{"id":628880,"date":"2025-12-07T02:20:42","date_gmt":"2025-12-07T02:20:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/628880\/"},"modified":"2025-12-07T02:20:42","modified_gmt":"2025-12-07T02:20:42","slug":"soziale-infrastruktur-haushaltskuerzungen-gefaehrden-suizidpraevention-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/628880\/","title":{"rendered":"Soziale Infrastruktur \u2013 Haushaltsk\u00fcrzungen gef\u00e4hrden Suizidpr\u00e4vention in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315095\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315095.jpeg\" alt=\"Bei Suizidgedanken ist schnelle und unb\u00fcrokratische Hilfe wichtig \u2013 zum Beispiel beim Berliner Krisendienst.\"\/><\/p>\n<p>Bei Suizidgedanken ist schnelle und unb\u00fcrokratische Hilfe wichtig \u2013 zum Beispiel beim Berliner Krisendienst.<\/p>\n<p>Foto: iStock\/Getty Images\/Dima Berlin<\/p>\n<p>In Berlin sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunf\u00e4lle, T\u00f6tungsdelikte und Drogenmissbrauch zusammen. 500 Menschen beenden hier im Jahr durchschnittlich ihr Leben \u2013 in den Augen der Fachstelle Suizidpr\u00e4vention eindeutig zu viele. Die Fachstelle hat das Ziel, die Zahl der Suizide in Berlin bis 2030 um ein Drittel zu reduzieren. Sie ist Teil eines breiten Netzes von Angeboten zur <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195359.gesundheit-suizidpraevention-in-berlin-wenn-reden-leben-rettet.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Suizidpr\u00e4vention<\/a>, die verschiedene Versorgungsleistungen erf\u00fcllen. Doch der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190399.haushalt-berlin-kuerzungen-die-krank-machen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aktuelle Haushaltsentwurf<\/a> bedroht ihre Arbeit.<\/p>\n<p>\u00bbDie Haushaltsverhandlungen sind f\u00fcr uns nicht nachvollziehbar\u00ab, meint Markus Gei\u00dfler, Leiter der Fachstelle Suizidpr\u00e4vention, zu \u00bbnd\u00ab. \u00bbWir sehen zwar, dass dort Posten durch die Gegend geschoben werden, wir wissen jedoch nicht, was f\u00fcr reale Konsequenzen es hat\u00ab. Zwar sei der Fachstelle versichert worden, dass der Status Quo erhalten werden soll. Was genau das hei\u00dft, sei jedoch unklar. Die Fachstelle Suizidpr\u00e4vention, 2022 mit der Caritas als Tr\u00e4ger aus dem Netzwerk Suizidpr\u00e4vention hervorgegangen, informiert und sensibilisiert zum Thema. Mit ihrer Kampagne \u00bbSchweigen kostet Leben\u00ab m\u00f6chte die Fachstelle auf das Tabuthema <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195388.psychische-erkrankungen-wie-gefaengnisse-gegen-suizide-kaempfen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Suizid<\/a> aufmerksam machen. Zudem hat sie f\u00fcr das Land eine Suizidpr\u00e4ventionsstrategie erarbeitet, die ihm Ende November \u00fcbergeben wurde. Diese ist noch nicht \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p>Auch der Berliner Krisendienst musste lange um seine Finanzierung f\u00fcrchten. Sophie Bootz, Gesamtkoordinatorin der Anlaufstelle f\u00fcr Menschen in psychosozialen Krisen und akuten psychischen Notf\u00e4llen, sagt: \u00bbWir haben erst Ende November Signale der Entwarnung aus dem Abgeordnetenhaus erhalten.\u00ab Jetzt seien sie ermutigt und erleichtert. \u00bbGleichzeitig hoffen wir auf eine langfristige Absicherung \u00fcber das Jahr hinaus\u00ab, so Bootz. Der Krisendienst ist von j\u00e4hrlichen Zuwendungen abh\u00e4ngig, die Ungewissheit und einen gro\u00dfen Verwaltungsaufwand zur Konsequenz haben. Unter K\u00fcrzungen h\u00e4tte unter anderem der niedrigschwellige <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193909.welttag-der-suizidpraevention-hilfsangebote-fehlen-oder-werden-nicht-genutzt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zugang zu Unterst\u00fctzung<\/a> gelitten, es w\u00e4ren l\u00e4ngere Wartezeiten zu bef\u00fcrchten gewesen. \u00bbBesonders bei Menschen mit akuten Suizidgedanken h\u00e4tte das t\u00f6dliche Folgen haben k\u00f6nnen\u00ab, sagt Bootz. <\/p>\n<p>Der Bedarf an psychosozialer Versorgung ist gro\u00df. Knapp 90 000 Kontakte mit Menschen in Krisen verzeichnet der Berliner Krisendienst jedes Jahr. Durchschnittlich zehn Gespr\u00e4che pro Woche f\u00fchrt der Krisendienst mit Menschen, die akut suizidal sind, also kurz davor stehen, sich zu suizidieren. In diesem Stadium ein Gespr\u00e4ch mit dem Krisendienst zu f\u00fchren, reduziert das Risiko signifikant. \u00bbDie meisten Menschen, die suizidal sind, brauchen eine Pause von dem, was alles \u00fcber ihnen zusammenschl\u00e4gt\u00ab, sagt Winfried Glatz, ebenfalls vom Berliner Krisendienst. 60 Prozent seiner Arbeitszeit machen Dienste aus, in denen er Kontakt mit Menschen in Krisen hat. Dabei sei die wesentliche Aufgabe, herauszufinden, worum es wirklich geht, und L\u00f6sungen zu erarbeiten. Glatz meint: \u00bbSuizidale Menschen isolieren sich von au\u00dfen und k\u00f6nnen die Welt nur in einem Tunnelblick sehen. Alles, was diesen Tunnel \u00f6ffnet, wie zum Beispiel ein Gespr\u00e4ch, ist hochpr\u00e4ventiv.\u00ab Daher sei es auf institutioneller Ebene wichtig, f\u00fcr Strukturen zu sorgen, die in solchen F\u00e4llen sofort zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbDass jemand mit einer schweren Depression viele Wochen auf einen Facharzttermin warten muss, ist inakzeptabel.\u00ab<\/p>\n<p>Ulrich Hegerl<br \/>Stiftung Deutsche Depressionshilfe <br \/>und Suizidpr\u00e4vention<\/p><\/blockquote>\n<p>Bootz betont allerdings, dass es im psychosozialen Bereich immer um eine gemeinsame Versorgungsleistung gehe: Menschen in Krisen k\u00f6nnten nur dann eine effektive und stabile Unterst\u00fctzung finden, wenn die verschiedenen Angebote in Berlin gut zusammenwirken. \u00bbWir als Berliner Krisendienst m\u00fcssen zum Beispiel auf Kontakt- und Beratungsstellen f\u00fcr Menschen mit psychischer Erkrankung in den Bezirken verweisen k\u00f6nnen\u00ab, so Bootz. <\/p>\n<p>Mehrere Bezirke h\u00e4tten allerdings bereits die Schlie\u00dfung von Kontakt- und Beratungsstellen angek\u00fcndigt, kritisiert der Landesbeirat f\u00fcr Menschen mit Behinderungen in einem Statement vom November. Das Statement wendet sich gegen die K\u00fcrzungen im Bereich psychosoziale Hilfen und Suizidpr\u00e4vention. Der Landesbeirat fordert einen fl\u00e4chendeckenden und niedrigschwelligen Zugang und die Ber\u00fccksichtigung besonders <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192372.psychotherapie-im-gespraech-zurueck-ins-leben.htm\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vulnerabler Gruppen<\/a>.<\/p>\n<p>Den Zusammenhang von Suizidpr\u00e4vention und psychischen Erkrankungen hebt auch Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidpr\u00e4vention, hervor. \u00bbHinter vielen Suiziden stehen nicht erkannte, nicht behandelte psychische Erkrankungen\u00ab, erkl\u00e4rt er \u00bbnd\u00ab. Vor allem <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195726.depressionen-hilfsangebot-ueberforderung-oder-betrug.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a> spielten dabei eine gro\u00dfe Rolle. Typisch f\u00fcr Depressionen ist, keine Gef\u00fchle mehr empfinden zu k\u00f6nnen, sich versteinert und hoffnungslos zu f\u00fchlen. Der Alltag wird als unertr\u00e4glich erlebt. \u00bbDer hohe Leidensdruck und die Hoffnungslosigkeit lassen dann den Suizid als einzigen Ausweg erscheinen\u00ab, so Hegerl. \u00bbAber Depressionen sind gut behandelbar.\u00ab<\/p>\n<p>Daher nennen sowohl die WHO als auch die EU die von Hegerl entwickelten gemeindebasierten B\u00fcndnisse gegen Depression als empfehlenswerten Ansatz f\u00fcr die Suizidpr\u00e4vention. Diese B\u00fcndnisse kombinieren die Ziele der besseren Versorgung von Menschen mit Depressionen und die Pr\u00e4vention von Suizid und Suizidversuchen. Ein wesentlicher Bestandteil dessen sind Fortbildungen von und Kooperationen mit <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194460.seelische-leiden-erste-anlaufstelle-bei-einer-depression.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Haus\u00e4rzt*innen<\/a>. \u00bbDas sind die ersten Anlaufstellen, auch wenn das nicht so bekannt ist\u00ab, meint Hegerl. Daneben spielen \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Entstigmatisierung von Depressionen sowie Fortbildungen f\u00fcr Multiplikator*innen eine essenzielle Rolle. Als Multiplikator*innen k\u00f6nnen Lehrer*innen, Pfarrer*innen, Pflegekr\u00e4fte, Journalist*innen oder Einsatzkr\u00e4fte auftreten. Zuletzt sei die Unterst\u00fctzung von Betroffenen und deren Angeh\u00f6rigen unter anderem mit Informationsmaterialien zur St\u00e4rkung der Selbsthilfe wichtig.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck sei es bedeutsam zu wissen, welche Anlaufstellen es gebe, so Hegerl. Er fordert unter anderem mehr kassen\u00e4rztliche Zulassungen f\u00fcr Fach\u00e4rzt*innen, um eine schnelle Erreichbarkeit zu gew\u00e4hrleisten. Die langen Wartezeiten bei Fach\u00e4rzt*innen und Psychotherapeut*innen sieht er \u00e4u\u00dferst kritisch. \u00bbDass jemand mit einer schweren Depression viele Wochen auf einen Facharzttermin warten muss, ist inakzeptabel\u00ab, so Hegerl. \u00bbDie Erkrankten brauchen viel Energie, um einen Termin zu ergattern \u2013 Energie, die depressiv Erkrankte gar nicht haben.\u00ab Sogar nach einem station\u00e4ren Aufenthalt dauere es sehr lange, bis man einen Therapieplatz erh\u00e4lt. \u00bbDas ist ein gro\u00dfes Problem\u00ab, sagt auch Markus Gei\u00dfler von der Fachstelle Suizidpr\u00e4vention.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen aufgrund von Suizidgedanken in psychiatrischen Kliniken j\u00e4hrlich in Berlin behandelt werden, konnte weder \u00fcber Kontaktaufnahme mit Norma Kusserow, Landesbeauftragte f\u00fcr psychische Gesundheit, noch \u00fcber die Pressestelle der Senatsverwaltung f\u00fcr Gesundheit noch \u00fcber die behandelnden Kliniken ermittelt werden. Auch Wartelisten f\u00fcr chronisch Suizidgef\u00e4hrdete waren nicht zu ermitteln. Ebenso wenig lagen der Gesundheitsverwaltung Wartelisten bei niedergelassenen Fach\u00e4rzt*innen und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190087.mentale-gesundheit-berlin-keine-neuen-therapieplaetze-in-sicht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Psychotherapeut*innen<\/a> vor.<\/p>\n<p>Derzeit liegt der Haushaltsplan 2026 dem Abgeordnetenhaus zur Abstimmung vor. Ende Dezember werden die Fachstelle Suizidpr\u00e4vention und andere Tr\u00e4ger erfahren, wie es f\u00fcr sie weitergehen wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">Wenn Sie Suizidgedanken haben, holen Sie sich Hilfe. Der Berliner Krisendienst bietet kostenlos Unterst\u00fctzung telefonisch und an neun Standorten an. Die Telefonnummer ist auf berliner-krisendienst.de auffindbar. Deutschlandweit ist die Telefonseelsorge \u00fcber 0800 1110111 erreichbar. Wenn Ihre Sicherheit oder die Sicherheit anderer gef\u00e4hrdet ist, rufen Sie die Nummer 112 an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei Suizidgedanken ist schnelle und unb\u00fcrokratische Hilfe wichtig \u2013 zum Beispiel beim Berliner Krisendienst. 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