{"id":633500,"date":"2025-12-09T01:19:17","date_gmt":"2025-12-09T01:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633500\/"},"modified":"2025-12-09T01:19:17","modified_gmt":"2025-12-09T01:19:17","slug":"moenchengladbach-wie-kann-man-mit-einer-depression-gluecklich-leben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633500\/","title":{"rendered":"M\u00f6nchengladbach | Wie kann man mit einer Depression gl\u00fccklich leben?"},"content":{"rendered":"<p>M\u00f6nchengladbach (dpa\/tmn) &#8211; Psychische Krankheiten sind heilbar. Doch bei vielen Betroffenen sind sie immer da oder kommen immer wieder. Die Management-Expertin Ulrike Michels geh\u00f6rt dazu. Sie lebt seit mehr als zehn Jahren mit chronischer Depression \u2013 und das durchaus erfolgreich und gl\u00fccklich. Eine \u00abRichtungsentscheidung\u00bb sei das, sagt Michels, die ein Buch zum Thema geschrieben hat.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklichsein trotz Depression: Viele empfinden das als Widerspruch. Was sagen Sie dazu?<\/p>\n<p>Ulrike Michels: Die Depression ist seit inzwischen elf Jahren mein t\u00e4glicher Begleiter. Nat\u00fcrlich gibt es auch viele Tage, an denen ich mit der Situation k\u00e4mpfe, weil ich die Erkrankung nicht \u00aban den H\u00f6rnchen gepackt bekomme\u00bb und zus\u00e4tzlich meine Akzeptanz in dem Moment nicht aktivieren kann. Umso wichtiger ist es f\u00fcr mich aber, mein Leben an den Menschen, Werten und Aktivit\u00e4ten auszurichten, die mich gl\u00fccklich machen.<\/p>\n<p>Genauso wichtig ist eine Selbstf\u00fcrsorge, die mich so gesund wie m\u00f6glich sein l\u00e4sst. Wenn ich sagen kann \u00abIch habe ein wertvolles Leben und so gut wie m\u00f6glich auf mich selbst aufgepasst\u00bb, dann bin ich gl\u00fccklich \u2013 auch wenn die Depression mir auf den F\u00fc\u00dfen steht. Gl\u00fcck bedeutet nicht die Abwesenheit von Traurigkeit oder Leid, vielmehr ist es eine Richtungsentscheidung.<\/p>\n<p>Wie erleben Sie Gl\u00fcck im Alltag \u2013 trotz Erkrankung?<\/p>\n<p>Michels: Ich bin gl\u00fccklich, wenn ich meinen Sohn in sein selbstst\u00e4ndiges Leben begleiten kann. Er war vier Jahre, als ich erkrankte, heute 15, und wir haben uns gemeinsam einen Alltag erschaffen, in dem die Erkrankung zwar immer mit im Raum ist, aber nicht die Hauptrolle spielt. Ich bin stolz auf uns beide, dass wir das so geschafft haben.<\/p>\n<p>Ich bin auch gl\u00fccklich, wenn ich meinem Partner, meiner Oma und meinen Freunden ein Licht in den Tag stellen kann. Oftmals ist es nur eine kleine Nachricht, die zeigt: \u00abIch denke an Dich.\u00bb Manchmal ist es auch ein gemeinsamer Spaziergang oder ein geselliger Abend. So sind wir verbunden und dieses Gef\u00fchl macht mich gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Neben dem Kontakt zu meinen Lieben bin gl\u00fccklich, wenn ich die Kraft habe, zu schreiben und zu coachen. Ich lese gerne und liebe Kunst. Und wenn ich meinen Schweinehund \u00fcberwunden und Sport gemacht habe, bin ich auch sehr zufrieden und f\u00fchle mich wohl.<\/p>\n<p>Die Liste zeigt: Es sind nicht die gro\u00dfen Dinge. Es sind liebevolle Verbindungen und ein Fokus auf das, was mich st\u00e4rkt. All das schenkt mir Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Sie haben es schon gesagt: Selbstf\u00fcrsorge und machen, was guttut. Warum ist das so wichtig?\u00a0<\/p>\n<p>Michels: Manchmal ist es f\u00fcr Betroffene, auch mich, schon ein gro\u00dfer Kraftakt, sich zu duschen und anzuziehen. Aber gerade an diesen Tagen tut es besonders gut, wenn es mir gelingt. Denn es st\u00e4rkt mein Selbstvertrauen.<\/p>\n<p>Zur Selbstf\u00fcrsorge z\u00e4hlt aber noch viel mehr: Arzt- und Therapietermine sowie die Medikamenteneinnahme diszipliniert wahrzunehmen, mir gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr Schlaf und Ruhe zu geben, gesund und ma\u00dfvoll zu essen, mich zu bewegen \u2013 auch und gerade wenn es durch die Antriebshemmung schwerf\u00e4llt, soziale Kontakte pflegen. Es sind also eher die allt\u00e4glichen Dinge als das Bad bei Kerzenschein \u2013 wobei auch das nat\u00fcrlich guttun kann.<\/p>\n<p>Die Akzeptanz der geringeren Leistungsf\u00e4higkeit ist ganz entscheidend. Denn wer sich verausgabt, ger\u00e4t schnell in einen \u00dcberforderungsstrudel. Die Grundfrage lautet: Was brauche ich, damit es mir so gut wie m\u00f6glich geht?\u00a0<\/p>\n<p>Auch bei meiner Arbeit geht es oft um das \u00abWarum\u00bb, und so kann ich auch ein \u00abWozu\u00bb im Leben bestimmen \u2013 das Ziel, auf das ich mich immer wieder ausrichten kann. Werte sind der Kompass, mit dem ich das Ziel erreichen kann. Meine pers\u00f6nlichen St\u00e4rken sind meine Werkzeuge, die mir auf dem Weg helfen. Mein Netzwerk ist mein Unterst\u00fctzungsteam. Wir setzen Priorit\u00e4ten, unterscheiden nach dringend\/nicht dringend, wichtig\/nicht wichtig. Wir gleichen Fortschritte ab und stellen Erfolge sichtbar heraus.<\/p>\n<p>Und was die Sprache angeht, l\u00e4sst sich auch vieles ver\u00e4ndern. Den Gedanken \u00abIch muss zum Arzt\u00bb kann ich im Kopf umformulieren zu \u00abIch bin dankbar, dass ich einen Arzt habe, der mich betreut\u00bb \u2013 und schon \u00e4ndert sich mein Mindset. Auch das Wort \u00abnoch\u00bb kann Wunder wirken: \u00abIch kann ja nicht\u00bb wird zu einem \u00abnoch nicht\u00bb und er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit, dass ein unangenehmer Zustand nicht f\u00fcr immer andauert.\u00a0<\/p>\n<p>Marc Aurel sagte: \u00abAuf Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.\u00bb Auch in der Linguistik gibt es \u00e4hnliche Theorien, die zeigen: Achte darauf, was Du denkst und Du kannst Deine Wahrnehmung beeinflussen, auch zum Positiven.<\/p>\n<p>ZUR PERSON: Ulrike Michels studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitet als Coachin und Trainerin. Ihr Buch \u00abGl\u00fccklich trotz Depression\u00bb erschien 2025.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00f6nchengladbach (dpa\/tmn) &#8211; Psychische Krankheiten sind heilbar. 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