{"id":633443,"date":"2025-12-09T00:46:17","date_gmt":"2025-12-09T00:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633443\/"},"modified":"2025-12-09T00:46:17","modified_gmt":"2025-12-09T00:46:17","slug":"koeln-alternative-gremien-was-mitarbeiterraete-leisten-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633443\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln | Alternative Gremien: Was Mitarbeiterr\u00e4te leisten k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (dpa\/tmn) &#8211; Mitbestimmung im Unternehmen? Das geht l\u00e4ngst nicht mehr nur \u00fcber den klassischen Betriebsrat. Es gibt auch alternative Modelle der Partizipation. Gremien daf\u00fcr hei\u00dfen zum Beispiel Kulturrat, Belegschaftsausschuss, Mitarbeiter Board, Employee Committee oder Shadow Board.<\/p>\n<p>Sie versprechen eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und F\u00fchrung. Die Bezeichnung des Gremiums h\u00e4ngt h\u00e4ufig von der genauen Ausrichtung ab. Die Vorteile eines solchen Gremiums: Mitarbeitende k\u00f6nnen sich direkt einbringen. Sie agieren als Sprachrohr ihrer Kolleginnen und Kollegen und arbeiten mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung an der Unternehmensentwicklung.\u00a0<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum klassischen Betriebsrat ist der inhaltliche Fokus nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern frei definierbar. Klar ist aber auch: \u00abDamit haben diese R\u00e4te weniger Rechte als Betriebsr\u00e4te\u00bb, sagt Rainald Thannisch, Bereichsleiter Mitbestimmung bei der Gewerkschaft Verdi. Arbeitgeber k\u00f6nnen vereinbarte Rechte auch anders als beim Betriebsrat wieder entziehen.<\/p>\n<p>Unternehmen und Mitarbeitende auf Augenh\u00f6he<\/p>\n<p>Ein wesentliches Merkmal der Mitarbeiterr\u00e4te: Mitarbeitende definieren gemeinsam mit der F\u00fchrung Ziel, Ausrichtung und Form und leiten sie nicht aus einem Gesetz ab, sie platzieren die Themen, die ihnen wichtig sind.<\/p>\n<p>\u00abDer Vorteil der Mitarbeiterr\u00e4te gegen\u00fcber Betriebsr\u00e4ten: Sie sind agil, unb\u00fcrokratisch und ma\u00dfgeschneidert, wovon vor allem kleinere und mittelst\u00e4ndische Unternehmen profitieren k\u00f6nnen\u00bb, sagt Ursula Vranken, Gr\u00fcnderin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Institut f\u00fcr Personalentwicklung und Arbeitsorganisation (IPA). Sie ber\u00e4t Unternehmen bei der Einrichtung eines Mitarbeiterrats. Ihrer Erfahrung nach k\u00f6nnen Betriebs- und Mitarbeiterrat gut neben- und miteinander existieren und zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Ziele, Aufgaben, Rechte und Pflichten<\/p>\n<p>Ein Mitarbeiterrat k\u00fcmmert sich beispielsweise um Mitarbeiterbefragungen und leitet daraus Ma\u00dfnahmen ab, entwickelt die F\u00fchrungs- und Unternehmenskultur weiter und arbeitet an betrieblichen Ver\u00e4nderungsprojekten ebenso mit wie am Gesundheitsmanagement.\u00a0<\/p>\n<p>Das Regelwerk des Rates erarbeiten F\u00fchrungskr\u00e4fte und Mitarbeitende gemeinsam. Das kann Beraterin Vranken zufolge auch einen K\u00fcndigungsschutz \u00e4hnlich dem des Betriebsrats beinhalten. Dar\u00fcber hinaus sei eine arbeitsrechtliche Beratung durch vom Unternehmen bezahlte Anw\u00e4lte m\u00f6glich. F\u00fcr ihre Aufgaben erhalten Mitarbeiterr\u00e4te idealerweise ein Jahresbudget.<\/p>\n<p>Kein Instrument f\u00fcr Grabenk\u00e4mpfe<\/p>\n<p>Dass betriebliche Mitbestimmung sinnvoll ist, ist wissenschaftlich belegt. Betriebe mit einem Betriebsrat seien produktiver, die Mitarbeitenden zufriedener mit der Demokratie, so Verdi-Experte Rainald Thannisch. \u00abDenn die Kollegen wissen aus ihrer betrieblichen Erfahrung, dass ihr Engagement zu echten Verbesserungen f\u00fchren kann.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Dennoch behindern oder verhindern manche Unternehmen die Wahl von Betriebsr\u00e4ten, obwohl das gegen das Betriebsverfassungsgesetz verst\u00f6\u00dft. Rainald Thannisch bef\u00fcrchtet daher, Mitarbeiterr\u00e4te k\u00f6nnten als Feigenblatt fungieren. Wenn es im Unternehmen rumort, aber die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung einen Betriebsrat verhindern will, richtet sie stattdessen einen Mitarbeiterrat ein, um die Belegschaft zu beruhigen und Partizipation zu simulieren.<\/p>\n<p>Ursula Vranken hat in ihren Jahren als Beraterin noch nicht erlebt, dass eine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ein Gremium verhindert. \u00abWenn ein Unternehmer ein solches Gremium will, hat er auch ein hohes Interesse daran, dass es funktioniert und dass sich alle an die Vereinbarungen halten\u00bb, sagt Vranken. Schlie\u00dflich geht es darum, das Unternehmen gemeinsam weiterzuentwickeln. Sie stellt aber klar: \u00abEin Mitarbeiterrat ist kein Instrument, um Grabenk\u00e4mpfe zu f\u00fchren.\u00bb<\/p>\n<p>Wer als Unternehmer den Mitarbeiterrat nicht wirklich beteiligen, sondern nur wissen will, was die Angestellten denken, werde Unruhe ernten, so Vranken. \u00abGute Kulturr\u00e4te gestalten aktiv mit und wollen kein Placebo-Team sein.\u00bb<\/p>\n<p>Repr\u00e4sentative Auswahl<\/p>\n<p>Mitarbeiterr\u00e4te werden demokratisch und geheim gew\u00e4hlt, das hei\u00dft, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung kann keine Vertreter \u00abeinschleusen\u00bb. Ursula Vranken empfiehlt eine repr\u00e4sentative Teilnehmerschaft aus dem Unternehmen, die alle Bereiche abdeckt.<\/p>\n<p>Aber auch Mitarbeiterbeteiligung will ge\u00fcbt sein und muss sich entwickeln. \u00abDie Mitglieder der R\u00e4te m\u00fcssen lernen, statt nur aus der eigenen Perspektive aus der des Unternehmens zu denken\u00bb, sagt Vranken. Hei\u00dft: Unzufriedenheit allein ist kein Thema f\u00fcr einen Rat. Diese Herausforderung gilt aber f\u00fcr alle Beteiligungsformen.\u00a0<\/p>\n<p>Meist m\u00fcssen sich die Mitglieder der R\u00e4te mit unbekannten Themen auseinandersetzen. F\u00fcr Unternehmen seien derartige Gremien zus\u00e4tzlich ein guter Talent-Pool, sagt Ursula Vranken. \u00abDie Mitarbeitenden schauen \u00fcber den eigenen Tellerrand, bilden sich weiter, lernen unternehmerisch mitzudenken, Mehrheiten zu organisieren und brennen f\u00fcr das Unternehmen.\u00bb<\/p>\n<p>Hilfe bei der Planung<\/p>\n<p>Bei der Einrichtung eines Mitarbeiterrats helfen Berater und Beraterinnen, aber auch Arbeitsrechtler. F\u00fcr die Planung eines Betriebsrats r\u00e4t Thannisch, sich an eine der Gewerkschaften zu wenden. \u00abDie kritische Phase ist die, in der \u00fcber die Einrichtung eines Betriebsrats diskutiert wird, aber noch niemand gew\u00e4hlt ist. Denn f\u00fcr die Initiatoren besteht lediglich ein herabgesetzter K\u00fcndigungsschutz\u00bb, so der Bereichsleiter.\u00a0<\/p>\n<p>Ob Betriebsrat oder Mitarbeiterrat: Entscheidend ist beim Thema Mitbestimmung, dass es nicht nur um Formalit\u00e4t geht. Nur wenn Mitarbeitende wirklich geh\u00f6rt werden und gemeinsam mit der F\u00fchrung gestalten d\u00fcrfen, entsteht Vertrauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6ln (dpa\/tmn) &#8211; Mitbestimmung im Unternehmen? Das geht l\u00e4ngst nicht mehr nur \u00fcber den klassischen Betriebsrat. 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