{"id":630988,"date":"2025-12-07T23:49:17","date_gmt":"2025-12-07T23:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/630988\/"},"modified":"2025-12-07T23:49:17","modified_gmt":"2025-12-07T23:49:17","slug":"sind-die-gruenen-in-der-opposition-angekommen-und-wie-geht-es-weiter-gespraech-mit-stanislav-elinson-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/630988\/","title":{"rendered":"Sind die Gr\u00fcnen in der Opposition angekommen und wie geht es weiter? Gespr\u00e4ch mit Stanislav Elinson \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Scheitern der Ampelkoalition und den vorgezogenen Neuwahlen sind die Gr\u00fcnen nicht mehr in der Bundesregierung, in der s\u00e4chsischen Regierung sind sie seit der letzten Landtagswahl ebenfalls nicht mehr vertreten. Oft, besonders bei den Abstimmungen \u00fcber die Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur und Bundeswehr, entstand aber der Eindruck, dass sie noch nicht richtig in der Rolle einer Oppositionspartei angekommen waren.<\/p>\n<p>Vom 28. bis 30. November fand in Hannover die Bundesdelegiertenkonferenz der Gr\u00fcnen statt. Wir trafen uns am 3. November mit Stanislav Elinson zum Gespr\u00e4ch. Stanislav Elinson ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer IT-Firma in Leipzig, Mitglied der Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und trat f\u00fcr diese bei Bundestagswahl 2025 als Direktkandidat f\u00fcr den Wahlkreis Leipzig I an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/08c0b3c512bc41c08aa6ebbda039b508.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/12\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/12\/1\"\/><b>Herr Elinson, hallo und erst einmal vielen Dank daf\u00fcr, dass es so schnell geklappt hat. Anfangs f\u00fcr die Leser eine Verst\u00e4ndnisfrage: Was ist der Unterschied zwischen einer Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) und einem Parteitag?<\/b><\/p>\n<p>Da gibt es keinen Unterschied. Das ist einfach der Name f\u00fcr einen Parteitag der B\u00fcndnisgr\u00fcnen.<\/p>\n<p><b>Es hei\u00dft, die Gr\u00fcnen haben sich neu aufgestellt, ist die Partei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen jetzt in der Opposition angekommen?<\/b><\/p>\n<p>Ja, in der verantwortungsvollen Opposition ist man ja relativ schnell angekommen. Das war auch so ein flie\u00dfender \u00dcbergang direkt nach der Bundestagswahl, mit der Notwendigkeit, das Sonderverm\u00f6gen und die Ausnahme f\u00fcr die Verteidigung und f\u00fcr die Bundeswehr von der Schuldenbremse, mit einer Zweidrittelmehrheit, zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Das war so eine gemischte Aufgabe mit durchaus Verantwortung aus der Opposition heraus. Und jetzt hat man sich auch an die Rolle ein St\u00fcck weit gew\u00f6hnt. Was ich wichtig finde und was uns, glaube ich, ganz gut gelingt ist, dass Opposition eben nicht bedeutet, dass man es sich auf einmal zu komfortabel macht, zu bequem macht und anf\u00e4ngt Dinge zu fordern, die nicht realistisch umsetzbar sind und die nicht verantwortungsvoll sind. Das machen wir nicht.<\/p>\n<p><b>Der Grund f\u00fcr die Frage war, dass sowohl im Bund, als auch im Land oft der Eindruck entsteht, die Gr\u00fcnen verst\u00fcnden sich noch als quasi Regierungspartei. So wurde beim Sonderverm\u00f6gen hineinverhandelt, dass dieses f\u00fcr zus\u00e4tzliche Aufgaben, beispielsweise f\u00fcr Klimaschutz, Bahn etc., verwendet werden soll. Allerdings passiert jetzt etwas anderes.<\/b><\/p>\n<p>Irgendwo ist der Einfluss der Opposition dann auch beschr\u00e4nkt. Ja, also was man machen kann, ist nat\u00fcrlich die Beschl\u00fcsse auf dem Papier noch zu beeinflussen, dort wo unsere Stimmen ben\u00f6tigt werden. Und jetzt, wenn wir merken, dass das Sonderverm\u00f6gen nach den aktuellen Planungen quasi zur H\u00e4lfte einfach als Verschiebebahnhof angedacht ist und verwendet wird, da bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als das eben in der Opposition zu kritisieren. Aber viel mehr k\u00f6nnen wir jetzt nicht tun.<\/p>\n<p><b>In den sozialen Medien werden als Ergebnisse der BDK haupts\u00e4chlich die Beschl\u00fcsse zur Homo\u00f6pathie und zur Wehrpflicht thematisiert. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Beschl\u00fcsse, die gefasst wurden?<\/b><\/p>\n<p>Ich interpretiere das jetzt so, dass Sie nicht unbedingt \u00fcber diese beiden Punkte sprechen wollen. Dann gehe ich mal dar\u00fcber hinaus. Zum einen wurde am Samstag ein durchaus bemerkenswerter Beschluss auf Betreiben der Gr\u00fcnen Jugend und gegen den Willen der Parteispitze gefasst, dass wir uns f\u00fcr ein 9-Euro-Ticket einsetzen.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe das Anliegen nicht unterst\u00fctzt, aber das zeichnet ja unsere Partei aus, dass sie nicht immer nach dem Willen der Parteispitze tanzt. An der Stelle war es schlicht und ergreifend so, dass die Argumente der Bundesspitze nicht stichhaltig genug waren, dementsprechend ist die Versammlung den Antragstellern gefolgt.<\/p>\n<p>Es wird eine Herausforderung sein, das in die Realit\u00e4t umzusetzen, aber komplett unrealistisch ist es auch nicht. Wir sprechen von Gr\u00f6\u00dfenordnung von 12 Milliarden im Jahr. Man kann durchaus dar\u00fcber nachdenken, die Priorit\u00e4ten so zu setzen. Was mich pers\u00f6nlich an dem Beschluss ein bisschen st\u00f6rt, ist, dass das Mitnahmeeffekte erzeugt. Dass auch Menschen, die deutlich mehr f\u00fcr den \u00d6PNV zahlen k\u00f6nnten, w\u00fcrden und auch bereit dazu w\u00e4ren, dann das 9-Euro-Ticket auch gerne mitnehmen.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde mich pers\u00f6nlich auch betreffen. Insofern bin ich da jetzt pers\u00f6nlich nicht ganz gl\u00fccklich mit dem Beschluss, klar. Aber das geh\u00f6rt dazu, das m\u00fcssen wir jetzt vertreten und daf\u00fcr k\u00e4mpfen. Das Grundanliegen bezahlbarer und nachhaltiger Mobilit\u00e4t, das unterst\u00fctze ich absolut.<\/p>\n<p>Zweites Thema, auch vom Samstag, ist nat\u00fcrlich die sehr umfangreiche Debatte zur Au\u00dfenpolitik. Es w\u00e4re vielleicht im Nachhinein kl\u00fcger gewesen, das noch etwas zeitlich zu strecken, weil sehr viele Redebeitr\u00e4ge gew\u00fcnscht waren und bei weitem nicht alle dran gekommen sind. Das Thema Wehrpflicht, Dienstpflicht bzw. verpflichtende Musterung, wurde in der Debatte mit abgedeckt. Es bildeten sich lange Schlangen vor den Einwurfboxen f\u00fcr die Redebeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Da hat man gemerkt, dass etwas mehr Zeit sicherlich geholfen h\u00e4tte, um die Debatte noch ausf\u00fchrlicher zu f\u00fchren. Was ich positiv fand, die Debatte verlief sehr respektvoll. Gerade beim Thema Nahost wurde von vielen Seiten bef\u00fcrchtet, dass es m\u00f6glicherweise zu Eklats kommen k\u00f6nnte. Das ist ausgeblieben und wir haben uns auf einen sehr guten und ausgewogenen Kompromiss geeinigt.<\/p>\n<p>Dieser best\u00e4tigt zum einen das Existenzrecht Israels noch mal unverbr\u00fcchlich, kritisiert zum anderen die Handlungen der israelischen Regierung klar und h\u00e4lt auch weiterhin an der Zwei-Staaten-L\u00f6sung fest. Das ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Beschluss gewesen.<\/p>\n<p>Was aus meiner Sicht komplett unter dem Radar der \u00d6ffentlichkeit gelaufen ist, ist die wirtschafts-, finanz- und sozialpolitische Debatte, die relativ klein ausgefallen ist und dann zudem auch noch am Sonntagmittag stattfand. Da war ich auch pers\u00f6nlich ein St\u00fcck weit involviert, mit einem wirtschaftspolitischen Antrag, bei dem wir insbesondere \u00fcber die Zukunft unseres Rentensystems diskutiert haben.<\/p>\n<p>Es soll ein sehr detailliertes Konzept im n\u00e4chsten Jahr erarbeitet werden, aber wir haben uns zumindest schon mal auf ein paar Eckpunkte geeinigt. Der Antrag kam im Prinzip von einer Mitgliederinitiative Wirtschaftsgr\u00fcne, also Unternehmerinnen, Unternehmer, Selbstst\u00e4ndige und F\u00fchrungskr\u00e4fte, die einfach dem Treiben in diesem angek\u00fcndigten Herbst der Reformen nicht mehr zusehen konnten und sich entschlossen haben, da klar Position zu beziehen.<\/p>\n<p>Ich finde gerade angesichts der aktuellen Rentendebatte, es ist mittlerweile Bewegung von allen Seiten erforderlich und das haben wir deutlich gemacht, dass beispielsweise die M\u00fctterrente absolut nicht in diese Zeit passt und von der Priorisierung vollkommen daneben ist. Aber gerade als mitte-links Parteien, wie B\u00fcndnisgr\u00fcne und SPD, ist es aus meiner Sicht nicht zielf\u00fchrend, starr an der 48%-Haltelinie festzuhalten.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen auch dar\u00fcber reden, das haben wir in dem Antrag tats\u00e4chlich untergebracht als Beschluss, dass das Renteneintrittsalter sich an der Lebenserwartung orientieren muss, weil das nicht einfach so weitergeht mit der Finanzierung und wir irgendwie mit dem ganzen Rentensystem gerade so ziemlich an die Wand fahren.<\/p>\n<p><b>Die Finanzierung der Rente ist nat\u00fcrlich ein Riesenproblem, weil es generationen\u00fcbergreifend ist. Die Jungen sagen: Wir finanzieren zu viel und werden immer mehr finanzieren. Die Alten sagen: Wir haben gearbeitet, eingezahlt und jetzt sollen wir nichts mehr kriegen. Wie stehen denn die Gr\u00fcnen zu der Frage Beteiligung aller an der Rentenfinanzierung?<\/b><\/p>\n<p>Im Grunde ist einer der Bestandteile unseres Beschlusses eine Erwerbst\u00e4tigen-Versicherung, an der sich alle beteiligen. Aber machen wir uns nichts vor. Nur weil sich jetzt Beamte und Politikerinnen und Politiker an der gesetzlichen Rentenversicherung beteiligen, wird das ja nicht dazu f\u00fchren, dass wir auf einmal eine viel bessere Finanzierung haben.<\/p>\n<p>Denn sie werden sich zwar beteiligen, aber wir werden dann auch daraus die Pensionen finanzieren m\u00fcssen. Es ist ja keine Einbahnstra\u00dfe. Also ich bin immer verwundert, wenn ich h\u00f6re das w\u00e4re die L\u00f6sung f\u00fcr alle Probleme. Nein, das ist es nicht.<\/p>\n<p>Sie haben es auch etwas polemisch formuliert in Ihrer Frage: Sollen diejenigen, die viele Jahre gearbeitet haben und in die Versicherungssysteme eingezahlt haben, jetzt pl\u00f6tzlich nichts mehr kriegen? Davon spricht ja nun wirklich niemand. Ich bin ja alles andere als ein Fan der jungen Union, aber selbst die fordern das ja bei weitem nicht.<\/p>\n<p>Es geht nur darum, den Anstieg der Renten etwas flacher zu gestalten, also die Renten etwas langsamer steigen zu lassen. Und da muss ich sagen, es leuchtet mir nicht ganz ein, warum aktuell das Rentenniveau genauso schnell steigen m\u00fcssen wie die Geh\u00e4lter und L\u00f6hne, also wie das, was die Tarifparteien vereinbaren.<\/p>\n<p>Viel nachvollziehbarer w\u00e4re es doch, dass die Renten sich an der Inflation orientieren. Das leuchtet absolut ein. Es leuchtet ein, dass das Niveau gehalten werden soll und die Kaufkraft mindestens gehalten werden muss. Aber es ist jetzt nicht klar, warum die Generation der Rentnerinnen und Rentner an der steigenden Produktivit\u00e4t der aktuellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer direkt partizipieren soll.<\/p>\n<p>Wenn es die finanzielle Situation erlaubt, dann gerne, aber dass das als Grundregel gilt und die Renten sehr stark steigen, das ist jetzt nicht auf die tats\u00e4chlich geleisteten Zahlungen zur Rentenversicherung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Deswegen m\u00fcssen wir das in der aktuellen Situation zwingend hinterfragen aus meiner Sicht.<\/p>\n<p><b>Ich habe das bewusst polemisch formuliert, weil ja die Diskussion so gef\u00fchrt wird. Andere Frage: Das Kernanliegen der Gr\u00fcnen ist ja nach wie vor Umweltschutz, Klimaschutz und so weiter. Aber wie soll die Transformation der Wirtschaft in Richtung Klimaschutz, sozial gerecht und vertr\u00e4glich gestaltet werden? Wie ist denn da aktuell die Beschlusslage bzw. die Position der Gr\u00fcnen?<\/b><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mal sagen, an der Position hat sich nicht allzu viel ge\u00e4ndert, wo ich aber deutliches Bem\u00fchen registriere ist, dass wir gegen diese teilweise wirklich komplett verkehrte Wahrnehmung in der \u00d6ffentlichkeit etwas zu tun und aktiv dagegen vorgehen.<\/p>\n<p>Bemerkenswert und sehr empfehlenswert zum Nachh\u00f6ren war die Rede von unserem Co-Parteichef Felix Banaszak, in der er sich ganz klar dazu bekannt hat, wie er mit 17,5 Jahren, er stammt ja aus sehr bescheidenen Verh\u00e4ltnissen in Duisburg, von seinem ersten verdienten Geld seinen F\u00fchrerschein gemacht und sich dann ein Auto geleistet hat.<\/p>\n<p>Das geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich mit dazu, das ist gelebte Freiheit. Es darf auch nicht sein, das hat er in seiner Rede sehr deutlich hervorgehoben, dass wir die Konsumentscheidungen von Individuen in irgendeiner Weise verteufeln und sagen: Du bist einmal im Jahr nach Mallorca geflogen, wie b\u00f6se bist du denn, ist dir Klimaschutz nichts wert?<\/p>\n<p>Das sind nicht die entscheidenden Probleme und nicht die entscheidenden Hebel, sondern es geht darum, die gro\u00dfen Emissionen zu reduzieren. Wenn wir beim Fliegen sind, es kann doch nicht sein, dass ein Inlandsflug g\u00fcnstiger ist als die gleiche Strecke mit der Bahn zu fahren. Das sind die Hebel und nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir das auch mit monet\u00e4ren Anreizen verbinden, das kann nicht nur um Idealismus und um Moral gehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Menschen, die eine intrinsische Motivation haben, reicht das, aber wir m\u00fcssen es auch attraktiv machen. Bei Strom versus Benzin ist das gleiche Thema. Es kann nicht sein, dass auf europ\u00e4ischer Ebene das sogenannte ETS2, also die Einf\u00fchrung des Emissionshandels f\u00fcr Geb\u00e4ude und Verkehr von 2027 auf 28 verschoben wird und wir in Deutschland dann einfach sagen, dann belassen wir den CO\u2082-Preis einfach so wie er ist.<\/p>\n<p>Das System ist doch darauf angelegt, dass es zunehmend unattraktiver wird, fossile Gesch\u00e4ftsmodelle zu betreiben. Ja, Benzin muss teurer werden und Strom daf\u00fcr g\u00fcnstiger, nur so bekommen wir auch den Umstieg auf E-Mobilit\u00e4t in dem gew\u00fcnschten Tempo hin.<\/p>\n<p><b>E-Mobilit\u00e4t ist ein Stichwort. Es erhebt sich manchmal der Eindruck, dass E-Mobilit\u00e4t alle Probleme der Mobilit\u00e4t l\u00f6st. Meine Auffassung ist, Mobilit\u00e4tswende ist nicht nur, dass wir Benziner und Diesel durch Elektroautos ersetzen, die verstopften Stra\u00dfen kriegen wir so nicht frei. Was muss sich Ihrer Ansicht nach im Bereich Mobilit\u00e4t tun?<\/b><\/p>\n<p>Man kann das aus meiner Sicht relativ gut auf eine einfache Formel zusammenstampfen. Wir brauchen eine Mobilit\u00e4tswende in der Stadt und eine Antriebswende auf dem Land, auch wenn wir uns sehr stark daf\u00fcr einsetzen, die Taktung von Bus und Bahn in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen zu verbessern und zu optimieren. Wir werden auf absehbare Zeit nicht ohne individuelle Fahrzeuge auf dem Land auskommen.<\/p>\n<p>Da geht es nat\u00fcrlich auch darum, dass es Menschen gibt, die gar nicht oder nur mit sehr gro\u00dfen Anstrengungen, in der Lage sind, sich anders von A nach B zu bewegen. Da d\u00fcrfen wir jetzt nicht einfach pauschal das Auto verteufeln. In der Stadt geht es nat\u00fcrlich nicht nur um das Thema Emissionen, die ein Verbrennerfahrzeug verursacht, sondern da geht es schlicht und ergreifend um den Platz.<\/p>\n<p>Insofern, finde ich das sehr sinnvoll, dass wir, wie unsere Stadtratsfraktion k\u00fcrzlich gefordert hat, das bewirtschaftete Parken in Leipzig ausweiten, gerade in den innenstadtnahen Gebieten. Hier bei uns vor der T\u00fcr (Springerstra\u00dfe T.K.) ist es ja auch seit einigen Jahren so, dass wir Parkscheine l\u00f6sen m\u00fcssen, wenn wir hier parken. Anwohner-Parkausweise m\u00fcssen auch eine preisliche Gr\u00f6\u00dfenordnung erreichen, die in die Richtung der Kosten f\u00fcr ein Abo bei den Leipziger Verkehrsbetrieben geht.<\/p>\n<p>Also 30 Euro im Jahr f\u00fcr einen Anwohner-Parkausweis, das ist viel zu wenig. Deswegen m\u00fcssen wir dort nat\u00fcrlich in beide Richtungen gehen. Wir m\u00fcssen die Gebiete ausweiten, weitere innenstadtnahe Bezirke mit aufnehmen und wir m\u00fcssen auch die Kosten oder die Preise f\u00fcr die Anwohner-Parkausweise schrittweise erh\u00f6hen. Da bin ich absolut auf Linie unserer Stadtratsfraktion.<\/p>\n<p><b>Den Gr\u00fcnen h\u00e4ngt oft das Label Verbotspartei an. Was wollen Sie pers\u00f6nlich verbieten?<\/b><\/p>\n<p>Da haben sie mich kalt erwischt. Also mir f\u00e4llt jetzt tats\u00e4chlich nichts, doch ich wei\u00df was: Wir setzen uns ganz klar daf\u00fcr ein, B\u00f6llern zu Silvester zu verbieten. Da bin ich beim Klischee der Verbotspartei dabei, das ist das eine. Eine andere Initiative, auch aus Leipzig, die ich sehr unterst\u00fctze, ist ein deutliches Einschr\u00e4nken der Plakatwerbung im Rahmen von Wahlkampagnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es vollkommen unproblematisch bei der letzten Bundestagswahlkampagne, wir haben dankenswerterweise sehr viele aktive Mitglieder gehabt, die mich unterst\u00fctzt haben. Aber das ist nat\u00fcrlich kein Zustand, wie wir da mit Ressourcen umgehen, das kann auf Dauer so nicht bleiben.<\/p>\n<p>Meine pers\u00f6nliche Pr\u00e4ferenz w\u00e4re an der Stelle zu sagen, es gibt genau definierte Pl\u00e4tze, einen Platz pro Stadtbezirk oder einen Platz pro Ortsteil, wo alle Parteien eine gewisse Anzahl von Plakaten aufh\u00e4ngen d\u00fcrfen und alle anderen Stra\u00dfen bleiben einfach frei und wir sparen uns diese Ressourcen.<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein Satz dazu. Es wird ja jetzt viel \u00fcber dieses sogenannte Verbrennerverbot oder, streng genommen, um die Einschr\u00e4nkung der Zulassung von Verbrennerfahrzeugen in der Europ\u00e4ischen Union ab 2035 diskutiert. Das ist f\u00fcr mich so ein Beispiel, an dem man im Nachhinein sieht, dass es vielleicht sinnvoller gewesen w\u00e4re, dort von Anfang an einen anderen Weg einzuschlagen.<\/p>\n<p>Ein Verbot erzeugt einfach extrem viel Widerstand, es weckt diese Renitenz, die wir als Menschen nun mal haben. Erst wenn wir mitkriegen, uns wird irgendwas verboten, dann wird uns das auf einmal super wichtig, auch wenn uns das vorher vielleicht gar nicht interessiert hat. Deswegen, glaube ich, ist das nicht die richtige Taktik. Wir sollten hier mit Anreizen, mit marktwirtschaftlichen Methoden arbeiten, siehe CO\u2082-Preis.<\/p>\n<p>Aber wenn, dann bitte auch richtig und nicht aus der Opposition heraus auf Marktwirtschaft setzen und das \u00fcberall herumerz\u00e4hlen. Dann, wenn man einmal in der Verantwortung ist, Angst zu haben vor der Entscheidung und davor, dass die Leute auf die Barrikaden gehen, wenn sich die Preise f\u00fcr bestimmte Dinge erh\u00f6hen. Nein, so funktioniert Marktwirtschaft definitiv nicht. Das war jetzt an die Adresse der Union adressiert.<\/p>\n<p><b>Diese b\u00f6sen Begriffe wie \u201eVerbrennerverbot\u201c oder \u201eW\u00e4rmepumpenzwang\u201c, ich will jetzt nicht auf Details zu den Verordnungen und Gesetzen eingehen. Wie die populistische Verwendung dieser Begriffe sich auswirkt, haben die Gr\u00fcnen in der Regierungsverantwortung ja zu sp\u00fcren bekommen. Wollen Sie in Zukunft eine bessere Kommunikation f\u00fchren?<\/b><\/p>\n<p>Ja, im Prinzip geht es darum, dass wir einen deutlich h\u00f6heren Anspruch an unsere \u00d6ffentlichkeitsarbeit in jeglicher Form, auch an Antr\u00e4ge, stellen. Dass wir uns vorher sehr genau \u00fcberlegen m\u00fcssen, egal ob auf kommunaler, Landes, Bundes oder europ\u00e4ischer Ebene, um solche Interpretationsspielr\u00e4ume gar nicht erst zuzulassen. Wir m\u00fcssen uns im Vorfeld \u00fcberlegen, ob das, was wir vorschlagen, fehlinterpretiert werden kann. Ob das unterm Strich hilft und ob das reicht, das ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>Aber ich halte viel davon und versuche meine Kommunikation genau in diese Richtung zu gestalten. Man merkt es zum Beispiel beim Thema Sonderverm\u00f6gen. Mit der Zus\u00e4tzlichkeit, da haben wir uns sehr stark an dem orientiert, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorgeschlagen haben. Wenn es zum Beispiel um die Kritik an der Nichterh\u00f6hung des CO\u2082-Preises geht, orientieren wir uns im Endeffekt am Wahlprogramm der Union selbst.<\/p>\n<p>Also wir versuchen jetzt nicht mit neuen Ideen und neuen Einschr\u00e4nkungen um die Ecke zu kommen, sondern pochen nur darauf, was die anderen, die jetzt aktuell in der Verantwortung sind, versprochen haben. Und das ist vielleicht hilfreicher, als jetzt nochmal mit neuen und m\u00f6glichst radikalen Ideen um die Ecke zu kommen.<\/p>\n<p><b>Eine pers\u00f6nliche Frage zum Schluss. Nach Ihrer Direktkandidatur zur Bundestagswahl h\u00f6rt man, wenn man nicht auf Kan\u00e4len der Gr\u00fcnen unterwegs ist, nicht viel von Ihnen. Werden Sie k\u00fcnftig mehr in der \u00d6ffentlichkeit stehen und bei weiteren Wahlen kandidieren?<\/b><\/p>\n<p>Ja, ganz bestimmt. Ich bin im Moment wieder dabei zu kandidieren, allerdings nicht f\u00fcr ein politisches Amt, ich kandidiere gerade f\u00fcr die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig. Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns nicht nur parteipolitisch einbringen, sondern dass wir auch die Wirtschaftspolitik von innen heraus mitgestalten. Und wenn ich schon als Unternehmer und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer die M\u00f6glichkeit habe, dann nutze ich das gerne.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ein ganzes Jahr ohne Kandidaturen, das w\u00e4re ja langweilig gewesen. Aber es ist sicher, dass ich auch noch das eine oder andere B\u00fcndnisgr\u00fcne Amt irgendwann wieder anstrebe oder f\u00fcr irgendwelche Mandate kandidiere. Das ist mit Sicherheit nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Herr Elinson, ich danke Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach dem Scheitern der Ampelkoalition und den vorgezogenen Neuwahlen sind die Gr\u00fcnen nicht mehr in der Bundesregierung, in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":630989,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[148939,1180,21,3364,29,30,2134,3930,71,83002,83578,859],"class_list":{"0":"post-630988","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-bundesdelegiertenkonferenz","9":"tag-bundestag","10":"tag-buendnis-90-die-gruenen","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-interview","15":"tag-kommunikation","16":"tag-leipzig","17":"tag-mobilitaetspolitik","18":"tag-renten","19":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/630988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=630988"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/630988\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/630989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=630988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=630988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=630988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}