{"id":631239,"date":"2025-12-08T02:16:25","date_gmt":"2025-12-08T02:16:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/631239\/"},"modified":"2025-12-08T02:16:25","modified_gmt":"2025-12-08T02:16:25","slug":"europa-universalis-v-ist-ein-geschichtssimulator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/631239\/","title":{"rendered":"Europa Universalis V ist ein Geschichtssimulator"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eSchwer ruht das Haupt, das die Krone tr\u00e4gt.\u201c Das Zitat aus \u201eHeinrich IV.\u201c von William Shakespeare scheinen die Entwickler von \u201eParadox Tinto\u201c verinnerlicht zu haben. Denn ihr Spiel \u201eEuropa Universalis V\u201c, das Anfang November erschienen ist, zeigt vor allem eins. Es ist nicht leicht, sein Reich zu regieren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wir beginnen im Jahr 1337, also im Sp\u00e4tmittelalter. Der 100-j\u00e4hrige Krieg zwischen England und Frankreich bricht gerade aus. Und im S\u00fcdosten w\u00e4chst langsam die Macht des Osmanischen Reiches. Spanien als Land existiert noch nicht. Teile sind von den Mauren besetzt, w\u00e4hrend Portugal, Kastilien und Aragon mal miteinander, mal gegeneinander agieren. In dieser verworrenen politischen Lage k\u00f6nnen wir uns ein Land aussuchen, dessen Herrschaft wir \u00fcbernehmen und das wir bis ins 19. Jahrhundert f\u00fchren k\u00f6nnen. Doch der Einstieg in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/europa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europa<\/a> Universalis V ist nicht gerade leicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schon der 2013 erschienene Vorg\u00e4nger ist insbesondere \u00fcber DLC-Pakete immer umfangreicher und komplexer geworden. Und dennoch wirkt er im Vergleich zu EU5, wie Fans es nennen, geradezu simpel.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der schwedische Kopf hinter dem Spiel, Johan Andersson, wollte sehr ambitioniert mehr schaffen als nur ein weiteres Strategiespiel oder einen Abklatsch des Bekannten. Und das ist ihm gelungen. Als K\u00f6nig unsers Reiches k\u00fcmmern wir uns um die Wirtschaft. Wir bauen Ressourcen ab. In unseren wenigen St\u00e4dten fertigen unsere Bewohner daraus dann G\u00fcter. Schmuck, feine Stoffe, Papier, Waffen \u2013 die Liste ist lang. Die gehen dann in einen Markt. Das allein ist schon schwierig genug. Und es macht tats\u00e4chlich auch ein wenig s\u00fcchtig, die eigene Wirtschaft und die Preise auszutarieren. Zumal es unterschiedliche Produktionsmethoden gibt. Welche vorteilhaft ist, h\u00e4ngt wiederum von den zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen ab.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und wir ben\u00f6tigen Arbeitskr\u00e4fte. Das Mittelalter beruhte auf einer Agrarwirtschaft. Bauen m\u00fcssen also erst einmal aufsteigen, um Handwerker zu werden. Das wiederum h\u00e4ngt von der Bildung ab. Und der Migration in die St\u00e4dte. Da kommen wir zum n\u00e4chsten Punkt: dem sozialen Gef\u00fcge. Es gibt \u201eKleriker\u201c. Die genaue Bezeichnung h\u00e4ngt von der Religion und dem Land ab, das wir spielen. Tats\u00e4chlich hat man sich die M\u00fche gemacht, regionale Begriffe zu verwenden. Zumindest bei vielen L\u00e4ndern. Wir konnten nicht alle Reiche testen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aber zur\u00fcck zum Stand der Kleriker. Die betreiben Kirchen, Kl\u00f6ster, Krankenh\u00e4user, Skriptorien und sp\u00e4ter auch Universit\u00e4ten. Und damit haben sie Macht und verfolgen eigene Ziele. Ebenso wie der Adel, die B\u00fcrger, die Arbeiter und die Bauern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist die Aufgabe des K\u00f6nigs, das alles auszutarieren und gleichzeitig nicht zu viel Macht einzub\u00fc\u00dfen. Daf\u00fcr vergeben wir Privilegien, erlassen Gesetze und geben Forderungen nach. Entweder \u00fcber die St\u00e4ndeversammlungen oder \u00fcber Events, von denen ebenfalls viele wieder auf das jeweilige Reich zugeschnitten sind \u2013 oder auf historischen Ereignissen beruhen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Noch komplizierter wird es, weil wir dadurch die langfristige Entwicklung unseres Reichs beeinflussen. Tendieren wir mehr in Richtung Aristokratie oder Plutokratie? Entfernen wir uns von der traditionellen Agrarwirtschaft? M\u00f6chten wir innovativ sein?<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am Anfang sind wir etwas erschlagen von den M\u00f6glichkeiten. Zumal wir viele Mechaniken nicht durchblicken oder wie sie zusammenwirken. Aber das finden wir gar nicht schlimm. Versetzen wir uns in die Lage eines Monarchen im 14. Jahrhundert oder sp\u00e4ter. Der wusste auch nicht, was Entscheidungen kurz-, mittel- oder langfristig brachten. Er musste sie aber treffen \u2013 und seine Nachkommen mussten mit den Folgen leben. Und das ist die gro\u00dfe St\u00e4rke von \u201eEuropa Universalis V\u201c. Es ist mehr als ein Strategie- oder Aufbauspiel. Es ist ein Geschichtssimulator. Wir lernen dabei nicht unbedingt historische Fakten, aber wie Geschichte sich entwickelt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In unserem Spielverlauf nahm die Macht des Adels schleichend ab. Ebenso der Einfluss der Kleriker, weil wir unsere St\u00e4dte und die Wirtschaft st\u00e4rkten. Das brachte aber andere Probleme. Schlie\u00dflich wollten beide St\u00e4nde das nicht akzeptieren. Unser Reich wurde immer autokratischer, was dann wieder zu Problemen mit den B\u00fcrgern f\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr alles gibt es L\u00f6sungen im Spiel, die aber wiederum neue Herausforderungen bedeuten. Wir hatten es sogar einmal geschafft, dass ein zumindest f\u00fcr uns besonderes Event startete. Unser erster Herrscher hatte drei S\u00f6hne, von denen zwei bei mysteri\u00f6sen Jagdunf\u00e4llen starben. Unser dritter Sohn wurde darum K\u00f6nig. Nach mehreren Jahren waren die Adligen so unzufrieden, dass er abdanken und sein Neffe die Krone tragen sollte. Oder es w\u00fcrde zum B\u00fcrgerkrieg kommen \u2013 und er w\u00fcrde gewaltsam abgesetzt. Unsere Bev\u00f6lkerung reagiert auf unsere Entscheidungen. Und das nicht immer positiv.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ebenso wie die anderen Reiche. Die diplomatischen Optionen erschlagen einen wie das gesamte Spiel. Und eins ist klar: Die st\u00e4ndigen Eroberungen, die in vielen Paradox-Spielen mit der Zeit zu einfach waren, gibt es nicht mehr. Die Armeen sind meist kleiner. Kriege dauern l\u00e4nger und das eigene Volk ist schneller unzufrieden. Es will nicht st\u00e4ndig in Konflikte verwickelt sein. Und selbst bei einem Erfolg: Eroberte Gebiete sollten eingegliedert werden. Wir haben kaum Kontrolle \u00fcber sie. Und sollte dort dann noch eine andere Kultur oder Religion vertreten sein, kann das zu Aufst\u00e4nden f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als K\u00f6nig haben wir vor allem anfangs das Gef\u00fchl, dass wir gar nicht so genau wissen, was wir tun. Und jeden Glutherd, den wir austreten, f\u00fchrt zu neuen potenziellen Brandherden. Aber das macht tats\u00e4chlich Spa\u00df. Auch wenn das Spiel sehr langsam voranschreitet. Selbst nach mehr als 40 oder 60 Stunden sind wir nur wenige Jahrzehnte vorangekommen. Zu viele Entscheidungen m\u00fcssen getroffen werden und zu oft muss die Wirtschaft nachjustiert werden. Wir k\u00f6nnen zwar einiges automatisieren, aber wo bleibt dann der Spa\u00df? Das Scheitern ist ein Teil des Erlebnisses von \u201eEuropa Universalis V\u201c.<\/p>\n<p>Nutzeroberfl\u00e4che ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ist es also ein grandioses Spiel? Kommen wir zu den Problemen. Die grafische Oberfl\u00e4che scheint einer optischen H\u00f6lle der 1990er entsprungen zu sein. Es gibt viele Men\u00fcs. Und nicht immer ist offensichtlich, wo genau wir etwas finden. Tats\u00e4chlich ist unser wahrer Gegner oft das User Interface. Wenn wir Einfluss auf unsere Kirche nehmen wollen, haben wir schon einmal gesehen, wie wir das schaffen k\u00f6nnen. Wir finden das nur nicht wieder. Es gibt einen Reiter f\u00fcr \u201eGesetze\u201c. Aber dar\u00fcber \u00e4ndern wir sie nicht, sondern \u00fcber die St\u00e4ndeversammlungen (allgemein Parlament genannt). Dort k\u00f6nnen wir dann ein Gesetz ersetzen, was uns aber oft Zugest\u00e4ndnisse kostet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Manches spielt sich mit der Zeit wortw\u00f6rtlich ein. Aktionen jedoch, die nicht st\u00e4ndig durchgef\u00fchrt werden, arten oft in einer Klickorgie aus. War es jetzt da? Oder ist es unter dem Punkt versteckt? Zumal nicht immer klar ersichtlich ist, was ein Button zu einem Untermen\u00fc ist oder nur eine Textzeile.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und wer sich im Fortschrittsmen\u00fc auf Anhieb zurechtfindet, muss einer der Entwickler sein. Das finden wir aber nicht so schlimm. Nach jeder absolvierten Forschung kann man auch einfach aus den n\u00e4chsten Optionen w\u00e4hlen. Es scheint realistisch, dass kein langer Fortschrittsweg vorgegeben wird \u2013 um dann den vorteilhaften Zweig zu erwischen. Wer es dennoch tun m\u00f6chte, hat Arbeit vor sich \u2013 um sich durch den Baum zu k\u00e4mpfen. Auch da gilt: Es ist nicht sofort erkennbar, was bereits erforscht worden ist. Mit der Zeit gew\u00f6hnt man sich aber an die oft nur dezenten Farbver\u00e4nderungen. Und bei vielen optischen Problemen helfen mittlerweile Mods, die sich \u00fcber Steam herunterladen lassen. Zudem wird das Spiel best\u00e4ndig gepatcht. Aber ist das jetzt der gro\u00dfe Kritikpunkt?<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig und viel zu oft h\u00e4lt die Oberfl\u00e4che eher auf, als dass sie uns unterst\u00fctzt. Und trotzdem: Von \u201eEuropa Universalis V\u201c geht eine Faszination aus. Wir wollen unser Reich ausbauen. Wir wollen vor Problemen stehen und die l\u00f6sen. Oder wir scheitern und lernen daraus. Auch das hat seinen Reiz. Wenn wir erst einmal EU5 gestartet haben, ist es schwer, nach einer Stunde aufzuh\u00f6ren \u2013 weil wir tats\u00e4chlich in die Welt eintauchen. Und das gelingt nicht vielen Spielen.<\/p>\n<p>Jeder setzt sich seine eigenen Ziele      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist aber nichts f\u00fcr Leute, die gerne Troph\u00e4en sammeln \u2013 weil man ein Sieger ist. Der Spieler definiert selbst, was f\u00fcr ihn ein Erfolg ist. Und es gibt mehrere Wege, sie zu erreichen. Will ich mich vor dem Osmanischen Reich wappnen? Dann baue ich mein Milit\u00e4r aus. Das ist in EU5 deutlich komplexer geworden. Aber es ist nur ein Weg. Es geht auch \u00fcber eine kluge Au\u00dfenpolitik. Als Serbien haben wir es geschafft, den Dauerkonflikt zwischen der Walachei und Bulgarien zu beenden. Am Ende waren beide B\u00fcndnispartner. \u00d6sterreich konnten wir \u00fcber eine Staatsehe und sehr viel Meinungsverbesserung mit ins Boot holen. Ebenso wie Georgien. So haben wir es \u00fcber Jahrzehnte geschafft, ein Bollwerk aufzubauen. Unhistorisch? Auf jeden Fall. Aber es zeigt, wie sehr Kleinigkeiten den Verlauf unserer Geschichte gepr\u00e4gt haben. Denn zur Wahrheit geh\u00f6rt auch, dass wir Schulden \u00fcbernommen, in B\u00fcrgerkriege eingegriffen und auf Land verzichtet haben. Nur um das Vertrauen unserer Partner zu gewinnen.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Europa Universalis V, erschienen am 4. November, Preis derzeit ca. Preis ca. 60 Euro. Die Testversion wurde uns von Paradox Interactive zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eSchwer ruht das Haupt, das die Krone tr\u00e4gt.\u201c Das Zitat aus \u201eHeinrich IV.\u201c von William Shakespeare scheinen die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":631240,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[148977,331,332,148978,21728,87498,548,148974,4788,663,158,3934,3935,13,148976,14,15,148973,4433,12,5725,36508,94345,133610,148975,148972,55],"class_list":{"0":"post-631239","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-agrarwirtschaft","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aufbauspiel","12":"tag-entwickler","13":"tag-erreichen","14":"tag-eu","15":"tag-eu5","16":"tag-euro","17":"tag-europa","18":"tag-europaeische-union","19":"tag-europe","20":"tag-european-union","21":"tag-headlines","22":"tag-interactive","23":"tag-nachrichten","24":"tag-news","25":"tag-paradox","26":"tag-reiche","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-spiel","29":"tag-spielt","30":"tag-spielverlauf","31":"tag-strategiespiel","32":"tag-tinto","33":"tag-universalis","34":"tag-wirtschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115681544832264425","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/631239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=631239"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/631239\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/631240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=631239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=631239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=631239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}