{"id":639612,"date":"2025-12-11T17:07:21","date_gmt":"2025-12-11T17:07:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/639612\/"},"modified":"2025-12-11T17:07:21","modified_gmt":"2025-12-11T17:07:21","slug":"palla-stellt-bahn-strategie-vor-ein-neustart-aber-kein-big-bang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/639612\/","title":{"rendered":"Palla stellt Bahn-Strategie vor: Ein Neustart, aber kein &#8222;Big Bang&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/palla-112.jpg\" alt=\"Evelyn Palla\" title=\"Evelyn Palla | dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 11.12.2025 17:47 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Evelyn Palla hat einen der undankbarsten Top-Jobs des Landes \u00fcbernommen. Die Bahnchefin soll die Staats-AG aus dem Chaos f\u00fchren. Sie beginnt mit einem kleinen Kahlschlag &#8211; und leichten Verbesserungen. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kartschall-andre-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Andre Kartschall\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/kartschall-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Neustart&#8220; steht auf einem riesigen Flachbildschirm im 15. Stock des Bahn-Towers. Wei\u00dfe Schrift auf Bahn-Rot, es sieht kraftvoll aus, deutlich und entschlossen. Um 10.30 Uhr tritt &#8211; p\u00fcnktlich wie angek\u00fcndigt &#8211; Bahn-Chefin Evelyn Palla vor den Schriftzug. Das Pressegespr\u00e4ch beginnt, Fotos gibt es keine, O-T\u00f6ne vor der Kamera auch nicht. Gut 20 Journalisten sind da und schreiben mit. Kleiner Bahnhof f\u00fcr den gro\u00dfen Neustart.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als erstes verk\u00fcndet Palla ein paar kleinere Grausamkeiten. Mehrere Top-Manager m\u00fcssen gehen, ihre Jobs werden gro\u00dfteils ersatzlos gestrichen. So hat der Konzernvorstand zuk\u00fcnftig nur noch sechs statt acht Mitglieder. F\u00fcr die, die gehen m\u00fcssen, wird es wohl eine Abfindung geben, deutet sie an.<\/p>\n<p>    Schlank, dezentral und irgendwann p\u00fcnktlich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Schlanker&#8220; soll die Deutsche Bahn werden, verk\u00fcndet Palla. Und &#8222;dezentraler&#8220;. Beide Begriffe bem\u00fcht sie immer wieder. Sie sind der Kern ihres Programms. Palla will sparen, aber vor allem optimieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie rattert die Ressorts durch. Einiges wird zusammengefasst, Verantwortlichkeiten neu strukturiert &#8211; aber eine Z\u00e4sur mit der Brechstange will Palla der Deutschen Bahn offenbar ersparen. Geht alles gut, f\u00e4hrt die Bahn wieder p\u00fcnktlicher und zuverl\u00e4ssiger. Irgendwann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Bahn-Experte Christian B\u00f6ttger, Professor an der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft Berlin, sieht darin einen \u00fcberf\u00e4lligen Schritt. &#8222;In den letzten Jahren sind die Strukturen immer weiter zentralisiert worden&#8220;, sagt er. Die Bahn-Zentrale habe einen enormen Personalaufwuchs erlebt.<\/p>\n<p>    Gewachsene Konzernzentrale<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das habe zu Doppelarbeit gef\u00fchrt. Analysen und Entscheidungen seien zweimal gemacht worden, in den jeweiligen Gesch\u00e4ftsbereichen vor Ort und zus\u00e4tzlich in der Zentrale. &#8222;Auch die haben ja viel mit- und gegeneinander gearbeitet&#8220;, fasst B\u00f6ttger es s\u00fcffisant zusammen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">B\u00f6ttger gehen die K\u00fcrzungen in der Vorstandsriege wom\u00f6glich noch nicht weit genug. &#8222;Es muss eigentlich darum gehen, dass man die gesamte Organisation verschlankt.&#8220; Nur so k\u00f6nne auch das zweite Ziel, eine echte Dezentralisierung mit Entscheidungen vor Ort realisiert werden. Doch \u00fcber weitere K\u00fcrzungen soll bei der Bahn fr\u00fchestens 2026 entschieden werden. Pallas Strategie ist offenbar einer der einzelnen Schritte.<\/p>\n<p>    Kein &#8222;Big Bang&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Es wird nat\u00fcrlich keinen Big Bang geben&#8220;, sagt Palla auf die Frage, ab wann die desastr\u00f6sen P\u00fcnktlichkeitswerte der Bahn wieder nach oben gehen. Momentan kommt gerade einmal gut jeder zweite Fernzug p\u00fcnktlich an. Kein &#8222;Big Bang&#8220; &#8211; keine schnelle Besserung also.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Stattdessen kommt sie auf den Trend zu sprechen &#8211; und r\u00e4umt sofort ein: Mit der Bahn geht es seit Jahren bergab, eben mit der P\u00fcnktlichkeit und der Zuverl\u00e4ssigkeit. Diese Talfahrt m\u00fcsse als erstes gestoppt werden. Stabilisieren, dann besser werden also.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist ein neuer Tonfall, den sie sich erlauben kann. Jahrelang hatte die Bahn davon geredet, dass die Talsohle erst durchschritten werden m\u00fcsse. Zum Beispiel durch gro\u00dfe Generalsanierungen, die auf ganzen Strecken zu Vollsperrungen f\u00fchrten. Das sei unumg\u00e4nglich, hie\u00df es stets von der DB.<\/p>\n<p>    Ende der &#8222;Entschuldigungskultur&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unter Palla &#8211; so verk\u00fcndet sie es zumindest &#8211; soll das nicht mehr so einfach gelten. &#8222;Wir wollen uns verabschieden von einer Entschuldigungskultur, warum die Dinge nicht funktionieren&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr Geld habe man auch zur Verf\u00fcgung, dank des schuldenfinanzierten &#8222;Sonderverm\u00f6gens Infrastruktur&#8220; der Bundesregierung. Damit kann man viel bauen. Nur solle das in der Zukunft in Absprache mit dem Teil des Bahn-Konzerns erfolgen, der nicht f\u00fcr Baustellen zust\u00e4ndig ist, sondern daf\u00fcr, dass die Bahn auch f\u00e4hrt. Zu viele Zugausf\u00e4lle seien darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass h\u00e4ufig munter drauf los gebaut worden sei &#8211; mit zu wenig R\u00fccksicht darauf, dass hin und wieder ja auch mal ein Zug rollen sollte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch der marode Zustand des Netzes bleibt nach wie vor. Und er wird t\u00e4glich schlimmer. Die Bahn schafft es nicht, ihr Netz so schnell zu renovieren, wie Anlagen aus Altersgr\u00fcnden ausfallen. &#8222;Gegen die Anlagenalterung m\u00fcssen wir maximal anbauen&#8220;, sagt sie &#8211; und macht damit klar, warum es keinen &#8222;Big Bang&#8220; geben wird. Das Netz ist alt und es ist zu voll. &#8222;Die Zugdichte, die wir heute haben, ist Mitverursacher f\u00fcr die Probleme bei der P\u00fcnktlichkeit&#8220;, analysiert Palla in f\u00fcr Bahn-Chefs ungewohnter Offenheit. Sprich: die Bahn f\u00e4hrt im Grunde zu viel, nicht zu wenig.<\/p>\n<p>    Zu volles Netz<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn gemessen an der Leistungsf\u00e4higkeit der Bahn ist das Netz zu voll. Die Kapazit\u00e4t ist auf Anschlag &#8211; oder dar\u00fcber hinaus &#8211; ausgelastet. Kein Wunder, hatten doch ganze Ahnenreihen von Verkehrsministern in Bund und L\u00e4ndern ihren Amtsauftrag dergestalt interpretiert, immer noch mehr Bahnverkehr vom Staatskonzern zu fordern. Wahlweise f\u00fcr &#8222;die Verkehrswende&#8220;, f\u00fcr &#8222;das Klima&#8220;, f\u00fcr &#8222;die Zukunft&#8220;: Die Motive waren austauschbar, die Forderungen immer gleich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Verdoppeln sollten sich die Fahrgastzahlen bis 2030, so hatte es die Gro\u00dfe Koalition 2018 beschlossen. Unter Pallas Amtsvorg\u00e4nger Lutz ist dieses System der maximalen Forderungen einerseits und einer \u00fcberlasteten Bahn andererseits krachend gescheitert.<\/p>\n<p>    Frustrierte Fahrg\u00e4ste, frustrierte Eisenbahner<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die neue Chefin soll aus den Scherben jetzt ein funktionierendes Verkehrsunternehmen wiederaufbauen. Mitentscheidend \u00fcber ihren Erfolg d\u00fcrfte dabei sein, ob sie die unvermeidlichen Wunschzettel aus dem Verkehrsministerium widerspruchslos entgegennimmt oder gelegentlich auch einmal auf die n\u00fcchterne Realit\u00e4t verweist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Inzwischen ist die Lage der Bahn so dramatisch, dass nicht nur die Fahrg\u00e4ste &#8211; und solche, die es vielleicht aus Frust schon gar nicht mehr sind &#8211; h\u00f6chst unzufrieden sind. Selbst die eigene Belegschaft hat laut einer aktuellen Mitarbeiterumfrage das Vertrauen in die Strategie der F\u00fchrungsetage verloren.<\/p>\n<p>    Katastrophe als Chance<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genau in dieser Katastrophe liegt Pallas Chance. Nach dem Motto: Viel schlechter kann es doch eigentlich nicht mehr werden. Oder? Sie versucht es jetzt jedenfalls mit einem &#8222;Kulturwandel&#8220;. Weg von der Zentralisierung der Vorg\u00e4ngerjahre, in der die Konzernzentrale immer weiter anwuchs und immer mehr Entscheidungen in den Chefetagen getroffen wurden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Dezentral&#8220; solle vieles k\u00fcnftig laufen, w\u00fcnscht sich Palla. Sie will den Ebenen unter ihr mehr Beinfreiheit geben &#8211; im Vertrauen darauf, dass die Fachexpertise in den Gewerken bessere Ergebnisse liefert als die Masterplanung aus der Konzernspitze.<\/p>\n<p>    Die Chef-Controllerin<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie will &#8222;Leute, die mutig sind, Entscheidungen treffen und am Ende Verbesserungen in der Qualit\u00e4t erzielen&#8220;. Palla nimmt die Mitarbeiter in die Verantwortung &#8211; und bringt ihnen gleichzeitig Vertrauen entgegen. Die Eisenbahn soll mehr von Eisenbahnern gemacht werden, weniger von Managern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und in der Zentrale sitzt die Chefin mit ihrem Vorstand und \u00fcberwacht lediglich alles, so kann man das Konzept grob zusammenfassen. &#8222;Am Ende z\u00e4hlen nat\u00fcrlich die Ergebnisse&#8220;, sagt Palla. Genau daran wird auch sie sich messen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bahn-Experte B\u00f6ttger sieht durchaus Chancen, dass die neue Chefin die Kehrtwende schafft. Den Willen dazu gesteht er ihr zu: &#8222;Ich gehe mal davon aus, dass sie innerlich durchaus ambitioniertere Ziele hat&#8220;. Aber die Vergangenheit habe gezeigt, dass es nichts bringe, der \u00d6ffentlichkeit &#8222;dauernd Ziele zu verk\u00fcnden, die man dann ein Jahr sp\u00e4ter wieder einkassieren muss&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine erste Bilanz k\u00f6nne man vielleicht im Herbst n\u00e4chsten Jahres ziehen, &#8222;wenn man sieht, wie der Sommer 2026 gelaufen ist.&#8220; Palla selbst hat ein vorsichtiges Ziel f\u00fcr das kommende Jahr verk\u00fcndet. Die P\u00fcnktlichkeit solle wieder steigen. Erst einmal auf 60 Prozent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 11.12.2025 17:47 Uhr Evelyn Palla hat einen der undankbarsten Top-Jobs des Landes \u00fcbernommen. 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