fach\u00e4rztin. Abgesehen vom Klinikum Mitte habe sie auch an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen gearbeitet, wo sie auch ausgebildet worden sei. &#8222;Wir sind davon ausgegangen, dass sie auf einem hohen Niveau unterwegs war&#8220;, sagt Ockenga. Der Fehler, der zu den Fehlbefunden gef\u00fchrt habe, sei ein systematischer gewesen. &#8222;Am Ende war es ein individueller Fehler&#8220;, sagt Ockenga.<\/p>\n<p>Auch qualit\u00e4tssichernde Ma\u00dfnahmen h\u00e4tten nicht gegriffen, sagt der Klinikdirektor. Ringversuche beispielsweise, bei denen einzelne Proben eingeschickt und von einer anderen Person befundet worden seien, h\u00e4tten nichts Auff\u00e4lliges ergeben.<\/p>\n<p>Gibt es verpflichtende Qualit\u00e4tsvorgaben?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">&#8222;Onkologische Leitlinien spielen in der Behandlung von Krebsbetroffenen eine wichtige Rolle&#8220;, sagt Johannes Bruns, Generalsekret\u00e4r der Deutschen Krebsgesellschaft. Die &#8222;S3-Leitlinie Mammakarzinom&#8220; beispielsweise betone den Stellenwert einer interdisziplin\u00e4ren Behandlung in einem zertifizierten Zentrum.<br \/>&#8222;Eine Behandlung nach einer Leitlinie ist aber nicht verpflichtend&#8220;, sagt Bruns.<\/p>\n<p>Eine Umsetzung des Vier-Augen-Prinzips, wie es auch die &#8222;S3-Leitlinie Mammakarzinom&#8220; empfiehlt, muss also nicht zwangsl\u00e4ufig umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Welche Konsequenzen haben die Fehlbefunde?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Speziell f\u00fcr die Befundung des Mammakarzinoms hat das Klinikum-Mitte nun ein konsequentes Vier-Augen-Prinzip eingef\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus ist geplant, k\u00fcnftig mehr Stichproben zu nehmen.<\/p>\n<p>Auch im Umgang mit den betroffenen Frauen will das Klinikum Bremen-Mitte Verantwortung \u00fcbernehmen. Dies gelte auch f\u00fcr etwaige Entsch\u00e4digungen. &#8222;Sicherlich ist es ein Fehler unsererseits, und wir werden daf\u00fcr auch die notwendigen Konsequenzen tragen&#8220;, sagt Klinikdirektor Ockenga.<\/p>\n<p>Parallel hat auch die Staatsanwaltschaft Bremen erste Ermittlungen aufgenommen.<\/p>\n<p>Die verantwortliche \u00c4rztin arbeitet inzwischen nicht mehr f\u00fcr das Klinikum-Mitte. Auch an der Universit\u00e4tsmedizin G\u00f6ttingen (UMG) ist sie bis Weihnachten freigestellt worden, teilt eine UMG-Sprecherin mit.<\/p>\n<p>Welche Konsequenzen fordert die Politik?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) teilt mit, dass sie die Vorf\u00e4lle &#8222;zutiefst ersch\u00fcttern&#8220;. &#8222;Allen ist bewusst: Die betroffenen Frauen m\u00fcssen nun jegliche Unterst\u00fctzung erhalten&#8220;, so die Senatorin. Sie fordert &#8222;umfassende Aufkl\u00e4rung und Transparenz&#8220;.<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Auch die gesundheitspolitischen Sprecher der Bremer Parteien \u00e4u\u00dfern sich zu den Geschehnissen. Sie fordern Aufkl\u00e4rung, strukturelle Konsequenzen und bessere Qualit\u00e4tssicherungsma\u00dfnahmen \u2013 insbesondere ein verpflichtendes Vier-Augen-Prinzip. Das Thema wird auch in der n\u00e4chsten Woche in der B\u00fcrgerschaft besprochen: Die Gruppe B\u00fcrgerallianz f\u00fcr Bremen und Bremerhaven hat die Debatte beantragt. Viele Punkte seien noch unklar, und m\u00fcssten politisch aufgearbeitet werden, hei\u00dft es zur Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 4. Dezember 2025, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Klinikum Bremen-Mitte gab es fehlerhafte Brustkrebs-Befunde. 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