{"id":640965,"date":"2025-12-12T07:35:15","date_gmt":"2025-12-12T07:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640965\/"},"modified":"2025-12-12T07:35:15","modified_gmt":"2025-12-12T07:35:15","slug":"als-wuppertal-unfreiwilliges-zuhause-fuer-tausende-soldaten-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/640965\/","title":{"rendered":"Als Wuppertal unfreiwilliges Zuhause f\u00fcr Tausende Soldaten war"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eDie Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.\u201c<br \/>(John F. Kennedy)<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Zweite Weltkrieg brachte in Wuppertal \u00fcber 16\u2005000 Tote, 89\u2005000 Wohnungen waren in Schutt und Asche, die Stadt zu 45 Prozent zerst\u00f6rt. \u201eDas war die grauenhafte Kriegsbilanz f\u00fcr Wuppertal\u201c, schreibt Kurt Schn\u00f6ring im Bildband \u201eHurra, wir leben noch! Wuppertal nach 1945\u201c (erschienen 2011 im Wartberg Verlag). \u201eNot, Hunger und Elend bestimmten das Leben der Menschen in der Tr\u00fcmmerw\u00fcste Wuppertal auch noch mehrere Jahre nach dem Einmarsch der Amerikaner.\u201c Die Bilder des Buches geben eine gespenstische Stimmung wieder, dokumentieren Zerst\u00f6rung und Leid. Und dazu den Mut, diese Katastrophe zu verarbeiten und die Stadt wieder aufzubauen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In all diesen Tr\u00fcmmern blieben Geb\u00e4ude bestehen, die mitverantwortlich daf\u00fcr waren, diesen Krieg zu f\u00fchren: die Kasernen. Die Westdeutsche Zeitung hat sich auf Spurensuche begeben und beleuchtet die Geschichte dieser milit\u00e4rischen Einrichtungen, die aus Wuppertal einen Garnisonsstandort machten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In einem Buch des Historikers Michael Okroy unter dem Titel \u201eVolksgemeinschaft, Erbkartei und Arisierung. Ein Stadtf\u00fchrer zur NS-Zeit in Wuppertal\u201c (2002) zeigt ein Foto ein Plakat mit der Aufschrift: \u201eM\u00e4nner im Alter von 16 bis 70 Jahren geh\u00f6ren in den Einsatz, nicht in den Bunker.\u201c Forderungen, gar Anweisungen der Wehrmacht, den Streitkr\u00e4ften des Nationalsozialismus. Vier Kasernen lie\u00df sie ab 1937 in Wuppertal bauen: die Saarburg-Kaserne, die Sagan-Kaserne, die Colmar-Kaserne und die Diedenhofen-Kaserne, nicht weit voneinander entfernt am Freudenberg, auf Lichtscheid sowie an der Parkstra\u00dfe. Dazu der Standort\u00fcbungsplatz Scharpenacken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Ronsdorfer Versch\u00f6nerungsverein wurde gezwungen, den n\u00f6rdlichen Teil der Ronsdorfer Anlagen abzutreten, die Wehrmacht nahm das Gel\u00e4nde in Beschlag. Schrecklich klingt, dass die damaligen Bewohner der H\u00f6fe, die teilweise seit dem 16. Jahrhundert bestanden, umgesiedelt, die Geb\u00e4ude im Rahmen von milit\u00e4rischen \u00dcbungen zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mit Zerschlagung des Dritten Reiches durch die Alliierten wurde die Garnison aufgel\u00f6st, die intakte Infrastruktur von der britischen Armee genutzt und Zug um Zug der Bundesrepublik Deutschland \u00fcbergeben. 1957 \u00fcbernahm die Bundeswehr endg\u00fcltig das Kommando.<\/p>\n<p>36 Stunden \u00dcbung auf dem Scharpenacken      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu den Zeitzeugen geh\u00f6rt Wolfgang Peterssohn. Er war von 1975 bis 1989 \u00fcberwiegend bei den Fernmeldern in der Sagan-Kaserne t\u00e4tig und hat mehrere Filme mit Originalaufnahmen aus den 80er-Jahren gedreht, die einen Einblick in das Innenleben der Kasernen geben. Zudem ist er Teil einer Facebook-Gruppe des ehemaligen Fernmeldebataillons. \u201eVier Kasernen gaben mehreren Tausend Soldaten ein meist unfreiwilliges Zuhause.\u201c Zu seinen ersten Erfahrungen mit dem Scharpenacken geh\u00f6rte \u201eeine 36-Stunden-\u00dcbung mit \u00dcbernachtung in einer eiskalten Nacht in der Hundeh\u00fctte, wie das Zwei-Mann-Zelt auch genannt wurde\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eEinzige Zugest\u00e4ndnisse: eine Flasche Bier vor dem Zubettgehen und eine Kerze auf dem Stahlhelm, die etwas W\u00e4rme spenden sollte.\u201c Die Gefechtsausbildung war heftig und mitunter gnadenlos \u2013 was nach den Beschreibungen von Wolfgang Peterssohn auch f\u00fcr die Truppenk\u00fcche gelten konnte. Nach dem Motto \u201eOhne Mampf kein Kampf\u201c war sie zwar steter Anlaufpunkt, aber, wie ein Rekrut im Video erw\u00e4hnt: \u201eMeine Freundin kocht besser, ich finde, das ist der letzte Fra\u00df.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer mit der Truppenk\u00fcche partout nicht klarkam, habe sich auch im Mannschaftsheim versorgen k\u00f6nnen\u201c, sagt Peterssohn, auf der Karte standen Spaghetti Bolognese, Reibekuchen mit Apfelmus und Strammer Max mit Spiegeleiern. Etwas gediegener ging es im Offizierskasino, der Villa Braus in Ronsdorf, zu, die als Speise- und Aufenthaltsraum diente. \u201eDa wurde gezapft, was das Zeug hielt.\u201c Die Villa am Erich-Hoepner-Ring ist heute ein Hotel.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dar\u00fcber hinaus habe es in den R\u00e4umen der Kasernen Unterrichseinheiten gegeben, etwa zu innerer F\u00fchrung und Truppenkunde \u2013 \u201emanchmal bis zu elf Stunden am Tag\u201c, betont der heute 71-J\u00e4hrige. F\u00fcr Wolfgang Peterssohn nahm der Dienst als Soldat eine unerwartete Wendung: \u201eNach einem Autounfall war ich fast ein Jahr krankgeschrieben, konnte gl\u00fccklicherweise vollst\u00e4ndig genesen, und als ich unerwartet zur\u00fcck zur Truppe musste, bekam ich fast nur noch Eins\u00e4tze im Innendienst.\u201c Er habe zun\u00e4chst in der W\u00e4schekammer und als Ger\u00e4tewart gearbeitet, sei sp\u00e4ter Rechnungsf\u00fchrer gewesen und absolvierte Lehrg\u00e4nge zum Unteroffizier und Feldwebel. \u201eDas war eine sehr zufriedenstellende Entwicklung.\u201c Nach seiner Entlassung wurde er Busfahrer bei den Wuppertaler Stadtwerken und war zudem drei Jahre lang Schwebebahnfahrer. \u201eIch habe den Eindruck, viel Gl\u00fcck im Leben gehabt zu haben.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die sukzessive Aufgabe der Wuppertaler Kasernen zwischen 1993 und 2004 bekam er selbstredend mit. Einige existieren nicht mehr, liegen brach oder wurden renoviert, um das Technologiezentrum W-tec an der Heinz-Fangman-Stra\u00dfe anzusiedeln.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Durch die bundespolitischen Entscheidungen zum neuen Wehrdienst und der laut Milit\u00e4rgeheimdienst MAD gerade erst kommunizierten \u201egestiegenen Bedrohungslage\u201c f\u00fcr die Bundeswehr steht nun die Diskussion im Raum, Wuppertal wieder zu einem Milit\u00e4rstandort zu machen. Die Hoffnung jedoch besteht darin, dass diese Geb\u00e4ude und die Berichte \u00fcber deren Vergangenheit ein Zeugnis der Geschichte bleiben. Denn, wie bereits Mahatma Gandhi sagte: \u201eWo Liebe w\u00e4chst, gedeiht Leben. Wo Hass aufkommt, droht Untergang.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Dokumentation von Wolfgang Peterssohn unter dem Titel \u201eWuppertal in den 80er Jahren (Teil 3)\u201c ist bei Youtube abrufbar:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDie Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende.\u201c(John F. 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