{"id":634139,"date":"2025-12-09T08:06:11","date_gmt":"2025-12-09T08:06:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/634139\/"},"modified":"2025-12-09T08:06:11","modified_gmt":"2025-12-09T08:06:11","slug":"im-gentrifizierten-leipzig-sind-mieten-echt-fies-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/634139\/","title":{"rendered":"Im gentrifizierten Leipzig sind Mieten echt fies geworden"},"content":{"rendered":"<p>Die Leipziger Kreativszene zeichnet seit Jahrzehnten aus, dass sie L\u00f6sungen sucht, wenn ihr der Himmel auf den Kopf zu fallen scheint. Das bringt zwar nicht viel Geld ein, sorgt aber daf\u00fcr, dass dem Spa\u00df an der kreativen Arbeit kein Abbruch geschieht. Femi Hartman ist solch ein L\u00f6sungsorientierter. Und da die Mieten in Leipzig steigen, hat er sich Gedanken gamacht. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihm:<\/p>\n<p>Ahoi: Guten Tag, lieber Femi Heartman. Du bist Ideengeber, Mit-Gr\u00fcnder und erster Vorstand im Kreativ-Verein Leipzig. Gl\u00fcckwunsch. Was ist das aber f\u00fcr ein Verein? Welche Inhalte wollt Ihr nach au\u00dfen in die Leipziger Gesellschaft tragen?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Im Grunde sind wir ein Zusammenschluss kreativer Menschen, die sich vernetzt haben, um ihr Equipment, ihr Wissen und ihre F\u00e4higkeiten zusammenzuwerfen \u2013 und daraus etwas Gemeinschaftliches zu schaffen. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Kreativit\u00e4t braucht Raum, Austausch und Infrastruktur. Und genau das wird in einer Stadt wie Leipzig immer teurer. Unser Verein m\u00f6chte diesem Trend ein St\u00fcck weit entgegentreten. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem unsere Mitglieder ihre Projekte umsetzen k\u00f6nnen, ohne an hohen Kosten zu scheitern, und an dem voneinander lernen ganz selbstverst\u00e4ndlich dazugeh\u00f6rt. Egal ob jemand 3D druckt, n\u00e4ht, baut, malt oder Workshops geben m\u00f6chte \u2013 bei uns soll jede Form von Kreativit\u00e4t Platz haben.<\/p>\n<p>Nach au\u00dfen m\u00f6chten wir vor allem zeigen, dass kreative Arbeit gemeinschaftlich, solidarisch und zug\u00e4nglich sein kann. Wir wollen Mitgliedern die M\u00f6glichkeit geben, eigene Ideen auszuprobieren, sich zu vernetzen und gemeinsam etwas aufzubauen.<\/p>\n<p>Ahoi: Und wie soll das alles konkret umgesetzt werden?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Skills und Equipment waren noch recht einfach zu koordinieren. Unsere Kommunikation erfolgt online und dar\u00fcber konnten wir eine gemeinsame \u00dcbersicht erstellen, wer was kann und wer was besitzt und zur Verf\u00fcgung stellen will. Eigene Werkstatt ist da ein ganz anderes Thema. Im gentrifizierten Leipzig sind Mieten echt fies geworden. Innerhalb von kurzer Zeit ist daher auch die Miete f\u00fcr meine Werkstatt hoch gegangen, was am Ende den Ansto\u00df gab, sich daf\u00fcr mit anderen zusammen zu tun. Besonders f\u00fcr nicht kommerzielle Nutzung wird Raum immer unerschwinglicher. Jede kleinere Band wei\u00df beispielsweise, wie schwer es teilweise ist, einen Proberaum zu finden.<\/p>\n<p>Aber wir sind guter Dinge, etwas zu finden, zumal uns ja auch nichts dr\u00e4ngelt.<\/p>\n<p>Ahoi: Wie offen seid Ihr denn? K\u00f6nnen Kreative mit ihren Ideen bei Euch einsteigen? Und falls ja, wie entscheidet Ihr, wer mitmachen darf?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Wir sind als Verein grunds\u00e4tzlich offen f\u00fcr neue Menschen und neue Ideen. Genau daf\u00fcr haben wir den Kreativ-Verein Leipzig ja gegr\u00fcndet: als Ort, an dem Kreativit\u00e4t ausgelebt werden kann \u2013 unabh\u00e4ngig vom pers\u00f6nlichen Hintergrund, vom K\u00f6nnen oder davon, ob man schon lange kreativ arbeitet oder einfach nur etwas Neues ausprobieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Kreative k\u00f6nnen bei uns jederzeit einsteigen, eigene Projekte mitbringen oder gemeinsam mit anderen an etwas arbeiten. Unser Konzept lebt davon, dass unterschiedliche Skills zusammenkommen.<\/p>\n<p>Was die Aufnahme betrifft, unterscheiden wir zwischen normalen Mitgliedern und Kreativmitgliedern. Bei normalen Mitgliedern geht es vor allem darum, dass man Lust hat, Teil der Gemeinschaft zu sein. Bei Kreativmitgliedern schauen wir etwas genauer hin \u2013 nicht, um auszuschlie\u00dfen, sondern um sicherzustellen, dass die Person und ihr Nutzungsverhalten zu unseren Raum- und Vereinsstrukturen passen, da diese in vollem Umfang die anstehende Vereinswerkstatt nutzen k\u00f6nnen, aber auch gemeinsam finanzieren. Am Ende entscheidet der Vorstand, ob eine Kreativmitgliedschaft vergeben wird. Das machen wir transparent, fair und immer mit Blick darauf, dass es f\u00fcr alle Mitglieder gut funktioniert.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Ja, wir sind offen \u2013 und ja, wir freuen uns \u00fcber jede kreative Person. Wichtig ist nur, dass es menschlich passt und wir gemeinsam die gleiche Vision teilen: einen Ort, an dem Kreativit\u00e4t zug\u00e4nglich, bezahlbar und gemeinschaftlich ist und w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Ahoi: Du selbst bist im Hauptberuf Notfallsanit\u00e4ter, rettest also Menschenleben \u2013 in Deiner au\u00dferberuflichen Welt bist Du bei Endzeit-Cons unterwegs. Was bedeutet denn Endzeit-Con wirklich? Ich kann mir gar nicht vorstellen, was Ihr da macht \u2026<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Eine Endzeit-Con ist ein Larp &#8211; im Prinzip ein gro\u00dfes, begehbares Theaterst\u00fcck. Nur ohne B\u00fchne und ohne Zuschauer. Wir alle spielen eine selbst erstellte Rolle in einer fiktiven, zerst\u00f6rten Welt, in der man improvisiert, miteinander Geschichten erz\u00e4hlt und gemeinsam Abenteuer erlebt.<\/p>\n<p>Optisch erinnert das viel an Mad Max, Fallout oder Last of Us. Wir verhauen uns nat\u00fcrlich nicht wirklich, wir schie\u00dfen nicht wirklich, und niemand kommt zu Schaden. Es ist ein gesch\u00fctzter Raum, in dem wir kreativ sein k\u00f6nnen, Kost\u00fcme und Charaktere erstellen und ausleben k\u00f6nnen. Am Ende geht es darum, gemeinsam ein Abenteuer zu schaffen, das sich echt anf\u00fchlt, ohne echt zu sein. Jeder der schonmal einen Film geschaut hat und dabei auch nur irgendeine Emotion versp\u00fcrt hat, sollte das nachempfinden k\u00f6nnen, denn unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob es ein Film, Larp oder echt ist. Wir erleben die gleichen Gef\u00fchle. Das nennt sich Immersion.<\/p>\n<p>Ahoi: Ich las auf Eurer Facebook-Seite, dass Ihr mit dem KVL auch Workshops und Bastelabende anbieten wollt. Wie weit ist denn diese Idee schon gediehen?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Die h\u00e4ngt nat\u00fcrlich sehr daran, dass wir eigene R\u00e4umlichkeiten finden. Sobald wir diese haben und einrichten konnten, planen wir einmal in der Woche abends zu \u00f6ffnen, als offenere Treff f\u00fcr jeden und von da an auch Seminare anbieten zu k\u00f6nnen. Ich dachte da so einmal pro Monat. Themen wie Ledertaschen Selbermachen, 3D-Druck Anf\u00e4nge oder auch erste Schritte im Larp-Schauspiel schweben mir vor. Das Ganze nat\u00fcrlich m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig f\u00fcr alle Interessierten.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich werden wir da immer wieder auf externe Seminarleiter zur\u00fcckgreifen, da unsere eigenen Skills irgendwann ersch\u00f6pft sind. Welch gl\u00fccklicher Zufall, dass auch wir dann Neues durch solche Seminarleiter lernen.<\/p>\n<p>Ahoi: Wer ist denn derzeit alles schon bei Euch mit im Boot?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Also neben mir als 1. Vorstand ist der Daniel noch als 2. Vorstand dabei. Der ein oder andere Mitmensch (und das Ordnungsamt) kennt uns vielleicht noch als die beiden Typen, die den Zombiewalk in Leipzig gemacht haben. W\u00e4ren wir an einer Schule w\u00fcrden die Lehrer sagen \u201eDer Femi ist ein schlechter Einfluss f\u00fcr den Daniel\u201c, weil ich ihn immer in meine Ideen und Projekte mit reinhole. Als Schatzmeister haben wir Falk im Boot. Den kenn ich gut aus dem Larp-Bereich und wir haben auch schon zusammen Projekte auf die Beine gestellt. Unter den anderen Mitgliedern sind einige meiner Freunde aus dem Larp-Sektor. Thoralf k\u00f6nnte ich hier noch gesondert erw\u00e4hnen, da er zusammen mit Deiner Frau wohl zu meinen \u00e4ltesten Freunden geh\u00f6rt und nichts mit Larp zu tun hat.<\/p>\n<p>Aber wir sind offen f\u00fcr jeden, dem unsere Idee und unser Konzept gef\u00e4llt und der sich da als Teil des Ganzen sehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ahoi: Ihr nennt Euch Kreativ-Verein Leipzig, nun ist ja der Begriff Kreativit\u00e4t ein recht breit gefasster. Wo sind Eure Grenzen der Kreativit\u00e4t? In welchem Rahmen seid Ihr aktiv?<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Es hei\u00dft immer so sch\u00f6n \u201eKreativit\u00e4t kennt keine Grenzen\u201c und so ist es bei uns auch.<\/p>\n<p>Uns limitieren nur unsere F\u00e4higkeiten und den Verein limitiert somit nur, was seine Mitglieder k\u00f6nnen oder nicht k\u00f6nnen. Im Moment sind viele Bastler dabei, das Zeug f\u00fcr ihre Endzeit-Abenteuer zu bauen und so haben wir wenig mit Muttis H\u00e4kel- und Stricknachmittag zu tun. Dennoch w\u00e4re das etwas, was genauso im Verein willkommen w\u00e4re und somit unser Spektrum erweitern w\u00fcrde.<br \/>Unser wichtigstes Argument ist wohl der Kreativraum, also die Werkstatt, die wir irgendwann bieten wollen, somit ist das Konzept am ehesten etwas f\u00fcr jemand, der f\u00fcr sein Hobby etwas Raum braucht.<\/p>\n<p>Ahoi: Und schlussendlich: Gibt es f\u00fcr 2026 schon Planungen, Highlights, Vermeldenswertes? Erz\u00e4hl doch mal, Femi.<\/p>\n<p><strong>Femi Heartman:<\/strong>\u00a0Aktuell haben wir gute Aussichten auf einen eigenen Raum mit viel Platz und einer Menge M\u00f6glichkeiten. Wir warten noch auf die R\u00fcckmeldung aller Mitglieder. Aber wenn das klappt, k\u00f6nnten wir schon im Februar richtig loslegen, aber das bekommt man dann auch rechtzeitig \u00fcber unsere Homepage oder Social-Media-Kan\u00e4le mit.<\/p>\n<p>Ahoi: Danke, dass Du Dir Zeit f\u00fcr uns genommen hast.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Leipziger Kreativszene zeichnet seit Jahrzehnten aus, dass sie L\u00f6sungen sucht, wenn ihr der Himmel auf den Kopf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":634140,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,859],"class_list":{"0":"post-634139","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-leipzig","12":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/634139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=634139"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/634139\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/634140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=634139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=634139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=634139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}