{"id":629296,"date":"2025-12-07T06:56:13","date_gmt":"2025-12-07T06:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629296\/"},"modified":"2025-12-07T06:56:13","modified_gmt":"2025-12-07T06:56:13","slug":"wohnraumschutz-hamburg-erhoeht-druck-auf-ferienvermieter-lenkungswirkung-gewuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629296\/","title":{"rendered":"Wohnraumschutz: Hamburg erh\u00f6ht Druck auf Ferienvermieter \u2013 \u201eLenkungswirkung gew\u00fcnscht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg erh\u00f6ht die Geb\u00fchren f\u00fcr Wohnungen, die von Touristen genutzt werden. Das soll Verwaltungskosten decken. Der Schritt ist aber auch politisches Signal in einem Kampf um knappen Wohnraum, den l\u00e4ngst nicht mehr nur die Hansestadt f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ferienwohnungen sind f\u00fcr Touristen ein Gewinn \u2013 f\u00fcr St\u00e4dte jedoch h\u00e4ufig ein Verlust. Denn wo G\u00e4ste einziehen, fehlen Wohnungen f\u00fcr diejenigen, die bleiben wollen. In immer mehr Gro\u00dfst\u00e4dten in Europa bedeutet das: W\u00e4hrend Menschen f\u00fcr eine Wohnung Schlange stehen oder sich die Mieten nicht mehr leisten k\u00f6nnen, sind andere Immobilien reserviert f\u00fcr Besucher, die lediglich f\u00fcr ein paar N\u00e4chte kommen und dann wieder abreisen. Mit der Vermietung an diese Gruppe l\u00e4sst sich mehr Geld verdienen als mit einem festen Mietvertrag. Au\u00dferdem haben Tagesg\u00e4ste keine Mieterrechte und zu Mietnomaden, die dauerhaft wohnen, aber nie zahlen, werden sie auch nicht.<\/p>\n<p>Die Stadt Hamburg sieht darin l\u00e4ngst ein Problem, das den Wohnungsmarkt verengt. Jede Wohnung, die in der Hansestadt f\u00fcr \u00dcbernachtungsg\u00e4ste genutzt wird, fehlt auf dem Mietmarkt \u2013 und in einer Stadt, in der die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum seit Jahren steigt, ist das eine Entwicklung mit Sprengkraft.<\/p>\n<p>Die Hansestadt hat schon viel unternommen, diesen Trend zu bremsen. Nun greift der Senat zu einem Mittel, das so schlicht wie wirksam sein soll: h\u00f6here Geb\u00fchren. Wer seine Wohnung zweckentfremdet und erwischt wird, soll die Folgen k\u00fcnftig deutlicher sp\u00fcren. Die Erh\u00f6hung wird zwar offiziell als \u201emoderat\u201c eingestuft, zwischen 3 und 15 Prozent werden die \u201eGeb\u00fchren im Kontext der Zweckentfremdung von Wohnraum\u201c ab 2026 teurer. Es geht hier vor allem um Ausnahmegenehmigungen, um Wohnungen vor einer Renovierung l\u00e4ngere Zeit leer stehen lassen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wohnraum soll f\u00fcr Wohnzwecke erhalten bleiben<\/p>\n<p>Doch in einem Fall steigt der Geb\u00fchrensatz sogar um 45 Prozent \u2013 bei der wiederholten Aufforderung, illegale Angebote f\u00fcr Ferienunterk\u00fcnfte im Internet zu l\u00f6schen. 83 Euro sind es aktuell je inserierter Wohnung, 120 Euro werden es ab Januar sein. Bei mehreren Wohnungen kann die Summe k\u00fcnftig auf fast 1300 Euro steigen. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sagt ganz unverbl\u00fcmt: \u201eEine gewisse Lenkungswirkung zum Erhalt von Wohnraum zu Wohnzwecken ist dabei durchaus gew\u00fcnscht.\u201c<\/p>\n<p>Hinter dem Schritt steckt also mehr als der j\u00e4hrliche Rhythmus, in dem Geb\u00fchren auf ihre Kostendeckung hin \u00fcberpr\u00fcft werden: Es ist der Versuch, mit dem Preis als Waffe den Wohnraum zu verteidigen.<\/p>\n<p>Seit den 1970er-Jahren gibt es in Hamburg das Verbot, Wohnraum einfach umzunutzen. Was damals helfen sollte, schickeste Wohnungen nicht zu Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien oder B\u00fcros umzuwandeln, wurde allm\u00e4hlich zum Instrument gegen spekulativen Leerstand, Gentrifizierung durch \u00fcberteuerte und \u00fcberlange Modernisierungsma\u00dfnahmen. Mit dem Aufkommen der Portale zur Vermietung von Privatwohnungen an Hamburg-Besucher verschob sich der Fokus auf illegale Ferienwohnungen.<\/p>\n<p>Hamburg setzt dabei nicht auf strikte Verbote, sondern auf Kontrolle. Die Stadt verf\u00fcgt \u00fcber ein Instrument, das bundesweit Beachtung findet: die Wohnraumschutznummer. Sie ist der Schl\u00fcssel, um Kurzzeitvermietungen \u00fcber Plattformen wie Airbnb, Booking, Wimdu und andere zu regulieren, ohne sie komplett zu untersagen. Wer seine Wohnung bis zu acht Wochen im Jahr an G\u00e4ste \u00fcberlassen will, kann das tun \u2013 aber nur registriert und nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Seit der Reform des Wohnraumschutzgesetzes 2019 gilt: Jede \u00dcberlassung muss online gemeldet werden, jede Wohnung bekommt eine eigene Nummer, und ein Belegungskalender dokumentiert, wie oft vermietet wird. Acht Wochen im Jahr sind erlaubt, wenn es die ganze Wohnung betrifft. Wird nur ein einzelnes Zimmer an G\u00e4ste vermietet, ist mehr erlaubt. Die Plattformen sind verpflichtet, diese Nummern anzuzeigen. <\/p>\n<p>\u201eDurch das System der Hamburgischen Wohnraumschutznummern wissen die bezirklichen Wohnraumschutzdienststellen unmittelbar, wer hinter welchem Online-Angebot steht und wie oft eine Wohnung zu welchem Zweck \u00fcberlassen wird\u201c, sagt Andr\u00e9 Stark, Sprecher der Beh\u00f6rde f\u00fcr Stadtentwicklung und Wohnen. \u201eSo werden Verst\u00f6\u00dfe gezielt geahndet und Wohnungen bei Bedarf wieder ihrem eigentlichen Zweck zugef\u00fchrt \u2013 dem Wohnen.\u201c Dabei arbeiten die \u00c4mter untereinander zusammen. Neben dem Wohnraumschutz werden Steuerhinterziehung oder Gewerbeverst\u00f6\u00dfe verfolgt und kontrolliert, ob das Baurecht \u00fcberhaupt eine Kurzzeitvermietung zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Fast 650.000 Euro Bu\u00dfgeld in sechs Jahren<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Stadt ist es ein System, das funktioniert. Mehr als 13.500 Wohnraumschutznummern wurden bisher vergeben. Und wo Beratung nicht reicht, greifen Sanktionen: Seit 2019 wurden mehr als 800 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, fast 650.000 Euro an Bu\u00dfgeldern verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Vor der Reform war das anders. Bis 2018 wurden illegale Ferienwohnungen \u2013 es gab damals gesch\u00e4tzt rund 4500 \u2013 meist nur entdeckt, wenn Nachbarn Anzeige erstatteten. Ermittlungen waren aufwendig, Eigent\u00fcmer oft nicht identifizierbar, die Dauer der \u00dcberlassung kaum nachzuverfolgen. Die Reform von 2019 war deshalb ein Wendepunkt: Sie brachte Transparenz, digitale Registrierung und klare Regeln.\u00a0<\/p>\n<p>Anders als Hamburg, das schon lange Erfahrung mit dem Ph\u00e4nomen hat, f\u00fchrte Schleswig-Holstein den Wohnraumschutz erst 2024 und erst nach langer kontrovers gef\u00fchrter politischer Debatten ein. Kommunen wie Sylt, St. Peter-Ording oder Scharbeutz kannten das Problem aus Hamburg zwar schon lange: W\u00e4hrend es f\u00fcr Touristen sogar im Hochsommer und spontan m\u00f6glich war, eine Unterkunft f\u00fcr den Urlaub zu finden, gab es f\u00fcr Sylter, Eiderstedter oder Timmendorfer in ihren Orten entlang der K\u00fcsten von Nord- und Ostsee keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Jedes Jahr klagten zudem die Hoteliers und Gastronomen keinen Wohnraum mehr f\u00fcr ihre Bediensteten zu finden und deshalb keine Mitarbeiter mehr gewinnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Gemeinden versuchten das Problem \u00fcber Bebauungspl\u00e4ne zu l\u00f6sen \u2013 oft gerichtlich umstritten. L\u00fcbeck wagte 2020 eine Zweckentfremdungssatzung, die sp\u00e4ter scheiterte. Tourismusvertreter und der Bestandsschutz dominierten die Debatte. Dann eskalierte die Lage. In Nordseeorten stellten Kontrollen fest, dass bis zu 71 Prozent der Ferienwohnungsangebote illegal waren. Die Folge: massive Kontrollen, neue Satzungen, ein Landesgesetz. <\/p>\n<p>Seit dem 5. Juli 2024 gilt in Schleswig-Holstein das Wohnraumschutzgesetz. Es erm\u00e4chtigt St\u00e4dte und Gemeinden mit wenig freien Mietwohnungen, Verordnungen zu erlassen. Diese machen dann \u2013 wie etwa in Flensburg umgesetzt \u2013 eine Genehmigung f\u00fcr Ferienwohnungen n\u00f6tig. Das bedeutet f\u00fcr die Vermieter, es gibt Brandschutzauflagen oder Stellplatzvorgaben zu erf\u00fcllen. Oder sie verbieten es den Vermietern, ihre Wohnungen anders zu nutzen als f\u00fcr Langfristvermietungen. Wer dann trotzdem \u00fcber einschl\u00e4gige Portale um \u00dcbernachtungsg\u00e4ste wirbt, riskiert eine Strafe.<\/p>\n<p>Und der Norden bleibt nicht allein. Durch die neue EU-Verordnung 2024\/1028 ger\u00e4t die Zweckentfremdung von Wohnraum nun auch in ganz Deutschland und Europa st\u00e4rker in den gesetzlichen Fokus. Ab dem 20. Mai 2026 werden Online-Plattformen dazu verpflichtet, Daten zu den gebuchten \u00dcbernachtungen \u2013 wie die Anzahl der G\u00e4ste und der \u00dcbernachtungen \u2013 an die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden zu \u00fcbermitteln. Ziel ist eine europaweite Regulierung des wachsenden Kurzzeitvermietungsmarktes. Die EU reagiert damit auf eine Entwicklung, die l\u00e4ngst nicht mehr nur Metropolen betrifft: Kurzzeitvermietungen machen inzwischen fast ein Viertel aller \u00dcbernachtungen in der EU aus. In St\u00e4dten wie Barcelona, Paris oder Berlin sind die Folgen sichtbar \u2013 schrumpfender Wohnraum, Proteste gegen \u201eTouristifizierung\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hamburg bedeutet die Verordnung: noch mehr Transparenz, noch weniger Schlupfl\u00f6cher. Die Stadt begr\u00fc\u00dft den Vorsto\u00df aus Br\u00fcssel daher ausdr\u00fccklich. \u201eDas ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und wird uns auch in Hamburg weitere Kontrollm\u00f6glichkeiten an die Hand geben\u201c, sagt Andr\u00e9 Stark von der Stadtentwicklungsbeh\u00f6rde. Plattformen wie Airbnb haben die neuen Regeln bereits als \u201eWendepunkt\u201c bezeichnet und angek\u00fcndigt, enger mit St\u00e4dten kooperieren zu wollen. Hotelverb\u00e4nde dr\u00e4ngen auf eine strikte Umsetzung und verweisen auf die rasante Dynamik: 854 Millionen \u00dcbernachtungen gab es \u00fcber Plattformen in der EU im Jahr 2024 \u2013 ein Plus von 19 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. Die Verordnung soll hier helfen, Tourismusinteressen und Wohnraum zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<blockquote class=\"c-citation__body\">\n<p class=\"c-citation__text\">Wir haben in den Hamburger Bezirken viel zu wenig Mitarbeitende, die sich mit der Frage besch\u00e4ftigen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Hamburgs Kurs ist klar: Wohnraum ist rar, und die Stadt will ihn nicht durch Ferienwohnungen weiter verknappen. Die Geb\u00fchrenerh\u00f6hung ist dabei Teil einer Strategie, die auf Kontrolle und \u00f6konomische Steuerung setzt.<\/p>\n<p>Doch nicht alle sind zufrieden. \u201eDie Stadt tut zwar einiges, um privat vermietete Wohnungen an Ferieng\u00e4ste zu reglementieren, allerdings leider nicht genug, um sicherzustellen, dass die Ferienvermietung nur in einem Rahmen erfolgt, der dem Wohnungsmarkt keinen Wohnraum entzieht\u201c, sagt Rolf Bosse, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg. Er sieht vor allem ein strukturelles Problem: \u201eWir haben in den Hamburger Bezirken viel zu wenig Mitarbeitende, die sich mit der Frage besch\u00e4ftigen, ob eine Wohnung zweckentfremdet wird, zum Beispiel als illegale Ferienwohnung.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg erh\u00f6ht die Geb\u00fchren f\u00fcr Wohnungen, die von Touristen genutzt werden. Das soll Verwaltungskosten decken. 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