{"id":635656,"date":"2025-12-10T00:16:14","date_gmt":"2025-12-10T00:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/635656\/"},"modified":"2025-12-10T00:16:14","modified_gmt":"2025-12-10T00:16:14","slug":"australien-weltweit-erstes-social-media-verbot-fuer-jugendliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/635656\/","title":{"rendered":"Australien: Weltweit erstes Social-Media-Verbot f\u00fcr Jugendliche"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Ein sch\u00f6nes Haus am Waldrand, im Dorf Wingello zwei Stunden s\u00fcdlich von Sydney. Das Heim ist liebevoll f\u00fcr die Weihnachtszeit dekoriert. Ruby Hooper sitzt am K\u00fcchentisch. Sie liest an ihrem Handy Nachrichten in Snapchat. Die App nutze sie vor allem, um sich mit ihren Freundinnen zu unterhalten und Treffen zu organisieren, sagt die 14-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Doch damit ist jetzt Schluss. Ob Snapchat, Facebook, Tiktok, X (fr\u00fcher Twitter), Youtube, Instagram, Kick, Twitch oder Threads: Von Mittwoch an werden <a href=\"https:\/\/taz.de\/Social-Media-Verbot\/!6135206\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf dem Kontinent rund 2,3 Millionen Kinder und Jugendliche ihren Zugang zu sozialen Medien verlieren<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">F\u00fcr Ruby Hooper ist klar: \u201eDie Folgen sind schwerwiegend, denn so ziemlich alle Kinder in Australien nutzen soziale Medien. Wir werden k\u00fcnftig wohl \u00fcber das Telefon oder Kurznachrichtendienste kommunizieren m\u00fcssen\u201c.<\/p>\n<p>      Pl\u00f6tzlich weg<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Niemand in ihrem Bekanntenkreis sei mit den neuen Vorschriften einverstanden, glaubt Ruby. \u201eWir konnten soziale Medien jahrelang benutzen. Und jetzt werden sie uns pl\u00f6tzlich weggenommen\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Ruby Hooper spricht f\u00fcr die digitale Generation: aufgewachsen mit dem Handy und bis ins Detail vertraut mit dem Internet. Eine Generation aber auch, die \u2013 so der australische Premierminister Anthony Albanese \u2013 besonders gef\u00e4hrdet sei wegen der negativen Seiten des Konsums sozialer Medien: Mobbing, unerw\u00fcnschte Kontaktaufnahme, sexuelle Erpressung etwa.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Das f\u00fchre bei Jugendlichen zu psychischen Problemen, wie ihm Eltern geklagt h\u00e4tten. Albanese sah dringend Handlungsbedarf. Die konservative Opposition stimmte zu.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Jugend-ohne-Social-Media\/!6128575\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ein neues Gesetz<\/a> verpflichtet Anbieter sozialer Medien nun, unter 16 Jahre alten Jugendlichen den Zugang zu ihren Diensten zu sperren. Unternehmen wie Meta d\u00fcrfen zwar selbst entscheiden, wie sie das Alter der Nutzerinnen und Nutzer pr\u00fcfen. Ein Pass allein aber gen\u00fcgt nicht. So wurden in den letzten Monaten verschiedenste technologische Alternativen evaluiert, etwa biometrische Messungen und die Verwendung k\u00fcnstlicher Intelligenz.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Einige funktionierten, andere \u00fcberhaupt nicht. So hielt die KI in Tests die Gesichter von 13-J\u00e4hrigen f\u00fcr die von Erwachsenen. Kri\u00adti\u00adke\u00adr:in\u00adnen sprechen von einem unausgereiften Plan.<\/p>\n<p>      Wissenschaftliche Zweifel<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Doch die technischen H\u00fcrden auf dem Weg zur Einf\u00fchrung der Gesetze sind nicht der einzige Grund f\u00fcr Skepsis. Laut der Medien-Expertin Catherine Page Jeffery von der Universit\u00e4t Sydney sind soziale Medien und andere Onlineforen f\u00fcr junge Leute zwar mit Risiken verbunden. \u201eDer komplette Ausschluss Jugendlicher ist aber eine plumpe Reaktion auf ein komplexes Problem, das weit \u00fcber soziale Medien-Plattformen hinausgeht\u201c, meint sie.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Die Akademikerin stellt infrage, ob das Argument von Albanese wissenschaftlich haltbar sei, wonach soziale Medien in vielen F\u00e4llen prim\u00e4r sch\u00e4digend f\u00fcr die Psyche von Jugendlichen seien. Derartige Dienste br\u00e4chten Nutzern gro\u00dfe Vorteile \u2013 etwa bei der Kommunikation und Bildung. Page Jeffery steht zwar \u2013 wie praktisch alle Fachleute in Australien \u2013 hinter der Forderung der Politiker, soziale Medien sicherer zu machen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Die meisten Aka\u00adde\u00admi\u00adke\u00adr:in\u00adnen aber verlangen, dass die Medienkonzerne dazu verpflichtet werden, ein sicheres Umfeld f\u00fcr Jugendliche zu schaffen. Laut der Wissenschaftlerin k\u00f6nnte das australische Modell der Isolation Jugendlicher auch auf internationaler Ebene zu Problemen f\u00fchren: \u201eDas zust\u00e4ndige Komitee der Vereinten Nationen sagt klar, dass Kinder Zugang zu digitalen Medien haben sollten, sicheren Zugang.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">Unter Ex\u00adper\u00adt:in\u00adnen unbestritten ist, dass gerade f\u00fcr junge Menschen in isolierten Landesgegenden oder aus Randgruppen besonders viel auf dem Spiel steht. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Social-Media-Verbot-fuer-Jugendliche\/!6048934\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Soziale Medien seien f\u00fcr junge Homosexuelle und trans Menschen oftmals die einzige M\u00f6glichkeit<\/a> des Austauschs mit Gleichgesinnten in einem Land, das in weiten Teilen tief konservativ ist.<\/p>\n<p>      Katastrophale Folgen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Gerade in l\u00e4ndlichen Gebieten sind Homophobie und Transphobie weit verbreitet. Der Ausschluss von digitalen Foren k\u00f6nnte katastrophale Folgen haben f\u00fcr betroffene Jugendliche \u2013 bis hin zum Suizid.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">Ruby Hooper zeigt sich zunehmend emp\u00f6rter, je l\u00e4nger sie \u00fcber die bevorstehende Schlie\u00dfung ihrer Sozialen-Medien-Konten nachdenkt. \u201eWenn ich als 14-J\u00e4hrige schon einen Job haben darf, dann will ich gef\u00e4lligst auch \u00fcber soziale Medien mit meinen Freunden kommunizieren k\u00f6nnen\u201c, fordert sie. Umfragen zeigen, dass viele Eltern das neue Gesetz unterst\u00fctzen. Vielleicht untersch\u00e4tzen Erwachsene die Mitglieder der digitalen Generation.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">Sie und ihre Freunde seien sich nicht nur der Gefahren im Internet bewusst, sagt Ruby. Sie w\u00fcssten auch damit umzugehen. \u201eWenn wir jemanden nicht wollen, oder die sich nicht benehmen, dann blockieren wir sie. Ganz einfach\u201c, meint die Teenagerin. Ihre Mutter Bridget, die dem Gespr\u00e4ch beiwohnt, nickt. Obwohl sie ihrer Tochter vertraut, dass sie ihr m\u00f6gliche Probleme mit den sozialen Medien meldet, hat sie mit Ruby die Abmachung, jederzeit deren Handy \u00fcberpr\u00fcfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"19\">Einfach so hinnehmen will die Jugendliche das Verbot nicht. Wie Tausende andere Mitglieder der Generation plant Ruby, es zu umgehen. \u201eIch hatte vor, f\u00fcr die digitale Altersbestimmung das Gesicht meiner Mama oder meines Papas zu verwenden.\u201c Bei Instagram habe das jedoch nicht geklappt. \u201eDa wurde ich schon als unter 16 Jahre alt identifiziert.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"20\">Selbst wenn Ruby der Trick gelungen w\u00e4re \u2013 Folgen h\u00e4tte das f\u00fcr sie keine. Das Gesetz sagt, dass in solchen F\u00e4llen nicht die Jugendlichen oder ihre Eltern zur Verantwortung gezogen w\u00fcrden, sondern einzig die Betreiber der sozialen Medien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein sch\u00f6nes Haus am Waldrand, im Dorf Wingello zwei Stunden s\u00fcdlich von Sydney. 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