{"id":629856,"date":"2025-12-07T12:39:12","date_gmt":"2025-12-07T12:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629856\/"},"modified":"2025-12-07T12:39:12","modified_gmt":"2025-12-07T12:39:12","slug":"der-frankfurter-radio-dj-klaus-walter-wird-70-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/629856\/","title":{"rendered":"Der Frankfurter Radio-DJ Klaus Walter wird 70 Jahre alt"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eUnd nicht vergessen: Das n\u00e4chste Spiel ist immer das schwerste.\u201c Klaus Walter sagte das \u2013 sehr lakonisch \u2013 mehr als 25 Jahre lang als wiederkehrendes Ritual am Ende seiner hr-Radiosendung \u201eDer Ball ist rund\u201c. Was nach Fu\u00dfball, Kabine und Trainerlogik klingt, charakterisiert vielmehr Walters Liebe zur popkulturellen Welt. Man kann nicht einfach abspulen, was vorher funktioniert hat. Es gibt keinen sicheren Plan, nur den n\u00e4chsten Schritt. Walter hat Pop und Subkultur nie wie eine abgeschlossene Sammlung betrachtet, sondern wie ein offenes Feld. Jede neue Platte, jede neue Bewegung, jede neue Debatte stellt die Fragen von gestern auf den Kopf. Genau deshalb ist das n\u00e4chste Spiel das schwerste. Weil es neu zu h\u00f6ren verlangt, neu zu denken, neu zu zweifeln. Walters Motto: \u201eMusik, die ich verstehe, langweilt mich; Musik die mich interessiert, verstehe ich nicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Er ist aber auch der Mann in blauer Jeansjacke, der den Diskurspop als intellektuellen \u201eKonfliktstoff\u201c nach Frankfurt importiert und ihm zugleich eine unverwechselbare lokale Stimme gegeben hat. Klaus Walter, am 7. Dezember 1955 in Schwanheim geboren, ist so auch Teil des popkulturellen Ged\u00e4chtnisses der Stadt sowie ein Chronist ihrer Subkulturen, unter anderem als Ko-Autor des vor 20 Jahren erschienenen Buchs \u201ePlattenspieler\u201c, zusammen mit Thomas Mei\u00adnecke und Frank Witzel.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Walters Karriere beim <a data-rtr-index=\"0\" title=\"Hessischer Rundfunk\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/hessischer-rundfunk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hessischen Rundfunk<\/a> begann 1984 mit einer Volte. Als Redakteur des Stadtmagazins \u201ePflasterstrand\u201c hatte er eine Polemik zum damaligen hr3-Programm geschrieben, gegen jenen \u201eschwitzigen M\u00e4nnerrock\u201c (Walter), der alles seinerzeit Neue \u2013 Punk, New Wave, Reggae \u2013 demonstrativ ignorierte. Was folgte, nennt Walter selbst \u201eein M\u00e4rchen\u201c: Er wurde von Hanns Verres, seinem Kindheits-Radio-Idol, nach einer Probesendung engagiert. Die neue Show hie\u00df \u2013 frei nach Sepp Herberger &#8211; \u201eDer Ball ist rund\u201c und lief bis 2008 w\u00f6chentlich bei hr3.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Verres\u2019 Art, die \u201eFrankfurter Schlagerb\u00f6rse\u201c zu moderieren, sorgte \u00fcbrigens im Hause Walter in Schwanheim regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Streit zwischen dem konservativen Vater und der Beatles-liebenden Mutter. Das ging bis zum \u201eTellerschmei\u00dfen\u201c und lie\u00df den zehnj\u00e4hrigen Klaus Walter im Jahr 1965 zum ersten Mal sp\u00fcren: \u201eAn dieser Beatmusik ist irgendwas dran, da gibt es Konfliktstoff.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sein Wirken als Chronist der politisch linken Szene speiste sich sp\u00e4ter auch aus seinen n\u00e4chtlichen Taxifahrten in den fr\u00fchen Achtzigerjahren. In den Kellern der besetzten H\u00e4user im Frankfurter Westend dr\u00f6hnte Musik von The Doors und Ton Steine Scherben, im Taxi lief AFN. Walter beobachtete mit Skepsis nicht nur sp\u00e4tere Politgr\u00f6\u00dfen wie Joschka Fischer, dem er \u201eKollegen-Verpfeifen\u201c per Taxifunk attestierte \u2013 und beim Kicken im Ostpark den Stil eines \u201eehrgeizigen Treters\u201c. Er erlebte auch die Pr\u00e4senz der amerikanischen Soldaten. Stolz spielte er im Taxi schwarzen GIs Kassetten mit fr\u00fchem Rap von Grandmaster Flash vor.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnder des Idiot Ballroom in der Batschkapp<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eZu jung f\u00fcr Hippie, zu alt f\u00fcr Punk\u201c nennt sich Klaus Walter selbstironisch im eben erschienenen Buch \u201eAll das passierte in diesem irrsinnigen Milieu Frankfurt\u201c (Ventil-Verlag) von Kenneth Hujer. Jazz war nie sein Ding, daf\u00fcr Reggae und Punk mit der damals \u00fcblichen Do-it-yourself-Attit\u00fcde. Als DJ gr\u00fcndete er den Idiot Ballroom in der Batschkapp. Drau\u00dfen stritten die Spontis \u00fcber Theorie, drinnen kreisten die Vinylplatten mit New Wave und Indie-Rock aus Gro\u00dfbritannien etwa von The Smiths.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Trotz Angeboten von Magazinen wie \u201eSpex\u201c oder \u201eTempo\u201c blieb Walter in Frankfurt (und Offenbach, wo er lange wohnte). Er begr\u00fcndet dies mit einer Mischung aus Bequemlichkeit und einer gewissen Eitelkeit: \u201eLieber der Erste in der Provinz als einer von vielen in der Gro\u00dfstadt.\u201c Erst als Walter seine w\u00f6chentliche Sendung bei hr3 verlor, richtete er sich zu Hause in Fechenheim ein professionelles Studio ein. Dort produziert er bis heute Sendungen f\u00fcr Byte.FM (\u201eWas ist Musik\u201c) und WDR3 (\u201eEx und Pop\u201c), aber auch f\u00fcr hr2 (\u201eDoppelkopf\u201c). Es sind sorgf\u00e4ltig zusammengestellte Shows mit Titeln wie \u201eReibe deine Seele! 60 Jahre Rubber Soul\u201c oder \u201eBetongeburten, Neonschw\u00e4ne, n\u00e4chtlicher Regenbogen\u201c, die \u00fcber das Internet sowie die Audiothek auch \u00fcberregional zu h\u00f6ren sind.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Von den Beatles \u00fcber Cornershop zu Miriam Makeba: Das ist nur ein aktuelles Beispiel f\u00fcr eine musikalische Reise des Radio-DJs Klaus Walter, der sich selbst mehr als \u201eHandwerker einer aussterbenden Kunst\u201c denn als Kurator sieht. \u201ePopmusik war und ist in meinem Leben sehr relevant und das Sprechen und Schreiben dar\u00fcber ebenfalls\u201c, sagt er, der nicht nur Radiosendungen produziert, sondern auch f\u00fcr Tageszeitungen und Magazine schreibt. Ob er damit auch noch junge Musikfans erreicht? Oder sind die l\u00e4ngst zu algorithmenbasierten Streamingdiensten abgewandert? Klaus Walter sieht das differenziert: \u201eIch glaube, es wird in jeder Generation immer relevante Minderheiten geben, die sich f\u00fcr auch vermeintlich archaische oder \u00fcberkommene Formen medialer Praxis interessieren und die darin auch vielleicht das finden, von dem sie gar nicht wissen, dass sie es suchen und es einfach finden.\u201c<\/p>\n<p>Stefan M\u00fcller (DJ Eastenders) ist Autor und Radiojournalist, unter anderem f\u00fcr den Hessischen Rundfunk. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eUnd nicht vergessen: Das n\u00e4chste Spiel ist immer das schwerste.\u201c Klaus Walter sagte das \u2013 sehr lakonisch \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":629857,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1829],"tags":[29,2050,2051,30,2052],"class_list":{"0":"post-629856","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankfurt-am-main","8":"tag-deutschland","9":"tag-frankfurt","10":"tag-frankfurt-am-main","11":"tag-germany","12":"tag-hessen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115678333534868636","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/629856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=629856"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/629856\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/629857"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=629856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=629856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=629856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}