{"id":632277,"date":"2025-12-08T13:06:19","date_gmt":"2025-12-08T13:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632277\/"},"modified":"2025-12-08T13:06:19","modified_gmt":"2025-12-08T13:06:19","slug":"arbeitskampf-berlin-betreuungsinseln-fuer-den-kita-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632277\/","title":{"rendered":"Arbeitskampf \u2013 Berlin: Betreuungsinseln f\u00fcr den Kita-Streik"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315182\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315182.jpeg\" alt=\"Wenn Berliner Kita-Besch\u00e4ftigte streiken, m\u00fcssen Kleinkinder trotzdem betreut werden \u2013 dabei unterst\u00fctzen Eltern und Kommunist*innen.\"\/><\/p>\n<p>Wenn Berliner Kita-Besch\u00e4ftigte streiken, m\u00fcssen Kleinkinder trotzdem betreut werden \u2013 dabei unterst\u00fctzen Eltern und Kommunist*innen.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/ Kay Nietfeld<\/p>\n<p>Der Erfolg von Arbeitsk\u00e4mpfen in Einrichtungen der Erziehung und Bildung von Kindern ist abh\u00e4ngig von der Stimmung unter den Eltern. So auch in den Kitas. Eine Entlastung sollen da sogenannte Betreuungsinseln bringen, in denen die Kinder f\u00fcr die Zeit etwaiger Streiks betreut werden k\u00f6nnen. In Berlin organisiert ein Zusammenschluss von Eltern, gewerkschaftlich organisierten Erzieher*innen und <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195884.prozess-gegen-hauptkriegsverbrecher-nuernberger-tribunal-das-friedensgebot.html?sstr=kommunismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kommunistischen<\/a> Aktivist*innen solche Betreuungsinseln. Hintergrund sind die Verhandlungen um den <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195855.arbeitsrecht-nach-eugh-urteil-was-bleibt-vom-eu-mindestlohn.html?sstr=tarifvertrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tarifvertrag<\/a> des \u00f6ffentlichen Dienstes der L\u00e4nder (TV-L), die am vergangenen Mittwoch begannen.<\/p>\n<p>Kommt es zu Streiks, sympathisieren viele Eltern mit den Erzieher*innen ihrer Kinder. Sie kennen die Klagen und Bed\u00fcrfnisse aus den Gespr\u00e4chen in den Einrichtungen. Doch selbst f\u00fcr Eltern, die es am Anfang noch gut hinbekommen, die Betreuung ihrer Kinder anderweitig zu organisieren, wird der Streik irgendwann zur Belastungsprobe. Der Druck auf die Erzieher*innen in den Einrichtungen, bald mal wieder die Arbeit aufzunehmen, nimmt mit der Dauer des Arbeitskampfes zu.<\/p>\n<p>Das hat auch Constanze Klunker im vergangenen Sommer gesp\u00fcrt. Mit ihrer kleinen Tochter ging sie zusammen zu den Streikkundgebungen von Verdi, um als Mutter ihre Unterst\u00fctzung mit den Erzieher*innen auszudr\u00fccken. Mit anderen Eltern hat sie sich daf\u00fcr in der Organisation \u00bb<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186258.kita-krise-kitas-in-berlin-runder-tisch-statt-streik.html?sstr=einhorn sucht bildung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einhorn sucht Bildung<\/a>\u00ab zusammengeschlossen. Die Arbeit konnte Klunker aber auf Dauer nicht liegen lassen. Die nahe gelegene Gemeinde der evangelischen Kirche ging auf die Anfrage der alleinerziehenden Mutter ein, an Streiktagen mit ihrer Tochter und zwei ihrer Freunde aus der Kita vorbeizukommen.<\/p>\n<p>\u00bbF\u00fcr mich bot sich das an\u00ab, sagt Klunker. \u00bbMeine Home-Office-T\u00e4tigkeiten konnte ich auch in der Gemeinde erledigen und gleichzeitig meine Tochter und zwei ihrer Freunde, die wir eh \u00f6fter zu Hause haben, beaufsichtigen.\u00ab In der Gemeinde g\u00e4be es verschiedene Angebote, einen gro\u00dfen Drau\u00dfenspielplatz und Ehrenamtliche und Angestellte, die bei der Betreuung unterst\u00fctzen w\u00fcrden. Zu Hause w\u00e4re ein solches Betreuungsszenario nicht vorstellbar gewesen. Die Eltern der anderen beiden Kinder h\u00e4tten ihr f\u00fcr die Zeit die Verantwortung \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Das Konzept der Betreuungsinseln ist quasi eine Fortentwicklung. Einrichtungen \u00f6ffnen an Streiktagen f\u00fcr Eltern und ihre Kinder die T\u00fcren. Ehrenamtliche und Angestellte stellen die Infrastruktur und ein gewisses Angebot. In der engen Zusammenarbeit zwischen solidarischen Eltern und streikenden Besch\u00e4ftigten seien auch Kontakte zu der Gewerkschaft Verdi zustande gekommen, sagt Klunker. Die Gewerkschaft bef\u00fcrwortet die Betreuungsinseln. <\/p>\n<p>Gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab holt Verdi-Gewerkschaftssekret\u00e4r Matthias B\u00f6hme aus: \u00bbAnders als in der Fabrik schaden Erzieher*innen, die ihr Recht auf Streik wahrnehmen zuerst den Eltern, deren Kinder sie betreuen und nicht einem klassischen Arbeitgeber.\u00ab Das sei aber beabsichtigt. Die Kolleg*innen wollten der Politik die Bedeutung ihrer Arbeit vor Augen f\u00fchren. \u00bbMit den Betreuungsinseln\u00ab, sagt B\u00f6hme, \u00bbsollen die Eltern entlastet und mit ins Boot geholt werden. Denn am Ende profitieren sie auch von einem erfolgreichen Arbeitskampf, wenn sich dar\u00fcber die Betreuungsbedingungen ihrer Kinder verbessern.\u00ab<\/p>\n<p>In den sozialen Medien taucht neben Verdi und \u00bbEinhorn sucht Bildung\u00ab eine weitere Gruppe in einem Netzwerk auf, in dem Beitr\u00e4ge und Werbung \u00fcber die Betreuungsinseln geteilt werden. Die sogenannten \u00bb<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1183857.kieze-berliner-weitlingkiez-vom-nazi-vorbild-zum-linken-aufbau.html?sstr=stadtteilkomitee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtteilkomitees<\/a>\u00ab. Hinter den Kiezl\u00e4den Rote Lilly (Neuk\u00f6lln), Rote Ella (Wedding) und Caf\u00e9 Wostok steht der Bund der Kommunist*innen. Eine Organisation mit entsprechender Programmatik: \u00bbDas Ziel der Organisation ist der Aufbau und die Verteidigung proletarischer Gegenmacht in allen Sektoren der Gesellschaft bis zur revolution\u00e4ren \u00dcberwindung von Kapitalismus, Staat und Patriarchat.\u00ab Ein Mittel zum Aufbau von Gegenmacht: Organisierung im Kiez \u00fcber die Stadtteilkomitees.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit zwischen Aktivist*innen, Eltern und Erzieher*innen ist fragil und nicht immer einfach. F\u00fcr manche Verdi-Aktive ist die Zusammenarbeit mit den Kommunist*innen ausgeschlossen. Constanze Klunker von \u00bbEinhorn sucht Bildung\u00ab beschwichtigt. F\u00fcr die Lichtenbergerin sind die Stadtteilkomitees \u00bbtragende S\u00e4ulen\u00ab der Betreuungsinseln. F\u00fcr viele Eltern seien sie mit ihren regelm\u00e4\u00dfigen Familienangeboten zu \u00bbfesten Kiezinstanzen\u00ab geworden, vor allem in Lichtenberg und Wedding.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Schaufester der Kita von Klunkers Tochter ein Plakat einen Infoabend zu den Betreuungsinseln am Montag im Caf\u00e9 Wostok bewirbt, sorgte im S\u00fcdosten die Werbung f\u00fcr eine \u00e4hnliche Veranstaltung in der Roten Lilly f\u00fcr \u00c4rger. Dort waren neben Informationen \u00fcber die Funktionsweisen der Betreuungsinseln auch Lageberichte von Erzieher*innen aus den Kitas der Eigenbetriebe S\u00fcdost (EBSO) angek\u00fcndigt \u2013 zum Missfallen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>In einer E-Mail, die \u00bbnd\u00ab vorliegt, wurde das Verteilen der Flyer in den Einrichtungen untersagt, vor allem weil sie den Eindruck erwecken k\u00f6nnten, es handele sich um ein Angebot der EBSO. Gleichzeitig werden die Besch\u00e4ftigten darauf aufmerksam gemacht, dass das Verteilen der Flyer in den Einrichtungen und die Weitergabe von Betriebsinterna arbeitsrechtliche Konsequenzen zur Folge haben k\u00f6nnte. Es seien zudem \u00bbkeine offiziellen Schreiben zur Information der beiden Gewerkschaften Verdi und GEW\u00ab.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbAllerdings nehmen wir auch wahr, dass es unter den Eltern einen Bedarf gibt, aktiv zu werden und die Kinder gegenseitig zu betreuen.\u00ab<\/p>\n<p>Matthias B\u00f6hme (Verdi)\u2003Gewerkschaftssekret\u00e4r<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf Nachfrage von \u00bbnd\u00ab erkl\u00e4ren die EBSO, dass die Flugbl\u00e4tter allen Einrichtungen per Mail zugegangen seien, \u00bbin einzelnen Kitas wurden auch ausgedruckte Flyer abgegeben\u00ab. Grunds\u00e4tzlich gelte, dass das Verteilen von Flyern mit der Gesch\u00e4ftsstelle abgesprochen werden m\u00fcsse. Das sei hier nicht passiert. Als Eigenbetriebe sehe man sich zun\u00e4chst selber in der Verantwortung, den Eltern w\u00e4hrend der Streiks ein Betreuungsangebot zu machen. Die EBSO habe hier mehrfach die Unterst\u00fctzung \u00bbdurch Elterneins\u00e4tze\u00ab angeboten.<\/p>\n<p>\u00dcber die Social-Media Kan\u00e4le von Verdi wird f\u00fcr die Betreuungsinseln geworben und Unterst\u00fctzung gesucht. Gewerkschaftssekret\u00e4r Matthias B\u00f6hme sagt: \u00bbIn der aktiven Organisation der Betreuungsinseln ist <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195820.tarifverhandlungen-und-bvg-kurze-pause-zum-pinkeln-an-der-endhaltestelle.html?sstr=verdi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verdi<\/a> lediglich Ideengeber, wir stellen keine R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung und organisieren das Betreuungsangebot nicht mit.\u00ab Allerdings nehme Verdi auch wahr, dass es unter den Eltern einen Bedarf gibt, aktiv zu werden und die Kinder gegenseitig zu betreuen. Oft fehlen aber R\u00e4ume und Personen, die solche Betreuungsangebote koordinieren. \u00bbHier sehen wir ein gro\u00dfes Potenzial in solidarischen Strukturen, die schon bestehen\u00ab, sagt B\u00f6hme.<\/p>\n<p>Von den kommunistischen Aktivist*innen aus der Roten Lilly hei\u00dft es, mit den Betreuungsinseln gehe es ihnen darum, den Eltern unter die Arme zu greifen, damit diese \u00bbdie Streiks unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, ohne allein dazustehen\u00ab. Den Kontakt zu den Eltern w\u00fcrden sie h\u00e4ufig \u00fcber die Besch\u00e4ftigten herstellen. Die Mail der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des EBSO, Werbung f\u00fcr die Veranstaltung in der Roten Lilly zu unterlassen, habe viele Erzieher*innen verunsichert, die die Unterst\u00fctzung zuvor begr\u00fc\u00dft hatten. Die Rote Lilly und das Caf\u00e9 Wostok w\u00fcrden in jedem Fall am 18. Dezember als Betreuungsinseln f\u00fcr die Familien \u00f6ffnen, die Rote Ella zu 99 Prozent. Wie am Freitag bekannt wurde, sind die Besch\u00e4ftigten des <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195398.rezension-anne-brorhilker-cum-ex-und-der-amtsschimmel.html?sstr=\u00f6ffentliches|dienst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00f6ffentlichen Dienstes<\/a> der L\u00e4nder von den Gewerkschaften f\u00fcr diesen Tag zum Streik aufgerufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn Berliner Kita-Besch\u00e4ftigte streiken, m\u00fcssen Kleinkinder trotzdem betreut werden \u2013 dabei unterst\u00fctzen Eltern und Kommunist*innen. 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