{"id":628836,"date":"2025-12-07T01:55:28","date_gmt":"2025-12-07T01:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/628836\/"},"modified":"2025-12-07T01:55:28","modified_gmt":"2025-12-07T01:55:28","slug":"paul-millns-spielte-in-der-tante-ju","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/628836\/","title":{"rendered":"Paul Millns spielte in der Tante Ju"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dresden. Musik heutzutage ist f\u00fcnf Prozent Talent, f\u00fcnf Prozent K\u00f6nnen, f\u00fcnf Prozent Handwerk und \u2013 bei wie viel Prozent sind wir jetzt? Egal: Der Rest ist Marketing. Nun gut, vermutlich ist das ein wenig arg pessimistisch, ansonsten h\u00e4tte er nicht vor der Pandemie die Tonne an zwei Abenden hintereinander gef\u00fcllt und w\u00e4re das aktuelle Konzert von Paul Millns in der Tante Ju nicht so gut besucht gewesen. Aber eigentlich m\u00fcsste dieser Mann mindestens den Kulturpalast komplett ausverkaufen. Und zwar Sekunden, nachdem der Auftritt angek\u00fcndigt ist.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Hier kommt das Marketing ins Spiel. Denn wenn jemand unter \u201eBluespianist\u201c einsortiert wird, dann horcht (leider!) oft nur eine kleine Gruppe auf. W\u00fcrde der Mann aus Norfolk jedoch als der grandiose S\u00e4nger und Songwriter vermarktet, der er ist, nun: siehe oben.<\/p>\n<blockquote><p>We won\u2019t stay long<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 iQZobn\">Zeile aus dem Millns-Song &#8222;Home for the weekend&#8220;<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Denn Paul Millns, der in diesem Jahr 80 gewordene, kleine, zierliche Herr mit den wei\u00dfen Haarb\u00fcscheln, spielt nat\u00fcrlich ein \u00fcberaus exzellentes Klavier. Schon mit den Tasten und den Pedalen zaubert er aber ebenso andere Kl\u00e4nge. Da ist viel Boogie-Woogie dabei, Ragtime, auch Rockiges, ebenso Jazz, Soul und schlicht wundersch\u00f6ne Melodien. Wiederholt kommt einem w\u00e4hrend des wundervollen Abends, was das Klavierspiel angeht, der verstorbene Joe Sample in den Sinn. Aber auch eine typische Tom-Waits-Stimmung wird da mitunter erzeugt. Dazu kommen dann die Texte, kleine, exakt beobachtete Geschichten, fast immer mit einer feinen, typisch britischen Ironie, aber auch mit viel Liebe. Vorgetragen mit einer Stimme, die zwar manchmal bluesig-rau klingt, h\u00e4ufiger aber sauber, durchaus noch stattliche H\u00f6hen erklimmend, ber\u00fchrend. Das Englisch, in dem Millns singt und wohlformulierte Zwischentexte spricht, ist so perfekt prononciert, dass man niederknien m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Seit knapp 60 Jahren macht Millns Musik, ging als junger Mann nach London, wo im Kreis um Alexis Korner gerade der Blues das Baby Rock\u2019n\u2018Roll bekam. Und der junge Millns stand mit allen auf der B\u00fchne. Entsprechend gut passt er als Erz\u00e4hlstimme im Song \u201eHome for the Weekend\u201c, den er den saisonalen TV-Bildern von gl\u00fccklichen Familien entgegensetzen m\u00f6chte (danke daf\u00fcr!). Darin geht es um einen jungen Mann, der in die gro\u00dfe Stadt gezogen ist, sich aber notgedrungen an einem Wochenende gemeinsam mit der mitgebrachten Freundin wieder mit seinem Dorf, seinen Eltern, seiner Erinnerung arrangieren muss. \u201eWe won\u2019t stay long\u201c (Wir bleiben nicht lange) ist da der einzige Trost \u2026<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Paul Millns, mit Gitarrist Ingo Rau\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2ARLWR5JTVFFRCGAHKXR5VB6K4.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ja, Paul Millns ist altersweise, aber nicht altersmilde. Seit mehr als 50 Jahren schreibt er seine eigenen Songs, geschult an den Besten der Zunft \u2013 aber alles, was er an dem Abend in der Tante Ju zum Besten gab, leuchtete aus sich heraus, trug seine ganz eigene Handschrift. Den Song \u201eCalling all Clowns\u201c leitet er mit einer Bemerkung \u00fcber den orangefarbenen \u201eIdioten\u201c im Wei\u00dfen Haus ein, an den man aktuell leider denken m\u00fcsse, wenn es um jene Zirkusmenschen geht. Freuen kann er sich dennoch am Treiben in der Manege, und dass auch seine Enkelkinder den Zauber noch empfinden. Sein Klavier und das Akkordeon von Begleiter Ingo Rau versetzt uns bei dem St\u00fcck auch musikalisch ins Zirkusrund.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Raus F\u00e4higkeiten m\u00fcssen unbedingt noch gew\u00fcrdigt werden: Der Deutsche ist Teil von Millns\u2018 langj\u00e4hrigem Trio, dazu geh\u00f6rt auch der Dresdner Butch Coulter, der krankheitsbedingt ausfiel und zum Schluss des Abends mit einem gro\u00dfen Applaus herzlich gegr\u00fc\u00dft wurde. Rau sorgt mit E- und E-Kontrabass sowie seinem Akkordeon f\u00fcr die wichtige Unterst\u00fctzung von Millns\u2018 Klavier und Gesang.<\/p>\n<p>Querschnitt aus 50 Jahren<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aus diesem Abend mit seinem Querschnitt durch Millns\u2018 Songs der vergangenen 50 Jahre H\u00f6hepunkte herauszupicken, ist schwer. \u201eHistory of a Kiss\u201c z\u00e4hlt dazu, die Erinnerung an eine l\u00e4ngst vergangene Beziehung; in die gleiche melancholisch-poetische R\u00fcckblick-Schublade geh\u00f6rt \u201eThanks for the Photographs\u201c. Sein Titanic-Song tr\u00e4gt den Titel \u201eMy Heart Won\u2019t Go On\u201c \u2013 als er den Film sah, habe er sich \u201enach drei, vier Stunden nur einen Eisberg gew\u00fcnscht, damit er endlich vorbei ist\u201c. \u201eSmall Mercies\u201c zeigt hingegen den Menschenfreund: Millns weist darauf hin, dass es die kleinen Gesten zwischen zwei Menschen sind, die das Leben in schrecklichen Zeiten angenehmer machen.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Alle, die an diesem Abend nicht dabei waren, seien hiermit aufgefordert, das n\u00e4chste Mal zu kommen. Eine M\u00f6glichkeit, die Zeit bis dahin zu \u00fcberbr\u00fccken, sind Millns\u2018 Alben. Die es nicht mehr auf Spotify gibt, wie er seinen Fans erst Anfang November mitgeteilt hat, mit der klaren Begr\u00fcndung der Ausbeutung der Kreativen auf dieser Plattform, daf\u00fcr aber \u2013 wer nicht die physische Variante will \u2013 als digitaler Download von seiner Homepage zu beziehen sind. Viele Besucherinnen und Besucher entschieden sich in der Tante Ju f\u00fcr Platten und CDs direkt vom Merch-Stand. Gut so!<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dieses Jahr war alles andere als arm an bemerkenswerten Konzerten. Der Abend mit Paul Millns steht in meiner pers\u00f6nlichen Liste dennoch ganz oben unter den Top-Auftritten.<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">DNN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dresden. 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