{"id":640683,"date":"2025-12-12T04:32:31","date_gmt":"2025-12-12T04:32:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640683\/"},"modified":"2025-12-12T04:32:31","modified_gmt":"2025-12-12T04:32:31","slug":"so-gleichgeschaltet-und-isoliert-wie-unter-putin-war-russland-noch-nie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640683\/","title":{"rendered":"So gleichgeschaltet und isoliert wie unter Putin war Russland noch nie"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-2 font-sans text-base font-thin leading-[26px] md:mb-[16px] md:text-xl md:leading-[32px]\">Putin hegt den Wunsch, \u00abRussland wieder gross zu machen\u00bb. Die Mittel, die er dazu anwende, bewirke, dass auch noch die letzten Errungenschaften der UdSSR zerfallen w\u00fcrden, schreibt der Autor Andrei Kolesnikow. So gleichgeschaltet und isoliert wie heute sei Russland noch nie gewesen.<\/p>\n<p>Andrei Kolesnikow12.12.2025, 05.30 Uhr<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/80f6fbe7-5009-43f3-ba63-67df822f7a79.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"9158\" height=\"5848\" alt=\"Wenn Moskau leuchtet: die sp\u00e4ten sechziger Jahre waren die \u00c4ra eines sp\u00e4ter als gl\u00fccklich empfundenen Stillstands.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" \/>Wenn Moskau leuchtet: die sp\u00e4ten sechziger Jahre waren die \u00c4ra eines sp\u00e4ter als gl\u00fccklich empfundenen Stillstands.<\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiuh0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der Mann ist ein typischer Armeerentner, eine Figur in einem sackartigen Anzug mit einem nichtssagenden Gesicht. Als er zuf\u00e4llig einen ehemaligen Kollegen in einem Lebensmittelgesch\u00e4ft trifft und sich \u00fcber den Alltag auszulassen beginnt, ist seine Rede voller Ressentiments \u2013 alles hat sich ver\u00e4ndert, junge Leute interessieren sich nur noch f\u00fcr Konsum, sie sind dem westlichen Lebensstil verfallen, den Liberale \u00fcber das Land gebracht und dieses so ruiniert haben.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.<\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jbd688na1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Nachdem er Kartoffeln und Bier gekauft hat, geht der Mann zum Ausgang. Ein \u2013 wie es in einem der Songs der siebziger Jahre heisst, der st\u00e4ndig in allen Radiosendern lief \u2013 \u00abgew\u00f6hnlicher Sowjetb\u00fcrger, von denen es Millionen in unserer Union gibt\u00bb.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jbd6avhl1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Freilich ist das eine Szene aus einer erfundenen alternativen Geschichte: In Wirklichkeit liegt dieser russische Jedermann nicht auf dem Sofa, schaut die Nachrichtensendung \u00abVremya\u00bb (Zeit) und bl\u00e4ttert in der ultranationalistischen Zeitung \u00abSawtra\u00bb, sondern er regiert ein riesiges Land. Er ist der Herrscher eines ehemaligen Imperiums, dessen Gr\u00f6sse er wiederherstellen m\u00f6chte. Das Imperium kehrt nicht einfach so zur\u00fcck \u2013 die Soft Power des Kremls erweist sich als zu schwach. Und dann kommt er auf die Idee, es mit Gewalt zur\u00fcckzuholen, wie eine fl\u00fcchtige Braut.<\/p>\n<p>Regieren wie Stalin, leben wie Abramowitsch<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiuj0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Imperium heisst das Schl\u00fcsselwort. F\u00fcr die Menschen in Putins Umfeld ist die sowjetische Vergangenheit nur als formale H\u00fclle f\u00fcr die national-imperiale Ideologie wichtig. Dar\u00fcber bedient es Ressentiments und macht es durch Mobilisierung von nostalgischen und romantischen Vorstellungen \u00fcber die Sowjetunion einfacher, der russischen Bev\u00f6lkerung zu erkl\u00e4ren, was der Kreml will und warum es unabdingbar ist, Krieg zu f\u00fchren, so gut wie alle Nachbarn zu hassen und die wirtschaftliche Misere hinzunehmen: Wir wollen unsere Gebiete zur\u00fcckhaben und mit ihnen unsere Einheit, unseren Stolz und unsere Macht, vor der sich die ganze Welt f\u00fcrchtete. Unsere Grossv\u00e4ter haben das Land vor den deutschen Nazis gerettet, und jetzt setzen wir ihre Arbeit fort und verteidigen es gegen die Nato, die nicht weniger \u00fcbel ist als Hitler.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiuk0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Putin hat den sowjetischen Marxismus-Leninismus durch den nationalen Imperialismus ersetzt, eine Mischung aus Ultranationalismus, russischem Sonderweg und Mission des russischen Volkes, f\u00fcr welches das Geistige h\u00f6her steht als das Materielle \u2013 im Gegensatz zu dem dem Pragmatismus verfallenen s\u00e4kularen Westen. Wenn die Welt dies nicht begreift und akzeptiert, werden wir ihr unsere besondere Rolle unter die Nase reiben \u2013 mit kriegerischen Mitteln.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiuk1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Putin mag Lenin nicht \u2013 dieser hat f\u00fcr ihn die Grundlagen des Russischen Reiches untergraben. Putin mag Stalin \u2013 dieser hat das Reich wieder aufgebaut und es mit Gewalt gegen\u00fcber inneren und \u00e4usseren Feinden zusammengehalten und dazu noch einen grossen Krieg gewonnen. Putin baut nicht die Sowjetunion wieder auf, sondern ein Reich, das seinem Wunsch entspricht, \u00abRussland wieder gross zu machen\u00bb. Unausgesprochen lautet sein Motto: \u00abUnsere strahlende Zukunft ist unsere dunkle Vergangenheit.\u00bb Der messianische Traum eines wiederauferstandenen Reiches kommt im \u00abEisen\u00bb eines beinah totalit\u00e4ren Regimes verpackt daher.<\/p>\n<p>Die Agonie des imperialen K\u00f6rpers<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jbd8dnlq1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Man kann darin eine \u00c4hnlichkeit mit der UdSSR erblicken, aber das trifft es nicht ganz: Was das Ausmass der politischen Unterdr\u00fcckung angeht, geht Putins Regime bereits h\u00e4rter vor als das sp\u00e4te Sowjetregime, und selbst seine Sprache des Hasses erinnert eher an die Stalin-\u00c4ra als an die \u00c4ra der letzten Sowjetf\u00fchrer. Jemand hat das Wesen seiner Herrschaft mit dem Satz zusammengefasst: \u00abRegieren wie Stalin, leben wie Abramowitsch\u00bb (sprich wie ein unglaublich reicher Oligarch).<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiul0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das sowjetische Imperium ist noch nicht v\u00f6llig zusammengebrochen. Im Kampf um die Ukraine offenbart sich die Agonie des imperialen K\u00f6rpers. Er zersetzt alle \u00dcberreste der Sowjetzeit: die Nostalgie f\u00fcr die angebliche Br\u00fcderlichkeit der Sowjetuntertanen, aber auch die Einheit, die aus dem gemeinsamen Sieg im \u00abGrossen Vaterl\u00e4ndischen Krieg\u00bb hervorgeht. Es gibt immer weniger Menschen, die in der Sowjetunion geboren wurden, und das bauliche Erbe der in der Sowjetzeit errichteten Infrastruktur verf\u00e4llt. Putin, der den Verfall hinnimmt, erweist sich als antisowjetisch.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiul1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Degradierung des menschlichen Materials ist erschreckend. Die UdSSR verfolgte und unterdr\u00fcckte abweichende Meinungen, aber das intellektuelle und moralische Niveau der gebildeten Kreise war hoch, die Intelligenzia \u00fcbte die Herrschaft aus \u00fcber Geist und Seele, man denke nur an Andrei Sacharow. Und jetzt aber haben wir es stattdessen mit Leuten wie dem Fernsehmoderator Wladimir Solowjow zu tun, der dazu aufruft, europ\u00e4ische St\u00e4dte in Schutt und Asche zu legen. Die Sprecherin des Aussenministeriums Maria Sacharowa und der Politikwissenschafter Sergei Karaganow machen sich einen Sport daraus, den Westen zu verfluchen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jbfglk841\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das Fernsehen ist generell ein guter Massstab f\u00fcr den zivilisatorischen Niedergang Russlands: Man muss nur die heutigen \u00abExperten\u00bb f\u00fcr internationale Angelegenheiten, die mit Aggressivit\u00e4t und Ignoranz auftrumpfen, mit den Analysten der sp\u00e4ten Sowjetzeit vergleichen \u2013 das ganze Land sass damals vor dem TV, um sich eine Propagandasendung namens \u00abInternationales Panorama\u00bb zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren, die in Wirklichkeit ein Fenster zur Welt war, moderiert von dem charmanten Alexander Bowin, dem einstigen Lieblingsredenschreiber Breschnews.<\/p>\n<p>Feindin der Nation<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiul2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Alla Pugatschowa, Inbegriff des Pop-Stars der siebziger und achtziger Jahre und Verk\u00f6rperung des Zaubers russischer Weiblichkeit, ist trotz dem Generationswechsel immer noch im ganzen Land bekannt. Fr\u00fcher scherzte man: \u00abLeonid Breschnew ist eine unbedeutende politische Figur in der \u00c4ra von Alla Pugatschowa.\u00bb Heute wird Pugatschowa als Feindin der Nation diffamiert, da sie den Krieg gegen die Ukraine verurteilt hat. Und dies darum so aggressiv, weil die S\u00e4ngerin f\u00fcr viele immer noch eine moralische Autorit\u00e4t darstellt. F\u00fcr ihre Feinde gilt Pugatschowa nicht zuf\u00e4llig als die wichtigste \u00abausl\u00e4ndische Agentin\u00bb.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiul3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Und dann gibt es noch die Rockmusiker, die in der Sowjetzeit Stars waren und es auch f\u00fcr neue Generationen geblieben sind \u2013 Boris Grebenschtschikow und Andrei Makarewitsch. Sie wurden im Gegensatz zu Pugatschowa f\u00fcr ihre kritische Haltung offiziell als \u00abausl\u00e4ndische Agenten\u00bb gebrandmarkt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opium0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Es gibt zahlreiche Versuche, die Kultur der UdSSR synthetisch nachzuahmen. Ein Pr\u00e4sidialdekret vom November 2022, in dem die \u00abtraditionellen spirituellen und moralischen Werte\u00bb des russischen Volkes aufgef\u00fchrt sind, ersetzte den sogenannten Kodex des Erbauers des Kommunismus. Das beliebte sp\u00e4tsowjetische Lied \u00abMeine Adresse ist die Sowjetunion\u00bb wurde durch das schrill-nationalistische \u00abIch bin Russe!\u00bb ersetzt. Die \u00abneue historische Gemeinschaft \u2013 das sowjetische Volk\u00bb wurde durch die \u00abstaatsbildende Nation\u00bb ersetzt (auf diese Weise werden die Russen \u00fcber andere ethnische Gruppen gestellt). Die Re-Stalinisierung nimmt weiter ihren Lauf: Die Opfer von Stalins Terror werden nun wieder diffamiert und ihre Erben aufgrund politischer Vorw\u00fcrfe strafrechtlich verfolgt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opium2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die liberale Intelligenz, die sich in den Moskauer K\u00fcchen versammelt, wie sie es vor einem halben Jahrhundert tat, erinnert sich nostalgisch an die sp\u00e4te Sowjetunion: eine weit bessere Zeit als heute. Damals strebten alle nach Ver\u00e4nderung und verstanden, welche Art von Ver\u00e4nderung sie wollten. Die intellektuellen Berater der Machthaber unterschieden sich in dieser Hinsicht nicht von der liberalen Intelligenz \u2013 sie waren Teil davon und halfen mit, dass Theaterst\u00fccke, Filme und B\u00fccher durch die Zensur schl\u00fcpfen konnten.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jbfhqqvt0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Es ist unm\u00f6glich, sich die pseudointellektuelle Nomenklatura von heute in dieser Rolle vorzustellen: Sie alle sind W\u00e4chter des Regimes. Diese Elite hat keinen Sinn f\u00fcr die Zukunft, und sie tut nichts, um das Regime von innen heraus zu humanisieren. Einst waren intern sogar Polemiken m\u00f6glich \u2013 zumindest bis zur Wende der siebziger Jahre, als Literaturzeitschriften, die orthodoxe, nationalistische und liberale Positionen vertraten, als \u00abpolitische Parteien\u00bb fungierten.<\/p>\n<p>Isolierter denn je<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiun0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Seltsamerweise ist der Grad der Isolation heute gr\u00f6sser als zu Sowjetzeiten. Dies gilt sicherlich f\u00fcr die Bereiche Kunst, Wissenschaft und Bildung. Es gibt keinen Austausch von Wissenschaftern und Studenten mehr, keine hochkar\u00e4tigen Ausstellungen wie \u00abParis-Moskau\u00bb und \u00abMoskau-Paris\u00bb.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiun1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Auch die diplomatischen Kan\u00e4le sind versiegt, was zur Sowjetzeit auch in schwierigen Phasen nie der Fall war. Der st\u00e4ndige, zumeist pers\u00f6nliche Kontakt zwischen dem sowjetischen Botschafter in den USA, Anatoli Dobrynin, und dem Berater f\u00fcr nationale Sicherheit und sp\u00e4teren Aussenminister Henry Kissinger trug dazu bei, Spannungen abzubauen. Involviert waren auch Spitzenbeamte von Ministerien.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiun2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">All dies gibt es heute nicht mehr \u2013 die Kunst der Diplomatie, die auf der Basis von gutem Willen und von hoher Professionalit\u00e4t Verantwortung f\u00fcr das Schicksal der Welt \u00fcbernimmt (das ist kein Pathos, sondern pragmatisch ge\u00fcbte Wirklichkeit), ist verlorengegangen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiun3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der Kreml wollte mit seiner ideologischen Zeitmaschine irgendwo in der \u00c4ra der Stagnation ankommen, landete aber im Sp\u00e4tstalinismus \u2013 der vielleicht einzigen Sowjetepoche, die in Bezug auf politische Grausamkeit mit dem heutigen System vergleichbar ist.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jb2opiuo0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">1956 kam es bei der Er\u00f6ffnung einer Picasso-Ausstellung in Moskau zu einem riesigen Gedr\u00e4nge. Die Menge, die sich weniger f\u00fcr die Werke des K\u00fcnstlers als f\u00fcr das Signal der \u00d6ffnung zur Welt interessierte, das diese Schau auch darstellte, wurde von der sowjetischen Schriftstellerlegende Ilja Ehrenburg, einem Liebhaber der franz\u00f6sischen Kultur, beruhigt: \u00abIhr habt euch f\u00fcnfundzwanzig Jahre nach diesem Moment gesehnt, wartet doch bitte noch f\u00fcnfundzwanzig Minuten.\u00bb<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-700 dark:text-paper-200 darknzz:text-paper-200 dark:lightnzz:text-paper-700 relative pt-4 text-sm md:text-base font-sans after:content-[''] after:absolute after:top-0 after:left-0 after:w-[40px] after:h-0 after:border after:border-0 after:border-b after:border-solid border-paper-950 dark:border-paper-25 darknzz:border-paper-25 dark:lightnzz:border-paper-950 after:border-paper-500 dark:after:border-paper-400\" id=\"id-doc-1jbfigqbf0\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" data-team-footnote=\"true\"><strong>Andrei Kolesnikow<\/strong> ist Journalist und Buchautor. Er lebt in Moskau, ist Kolumnist von <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/newtimes.ru\/\" rel=\"nofollow noopener\">\u00abThe New Times\u00bb<\/a> und schreibt f\u00fcr die Online-Zeitung <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.novayagazeta.ru\/\" rel=\"nofollow noopener\">\u00abNowaja Gaseta\u00bb<\/a>. \u2013 Aus dem Englischen von A. Bn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Putin hegt den Wunsch, \u00abRussland wieder gross zu machen\u00bb. 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