{"id":632724,"date":"2025-12-08T17:28:30","date_gmt":"2025-12-08T17:28:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632724\/"},"modified":"2025-12-08T17:28:30","modified_gmt":"2025-12-08T17:28:30","slug":"rechtsextremismus-dritter-weg-in-berlin-antifaschisten-auf-der-anklagebank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632724\/","title":{"rendered":"Rechtsextremismus \u2013 Dritter Weg in Berlin: Antifaschisten auf der Anklagebank"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img315243\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/315243.jpeg\" alt=\"Antifaschistischer Protest in der Hauptstadt\"\/><\/p>\n<p>Antifaschistischer Protest in der Hauptstadt<\/p>\n<p>Foto: imago\/JeanMW<\/p>\n<p>Der Andrang am Amtsgericht Tiergarten ist gro\u00df: Vor dem rechten Eingang stehen etwa 200\u2005Antifaschist*innen. Am linken Eingang stehen rund 20 augenscheinlich erkennbare Neonazis. An der Pforte wird verk\u00fcndet, dass es im Gerichtssaal nur 30\u2005Pl\u00e4tze gibt \u2013 also 15\u2005f\u00fcr jede Seite. Auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite beginnt eine Kundgebung. Zu sehen sind Transparente mit den Aufschriften \u00bbGemeinsam gegen den Faschismus\u00ab und \u00bbF\u00fcr immer <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1196023.extreme-rechte-und-verschobene-kraefteverhaeltnisse.html?sstr=antifa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Antifa<\/a>\u00ab.<\/p>\n<p>Am Montagmorgen begann der Strafprozess gegen zwei Antifaschisten. Der Vorwurf lautet: gemeinschaftliche gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung des Neonazis Leander\u2005S. Am 18.\u2005April 2024 kam es in der Wichertstra\u00dfe im Berliner Bezirk Pankow zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen einem bekannten Neonazi der Kleinstpartei <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1196004.dritter-weg-berlin-messer-neonazi-antifa-n-und-eine-einseitige-ermittlung.html?sstr=john|malamatinas\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Dritte Weg<\/a> und Antifaschisten, bei der drei Menschen durch Messerstiche verletzt wurden. Die ersten Polizeimeldungen und Medienberichte stellten schnell einen politischen Zusammenhang her und sprachen von einem Angriff aus der linken Szene. Im Vorfeld des Prozesses kamen Fragen nach dem tats\u00e4chlichen Ablauf und einer m\u00f6glichen Vorverurteilung auf.<\/p>\n<p>Kurz vor Prozessbeginn kommt es zu einer tumultartigen Szene au\u00dferhalb des Geb\u00e4udes. Neonazis aus dem Unterst\u00fctzerumfeld des vermeintlichen Opfers\u2005S. versuchen an einem Spielplatz vor dem Gerichtseingang an der Wilsnacker Stra\u00dfe anreisende Antifaschist*innen anzugreifen. Die zwei Antifaschistinnen k\u00f6nnen unverletzt fl\u00fcchten. Laut der Gruppe \u00bbPrenzlauer Berg gegen Nazis\u00ab beweist der Angriffsversuch die Gewaltbereitschaft des Dritten Wegs.<\/p>\n<p>Vor dem Verlesen der Anklage legt die Verteidigerin Martina Arndt einen Einstellungsantrag vor, weil der \u00bbAkteninhalt nicht der Anklage entspricht\u00ab. Unter anderem f\u00fchrt sie an, dass Leander\u2005S. nicht vernommen worden sei und die Verletzungen der Angeklagten nicht erw\u00e4hnt seien. Im Fall des Messers seien erst auf Anfrage der Verteidigung Fingerabdr\u00fccke untersucht worden. Die Anklage sei somit eine \u00bbT\u00e4uschung\u00ab. Der Antrag wird vom Vorsitzenden Richter abgelehnt.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfend verlesene Anklage beinhaltet in der Tat nicht die Verletzungen der Angeklagten. Dargelegt wird der Vorwurf der gemeinschaftlichen gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung.<\/p>\n<p>Im Anschluss folgt die Prozesserkl\u00e4rung der Angeklagten. Sie entschieden sich, sich zur Tat zu \u00e4u\u00dfern. Zuvor erkl\u00e4ren sie, warum sie gegen Neonazis aktiv geworden seien: Freund*innen von ihnen seien bereits mehrfach Opfer von Angriffen durch Neonazis geworden, etwa im Rahmen eines CSD oder bei Angriffen auf einen Jugendclub in Pankow. Sie h\u00e4tten sich aufgrund dieser Bedrohungslage entschlossen, etwas \u00bbdagegen zu tun\u00ab. Sie h\u00e4tten den Neonazi aufgesucht, um ihn zu bedrohen und einzusch\u00fcchtern.<\/p>\n<p>Einer der Angeklagten schildert den Tathergang: Sie seien zu dritt gewesen, h\u00e4tten zur Sicherheit Pfefferspray dabei gehabt und seien vermummt gewesen. Ein Messer h\u00e4tten sie nicht mitgef\u00fchrt. Ein Hammer sei nie zum Einsatz gekommen. Insgesamt h\u00e4tten sie die Situation untersch\u00e4tzt. S.\u2005habe sofort brutal mit Kampfgeschrei agiert und sei mit einem Messer auf sie losgegangen. Er habe mehrfach zugestochen und versucht, einen der Antifaschisten festzuhalten. Beide Angeklagten erkl\u00e4rten, sie seien seit der Auseinandersetzung in psychiatrischer Behandlung. Einer der Angeklagten werde am Zeigefinger bleibende Sch\u00e4den davontragen.<\/p>\n<p>Dann erscheint das vermeintliche Opfer und Zeuge Leander\u2005S. Er best\u00e4tigt, Mitglied der Partei Dritter Weg zu sein. Er sei vom \u00bbSport\u00ab zur\u00fcckgekommen. Dieses Training sowie weitere Trainings h\u00e4tten beim TSV Preu\u00dfen 1997 stattgefunden. Vor Gericht sagt er, er habe w\u00e4hrend der Auseinandersetzung zu einem Messer gegriffen, das sich in seiner rechten Hosentasche befunden habe, und habe damit mehrfach auf eine Person eingestochen, die ihn angegriffen habe. Er sprach von vier bis sechs Angreifern.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir fordern, Nazis ihre R\u00e4ume zu nehmen, da bei den Trainings auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen solche Ereignisse wie im April letzten Jahres vorbereitet werden.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nGruppe Prenzlauer Berg gegen Neonazis<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Zuge der Befragung durch den Verteidiger Lukas Theune verwickelt sich\u2005S. zunehmend in Widerspr\u00fcche: Theune weist ihn auf eine Erkl\u00e4rung hin, die vor wenigen Tagen auf der Webseite des Dritten Wegs erschienen war und in der von zwei Verletzten die Rede ist sowie davon, dass \u00bbder Leitsatz der Bewegung sei, nicht die andere Wange hinzuhalten, sondern zu kommen, um das Schwert zu bringen\u00ab. S.\u2005sagt, er kenne den Verfasser des Textes nicht, bekennt sich aber zu dem Leitsatz. Theune greift auch die Kampfsporttrainings des Dritten Wegs auf, die \u2013 wie aus einer Antwort der Justizverwaltung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht \u2013 keine einfachen Boxtrainings sein k\u00f6nnen. Bei einem dieser Trainings wurden Messer und Schreckschusswaffen sichergestellt.<\/p>\n<p>Bei Redaktionsschluss lief der Prozess noch. Es wurden Videos gesichtet, die ein Zeuge w\u00e4hrend des Vorfalls angefertigt hatte; dieser Zeuge wurde ebenfalls vernommen. Im Saal sa\u00dfen mehrere bekannte Kader der Kleinstpartei, darunter der Bundesvorsitzende Matthias Fischer. Laut einer Zeugenvernehmung des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 2013 hatte Fischer sporadischen Kontakt zum Rechtsterroristen des NSU Uwe Mundlos. Trotz weiterer Indizien bestritt Fischer, vom NSU gewusst zu haben. 2014 siedelte er nach Brandenburg \u00fcber, ohne sich jemals von der gewaltbereiten Szene zu distanzieren. Stattdessen spielte er eine ma\u00dfgebliche Rolle beim Aufbau des Dritten Wegs. Der brandenburgische <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195870.verband-macht-einen-rueckzieher-familienunternehmer-und-die-afd-die-bonzen-antifa.html?sstr=antifa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verfassungsschutz<\/a> stuft ihn als zentrale Schl\u00fcsselfigur und einflussreichen Vernetzer der Neonazi-Szene ein.<\/p>\n<p>Die Gruppe \u00bbPrenzlauer Berg gegen Neonazis\u00ab, die sich zur Unterst\u00fctzung der Betroffenen zusammengeschlossen hat, fordert \u00bbklare Konsequenzen\u00ab, wie sie \u00bbnd\u00ab sagt. Die Gruppe verweist auf Forderungen antifaschistischer Gruppen aus Berlin, etwa \u00bbden Nazis ihre (Sport-)R\u00e4ume in Berlin zu nehmen, da bei den Sporttrainings auf \u00f6ffentlichen Sportpl\u00e4tzen solche Ereignisse wie im April letzten Jahres vorbereitet werden\u00ab. Laut der Gruppe sei\u2005S. nahezu bei jeder Aktion des Dritten Wegs und der Nationalrevolution\u00e4ren Jugend (NRJ) in Berlin dabei. Erst im November \u00bbsei er bei Infost\u00e4nden in Lichtenberg gesehen\u00ab worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Antifaschistischer Protest in der Hauptstadt Foto: imago\/JeanMW Der Andrang am Amtsgericht Tiergarten ist gro\u00df: Vor dem rechten Eingang&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":632725,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[32845,296,29,30,24458,2417],"class_list":{"0":"post-632724","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-antifa","9":"tag-berlin","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-linke-bewegung","13":"tag-rechtsradikalismus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115685132882481495","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/632724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=632724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/632724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/632725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=632724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=632724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=632724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}