{"id":62978,"date":"2025-04-26T14:25:21","date_gmt":"2025-04-26T14:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/62978\/"},"modified":"2025-04-26T14:25:21","modified_gmt":"2025-04-26T14:25:21","slug":"ein-klimaplan-fuer-frankreich-aber-ohne-kopf-und-ohne-beine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/62978\/","title":{"rendered":"Ein Klimaplan f\u00fcr Frankreich, aber ohne Kopf und ohne\u00a0Beine"},"content":{"rendered":"<p>Frankreichs Regierung pr\u00e4sentierte ihren nationalen Klimaplan, der das Land auf vier Grad Erw\u00e4rmung vorbereiten soll. Der Plan enth\u00e4lt ambitionierte Ma\u00dfnahmen zur Klimaanpassung. Doch an entscheidender Stelle hakt es.<\/p>\n<p>\t\t\tvon<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<strong>Laura K\u00f6nig<\/strong><\/p>\n<p>Paris im Jahr 2100. Hier ist es nun durchschnittlich so warm wie 2025 im s\u00fcdfranz\u00f6sischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montpellier\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Montpellier<\/a>. In der Stadt an der Mittelmeerk\u00fcste wiederum herrschen Temperaturen wie 75 Jahre zuvor in Andalusien, der s\u00fcdlichsten Region Spaniens.<\/p>\n<p>Das ist ein keineswegs pessimistisches, sondern ein realistisches Szenario, wenn die Politik ein &#8222;Weiter so&#8220; f\u00e4hrt. Denn die Welt befindet sich <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/international\/keine-heisse-luft-mehr-bitte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">nach UN-Berechnungen<\/a> auf einem Pfad zu drei Grad Erw\u00e4rmung zum Ende des Jahrhunderts. F\u00fcr Frankreich bedeutet das eine um 2,7 Grad h\u00f6here Temperatur im Jahr 2050 und um vier Grad f\u00fcr 2100, denn Europa erhitzt sich <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/erdsystem\/europa-erwaermt-sich-schneller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u00fcberdurchschnittlich<\/a> schnell.<\/p>\n<p class=\"add-placeholder-rectangle\">\u00a0<\/p>\n<p>Genau dieses Szenario nimmt die franz\u00f6sische Regierung seit zwei Jahren als Referenz, um das Land auf die &#8222;tragische Realit\u00e4t&#8220; vorzubereiten, wie Umweltministerin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agn%C3%A8s_Pannier-Runacher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Agn\u00e8s Pannier-Runacher<\/a> erkl\u00e4rte. &#8222;Es gibt keinen Ort auf unserem Territorium, der nicht von der Erderw\u00e4rmung betroffen ist&#8220;, sagte sie bei der Vorstellung von Frankreichs drittem nationalem Plan zur Anpassung an den Klimawandel, kurz <a href=\"https:\/\/www.ecologie.gouv.fr\/sites\/default\/files\/documents\/PNACC3.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Pnacc\u20113<\/a>. Das war Mitte M\u00e4rz, erwartet worden war der Klimaplan schon zwei Jahre zuvor\u00a0\u2013 unter anderem eine Regierungskrise kam dazwischen.<\/p>\n<p>Nun stehen da 52 Ma\u00dfnahmen, um die franz\u00f6sische Bev\u00f6lkerung auf die dr\u00e4ngendste aller Krisen vorzubereiten, die Folgen des Klimawandels. K\u00fcsten, Gebirge und W\u00e4lder sowie die Landwirtschaft sollen als die am st\u00e4rksten betroffenen Gebiete und Sektoren Priorit\u00e4t haben.<\/p>\n<p>Die Ausbildung von Landwirten soll ver\u00e4ndert, Studien zur Anpassung von Verkehr und landwirtschaftlichen Betrieben durchgef\u00fchrt und der Schutz von Arbeitnehmer:innen bei Hitzewellen verst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Wohnungen sollen besser vor Hitze sch\u00fctzen und auch wichtige Kulturst\u00e4tten wie der Eiffelturm auf Hitzewellen vorbereitet werden. Um eine Risikokultur in der Bev\u00f6lkerung zu entwickeln, sollen Freiwillige geschult werden, die bei Extremereignissen wie \u00dcberschwemmungen mobilisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Frankreichs Klimaanpassungs-Plan: F\u00fcnf Ma\u00dfnahmen im Detail<\/p>\n<p>Frankreichs nationaler Plan zur Anpassung an den Klimawandel unterteilt seine 52 Ma\u00dfnahmen in f\u00fcnf Kategorien: sch\u00fctzen\u00a0\u2013 die Bev\u00f6lkerung sowie das Kulturerbe\u00a0\u2013, absichern, anpassen und mobilisieren.<\/p>\n<p>Um die <strong>Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen<\/strong>, sieht der Klimaplan zum Beispiel vor, das Land besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten. Dazu sollen Fl\u00e4chen entsiegelt und die <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/deutschland\/wasser-in-der-landschaft-halten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">nat\u00fcrliche Funktionalit\u00e4t<\/a> von Wasserl\u00e4ufen wiederhergestellt werden, um der Entstehung von Hochwasser entgegenzuwirken. W\u00e4lder mit hohem Brandrisiko sollen mit Detektoren und \u00dcberwachungspatrouillen besser gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Zudem soll Frankreichs <strong>Kulturerbe besser gesch\u00fctzt<\/strong> werden. F\u00fcr die wichtigsten Kulturst\u00e4tten \u2013 auch f\u00fcr Parks und G\u00e4rten \u2013 sollen klimabedingte Risikofaktoren ermittelt und die regelm\u00e4\u00dfige Instandhaltung verbessert werden. Besonders wichtig sind dabei W\u00e4rmed\u00e4mmung und Luftzirkulation in Geb\u00e4uden, denn steigende Temperaturen oder trockenere Luft k\u00f6nnen Sammlungen in Archiven und Museen gef\u00e4hrden. Auch die energetische Sanierung solcher Geb\u00e4ude soll deshalb gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Um die Bev\u00f6lkerung besser <strong>gegen Naturkatastrophen abzusichern<\/strong>, nimmt der Klimaplan unter anderem Versicherungen in die Verantwortung, denn es wird bereits ein R\u00fcckzug von Versichern aus Regionen mit hohen Klimarisiken beobachtet. Geplant ist deshalb ein landesweites, bezahlbares Versicherungsangebot.<\/p>\n<p>Auch das Gesundheitswesen soll auf Klimafolgen vorbereitet werden, indem etwa das Personal geschult wird. Dabei geht es um Umweltrisiken in den Einrichtungen und um Krankheiten, die in Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Kapitel des Klimaplans ist der <strong>Anpassung in der Landwirtschaft<\/strong> gewidmet. Der Sektor soll nicht nur widerstandsf\u00e4higer gegen Klimaschwankungen werden, sondern sich auch zu einer \u00f6kologischen Landwirtschaft entwickeln. Daf\u00fcr will der Staat 400 Millionen Euro Eigenkapital bereitstellen, um innovative L\u00f6sungen und Betriebe in der agrar\u00f6kologischen Umstellung zu f\u00f6rdern. Das soll auch Frankreichs Ern\u00e4hrungssicherheit garantieren.<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfnahmenpaket geht es immer auch darum, die <strong>Risikokultur in der Gesamtbev\u00f6lkerung<\/strong> zu st\u00e4rken und die Franzosen zu Akteuren ihrer eigenen Sicherheit zu machen. Teil dieser Kommunikationsstrategie ist eine j\u00e4hrliche Anpassungswoche, bei der sich jede und jeder \u00fcber die Folgen des Klimawandels und m\u00f6gliche Anpassungsl\u00f6sungen informieren soll.<\/p>\n<p>Aber auch ein sogenanntes &#8222;Green Team&#8220; soll dazu beitragen. Die Gruppe aus Science-Fiction-Autor:innen, Wissenschaftler:innen und P\u00e4dagog:innen soll positive Visionen f\u00fcr ein \u00f6kologisches Frankreich im Jahr 2100 entwerfen und damit die Politik in Sachen Klimaanpassung lenken.<\/p>\n<p>&#8222;Unt\u00e4tigkeit wird viel teurer&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Das alles klingt nach einem Plan, der Frankreich tats\u00e4chlich auf den richtigen Klima-Anpassungskurs bringen k\u00f6nnte. Doch es gibt einen Knackpunkt: die Finanzierung.<\/p>\n<p>Der Klimaplan sieht zwar die Aufstockung eines bestehenden Umwelt-Fonds um 75 Millionen Euro vor, doch die damit insgesamt 300 Millionen Euro &#8222;sind ein Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein im Vergleich zu den ben\u00f6tigten Betr\u00e4gen&#8220;, kritisierte <a href=\"https:\/\/www.negawatt.org\/Anne-BRINGAULT\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Anne Bringault<\/a> vom R\u00e9seau Action Climat (<a href=\"https:\/\/reseauactionclimat.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">RAC<\/a>), einem Zusammenschluss von 27 franz\u00f6sischen Umweltverb\u00e4nden.<\/p>\n<p>Der Klimaplan lege f\u00fcr die Mehrheit der vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen kein Budget fest, so Bringault. &#8222;Wie soll man Ma\u00dfnahmen umsetzen, f\u00fcr die es kein Budget gibt, und mit welchem Ziel?&#8220;<\/p>\n<p>Eine berechtigte Frage\u00a0\u2013 und keine, die erst jetzt aufkam. Bereits in der \u00f6ffentlichen Konsultationsphase bem\u00e4ngelten fast alle der knapp 6.000 eingegangenen Beitr\u00e4ge, dass f\u00fcr das Ma\u00dfnahmenpaket nicht gleichzeitig auch ein Budget festgelegt wird. Offensichtlich wurde in der endg\u00fcltigen Version jedoch nicht nachgebessert.<\/p>\n<p>Der Klimaplan gehe in die richtige Richtung, &#8222;aber es fehlen ihm Kopf und Beine&#8220;, bringt es <a href=\"https:\/\/www.lecese.fr\/en\/publications\/face-climate-change-accelerating-fair-systemic-adaptation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nicolas Richard<\/a> vom Umweltdachverband France Nature Environnement (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/France_Nature_Environnement\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">FNE<\/a>) gegen\u00fcber der Agentur AFP auf den Punkt. Denn es mangele nicht nur an Finanzierung, sondern auch an operativem Ehrgeiz. Der Plan &#8222;bleibt eher kurzfristig orientiert, statt langfristige Ver\u00e4nderungen einzuleiten&#8220;, erg\u00e4nzt <a href=\"https:\/\/www.iddri.org\/en\/about-iddri\/team\/adele-tanguy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Ad\u00e8le Tanguy<\/a>, Expertin f\u00fcr Klimaanpassung.<\/p>\n<p class=\"placeholder-article-bottom\">\u00a0<\/p>\n<p>Auch die Entwicklungsorganisation <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oxfam\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Oxfam<\/a> h\u00e4lt den Plan f\u00fcr &#8222;nicht umsetzbar&#8220;. Sie kritisiert au\u00dferdem, dass Frauen, \u00c4ltere, Kinder und Menschen unter der Armutsgrenze darin nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt wurden, obwohl sie den Klimarisiken am st\u00e4rksten ausgesetzt sind. &#8222;Eine weitere verpasste Gelegenheit, die Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.oxfamfrance.org\/communiques-de-presse\/3e-plan-dadaptation-au-changement-climatique-oxfam-denonce-une-nouvelle-occasion-manquee-de-proteger-la-population\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">urteilt<\/a> die NGO. &#8222;Unt\u00e4tigkeit wird viel teurer werden als Anpassung.&#8220;<\/p>\n<p>Genau das Gleiche hatte die Umweltministerin sogar selbst <a href=\"https:\/\/www.assemblee-nationale.fr\/dyn\/17\/comptes-rendus\/cion-eco\/l17cion-eco2425023_compte-rendu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">verk\u00fcndet<\/a>. Pannier-Runacher mahnte, dass &#8222;ein Euro, der in die Anpassung investiert wird, morgen sieben bis acht Euro an vermiedenen Sch\u00e4den bedeuten wird&#8220;. Auf Worte m\u00fcssen eben auch Taten folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frankreichs Regierung pr\u00e4sentierte ihren nationalen Klimaplan, der das Land auf vier Grad Erw\u00e4rmung vorbereiten soll. 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