{"id":632911,"date":"2025-12-08T19:19:13","date_gmt":"2025-12-08T19:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632911\/"},"modified":"2025-12-08T19:19:13","modified_gmt":"2025-12-08T19:19:13","slug":"das-hatte-man-von-chemnitz-am-wenigsten-erwartet-der-freitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/632911\/","title":{"rendered":"Das hatte man von Chemnitz am wenigsten erwartet \u2014 der Freitag"},"content":{"rendered":"<p class=\"bc-article-intro__text u-hyphens\">Chemnitz war eigentlich f\u00fcr rechten Aufruhr bekannt \u2013 jetzt \u00fcberrascht die Stadt mit kulturellem Aufbruch. Aber was passiert, wenn Geld und Personal nach dem Kulturhauptstadtjahr 2025 wieder verschwinden?<\/p>\n<p>        Laut vielen Chemnitzern haben sich die Spannungen in der Stadtgesellschaft entkrampft<\/p>\n<p>Foto: Wolfgang Schmidt\/Imago Images<\/p>\n<p>Chemnitz hat es ganz alleine geschafft: Die viel geschm\u00e4hte Stadt hat die selbst gew\u00e4hlte Aufgabe der Kulturhauptstadt v\u00f6llig ohne importierte UFOs bew\u00e4ltigt. Alles Gute kommt eben nicht von oben. Gastspiele musste man in dem genau ein Dreiviertelkilo schweren Programmbuch geradezu suchen. Neue elektronische Musik aus Europa beispielsweise oder den Auftritt des Budapester Festivalorchesters. Ansonsten war die gebotene Kultur \u00e4u\u00dferst chemnitzisch.<\/p>\n<p>Nicht nur die Kulturhauptstadt 2025 gGmbH oder das permanent \u00fcberlastete Kulturhauptstadtb\u00fcro behaupten, es habe sich um ein beispielhaftes Basis- und Beteiligungsprojekt gehandelt. Also genau das, was von einer Stadt der vermeintlich schlecht gelaunten (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KOjUyFQIBVc\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u201eIch komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby \u2026\u201c<\/a>) und gegen\u00fcber rechten Verf\u00fchrern und Spaltern anf\u00e4lligen B\u00fcrger am wenigsten erwartet worden war. Zweifellos hatte es daf\u00fcr Indizien gegeben, die <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/informieren\/blog\/deutschland-jagdszenen-chemnitz-ein-augenzeugenbericht\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">rassistischen Ausschreitungen 2018<\/a> hatten das Negativ-Image zementiert.<\/p>\n<p>Spannungen entkrampft<\/p>\n<p>Dem hat ein relevanter Teil der Chemnitzer B\u00fcrgerschaft ehrlich und unaffektiert widersprochen. Gemeint sind die Projektideen, die organisatorische Mitarbeit von 1.300 Volunteers oder einfach der aktive Besuch der wie ein kulturmissionarischer Tsunami hereingebrochenen Angebote. Wenn zum Ausklang am vergangenen Wochenende in der Stadthalle gebastelt und vor der Oper Weihnachtslieder mitgesungen wurden, wenn offiziell 22.000 die traditionelle Bergparade verfolgten, so spiegelt das die partizipative und nicht konsumtive Akzentsetzung des gesamten Jahres.<\/p>\n<p>Gef\u00fchlt, aber von vielen Chemnitzern auch best\u00e4tigt, haben sich die Spannungen in der Stadtgesellschaft entkrampft. Gewachsenes Selbstbewusstsein, ja h\u00f6rbarer Stolz nicht allein auf Kati Witt und die M\u00fcller\u2019sche Eiskunstlaufschule trugen dazu bei. Mental, aber auch durch materielle Investitionen in die sogenannten stadtkulturellen Interventionsfl\u00e4chen ist der beabsichtigte urbane Entwicklungsschub zumindest angesto\u00dfen worden.<\/p>\n<p>In der \u00fcberdurchschnittlich vielf\u00e4ltigen \u201eSzene\u201c wird allerdings gezweifelt, ob latente faschistische Neigungen nachhaltig einged\u00e4mmt oder nur von der Dominanz, vom positiven Verf\u00fchrungspotenzial des Programms \u00fcberdeckt wurden. Aber auch das h\u00e4tte seinen Eigenwert und w\u00fcrde den zweiten, auf die \u00e4u\u00dfere Wahrnehmung gerichteten Zweck des Kulturhauptstadtjahres bedienen. Dessen Logo-Wortspiel \u201eC the Unseen\u201c zog tats\u00e4chlich neugierig gewordene Besucher an, darunter viele bisherige Ignoranten.<\/p>\n<p>Was kommt danach?<\/p>\n<p>Die Kunstsammlungen vor allem mit ihrer Munch-Ausstellung, die Auftragsoper <a href=\"https:\/\/www.theater-chemnitz.de\/spielplan\/detailseite\/rummelplatz\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Rummelplatz<\/a> nach Werner Br\u00e4unigs Wismut-Roman oder der \u00fcber 38 Stationen im Erzgebirge f\u00fchrende Kunstweg <a href=\"https:\/\/chemnitz2025.de\/purple-path\/\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Purple Path<\/a> beispielsweise \u00fcberzeugten als k\u00fcnstlerische Highlights. Was sich als \u00fcbliches Eventgeklingel erwies wie die originelle Idee zum Kunstort mutierender Altgaragen oder die Pflanzung von 4.000 Apfelb\u00e4umchen \u2013 als ginge nach dem bekannten Luther-Spruch morgen die Welt unter \u2013, erscheint verkraftbar.<\/p>\n<p>Schwerer wiegt die Frage nach der Tragweite dieser Impulse. 65 befristete Stellen und die Freiwilligen bleiben jedenfalls nicht. Wie Bund und Land steckt auch die Kommune Chemnitz in einer Haushaltskrise. Die freien Szenen wie auch die st\u00e4dtischen Einrichtungen m\u00fcssen mit weniger Geld auskommen. Wenn Kulturhaupstadt-Erfolge verstetigt werden sollen, wird Idealismus allein nicht ausreichen.<\/p>\n<p>\n    \u201eIch komm aus Karl-Marx-Stadt, bin ein Verlierer, Baby \u2026\u201c) und gegen\u00fcber rechten Verf\u00fchrern und Spaltern anf\u00e4lligen B\u00fcrger am wenigsten erwartet worden war. Zweifellos hatte es daf\u00fcr Indizien gegeben, die rassistischen Ausschreitungen 2018 hatten das Negativ-Image zementiert.Spannungen entkrampftDem hat ein relevanter Teil der Chemnitzer B\u00fcrgerschaft ehrlich und unaffektiert widersprochen. Gemeint sind die Projektideen, die organisatorische Mitarbeit von 1.300 Volunteers oder einfach der aktive Besuch der wie ein kulturmissionarischer Tsunami hereingebrochenen Angebote. Wenn zum Ausklang am vergangenen Wochenende in der Stadthalle gebastelt und vor der Oper Weihnachtslieder mitgesungen wurden, wenn offiziell 22.000 die traditionelle Bergparade verfolgten, so spiegelt das die partizipative und nicht konsumtive Akzentsetzung des gesamten Jahres.Gef\u00fchlt, aber von vielen Chemnitzern auch best\u00e4tigt, haben sich die Spannungen in der Stadtgesellschaft entkrampft. Gewachsenes Selbstbewusstsein, ja h\u00f6rbarer Stolz nicht allein auf Kati Witt und die M\u00fcller\u2019sche Eiskunstlaufschule trugen dazu bei. Mental, aber auch durch materielle Investitionen in die sogenannten stadtkulturellen Interventionsfl\u00e4chen ist der beabsichtigte urbane Entwicklungsschub zumindest angesto\u00dfen worden.In der \u00fcberdurchschnittlich vielf\u00e4ltigen \u201eSzene\u201c wird allerdings gezweifelt, ob latente faschistische Neigungen nachhaltig einged\u00e4mmt oder nur von der Dominanz, vom positiven Verf\u00fchrungspotenzial des Programms \u00fcberdeckt wurden. Aber auch das h\u00e4tte seinen Eigenwert und w\u00fcrde den zweiten, auf die \u00e4u\u00dfere Wahrnehmung gerichteten Zweck des Kulturhauptstadtjahres bedienen. Dessen Logo-Wortspiel \u201eC the Unseen\u201c zog tats\u00e4chlich neugierig gewordene Besucher an, darunter viele bisherige Ignoranten.Was kommt danach?Die Kunstsammlungen vor allem mit ihrer Munch-Ausstellung, die Auftragsoper Rummelplatz nach Werner Br\u00e4unigs Wismut-Roman oder der \u00fcber 38 Stationen im Erzgebirge f\u00fchrende Kunstweg Purple Path beispielsweise \u00fcberzeugten als k\u00fcnstlerische Highlights. Was sich als \u00fcbliches Eventgeklingel erwies wie die originelle Idee zum Kunstort mutierender Altgaragen oder die Pflanzung von 4.000 Apfelb\u00e4umchen \u2013 als ginge nach dem bekannten Luther-Spruch morgen die Welt unter \u2013, erscheint verkraftbar.Schwerer wiegt die Frage nach der Tragweite dieser Impulse. 65 befristete Stellen und die Freiwilligen bleiben jedenfalls nicht. Wie Bund und Land steckt auch die Kommune Chemnitz in einer Haushaltskrise. Die freien Szenen wie auch die st\u00e4dtischen Einrichtungen m\u00fcssen mit weniger Geld auskommen. 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