{"id":635159,"date":"2025-12-09T18:35:22","date_gmt":"2025-12-09T18:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/635159\/"},"modified":"2025-12-09T18:35:22","modified_gmt":"2025-12-09T18:35:22","slug":"spiegel-kuenstler-christian-megert-stellt-in-galerie-fils-in-duesseldorf-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/635159\/","title":{"rendered":"Spiegel-K\u00fcnstler Christian Megert stellt in Galerie Fils in D\u00fcsseldorf aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWenn Sie einen Spiegel gegen einen Spiegel halten, finden Sie einen Raum ohne Ende und Grenzen, einen Raum mit unbeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten, einen neuen metaphysischen Raum.\u201c Als Christian Megert diesen Satz in seinem Manifest von 1961 niederschrieb, katapultierte er sich mit 25 Jahren an die Spitze der Avantgarde. Und noch immer macht er mit seinen flexibel geh\u00e4ngten Spiegelstreifen und seinen in der H\u00f6he und der Neigung variierenden Scheiben auf kleinen Holzkl\u00f6tzchen Furore, wie sich in der Galerie Fils zeigt. Wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag (6. Januar) trafen wir ihn voller Schaffenskraft in seinem gro\u00dfen, st\u00e4dtischen Atelier in Unterrath.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vor einigen Monaten machte der ehemalige D\u00fcsseldorfer Museumschef Beat Wismer, der nach seiner Pensionierung wieder in der Schweiz arbeitet, ein Interview mit dem Spiegel-K\u00fcnstler. Er wollte erfahren, warum dieser schon mit 22 Jahren so erfolgreich war. Megert erinnert sich: \u201eDamals war ich noch Lehrling. Das gibt es in der Kunstgeschichte sonst nicht. Ich habe f\u00fcr die Schweiz die Expo aufgebaut. Ich wurde in den Salon des Maires nach <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/paris\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paris<\/a> eingeladen, damals das Nationalmuseum in Frankreich. Ich nahm an den ersten Ruhrfestspielen nach dem Krieg in Recklinghausen teil. Aber ich war mir damals nicht bewusst, dass ich weltber\u00fchmt sei.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Er ist ein Macher, der aus einer Zeit stammt, wo man in der Schweiz keine Kunst studieren konnte, aber die besten K\u00fcnstler hervorbrachte. Er machte als Voraussetzung f\u00fcr die Kunstgewerbeschule eine Maurerlehre und schuf monochrome Reliefs, die so gut waren, dass der 21-j\u00e4hrige Lehrling den gro\u00dfen Schweizer Preis f\u00fcr Kunst erhielt. Er erz\u00e4hlt: \u201eIch habe von 1952 bis 1956 die Kunstgewerbeschule in Bern besucht. Man musste eine Berufslehre machen. Wir haben das technische Zeichnen gelernt. Freies Zeichnen musste man fakultativ dazu nehmen. Die Kunstgewerbeschule hatte berufsgebundene F\u00e4cher. Ich habe meine erste Ausstellung in Bern 1956 mit Wei\u00df in Wei\u00df gemalten Strukturbildern gehabt, bin dann aber abgehauen, weil sie mich in der Offiziersschule haben wollten. Ich war in Paris. Aber als de Gaulle an die Macht kam, ging alles nach Vorschrift. Wer keine Aufenthaltsgenehmigung hatte, flog raus. Ich konnte nur eine Handtasche mitnehmen.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seine gro\u00dfen Spiegelr\u00e4ume sind allerdings verloren gegangen. Selbst sein Raum von 1997 mit 60 Spiegeln im Kunstpalast wurde abgebaut. Es gibt keinen einzigen, st\u00e4ndigen Spiegelraum von ihm in D\u00fcsseldorf. Nur Entw\u00fcrfe, um sie wiederaufzubauen. Im Atelier steht sein Modell f\u00fcr seine Jubil\u00e4umsschau am 24. Januar kommenden Jahres bei der Stifterin und Galeristin Dorothea van der Koelen in Mainz. Es enth\u00e4lt auch den Zero-Raum zur Documenta 1968: Ein Kasten, drei von vier Seiten sind offen. Der Pfiff liegt in der Auskleidung mit Spiegeln auf Decke und Boden, bei tats\u00e4chlichen L\u00e4ngen und H\u00f6hen von 2,40 Meter. Er hat ihn schon oft gezeigt, zuletzt in Lausanne und berichtet: \u201eWenn die Leute dort stehen, sind sie erschrocken. Sie haben das Gef\u00fchl zu schweben, weil sie sich nicht sehen. Sie haben ein v\u00f6llig anderes Raumgef\u00fchl, weil sie ihr Gleichgewicht nicht mehr finden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach D\u00fcsseldorf zog er 1973, von 1976 bis 2002 hatte er einen Lehrstuhl f\u00fcr \u201eIntegration Bildende Kunst und Architektur\u201c an der Kunstakademie. Es war die Zeit, wo er als Professor anwesend sein musste. Megert erinnert sich: \u201eAls mich Norbert Kricke und Alfonso H\u00fcppi holten, musste ich nach D\u00fcsseldorf ziehen, ein Atelier in der Akademie haben und dort arbeiten. Noch heute bekomme ich Danksagungen von ehemaligen Studierenden, die gar nicht bei mir eingeschrieben waren, aber meine Kolloquien besuchten.\u201c Ehrenmitglied der Akademie ist er jedoch nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dennoch ist er beliebt. Zu seiner farbenfrohen, witzigen und zugleich raffinierten Schau bei Fils lagen ihm die Besucher zu F\u00fc\u00dfen. In Holland und Belgien ist seine Kunst begehrt und wird gekauft. Als er k\u00fcrzlich in Tschechien ausstellte, kamen Hunderte von Besuchern. Er ist ein Tatenmensch geblieben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sein ger\u00e4umiges Atelier ist Werkstatt und Materiallager, mit Bohrern, Schraubenziehern und Zangen, Schneide-Ger\u00e4ten, Winkeleisen und Zollst\u00f6cken, S\u00e4ge- und Schneidemaschinen. Auf der Fensterbank liegen Skizzenb\u00fccher, in die er mit Bleistift ohne Lineal seine Ideen zeichnet, Materialien und Ma\u00dfe notiert, aus rechteckigen Dreiecken Berg- und Talformen schiebt, Kreise setzt, dunkle gegen helle Partien skizziert oder nach strenger Geometrie den Neigungswinkel berechnet, um das Prinzip der gegenseitigen Spiegelung immer wieder neu zu reflektieren. In einer zweiten Phase klebt er Lamellen, Quadrate, Kreise oder gekurvte Fl\u00e4chen aufs Papier, in Schwarz oder Wei\u00df, und korrespondiert die Collage-Teile mit den gezeichneten Linien.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit \u00fcber 40 Jahren hat er einen Rahmenmacher an der Bilker Allee, der nicht nur rahmt, sondern die K\u00e4sten wie deren Inhalt baut. Er wei\u00df, wie er aus den pr\u00e4zisen Anweisungen einen minimalen Realraum aus verschieden geneigten Kl\u00f6tzchen herstellen muss, so dass im Rahmenobjekt ein Tiefenraum suggeriert wird. Er befestigt auch die Spiegel- und Farbfl\u00e4chen. F\u00fcr seine Arbeiten auf Siebdruck fand Megert \u00fcber seinen Galeristen Fils einen Fachmann im Schwarzwald, der die Auflagenobjekte ausf\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eWenn Sie einen Spiegel gegen einen Spiegel halten, finden Sie einen Raum ohne Ende und Grenzen, einen Raum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":635160,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[29012,8057,53119,149862,3364,29,3405,149863,2701,9394,30,2075,28974,7804,126225,3910,53970,65333,1209,1678,149867,149865,293,149866,149864],"class_list":{"0":"post-635159","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-atelier","9":"tag-besuch","10":"tag-besucht","11":"tag-christian-megert","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-duesseldorf","15":"tag-fils","16":"tag-geburtstag","17":"tag-gefuehl","18":"tag-germany","19":"tag-kunst","20":"tag-kunstakademie","21":"tag-kunstgeschichte","22":"tag-kunstgewerbeschule","23":"tag-kuenstler","24":"tag-kunstpalast","25":"tag-lehrling","26":"tag-nordrhein-westfalen","27":"tag-raum","28":"tag-raumgefuehl","29":"tag-realraum","30":"tag-schweiz","31":"tag-spiegelraum","32":"tag-tiefenraum"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115691056280650688","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=635159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/635159\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/635160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=635159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=635159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=635159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}