{"id":637732,"date":"2025-12-10T22:09:32","date_gmt":"2025-12-10T22:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/637732\/"},"modified":"2025-12-10T22:09:32","modified_gmt":"2025-12-10T22:09:32","slug":"wuppertaler-kulturkolumne-was-die-dunkelheit-zeigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/637732\/","title":{"rendered":"Wuppertaler Kulturkolumne: Was die Dunkelheit zeigt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der letzten Woche besch\u00e4ftigten mich die Themen \u201eLicht und Dunkelheit\u201c sehr. Am Freitag war ich auf der Insel, um der eindrucksvollen Tanzperformance \u201eMayak\u201c von Kenji Shinohe beizuwohnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die drei Tanzenden spielten virtuos mit den Gegens\u00e4tzen von Licht und Dunkelheit, laut und leise, zusammen und allein, F\u00fchrung und Selbstbestimmung, Hass und Liebe, dem Menschlichen und dem Unmenschlichen. Verrenkte K\u00f6rper, die beinahe entgrenzt wirkten, und animalische Ger\u00e4usche, die sich durch den Raum schoben, wurden durch Stroboskopimpulse noch einmal versch\u00e4rft. Immer wieder l\u00f6ste sich das Geschehen vollst\u00e4ndig in Dunkelheit auf, lie\u00df das Publikum mit den eigenen Gedanken allein, um dann im n\u00e4chsten Moment durch scharf gesetzte Lichtimpulse den Blick kompromisslos zu dirigieren. Kein Ausweichen, kein Hintergrund, keine M\u00f6glichkeit, sich zu entziehen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine insgesamt dunkle Inszenierung entspricht in Timing und Tonalit\u00e4t genau dieser Jahreszeit. Interessant ist, wie stark wir gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig auf Dunkelheit reagieren. Das Fehlen von Licht sch\u00e4rft uralte Instinkte, l\u00e4sst uns hellh\u00f6riger, wachsamer, mitunter \u00e4ngstlicher werden, und nicht selten beginnen neutrale Bilder, sich im Dunkel zu verzerren, sich in unklare Umrisse des Alltags zu verwandeln. Gr\u00fcbeleien, die wir im hellen Sommer beiseiteschieben, finden jetzt L\u00fccken, durch die sie sich nach oben arbeiten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die meisten kennen diesen gedanklichen Zustand wahrscheinlich sehr gut.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleichzeitig ist Dunkelheit nicht nur ein Ort f\u00fcr \u00c4ngste, sondern auch Raum f\u00fcr sch\u00f6pferische Prozesse. Wenn weniger sichtbar ist, werden wir innerlich freier. Reize nehmen ab und unser Gehirn beginnt, das Ungesehene zu erg\u00e4nzen, Leerstellen zu f\u00fcllen. Ein Raum der Imagination entsteht, eine Innenschau, die in hell ausgeleuchteten Umgebungen oft keine Chance hat. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler nutzen diese Kraft der Verdunklung seit Jahrhunderten: Das Verschweigen, das Verdecken, das Andeuten \u2013 all das erzeugt Resonanzr\u00e4ume f\u00fcr das, was erst im Kopf des Publikums entsteht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vielleicht ist das das eigentliche Geschenk der Dunkelheit: Dass sie uns zwingt, wieder genauer hinzusehen. Nicht nur das Offensichtliche, Ausgeleuchtete, Eindeutige \u2013 sondern das, was in den Zwischenr\u00e4umen entsteht. Jede Inszenierung lebt vom Schatten, jedes Bild auch vom Ungemalten und jede Bewegung vom Moment davor und danach.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vielleicht k\u00f6nnen wir uns gerade jetzt ein wenig \u00f6fter dorthin zur\u00fcckziehen, wo nicht alles sichtbar ist. Dorthin, wo das Denken stolpert und dann neue Wege findet. In jene Zone, in der unsere Kreativit\u00e4t beginnt \u2013 und wo unser eigenes, inneres Licht hell leuchtet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch in den Momenten, in denen Dunkelheit die Krisen der Zeit n\u00e4hrt, ist es ratsam, uns zusammenzuschlie\u00dfen und unser Potenzial bewusst auszuleuchten. Am 19. Dezember findet unsere Veranstaltung \u201eLicht an!\u201c statt. Von 17 bis 19 Uhr, werden wir auf dem Vorplatz der F\u00e4rberei (Peter-Hansen-Platz 1) so viele Lichter wie m\u00f6glich z\u00fcnden, um gemeinsam sichtbar zu werden und dem Frieden den Weg zu leuchten. Alle sind eingeladen zu kommen, so viele Lichter \u2013 ob Kerzen oder Lichterketten \u2013 mitzubringen und am Feuer Geschichten zu lesen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Denn Kultur zeigt nicht nur, sondern hat auch einen politischen Auftrag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der letzten Woche besch\u00e4ftigten mich die Themen \u201eLicht und Dunkelheit\u201c sehr. 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