{"id":636640,"date":"2025-12-10T10:29:17","date_gmt":"2025-12-10T10:29:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/636640\/"},"modified":"2025-12-10T10:29:17","modified_gmt":"2025-12-10T10:29:17","slug":"diese-panne-machte-es-nur-noch-schoener-rolling-stone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/636640\/","title":{"rendered":"Diese Panne machte es nur noch sch\u00f6ner \u2014 Rolling Stone"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/rs-badge-recommendation.png\" alt=\"ROLLING STONE Badge\"\/><\/p>\n<p>Empfehlungen der\u00a0Redaktion<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/d8df8fe461824ed28d56220a7ecfb56f.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Es gibt einige lustige Stage Fails in der Konzertgeschichte von Radiohead (die meisten davon sind auf YouTube dokumentiert), sie zeigen eine f\u00fcr den Moment gescheiterte Kooperation zwischen Menschen und Maschine: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KlM6lhfHL5M&amp;list=RDKlM6lhfHL5M&amp;start_radio=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thom Yorke bekommt einen Lachanfall, weil ein nicht abzustellendes Voice-Sample stoisch seinen Live-Gesang unterbricht;<\/a> Thom Yorke verl\u00e4sst sauer die B\u00fchne, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GmGSDGjho0I\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weil Jonny Greenwood seine Rhythmusmaschine nicht abstellen kann, Yorke aber auch nicht stundenlang weitertanzen will.<\/a> Einen \u00e4hnlich eindrucksvollen Moment erlebte das Publikum beim gestrigen, zweiten Berlin-Konzert der Band (<a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/radiohead-berlin-2025-konzert-review-3082573\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">lesen Sie den Konzertbericht zum ersten Auftritt hier<\/a>).<\/p>\n<p>Die Mensch-Maschine<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Song zw\u00f6lf, \u201eSit Down, Stand Up\u201c, ist Greenwood zu lange vor dem Keyboard am Schaffen und schafft es nicht rechtzeitig r\u00fcber zu seinem Sequenzer, um Tasten zu dr\u00fccken. Die dramatisch-pumpenden, das echte Schlagzeug begleitenden Beats setzen zu sp\u00e4t ein und in der falschen Taktung, Yorke versucht zun\u00e4chst seinen Gesang anzupassen, nimmt dann aber die H\u00e4nde von seinen Klaviertasten, die gesamte Band ger\u00e4t aus dem Takt. Yorke wischt sich die H\u00e4nde an den Hosenbeinen ab und schenkt Greenwood einen herrlich w\u00fctenden Blick, den hoffentlich jemand gefilmt oder fotografiert hat, weil es so einen Blick von ihm sonst nur selten \u00f6ffentlich zu sehen gibt (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KKzlpmHJr4Q&amp;list=RDKKzlpmHJr4Q&amp;start_radio=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier ist ein Video, allerdings ohne Fokus auf Yorke)<\/a>.<\/p>\n<p>Greenwood hat derweil l\u00e4ngst beide Arme in einer \u201eich bin unschuldig!\u201c-Geste in die Luft gerissen. Die E-Beats laufen weiter. Phil Selway setzt wieder mit dem Schlagzeugrhythmus ein, Greenwood dr\u00fcckt diesmal im richtigen Moment den richtigen Knopf, Yorke setzt auf seinem Klavier neu an, die Band bringt \u201eSit Down, Stand Up\u201c zu Ende. \u201eDiese Maschinerie ist unberechenbar!\u201c, sagt Yorke danach. \u201eMaschinerie\u201c statt \u201eMaschine\u201c \u2013 er meint das gro\u00dfe Ganze. Kraftwerk, die in einer nur wenige Meter entfernten Halle am selben Abend auftreten, k\u00f6nnte sowas eher nicht passieren.<\/p>\n<p>Das Publikum applaudiert, es liebt Radiohead f\u00fcr diese perfekte Unperfektheit. Eine Live-Panne, die einen faszinierenden Einblick bietet in die Arrangements einer Band, die verschiedene elektrische und akustische Instrumente mit Elektronik paart, und in der es kein Playback oder Backing Tape gibt, um die fehlenden Sekunden auszugleichen, wenn Jonny Greenwood einen Tick zu sp\u00e4t vom einen Maschinenpark zum anderen l\u00e4uft, was halt daran lag, dass er zu vertr\u00e4umt woanders am Spielen war. Diese Reverse-Engineering-Einblicke in die Arbeitsweise eine der besten Studiobands unserer Zeit sind Gold wert.<\/p>\n<p>Rundb\u00fchne und Quadranten<\/p>\n<p>Radiohead treten auf einer Rundb\u00fchne auf, daher sind Pannen oder Improvisationen viel lustiger anzusehen als auf einer Frontalb\u00fchne. Die Musiker spielen ja in ihrem eigenen Quadranten, selten nebeneinander \u2013 ruckartige \u201eWas soll denn das hier pl\u00f6tzlich?\u201c-Kopfbewegungen \u00fcber die Schulter sind dann die Folge (wenn Thom Yorke mit seiner Gitarre am Hauptmikrofon steht, und das betrifft immerhin zw\u00f6lf der 25 Songs, steht ihm der Soundmixer gar im R\u00fccken, auch hier gibt es ruckartige Schulterblicke).<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Wie ist \u201eBerlin 2\u201c im Vergleich zu \u201eBerlin 1\u201c? Die Setlist unterscheidet sich in 14 von 25 St\u00fccken, was dem Unterschied vom vorangehenden \u201eKopenhagen 2\u201c und \u201eKopenhagen 1\u201c entspricht. Radiohead haben unter den 65 f\u00fcr die Tournee einstudierten Liedern also eine f\u00fcr sie ideale Set-Dramaturgie entwickelt. In Berlin sind die jeweiligen Alben-Klassiker bislang halbwegs fair auf die ersten beiden Auftritte verteilt: \u201eLucky\u201c vs. \u201eAirbag\u201c, \u201eThe Gloaming\u201c vs. \u201eMyxomatosis\u201c, \u201eThe National Anthem\u201c vs. \u201eOptimistic\u201c. \u201eBerlin 2\u201c wirkt durch seine Balladen, \u201eNude\u201c, \u201eReckoner\u201c, \u201ePyramid Song\u201c und \u201eHow To Disappear Completely\u201c, etwas elegischer. Bei \u201eNude\u201c spielt der meist selten im Rampenlicht stehende Ed O\u2019Brien das Gitarrensolo, Jonny Greenwood verschr\u00e4nkt dabei die Arme hinter seinem R\u00fccken \u2013 eine gut gemeinte \u201eJetzt stehe mal nicht ich im Mittelpunkt\u201c-Geste.<\/p>\n<p>Fest steht auch, dass das auf Radiohead-Tourneen lange verschm\u00e4hte \u201eJigsaw Falling Into Place\u201c dem Publikumsjubel nach zu urteilen ein absolutes Lieblingslied darstellt. Allerdings steht auch fest, dass das Klangbild nicht recht funktioniert. Bei allen Songs, in denen drei E-Gitarren gespielt werden, schaffen die H\u00f6hen es nicht mehr durch den Bass, es entsteht der \u201eSoundbrei\u201c. Das Britpop-artige \u201eThe Bends\u201c (h\u00e4tte auch gut auf das Travis-Album \u201eGood Feeling\u201c gepasst) und \u201eBodysnatchers\u201c sind w\u00e4hrend mancher Passagen nicht mehr zu erkennen.<\/p>\n<p>Akustische H\u00f6hepunkte<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner anzuh\u00f6ren sind die Lieder mit Akustikgitarre, etwa das wie ein verlorenes Canzone-Italiana-St\u00fcck anmutende, suizidale \u201eExit Music (For a Film)\u201c, inklusive Giallo-Orgelt\u00f6nen Greenwoods, und an deren stillem Ende eine Zuschauerin ein perfekt getimtes \u201eBravo!\u201c ruft. Das ist schon fast nicht mehr Canzone Italiana, sondern italienische Oper.<\/p>\n<p>Da der Weg von der Rundb\u00fchne in der Hallenmitte bis zum Backstagebereich zu weit ist, steigen Radiohead nach Ende des Mainsets eine Treppe herab, verbleiben bis zur Zugabe unter ihrer B\u00fchne und stecken dort die K\u00f6pfe zusammen. Thom Yorke und Jonny Greenwood haben sich hoffentlich wieder vertragen.<\/p>\n<p>Der erste Konzertabend endete mit \u201eKarma Police\u201c, einem Lied, das eigentlich nicht funktionieren d\u00fcrfte, weil es Resignation mit Kampfansage paart. Der Abschluss von \u201eBerlin 2\u201c ist noch besser, er ist wuchtiger als jedes ihrer Lieder davor. \u201eThere There\u201c vereint den Donner von zwei Schlagzeugen und zwei Steh-Schlagzeug-Sets, ein w\u00fctend-nerv\u00f6ses, tribalistisches Herantasten ins Unbewusste, nicht erl\u00f6st, sondern noch intensiviert durch Jonny Greenwoods sp\u00e4teren Wechsel an die Leadgitarre. Sein irres, qu\u00e4lendes Solo schreitet der Rhythmus-Kavallerie voran. \u201eThere There\u201c ist das Lied, das Colonel Kurtz im Dschungel geh\u00f6rt haben muss, als er \u201eThe Horror, the Horror\u201c sagte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Empfehlungen der\u00a0Redaktion Es gibt einige lustige Stage Fails in der Konzertgeschichte von Radiohead (die meisten davon sind auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":636641,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,150130,36867,105534],"class_list":{"0":"post-636640","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-jonny-greenwood","12":"tag-radiohead","13":"tag-thom-yorke"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115694808628781832","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/636640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=636640"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/636640\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/636641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=636640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=636640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=636640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}