{"id":6405,"date":"2025-04-04T01:21:03","date_gmt":"2025-04-04T01:21:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6405\/"},"modified":"2025-04-04T01:21:03","modified_gmt":"2025-04-04T01:21:03","slug":"niederbayern-castor-behaelter-erreichen-zwischenlager-stiller-protest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/6405\/","title":{"rendered":"Niederbayern: Castor-Beh\u00e4lter erreichen Zwischenlager &#8211; stiller Protest"},"content":{"rendered":"<p>Ein Zug mit hoch radioaktiven Atomabf\u00e4llen hat das Zwischenlager in Niederbayern erreicht. Massive Proteste wie bei fr\u00fcheren Castor-Transporten gibt es nicht mehr &#8211; aus verschiedenen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Anders als in der Zeit der gro\u00dfen Anti-Atom-Bewegung ist ein Zug mit hoch radioaktiven Atomabf\u00e4llen ohne Zwischenf\u00e4lle quer durch Deutschland bis ans Ziel gerollt. Die sieben aus Gro\u00dfbritannien kommenden Castor-Beh\u00e4lter erreichten am Abend das Zwischenlager in Niederaichbach. Um 19.10 Uhr passierte der Zug das Tor. Damit geht ein weiteres Kapitel deutscher Atomkraftgeschichte seinem Ende entgegen. Denn: Es war der vorletzte Castor-Transport dieser Art.<\/p>\n<p>Vor dem deutschen Atomausstieg hatten Castor-Transporte Gro\u00dfeins\u00e4tze der Polizei mit Zehntausenden Kr\u00e4ften zur Folge. Massenproteste und St\u00f6rungen entlang der Strecke lie\u00dfen die Transporte nur im Schritttempo vorw\u00e4rtskommen.<\/p>\n<p>Diese Zeiten sind vorbei. Die Fahrt sei st\u00f6rungsfrei verlaufen, teilten Sprecher der Gesellschaft f\u00fcr Nuklear-Service (GNS) und der Polizei mit. Gestartet war der Zug am Mittwochabend im Hafen von Nordenham in Niedersachsen. Die Ankunft am Ziel lockte auf den letzten Kilometern etliche Schaulustige an, die sich das Spektakel samt enormem Polizeiaufgebot nicht entgehen lie\u00dfen.\u00a0<\/p>\n<p>Der Bahnhof in W\u00f6rth an der Isar war abgeriegelt, dort wurden die Personenwaggons abgekoppelt, in denen Polizeibeamte die Fahrt begleitet hatten. Auf Wiesen und Feldern entlang der Gleise waren Beamte postiert, damit sich niemand den Castoren n\u00e4hern konnte. Die Reiterstaffel der Bundespolizei Berlin patrouillierte. Insgesamt sicherten nach Beh\u00f6rdenangaben mehrere tausend Polizisten den Transport ab.<\/p>\n<p>Stiller Protest entlang der Strecke <\/p>\n<p>Entlang der Strecke veranstalteten Atomkraft-Gegner Kundgebungen und Mahnwachen, zumeist in kleinen Gruppen. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahren war das eher ein stiller Protest. Eine Sache stellen die Atomkraft-Gegner unisono aber klar: Ihre Kritik richte sich nicht gegen die R\u00fccknahme des Atomabfalls, der urspr\u00fcnglich aus Deutschland stammt.<\/p>\n<p>Vielmehr seien die Proteste &#8211; fr\u00fcher wie heute &#8211; \u201eAusdruck der Ablehnung der Atomkraft als solcher\u201c, sagte Helge Bauer, Sprecher des Vereins Ausgestrahlt. Nach dem deutschen Atomausstieg sei die ehemals gro\u00dfe Bewegung aber kleiner geworden. Zudem gebe es heute neue politische Themen, zu denen sich Menschen sinnvoll engagierten.<\/p>\n<p>\u201eViele werden sich an die Bilder der Castor-Transporte nach Gorleben und die riesigen bunten Proteste aus der Zivilgesellschaft erinnern\u201c, sagte BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe. Diese habe mit den Mitteln der Demokratie einen gesellschaftlichen Gro\u00dfkonflikt beendet &#8211; die Atomkraftwerke seien abgeschaltet.<\/p>\n<p>Dennoch versuchten \u201eeinige Politiker, allen voran Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der, die Atomkraft wieder salonf\u00e4hig zu machen\u201c, so Geilhufe. Das zentrale Problem bleibe aber ungel\u00f6st: \u201eWohin mit dem strahlenden M\u00fcll?\u201c Der Castor-Transport mache deutlich, dass es keine sichere Entsorgung gibt. \u201eUnd dass unsere Verantwortung mit dem Atomausstieg nicht endet.\u201c<\/p>\n<p>Ein Greenpeace-Sprecher sprach von unn\u00f6tigem Herumfahren von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Atomm%C3%BCll\" title=\"Atomm\u00fcll\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atomm\u00fcll<\/a>. Schlie\u00dflich w\u00fcrden die Castor-Beh\u00e4lter in Zwischenlager gebracht, um sie eines Tages in ein Endlager zu fahren &#8211; und jede Fahrt sei gef\u00e4hrlich. Die Mahnwachen seien als Best\u00e4tigung zu verstehen, dass der Atomausstieg richtig gewesen sei.<\/p>\n<p> Schnellere Endlager-Suche gefordert <\/p>\n<p>Die Landtags-Gr\u00fcnen, \u00d6DP, der Bund Naturschutz und weitere Gruppen kritisierten die Unterbringung der Beh\u00e4lter in Zwischenlagern insbesondere deshalb, weil die l\u00e4nger betrieben werden m\u00fcssten als geplant &#8211; ein Standort f\u00fcr ein Endlager ist noch nicht gefunden.<\/p>\n<p>Die Landtags-Gr\u00fcnen forderten die bayerische Staatsregierung auf, sich mit allen Mitteln f\u00fcr mehr Sicherheit f\u00fcr die Castorhallen einzusetzen und die Endlager-Suche voranzutreiben. \u201eDenn die Zwischenlager, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr nur 40 Jahre geplant und genehmigt wurden, werden wohl mindestens 80 bis 100 Jahre oder noch l\u00e4nger gebraucht werden\u201c, sagte der energiepolitische Sprecher Martin St\u00fcmpfig. Damit stiegen auch die Gefahren, etwa von Terrorangriffen, da sich die Waffen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt h\u00e4tten.\u00a0<\/p>\n<p> Zur R\u00fccknahme des Atomm\u00fclls verpflichtet <\/p>\n<p>Bei dem Atomm\u00fcll handelt es sich um \u00dcberreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich zur R\u00fccknahme der Atomabf\u00e4lle v\u00f6lkerrechtlich verpflichtet.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckf\u00fchrung von Atomm\u00fcll aus La Hague wurde den Angaben nach mit dem Transport von vier Castor-Beh\u00e4ltern 2024 nach Philippsburg (Baden-W\u00fcrttemberg) beendet. Mehr als 100 Beh\u00e4lter waren zwischen 1995 und 2011 ins Zwischenlager in Gorleben (Niedersachsen) gebracht worden.<\/p>\n<p>Aus der Aufarbeitungsanlage Sellafield m\u00fcssen jetzt noch sieben weitere Castor-Beh\u00e4lter zur\u00fcckgenommen werden, die in Brokdorf (Schleswig-Holstein) zwischengelagert werden &#8211; damit wird dann auch die R\u00fccknahme von Atomm\u00fcll aus Gro\u00dfbritannien abgeschlossen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Zug mit hoch radioaktiven Atomabf\u00e4llen hat das Zwischenlager in Niederbayern erreicht. 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