{"id":63767,"date":"2025-04-26T21:29:16","date_gmt":"2025-04-26T21:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/63767\/"},"modified":"2025-04-26T21:29:16","modified_gmt":"2025-04-26T21:29:16","slug":"weiblicher-widerstand-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/63767\/","title":{"rendered":"Weiblicher Widerstand \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Futuristisch muten die aus Beton gegossenen Formen an, die ein Ensemble mitten im Wald bilden. Sie erinnern an die K\u00e4mpfe gegen die nationalsozialistischen Besatzer im ehemaligen Jugoslawien. Carla Maruscha Fellenz, die in der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst (HGB) in der Klasse Fotografie und Bewegtbild von Tina Bara studiert, besuchte die Erinnerungsorte. In ihrem Film \u00bbPrisutni\u00ab (Gegenwart) aus dem Jahr 2023, der in der Ausstellung \u00bbPartizan*ke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und K\u00e4rnten\u00ab zu sehen ist, beschreibt sie den Weg zu den meist in der \u00d6dnis liegenden Pl\u00e4tzen von Schlachten im Befreiungskampf der Partisaninnen und Partisanen im ehemaligen Jugoslawien, die vorgefundenen St\u00e4tten und deren gegenw\u00e4rtige Benutzung. In Fotografien schildert sie Detailansichten der Konstruktionen von den Erinnerungsst\u00e4tten. Bereits seit den 1950er Jahren etablierte sich in Jugoslawien eine Gedenkarchitektur, die sich erheblich von beispielsweise der in der DDR unterschied. Bogdan Bogdanovi\u0107 (1922-2010) geh\u00f6rt zu den bekanntesten Architekten. In der Ausstellung wird die Architektin Iskra Grabuloska vorgestellt, die die Gedenkst\u00e4tte Makedonium in Krusevo schuf.<\/p>\n<p>Die Ausstellung, die sich in k\u00fcnstlerischer und wissenschaftlicher Recherche den Partisaninnen und Partisanen n\u00e4hert, stellt auf gro\u00dfen Stoffbahnen im Galerieraum die historische Situation von Jugoslawien vor. Am 6. April 1941 \u00fcberfallen die Wehrmacht, italienische, ungarische und bulgarische Truppen ohne Kriegserkl\u00e4rung das Land und besetzen es. Im Widerstand organisieren sich die Mitglieder der Kommunistischen Partei, in deren Reihe sich ehemalige K\u00e4mpfende des Spanischen B\u00fcrgerkrieges befinden. Eine Besonderheit, die auch die Ausstellung initiierte, bildet die Tatsache, dass viele Frauen am kommunistisch gef\u00fchrten Widerstand gegen die nationalsozialistische Okkupation organisiert waren. Offizielle Zahlen benennen zwei Millionen Frauen, die sich bis zum Kriegsende 1945 hier organisierten, etwa 100.000 bei der Volksbefreiungsarmee bzw. in Partisan*innenverb\u00e4nden. Ein Gro\u00dfteil von ihnen stammt aus b\u00e4uerlichen und damit auch traditionellen Lebensentw\u00fcrfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Ausstellung HGB\" height=\"461\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/DSCF0304.jpg\" width=\"692\"\/><\/p>\n<p>Ausstellung in der HGB | Foto: Lea Petry<\/p>\n<p>Die Ausstellung stellt einzelne K\u00fcnstlerinnen vor, die als Partisaninnen im Untergrund k\u00fcnstlerisch arbeiteten und wie deren Erbe nach 1945 in das kollektive Ged\u00e4chtnis \u00fcberging oder in Vergessenheit geriet. Da zumeist die Geschichte von Ost- und S\u00fcdosteuropa in unseren Breiten eh mehr als blinder Fleck, denn als Allgemeinwissen existiert, zeigt ein Video des internationalen Netzwerks, das die Ausstellung organisierte, warum und wie sie sich mit der Geschichte \u2013 insbesondere des Untergrunds \u2013 besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die zeitgen\u00f6ssischen, k\u00fcnstlerischen Positionen stammen unter anderem aus der HGB, aus Ljubljana oder der Hochschule f\u00fcr Bildende Kunst Hamburg. Sowohl die wissenschaftlichen als auch die k\u00fcnstlerischen Positionen weisen aktuell in die Gegenwart, wie beispielsweise die Gedenkst\u00e4tten oder einzelne Fotografien zu ehemaligen Standorten von Konzentrationslagern zeigen. Erinnerungsorte des kommunistischen Untergrunds bilden zudem wichtige Positionen in der europ\u00e4ischen Erinnerungskultur, die seit dem Zerfall Jugoslawiens aber auch ganz unterschiedlich gewertsch\u00e4tzt oder zerst\u00f6rt wurden, um eine neue nationale Geschichte erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend in Kroatien beispielsweise 3.000 Denkm\u00e4ler verschwanden, pflegt Slowenien diese.<\/p>\n<p>Neben der Ausstellung, die nach Leipzig in Berlin, M\u00fcnchen, Klagenfurt\/Celovec und Wien Station machen wird, gibt es ein reichhaltiges Rahmenprogramm:<\/p>\n<p>25.4. 18 Uhr Julia Blume spricht \u00fcber \u00bbW\u00e4chterstra\u00dfe 11\u00ab \u2013 eine Zeitschrift des nationalsozialistischen Studierendenbundes der Akademie f\u00fcr graphische K\u00fcnste und Buchgewerbe 1940-45<\/p>\n<p>30.4. 18 Uhr Katharina Pressl &amp; Daniel G\u00f6nitzer, \u00bbNullpunkte der Gewalt\u00ab, Lesung und Gespr\u00e4ch<\/p>\n<p>8.5. 19 Uhr \u00bbKo to pamo peva?\u00ab, Film, Jugoslawien 1980, Screening<\/p>\n<p>9.5. 18 Uhr Oliver Neef, \u00bbZwangsarbeit und Widerstand in Leipzig. Biografien ehemaliger Zwangsarbeiter:innen\u00ab<\/p>\n<p>10.5. Zur Museumsnacht ist die Ausstellung und eine Bar von 18 bis 24 ge\u00f6ffnet, F\u00fchrungen: 19 und 21 Uhr<\/p>\n<p>15.5., 19 Uhr \u00bbThe Other Line\u00ab, Film, 2016, Screening<\/p>\n<p>&gt; \u00bbPartizan*ke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und K\u00e4rnten\u00ab<\/p>\n<p>Bis 17.5. in der HGB-Galerie, Mi-Fr 13.30-17.30 Uhr<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Futuristisch muten die aus Beton gegossenen Formen an, die ein Ensemble mitten im Wald bilden. 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