{"id":640781,"date":"2025-12-12T05:44:12","date_gmt":"2025-12-12T05:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640781\/"},"modified":"2025-12-12T05:44:12","modified_gmt":"2025-12-12T05:44:12","slug":"medizin-durch-den-po-atmen-wissenschaftler-entwickeln-bahnbrechende-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640781\/","title":{"rendered":"Medizin: Durch den Po atmen? Wissenschaftler entwickeln bahnbrechende Methode"},"content":{"rendered":"<p>In der Corona-Pandemie gab es weltweit zu wenige Beatmungsger\u00e4te, um Patienten zu versorgen. Der japanische Wissenschaftler Takanori Takebe hat nun eine durch den Anus verabreichte Sauerstofftherapie entwickelt. Kann man wirklich durch den Po atmen?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als Takanori Takebes Vater wegen einer Lungenentz\u00fcndung ans Beatmungsger\u00e4t musste, begann f\u00fcr den japanischen Arzt eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Suche: Gibt es eine sanftere Art zu atmen \u2013 vielleicht sogar \u00fcber den Darm?<\/p>\n<p>Die Idee, die zun\u00e4chst wie ein schlechter Scherz klang, entwickelte sich w\u00e4hrend der Corona-Pandemie zu einem ernsthaften Forschungsprojekt. Damals wurden Beatmungsger\u00e4te knapp, die Beatmung war f\u00fcr die Patienten schwer zu ertragen. Heute ist klar: Die Methode funktioniert zumindest bei Tieren. Und erste Tests am Menschen zeigen, dass sie sicher ist.<\/p>\n<p>Takebe, ein Mediziner mit Spezialisierung auf den Magen-Darm-Trakt, forschte urspr\u00fcnglich an k\u00fcnstlichen Organen. Doch als sein Vater beatmet werden musste, erinnerte er sich an Tiere wie den S\u00fc\u00dfwasserfisch Schlammpeitzger, die Sauerstoff \u00fcber den Darm aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In mehreren Versuchsreihen verabreichte sein amerikanisch-japanisches Team Schweinen und M\u00e4usen die Sauerstoff enthaltende Spezialfl\u00fcssigkeit Perfluorodecalin. Die Wirkung war erstaunlich: Die Sauerstoffs\u00e4ttigung im Blut stieg messbar an.<\/p>\n<p>Takebe publizierte die Resultate im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2666634021001537?via%3Dihub\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2666634021001537?via%3Dihub&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">renommierten Fachjournal \u201eMed\u201c<\/a>. Das reichte f\u00fcr den Ig-Nobelpreis, jenen Preis f\u00fcr Forschung, \u201edie erst zum Lachen und dann zum Denken anregt\u201c. Seine Dankesrede bei der Verleihung des Ig-Nobelpreises nutzte Takebe f\u00fcr einen augenzwinkernden Kommentar: \u201eVielen Dank, dass Sie an das Potenzial des Darms glauben.\u201c Auf der B\u00fchne trug er einen Hut in Form eines Schlammpeitzgers \u2013 jenes Fisches, der das Team zu seiner Forschung inspiriert hatte.<\/p>\n<p>Darm-Beatmung beim Menschen<\/p>\n<p>Jetzt wurde die Methode erstmals am Menschen getestet: 27 m\u00e4nnliche Freiwillige erhielten eine Dosis des Fluids rektal verabreicht und hielten sie eine Stunde lang im K\u00f6rper. Dabei zeigte sich: Dosen bis 1000 Milliliter waren gut vertr\u00e4glich, ab 1500 Millilitern traten bei vier von sechs Probanden Bauchschmerzen auf.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/ars.els-cdn.com\/content\/image\/1-s2.0-S2666634025003149-fx1.jpg\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/ars.els-cdn.com\/content\/image\/1-s2.0-S2666634025003149-fx1.jpg&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Eine Grafik zur Studie<\/a> fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen: Sie zeigt das Studiendesign mit Dosierungsgruppen, den Ablauf der Behandlung, die gemessenen Blutwerte sowie erste Hinweise auf eine m\u00f6gliche Sauerstoffaufnahme. Auch die Nebenwirkungen bei h\u00f6heren Dosen sind dargestellt.<\/p>\n<p>Eine erh\u00f6hte Sauerstoffaufnahme wie bei den Tieren konnte zwar bisher nicht klar nachgewiesen werden, doch das Sicherheitsprofil gilt als vielversprechend. Ver\u00f6ffentlicht wurden die Ergebnisse k\u00fcrzlich ebenfalls im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.cell.com\/med\/abstract\/S2666-6340(25)00314-9.cell.com\/med\/abstract\/S2666-6340(25)00314-9\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.cell.com\/med\/abstract\/S2666-6340(25)00314-9.cell.com\/med\/abstract\/S2666-6340(25)00314-9&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Fachjournal \u201eMed\u201c<\/a> unter dem Titel \u201eSicherheit und Vertr\u00e4glichkeit von intrarektalem Perfluorodecalin zur enteralen Beatmung \u2013 eine erste Studie am Menschen\u201c. <\/p>\n<p>Ob daraus jemals eine anwendbare Methode wird, ist offen. Fachleute bleiben skeptisch: Der Lungenarzt John Laffey bezweifelt l<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.sciencenews.org\/article\/butt-breathing-gut-oxygen-bloodstream\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.sciencenews.org\/article\/butt-breathing-gut-oxygen-bloodstream&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">aut \u201eScience News\u201c<\/a> den Nutzen und verweist auf die \u00dcberlegenheit der Lunge. Andere wie Kevin Gibbs sehen immerhin Potenzial f\u00fcr kurze kritische Phasen, etwa bei Notfalleingriffen.<\/p>\n<p>Auch Takebe selbst spricht lediglich von einer m\u00f6glichen Erg\u00e4nzung zur klassischen Beatmung \u2013 nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er gibt zu, dass die Methode in der Fachwelt auf gemischte Reaktionen st\u00f6\u00dft \u2013 von belustigt bis vorsichtig interessiert.<\/p>\n<p>Bevor das Verfahren f\u00fcr die Sauerstoffaufnahme klinisch eingesetzt werden kann, braucht es nun eine zweite Studienphase mit Sauerstoff-angereichertem Fluid und tats\u00e4chlichen Patientinnen und Patienten.<\/p>\n<p><b>Der Artikel entstand f\u00fcr die Schweizer Zeitung \u201eTages-Anzeiger\u201c. Durch eine Kooperation im Rahmen der Leading European Newspapers (LENA) erscheint er auch in WELT.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Corona-Pandemie gab es weltweit zu wenige Beatmungsger\u00e4te, um Patienten zu versorgen. 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