{"id":629659,"date":"2025-12-07T10:44:12","date_gmt":"2025-12-07T10:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629659\/"},"modified":"2025-12-07T10:44:12","modified_gmt":"2025-12-07T10:44:12","slug":"europas-klimazoll-mutiert-zum-turbo-fuer-die-deindustrialisierung-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629659\/","title":{"rendered":"Europas Klimazoll mutiert zum Turbo f\u00fcr die Deindustrialisierung \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Vier Wochen noch. Dann packt die Europ\u00e4ische Union eines der weitreichendsten Klimaschutzinstrumente in ihrer bisherigen Geschichte aus. Mit erstem J\u00e4nner 2026 stellt Br\u00fcssel den CO2-Grenzausgleich CBAM, landl\u00e4ufig bekannt als \u201eKlimazoll\u201c, scharf. Eisen, Zement, Stahl, Aluminium, Strom, D\u00fcnger und Wasserstoff, der aus weniger umweltfreundlichen Regionen in die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" klimazoll=\"\" mutiert=\"\" zum=\"\" turbo=\"\" f=\"\" die=\"\" deindustrialisierung=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> kommt, wird dann an der Grenze k\u00fcnstlich verteuert. Damit werde man Europas Vorstellung von Klimaschutz in die Welt exportieren und gleichzeitig die eigene Industrie sch\u00fctzen, so die Idee hinter dem einstigen Vorzeigeprojekt der Green-Deal-Kommission. Doch kurz vor Einf\u00fchrung gibt es statt Applaus fast nur noch Kritik \u2013 von innen wie von au\u00dfen. Wirtschaftsforscher fordern ein radikales Umdenken von Br\u00fcssel.  <\/p>\n<p>Die Gegenwehr der Handelspartner bekamen die Europ\u00e4er zuletzt am Klimagipfel in Bel\u00e9m zu sp\u00fcren. Von \u201egr\u00fcnem Protektionismus\u201c oder gar \u201eKolonialismus\u201c war da die Rede. Indien, China und etliche andere Staaten dr\u00e4ngten die EU in die Defensive. Um ein Haar w\u00e4re CBAM sogar im Abschlussdokument als Handelsbarriere f\u00fcr die Energiewende gebrandmarkt worden. Dabei gehe es der EU nicht darum, den Handel einzuschr\u00e4nken, betonte Jacob Werksman, Chefverhandler der EU, sondern nur darum, Europas Unternehmen, die mit viel h\u00f6heren CO2-Kosten kalkulieren m\u00fcssen als die Konkurrenz, eine faire Chance zu verschaffen. \u201eMan muss sicherstellen, dass offene M\u00e4rkte nicht die Deindustrialisierung der eigenen Wirtschaft vorantreiben\u201c, sagte Werksman. Doch es herrschen gro\u00dfe Zweifel, dass CBAM in seiner heutigen Form daran etwas \u00e4ndern wird. <\/p>\n<p>\u201eDie Idee ist gut und richtig\u201c, sagt Wifo-Chef <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/gabriel-felbermayr\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" klimazoll=\"\" mutiert=\"\" zum=\"\" turbo=\"\" f=\"\" die=\"\" deindustrialisierung=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gabriel Felbermayr<\/a> zur \u201ePresse am Sonntag\u201c. \u201eAber die Umsetzung, die jetzt droht, ist nicht vielversprechend.\u201c Wenige Wochen vor seinem offiziellen Start sei der CO2-Grenzausgleich \u201enotwendig, aber noch nicht einsatzbereit\u201c, best\u00e4tigt auch Elisabeth Christen, Handels\u00f6konomin am Wifo. Die EU hat zwar in einem ersten Schritt neun von zehn Unternehmen von der CBAM-Pflicht befreit. Das war gut gemeint, doch am eigentlichen Problem ging die Reform schlichtweg vorbei. <\/p>\n<p>Um zu verstehen, warum das so ist, muss man wissen, wie die EU Klimapolitik betreibt: Energieintensive Industriebetriebe und Stromerzeuger bezahlen in Europa aktuell rund 80 Euro f\u00fcr jede Tonne CO2, die sie aussto\u00dfen. Das soll sie antreiben, auf klimafreundlichere Produktionsweisen umzusteigen, birgt aber auch die Gefahr, dass die europ\u00e4ischen Unternehmen von Konkurrenten aus L\u00e4ndern abgeh\u00e4ngt werden, die ihnen keine oder viel geringere CO2-Kosten aufb\u00fcrden. Um ein Abwandern der solcherart benachteiligten Industrie aus Europa zu verhindern, erhielten die Produzenten bisher ein bestimmtes Kontingent an CO2-Zertifikaten gratis zugeteilt. Mit erstem J\u00e4nner soll der Klimazoll diese Schutzfunktion \u00fcbernehmen und die Gratiszertifikate werden schrittweise zur\u00fcckgefahren. F\u00fcr die europ\u00e4ischen Unternehmen bedeutet das in erster Linie stark steigende CO2-Kosten, warnt die deutsche Commerzbank. Den versprochenen Schutz k\u00f6nne Europa nicht liefern. <\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist die Begrenzung von CBAM auf wenige Grundstoffe. Der Klimazoll mag europ\u00e4ischen Stahl- und Zementherstellern innerhalb des europ\u00e4ischen Markts helfen. Doch alle nachgelagerten Industrien haben nur Nachteile zu bef\u00fcrchten. Wer etwa in Europa Waschmaschinen oder K\u00fchlschr\u00e4nke bauen will, muss einerseits teureren Stahl zukaufen, genie\u00dft aber keinerlei Schutz vor g\u00fcnstigeren Importprodukten aus Asien. Au\u00dferhalb des europ\u00e4ischen Marktes greift CBAM ohnedies gar nicht. F\u00fcr die europ\u00e4ischen Exporteure wirken die hohen CO2-Kosten also auch nach der Einf\u00fchrung des Klimazolls als schwerer Wettbewerbsnachteil. Dass auch der Import von Elektrizit\u00e4t mit einem Klimazoll belegt wird, h\u00e4lt Georg Zachmann vom Br\u00fcsseler Thinktank Bruegel f\u00fcr eine komplette Themenverfehlung. Strom w\u00fcrde dadurch nur teurer, die Versorgung instabiler, der behauptete Klimanutzen sei nicht nachweisbar, begr\u00fcndet er die Bruegel-Forderung, Strom vom CBAM-Regime zu befreien.  <\/p>\n<blockquote class=\"fm-quote flexmodule flexmodule--quote\">\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbDer Klimazoll war eine gute Idee, aber er h\u00e4lt nicht, was er verspricht. Die EU sollte ihn reparieren, bevor es zu sp\u00e4t ist.\u00ab     <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch sonst k\u00f6nne sich Europa nicht darauf verlassen, dass sich der Rest der Welt bekehren lasse, um dem Klimazoll zu entgehen, warnen \u00d6konomen. \u201eWir wissen, wie fragil die geopolitische Lage ist\u201c, erinnert Christen. L\u00e4nder wie China, Indien und allen voran die USA h\u00e4tten keinen Zweifel daran gelassen, dass sie mit entsprechenden Gegenz\u00f6llen antworten w\u00fcrden. \u201eDa haben wir dann gar nichts gewonnen\u201c, so Felbermayr. <\/p>\n<p>Die EU-Kommission will das Ruder noch einmal herumrei\u00dfen und am 10.\u00a0Dezember neue Reformvorschl\u00e4ge f\u00fcr CBAM vorstellen. Die Wirtschaftsforscher pl\u00e4dieren daf\u00fcr, trotzdem die Notbremse zu ziehen. \u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die Einf\u00fchrung verschoben wird\u201c, sagt Christen. Bis es Europa geschafft habe, das Instrument so umzubauen, dass es h\u00e4lt, was es verspricht, k\u00f6nnten die Gratiszertifikate weiterlaufen. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u201ebraucht die ambitionierte Klimapolitik der EU einen funktionierenden Grenzausgleich, sonst sind die steigenden CO2-Preise f\u00fcr die Industrie in Europa fatal\u201c. In seiner jetzigen Form n\u00fctzt CBAM aber wenig und birgt die Gefahr, die Deindustrialisierung der EU nur zu beschleunigen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vier Wochen noch. Dann packt die Europ\u00e4ische Union eines der weitreichendsten Klimaschutzinstrumente in ihrer bisherigen Geschichte aus. 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