{"id":633967,"date":"2025-12-09T06:21:17","date_gmt":"2025-12-09T06:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633967\/"},"modified":"2025-12-09T06:21:17","modified_gmt":"2025-12-09T06:21:17","slug":"putins-schattenflotte-gefaehrliche-navigation-auf-der-ostsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/633967\/","title":{"rendered":"Putins Schattenflotte &#8211; Gef\u00e4hrliche Navigation auf der Ostsee"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/oeltanker-eagle-s-106.jpg\" alt=\"Der \u00d6ltanker &quot;Eagle S&quot;\" title=\"Der \u00d6ltanker &quot;Eagle S&quot; | via REUTERS\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 09.12.2025 06:04 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong><strong>Schiffe, die westliche Beh\u00f6rden zu Putins Schattenflotte z\u00e4hlen, manipulieren weltweit ihre Positionsdaten doppelt so h\u00e4ufig wie vor dem Angriffskrieg. Das zeigt ein Datenprojekt von <\/strong><strong>NDR<\/strong><strong>, <\/strong><strong>WDR<\/strong><strong>, SZ und internationalen Partnern.<\/strong><\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Alice Pesavento, Katharina Bews, Benedikt Strunz, Antonius Kempmann, Tamara Anthony, NDR und Laura Weigele, WDR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Offenbar voll beladen f\u00e4hrt der riesige \u00d6ltanker &#8222;Rangler&#8220; im September \u00fcber die Ostsee, auch durch deutsche K\u00fcstengew\u00e4sser. Doch das Ortungssystem des Schiffes setzt w\u00e4hrend der Fahrt immer wieder aus. Insgesamt verschwindet die &#8222;Rangler&#8220; fast 22 Stunden lang und funkt seine Position auch nicht an die umliegenden Schiffe. Das zeigen Schiffstracking-Datenbanken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob es sich um ein absichtliches Ausschalten handelt oder um einen Defekt des von der EU sanktionierten, 24 Jahre alten Tankers, ist unklar. Sicher ist jedoch: Solche Ausf\u00e4lle stellen eine Gefahr f\u00fcr die Schifffahrt dar. Und immer \u00f6fter funken dubiose Schiffe nicht mehr ihre Signale.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine Auswertung von Daten durch NDR,WDR, SZ und internationale Partner zeigt, dass die Ausf\u00e4lle bei der Ortung von Putins sogenannter Schattenflotte seit der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 deutlich zugenommen haben. Im Vergleich zum ersten Kriegsjahr stieg die Zahl der Signall\u00fccken bis zum Jahr 2025 weltweit auf mehr als das Doppelte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zur Schattenflotte z\u00e4hlen westliche\u00a0 Sicherheitsbeh\u00f6rden fast 1.400 von Russland kontrollierte Schiffe, darunter \u00d6l- und Gastanker, die mutma\u00dflich zur Umgehung von Sanktionen eingesetzt werden. Dazu gez\u00e4hlt werden auch Frachtschiffe, die im Verdacht stehen f\u00fcr Russland Waffen zu transportieren. Hinzu kommen sanktionierte Schiffe russischer Unternehmen.<\/p>\n<p>    Mehrere Tausend Positionsausf\u00e4lle pro Jahr<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders in der Ostsee &#8222;verschwanden&#8220; immer h\u00e4ufiger Schiffe von Putins Schattenflotte. Waren es im Jahr 2022 noch wenige Hundert Positionsausf\u00e4lle, stieg diese Zahl auf mehrere Tausend pro Jahr. Als Positionsausf\u00e4lle wurden solche ber\u00fccksichtigt, die mehr als acht Stunden andauerten, oder sich \u00fcber mehr als 200 Kilometer erstreckten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Daten stammen von Global Fishing Watch und umfassen alle Ausf\u00e4lle des Automatischen Identifikationssystems (AIS) im Zeitraum von Januar 2020 bis zum 1. September 2025. Die Daten wurden von der Journalisten-Organisationen &#8222;Follow the Money&#8220; und von &#8222;Pointer&#8220; aufbereitet. \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Es ist das neue Normal in der Schifffahrt, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass das, was man auf der digitalen Navigationskarte sieht, auch der Wirklichkeit entspricht&#8220;, erkl\u00e4rt Elisabeth Braw von der Denkfabrik Atlantic Council. Seit dem Jahr 2000 sind gr\u00f6\u00dfere Schiffe grunds\u00e4tzlich verpflichtet, ein AIS-Signal zu\u00a0senden. Neben Radar ist es das wichtigste Instrument, um Kollisionen zu verhindern &#8211; besonders in viel befahrenen Gew\u00e4ssern wie der Ostsee.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das Risiko, dass ein Unfall passiert, weil ein Schiff das andere nicht sieht, besteht jeden Tag&#8220;, sagt Braw. Ausf\u00e4lle des AIS durch schlechte Wetterbedingungen oder schlechte Satellitenabdeckung sind ebenfalls m\u00f6glich, erkl\u00e4rten ihrer Meinung nach allerdings nicht den Anstieg.<\/p>\n<p>    Aktivit\u00e4ten gezielt verschleiert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der Ostsee ist die Ortung besonders h\u00e4ufig vor Kaliningrad und St. Petersburg<strong> <\/strong>gest\u00f6rt oder ausgeschaltet. Experten gehen davon aus, dass hier Aktivit\u00e4ten gezielt verschleiert werden sollen. Ihnen zufolge unterh\u00e4lt Russland bei St. Petersburg und Kaliningrad Waffendepots, sowie wichtige H\u00e4fen f\u00fcr den Export von \u00d6l. Der starke Anstieg von Ausf\u00e4llen im Ortungssystem seit 2022 k\u00f6nnte der Versuch sein, Angriffen von ukrainischen Drohnen zu entgehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ortungsl\u00fccken k\u00f6nnen von der Crew selbst ausgel\u00f6st werden, indem sie das AIS manuell abschaltet. Das System l\u00e4sst sich jedoch auch manipulieren &#8211; etwa durch die Angabe falscher Koordinaten, bekannt als Spoofing. &#8222;Wenn \u00d6ltanker der Schattenflotte die H\u00e4fen in Primorsk oder Ust-Luga anlaufen, f\u00e4lschen sie ihr Signal und verlegen es in die N\u00e4he der finnischen K\u00fcste&#8220;, erkl\u00e4rt Margaux Garcia von der Nichtregierungsorganisation &#8222;Center for Advanced Defence Studies&#8220;, kurz C4ADS.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor der finnischen K\u00fcste erscheinen h\u00e4ufig Schiffe dann so, als w\u00fcrden sie in engen Kreisen navigieren &#8211; was f\u00fcr gro\u00dfe Tanker praktisch unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>    Tanker mit angeblich 50 Knoten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der 24 Jahre alte Tanker &#8222;Rangler&#8220; lag laut Satellitenbildern vor seiner Fahrt durch die Ostsee am \u00d6l-Export-Terminal im Hafen von Ust-Luga. Doch laut AIS-Daten f\u00e4hrt der Tanker immer wieder mit angeblich 50 Knoten &#8211; mehr als 90 km\/h &#8211; in Richtung finnischer K\u00fcste und f\u00e4hrt dort angeblich Halbkreise. Offenbar handelt es sich um manipulierte Positionsdaten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anfang November sorgte eine solche Spoofing-Attacke daf\u00fcr, dass innerhalb weniger Minuten pl\u00f6tzlich Tausende Schiffe auf Schiffs-Tracking-Plattformen wie Marine Traffic und Vesselfinder in der Ostsee erschienen. Unter ihnen angeblich auch Kriegsschiffe und Schiffe, die schon seit Jahren verschrottet sein sollten. Der Vorfall dauerte etwa eine halbe Stunde. Es war der erste Vorfall dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung und verdeutlicht, wie verwundbar das Ortungssystem der Schifffahrt ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ereignisse alarmieren auch die deutsche Handelsschifffahrt. Insgesamt habe die Zahl und geografische Ausdehnung der St\u00f6rungen in den vergangenen zwei Monaten nochmals deutlich zugenommen, berichtet Irina Haesler vom Deutschen Reederverband.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mitgliedsunternehmen w\u00fcrden fasst t\u00e4glich F\u00e4lle von Spoofing und auch Jamming melden. Beim Jamming werden St\u00f6rsignale gesandt, die den Empfang von AIS- und auch GPS-Positionsdaten verhindern sollen. Diese Manipulation betrifft dann alle Schiffe in einem bestimmten Gebiet. &#8222;Das Seegebiet, in dem St\u00f6rungen auftreten k\u00f6nnen, ist inzwischen deutlich gr\u00f6\u00dfer als noch vor einem Jahr&#8220;, sagt Haesler.\u00a0<\/p>\n<p>    Marine: Enger Austausch mit Partnern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Deutsche Marine sieht in den zunehmenden St\u00f6rungen bei GPS und AIS erhebliche Herausforderungen f\u00fcr die Handelsschifffahrt und eine Beeintr\u00e4chtigung der sicheren Navigation. Aus operativen Gr\u00fcnden \u00e4u\u00dfert sie sich nicht zu m\u00f6glichen Ursachen der Ausf\u00e4lle bei der russischen Schattenflotte und h\u00e4lt sich auch sonst bedeckt. &#8222;Sie k\u00f6nnen davon ausgehen, dass wir ein dezidiertes Lagebild f\u00fchren und uns eng mit unseren Partnern und Verb\u00fcndeten austauschen&#8220;, so ein Sprecher.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Handlungsspielraum f\u00fcr Marine, Beh\u00f6rden und Politik ist allerdings begrenzt: Zwar versto\u00dfen Ausf\u00e4lle im Ortungssystem gegen das Seerecht, doch Schiffe d\u00fcrfen in internationalen Gew\u00e4ssern nur im Einvernehmen mit dem Flaggenstaat kontrolliert werden. Diese k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber nicht kooperieren. In Europ\u00e4ischen H\u00e4fen g\u00e4be es f\u00fcr die Beh\u00f6ren eine Handhabe, diese laufen die betreffenden Schiffe jedoch nicht an.<\/p>\n<p>    Vor allem wirtschaftliche Gr\u00fcnde<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der starke Anstieg weltweit von Ausf\u00e4llen im Ortungssystem seit 2022 hat vor allem wirtschaftliche Gr\u00fcnde, wie die Verschleierung eines illegalen Verkaufs von russischem \u00d6l. Vermutlich verschwindet deshalb auch der Tanker &#8222;Rangler&#8220; einige Stunden von den Navigationsplattformen, w\u00e4hrend er auf offenem Meer zwischen Oman und Indien liegt. Direkt neben ihm befindet sich laut Schiffstracking-Plattformen zu diesem Zeitpunkt die ebenfalls sanktionierte &#8222;Arabesca&#8220; aus der Schattenflotte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach dem Treffen liegt die &#8222;Rangler&#8220; offenbar mehrere Meter h\u00f6her im Wasser &#8211; ein Hinweis darauf, dass er entladen wurde. Wohin die &#8222;Arabesca&#8220; die mutma\u00dflich umgeladene Fracht bringt, ist unklar: Der Tanker hatte sein Funksignal sowohl vor als auch nach dem Treffen ausgeschaltet. Die Eigent\u00fcmer der &#8222;Rangler&#8220;, die bei einer Briefkastenfirma auf den Seychellen gemeldet sind, waren f\u00fcr unsere Fragen nicht erreichbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 09.12.2025 06:04 Uhr Schiffe, die westliche Beh\u00f6rden zu Putins Schattenflotte z\u00e4hlen, manipulieren weltweit ihre Positionsdaten doppelt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":633968,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,14,15,31137,307,15048,12],"class_list":{"0":"post-633967","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-radar","17":"tag-russland","18":"tag-schattenflotte","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115688170198909314","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/633967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=633967"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/633967\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/633968"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=633967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=633967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=633967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}