{"id":629776,"date":"2025-12-07T11:48:11","date_gmt":"2025-12-07T11:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629776\/"},"modified":"2025-12-07T11:48:11","modified_gmt":"2025-12-07T11:48:11","slug":"maimarktgelaende-mannheim-12-000-besucher-feiern-beim-toxicator-wie-duracell-haeschen-mannheim-und-metropolregion-rhein-neckar-nachrichten-und-aktuelles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629776\/","title":{"rendered":"Maimarktgel\u00e4nde Mannheim: 12.000 Besucher feiern beim Toxicator wie Duracell-H\u00e4schen &#8211; Mannheim und Metropolregion Rhein-Neckar &#8211; Nachrichten und Aktuelles"},"content":{"rendered":"<p>Von Marco Partner<\/p>\n<p>Mannheim. &#8222;Je h\u00e4rter, desto entspannter bin ich&#8220;, sagt Manuela. Die 50-J\u00e4hrige hatte ihre wilden Rave-Zeiten eigentlich schon hinter sich. In den 1990ern feierte die Pf\u00e4lzerin auf der Loveparade in Berlin oder im Palazzo in Bingen. Nun geht sie mit ihrer 18-j\u00e4hrigen Tochter steil. Oder besser gesagt: Hard Style. Denn so lautet eines der Subgenres, die beim Toxicator-Festival abgefeiert werden.<\/p>\n<p>Das Techno-Event auf dem Maimarktgel\u00e4nde fr\u00f6nt schon seit 15 Jahren den harten und schnellen Sounds der elektronischen Musik. Wie ein Presslufthammer dringen die B\u00e4sse zu einem durch, wie nimmerm\u00fcde Duracell-H\u00e4schen stampfen viele der insgesamt 12.000 Besucher auf der Tanzfl\u00e4che. Die F\u00e4uste sind geballt, die Arme ruckeln wie bei einer Aufziehpuppe hin und her, als w\u00fcrden sie eine imagin\u00e4res Werkzeug, eine Schubkarre oder ein r\u00fcttelnde Maschine vor sich hertragen.<\/p>\n<p>Auf die k\u00f6rperliche Anstrengung aber folgt stets die Trance-Ekstase. Wenn pl\u00f6tzliche sph\u00e4rische Kl\u00e4nge den Raum einnehmen, die harte Musik melodisch wird. Oft mit engelsgleichen Vocals untermalt, oder mit Samples, kurzen Einspielern aus der Kommerz-Kiste: ein &#8222;Y.M.C.A.&#8220; von Village People oder &#8222;Faded&#8220; von Alan Walker kann kurz ert\u00f6nen, ehe die Melodien wieder durch den Fleischwolf gedreht werden, sich in peitschende Klangfetzen und verzerrte B\u00e4sse verwandeln, die nach Laser und Science-Fiction schmecken.<\/p>\n<p>Von au\u00dfen mag das erstmal befremdlich wirken. Auch Sarahs Freundinnen stehen nicht unbedingt auf Hardcore. Sie und ihre Mutter aber lieben es, bei der Toxicator f\u00fchlen sie sich sofort zuhause, wie in einer geborgenen Welt. &#8222;Auch wenn der Sound hart klingt, f\u00fcr mich ist es Erholung und Entspannung pur. Ich kann abschalten, eintauschen, mich bewegen wie ich will und mich so schminken wie ich will&#8220;, sagt Sarah, die ihr ganzes Gesicht als Totenkopf bemalt hat.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt \u00fcberwiegt ein Gothic-Look. Schwarze Klamotten, Netzstr\u00fcmpfe, T-Shirts. Der Dresscode der Szene aber wird aufgelockert: durch neonfarbene Streifen an der Hose, knallgelbe Turnschuhe, ein Knicklicht als Ohrring oder durch leuchtende H\u00fcte. Eigentlich scheint alles erlaubt. Der Hedonismus, der K\u00f6rperkult ist ein anderer als bei sonstigen Raves: nicht so cool, gest\u00e4hlt und aufgetakelt, eher Freizeitlook mit Trainingsanzug. Manche kommen auch als Nikolaus, mit Ugly Pulli oder gleich als Pok\u00e9mon. Die Toxicator ist sozusagen das Mekka f\u00fcr Techno-Nerds.<\/p>\n<p>Oliver Vordemvenne vom Koblenzer Veranstalter I-Motion bezeichnet das Genre gerne als &#8222;Heavy Metal oder Punkrock des Techno&#8220;. Hart und rebellisch, schnell und laut, aber vor allem auch friedlich, wild und alternativ. Es gilt ein Jedermannsrecht, jeder tanzt, wie er will, manche Frauen schmei\u00dfen die Beine nach vorne, manche M\u00e4nner pusten in Luftr\u00fcssel-Tr\u00f6ten, w\u00e4hrend von der B\u00fchne aus w\u00e4rmende Feuerfont\u00e4nen speien, es DJane Anime aus Italien mit Beats von bis zu 200 BPM krachen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&#8222;Sie baut immer wieder bekannte Anime-Sounds in ihre Musik ein, \u00fcberhaupt hat jeder DJ seine Geschichte, seinen eigenen Stil&#8220;, erkl\u00e4rt Sarah. Ein Star der Nacht (gefeiert wird von 22 bis 6 Uhr) ist Angerfist aus den Niederlanden Seit \u00fcber 20 Jahren ein Gesicht des Hardcore, obwohl er sein selbiges hinter einer Maske versteckt. Manche Fans ahmen seinen Look nach, andere G\u00e4ste von Pirmasens bis Pforzheim moshen lieber bei den wilden &#8222;Russian Village Boys&#8220; oder lassen sich von Dimitri K. f\u00f6rmlich wegblasen, der mit Gabber eine der schnellste aller Musikarten spielt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Manuela und Sarah ist die Fast-Forward-Musik die Flucht nach vorne, ein Ausbruch aus dem Alltag. Die Mutter arbeitet sonst als Altenpflegerin, die Tochter ist H\u00f6rakkusterin. &#8222;Was wir hier machen, ist also das genaue Gegenteil. Nach so vielen Jahren ist dieses Gef\u00fchl wieder da, und bei uns geht das ganz ohne Drogen&#8220;, sagt die Mutter, und verschwindet mit der Tochter und deren Freund John wieder auf der Tanzfl\u00e4che, um sich in ein Duracell-H\u00e4schen zu verwandeln. Um zu schwitzen und zu lachen. Die Toxicator ist eben hart, aber auch humorvoll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Marco Partner Mannheim. &#8222;Je h\u00e4rter, desto entspannter bin ich&#8220;, sagt Manuela. 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