{"id":639034,"date":"2025-12-11T11:36:15","date_gmt":"2025-12-11T11:36:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/639034\/"},"modified":"2025-12-11T11:36:15","modified_gmt":"2025-12-11T11:36:15","slug":"mannheim-jahresschlussempfang-2025-ihk-praesident-fordert-agenda-2035","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/639034\/","title":{"rendered":"Mannheim &#8211; Jahresschlussempfang 2025 &#8211; IHK-Pr\u00e4sident fordert \u201eAgenda 2035&#8243;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Manfred-Schnabel-quer.jpg\" alt=\"Manfred Schnabel quer\" width=\"900\" height=\"714\" class=\"alignnone size-full wp-image-615221\"  \/>Mannheim \/ Metropolregion Rhein-Neckar, 11. Dezember 2025. Mit einem eindringlichen Appell f\u00fcr tiefgreifende politische Reformen hat der Pr\u00e4sident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, Manfred Schnabel, den IHK-Jahresschlussempfang 2025 er\u00f6ffnet. Er zog eine n\u00fcchterne Bilanz der wirtschaftlichen Lage Deutschlands und pr\u00e4sentierte zugleich eine Vision f\u00fcr die Zukunft des Landes und des Standorts.<\/p>\n<p>Ern\u00fcchternde Bestandsaufnahme<\/p>\n<p>Die vielbeschworene Wirtschaftswende sei nicht geschafft, stellte der IHK-Pr\u00e4sident vor rund 700 G\u00e4sten aus Wirtschaft, Politik, Hochschulen, Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Gesellschaft fest. Er verwies auf zentrale Kennzahlen: ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, schwache Exporte, geringe Auslastung in vielen Branchen, ausufernde Staatsausgaben und ein Potenzialwachstum nahe Null. Auch der internationale Vergleich falle ern\u00fcchternd aus. Wachstumssch\u00fcbe in den USA und China zeigten, wie sehr Europa und vor allem Deutschland ins Hintertreffen geraten sei. Viele Industriebetriebe d\u00e4chten laut einer BDI-Umfrage \u00fcber die Verlagerung von Produktion ins Ausland nach.<\/p>\n<p>Trotzdem betonte der Pr\u00e4sident die noch vorhandenen St\u00e4rken des Standorts, vor allem eine forschungsstarke Unternehmenslandschaft, Hidden Champions, die duale Ausbildung und die nach wie vor hohe Kreditw\u00fcrdigkeit des Staates.<\/p>\n<p>F\u00fcnf strukturelle Problemfelder<\/p>\n<p>Der IHK-Pr\u00e4sident identifizierte f\u00fcnf zentrale Belastungen f\u00fcr den Standort:<\/p>\n<p>1.                      Finanzen: Rechne man Sonderschulden mit ein, sei jeder dritte Euro in den kommenden Bundeshaushalten schuldenfinanziert. \u201eWir verspielen unsere Kreditw\u00fcrdigkeit\u201c, warnte Schnabel. Mit einer prognostizierten Staatsschuldenquote von rund 90 Prozent drohe ein deutlich h\u00f6heres Zinsniveau. Studien gingen davon aus, dass Mitte des n\u00e4chsten Jahrzehnts weniger als f\u00fcnf Prozent frei verf\u00fcgbare Mittel zur Gestaltung bleiben w\u00fcrden. Er warnte daher vor einem \u201eversteinerten Haushalt\u201c und erodierender Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>2.                      Arbeitskosten: Das Problem liege vor allem bei den steigenden Lohnnebenkosten aufgrund ausbleibender Reformen der Sozialsysteme. Als aktuelles Beispiel nannte der IHK-Pr\u00e4sident die beschlossene Rentenreform: \u201eWir laufen los, aber in die falsche Richtung.\u201c<\/p>\n<p>3.                      Regulatorik: Schnabel zitierte den ehemaligen Verfassungsrichter Udo di Fabio, der Regulatoriken wie das Lieferkettengesetz als verfassungsrechtlich fragw\u00fcrdig bewerte. Der Grund: Sie operierten mit unklaren Rechtsbegriffen und kehrten die Beweislast um. Dieses Vorgehen auf die Stra\u00dfenverkehrsordnung \u00fcbertragen hei\u00dfe: \u201eSie wissen als Autofahrer zwar, dass ein Tempolimit gilt. Sie wissen aber nicht, in welcher H\u00f6he genau. Der Staat zwingt die Autofahrer nun, ihre Geschwindigkeit minuti\u00f6s zu dokumentieren. Und irgendwann kommt der Staat und kontrolliert, schaut sich Ihre Dokumentation genau an und stellt fest: Puh, da und da haben Sie die Geschwindigkeit \u00fcberschritten und deshalb gibt es jetzt ein Bu\u00dfgeld\u201c, so der IHK-Pr\u00e4sident. Neben den genannten Problemen dr\u00fccke sich in solch einer Politik ein grundlegendes Misstrauen gegen\u00fcber Unternehmen aus. Seine Forderung: Zu einer Kultur des Vertrauens zur\u00fcckzukehren. Denn ohne solch eine Kultur gibt es keine unternehmerische Freiheit und damit auch keine Marktwirtschaft mit all ihren Segnungen.<\/p>\n<p>4.                      Energiekosten: Die deutsche Klimapolitik habe zu extrem hohen Grenzkosten bei der CO2-Vermeidung gef\u00fchrt. \u201eWir sind zum Negativbeispiel geworden\u201c, so Schnabel. Die IHK-Organisation habe in ihrer \u201ePlan-B-Studie\u201c gezeigt, dass sich durch eine marktwirtschaftlich ausgerichtete Klimapolitik bis 2050 mehr als eine Billion Euro einsparen lassen k\u00f6nne \u2013 bei gleichen Emissionszielen!<\/p>\n<p>5.                      Internationale strategische Wettbewerbsposition: Deutschland und Europa sei ein \u201eSpielball der Weltl\u00e4ufe geworden\u201c. Auf Ver\u00e4nderungen wie die zunehmende Abh\u00e4ngig von China oder ver\u00e4nderte Sicherheitslagen habe man sich nicht strategisch vorbereitet.<\/p>\n<p>Vision und Agenda 2035<\/p>\n<p>Der IHK-Pr\u00e4sident zeichnete eine Vision des Landes und des Standorts. Diese umfasse unter anderem ein Land mit nachhaltiger Finanzpolitik \u00fcber Generationen hinweg, positiver Arbeitskultur, einem wirtschaftsfreundlichen und politisch stark aufgestellten Europa, g\u00fcnstiger und sauberer Energie sowie einer starken Position in der Weltspitzengruppe.<\/p>\n<p>Um diese Vision zu realisieren, brauche es eine \u201eAgenda 2035\u2033. Mit diesem Namen kn\u00fcpfte Schnabel bewusst an die Agenda 2010 der Regierung Schr\u00f6der an, die gezeigt habe, dass Deutschland zu Reformen f\u00e4hig sei. F\u00fcr die notwendige Agenda 2035 m\u00fcsse Deutschland einerseits seine St\u00e4rken bewahren \u2013 Kreditw\u00fcrdigkeit, duale Ausbildung, Mittelstand \u2013 und andererseits von Anderen lernen, um die Schw\u00e4chen anzugehen: vom d\u00e4nischen Arbeitsmarkt, dem schwedischen Rentensystem, dem estnischen E-Government und der US-amerikanischen Innovationskraft.<\/p>\n<p>Europa als Schl\u00fcssel<\/p>\n<p>Um die internationale strategische Wettbewerbsposition zu verbessern, sei ein europ\u00e4ischer Schulterschluss n\u00f6tig. \u201eNur gemeinsam mit unseren europ\u00e4ischen Partnern bringen wir solch ein Gewicht auf die Waagschale, dass M\u00e4chte wie die USA oder China uns ansatzweise ernst nehmen\u201c, betonte der IHK-Pr\u00e4sident. Die EU m\u00fcsse sich auf zwei Kernaufgaben fokussieren: Vollendung des EU-Binnenmarkts und den Abschluss von Handelsabkommen, um unsere Beziehungen mit anderen L\u00e4ndern und Regionen zu st\u00e4rken. Der IWF habe errechnet, dass b\u00fcrokratische Handelsbarrieren innerhalb des Binnenmarkts bei Waren einem Zoll von 44 Prozent, bei Dienstleistungen sogar von 110 Prozent entsprechen. \u201eHier ist noch viel zu holen\u201c, so Schnabel.<\/p>\n<p>Appell: \u201eUpdate des Betriebssystems\u201c notwendig<\/p>\n<p>In seinem Schlussappell betonte der IHK-Pr\u00e4sident: \u201eUnser Betriebssystem ist gut \u2013 die soziale Marktwirtschaft. Aber jedes noch so gute Betriebssystem braucht irgendwann ein gro\u00dfes Update, bei dem alte Softwareteile radikal entschlackt werden und neue zukunftweisende Funktionen implementiert werden, sodass moderne Hardware lauff\u00e4hig wird. Und genau an diesem Punkt stehen wir heute.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Update werde Kraft kosten, aber es seien lohnenswerte Investitionen in die Zukunft. Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Handeln schloss Schnabel: \u201ePacken wir dieses Update gemeinsam an! Gestalten wir die Reformen, die unser Land braucht! Und ziehen wir Andere mit \u2013 durch Zuversicht, Tatkraft und Mut zur Ver\u00e4nderung.\u201c<\/p>\n<p>Quelle IHK Rhein-Neckar.<\/p>\n<p class=\"post-modified-info\">Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2025, 11:23<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mannheim \/ Metropolregion Rhein-Neckar, 11. Dezember 2025. 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