{"id":641929,"date":"2025-12-12T17:51:18","date_gmt":"2025-12-12T17:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/641929\/"},"modified":"2025-12-12T17:51:18","modified_gmt":"2025-12-12T17:51:18","slug":"kunst-ueber-ego-und-gemeinschaft-nur-die-bereitschaft-zum-perspektivwechsel-kann-in-eine-gute-zukunft-fuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/641929\/","title":{"rendered":"Kunst \u00fcber Ego und Gemeinschaft: \u201eNur die Bereitschaft zum Perspektivwechsel kann in eine gute Zukunft f\u00fchren\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Blick in die Ausstellung \u201eEGO. Kunst, Gesellschaft und das Ich\u201c \u2013 mit wertvollen Insights von Kurator Miro Craemer.<\/strong><\/p>\n<p>Ich, ich, ich und nochmal ich \u2013 aber nie ohne die anderen?\u00a0 In der Pinakothek der Moderne dreht sich seit dem 16.11. alles um das eigene Ego. Dabei gilt: <strong>ein Ego kommt selten allein.<\/strong> <strong>Mit Werken von 20 K\u00fcnstler:innen, Designer:innen, Architekt:innen und Kulturschaffenden reagiert die Ausstellung \u00a0so k\u00fcnstlerisch wie vielf\u00e4ltig auf gesellschaftliche Diskurse \u00fcber Individualit\u00e4t und Gemeinschaftsowie den Egoismus, der zwischen beidem steht.<\/strong> Dabei ist sie weit mehr als nur eine Ausstellung: Es ist ein Appell, sich auf die eigene Innenwelt einzulassen und den Dialog zu suchen.<\/p>\n<p>Hinter dem Projekt stehen Miro Craemer und<a href=\"https:\/\/www.pinakothek-der-moderne.de\/open4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Open4, das Bildungs- und Vermittlungsprogramm der Pinakothek der Moderne<\/a>. Craemer ist Kunstvermittler und auch selbst K\u00fcnstler. Im Austausch mit MUCBOOK berichtet er \u00fcber seinen pers\u00f6nlichen Zugang zur Ausstellung und warum ihn das Thema schon so lange begleitet:<\/p>\n<p>Foto:\u00a0 Johann &amp; Erwin Rittenschober<\/p>\n<p>\u201eEGO. Kunst, Gesellschaft und das Ich\u201c ist Teil vom \u201eDenkraum Deutschland\u201c, einem interdisziplin\u00e4ren Kunstformat in der Pinakothek der Moderne. Seit sieben Jahren widmet sich der \u201eDenkraum\u201c immer wieder zentralen gesellschaftlichen Themen. So stand 2021 das Potential des Weiblichen in Kunst und Gesellschaft im Fokus und 2023 folgte unter dem Motto \u201eHey Alter. Museum und Generationen\u201c ein intergenerationeller Dialog.<\/p>\n<p>Im \u201eDenkraum Deutschland\u201c geht es l\u00e4ngst nicht nur um klassische F\u00fchrungen: Performances, Diskussionen und Workshops erg\u00e4nzen das Programm und machen deutlich, wie interaktiv das Format angelegt ist. Mitdenken und Mitmachen wird bei den fast 40 interaktiven Projekten gro\u00dfgeschrieben \u2013 denn Kunst soll hier nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden. Miro Craemer betont:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eZum Kernthema des \u201eDenkraum Deutschland\u201c geh\u00f6rt von Anbeginn die Teilhabe der Besucher:innen.<\/strong> <strong>So gibt es dieses Jahr eine sogenannte Aktivwand, auf der Fragen gemeinsam gestellt und beantwortet werden k\u00f6nnen und auch eine Fotowand der K\u00fcnstlerin Shue Oberschelp, die durch die Teilnahme der Besucher:innen stetig w\u00e4chst.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Inspiriert ist die Idee vom dialogischen Austausch zwischen Kunst und Betrachter:in von Joseph Beuys, der das Museum als Ort der \u201epermanenten Konferenz\u201c beschrieb.<\/p>\n<p>Foto:\u00a0 Johann &amp; Erwin Rittenschober<\/p>\n<p>\t\t\tViefalt der Themen und Perspektiven<\/p>\n<p>Die Besucher:innen sollen sich bewusst mitten in das Spannungsfeld aus dem Ich, den Anderen und dem Wir begeben. Dabei geht es im \u201eDenkraum Deutschland\u201c nicht darum, fertige Wahrheiten zu liefern. Stattdessen sollen Diskussionen angeregt und unterschiedliche Blickweisen ausgetauscht werden. Die thematische Vielfalt gilt als Grundlage f\u00fcr eine produktive Auseinandersetzung. Anders Denken und F\u00fchlen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht. Miro Craemer \u00a0sieht auch Bez\u00fcge zum aktuellen politischen Diskurs in unserem Land:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eIch w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, die Debatten w\u00fcrden auch in unserer Gesellschaft so vielf\u00e4ltig wie in der Kunst und im \u201eDenkraum Deutschland\u201c in der Pinakothek der Moderne gef\u00fchrt werden.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Kunstwerke m\u00f6chten gesellschaftlich relevante Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten \u2013 auch aus solchen, die in \u00f6ffentlichen Debatten oft wenig Geh\u00f6r finden, so Craemer:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eEin Diskurs \u00fcber das Selbstbild wird in allen gesellschaftlichen Gruppen gef\u00fchrt, aber oftmals erhalten sie nicht die n\u00f6tige \u00d6ffentlichkeit. So haben wir bewusst Perspektiven wie das Ich im Alteroder in der Fremde oder auch den Verlust des Ichs in der Demenz zum Thema gemacht.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Alle Blickwinkel miteinzubeziehen ist aber nicht immer so einfach \u2013 Bubbles, die sich den Sichtweisen anderer bewusst verschlie\u00dfen erschweren den offenen Austausch \u2013 mit schweriegenden Folgen f\u00fcr uns alle, ist Craemer \u00fcberzeugt:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eWenn der Austausch fehlt, ist das f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Gesellschaft und eine freiheitliche Demokratie eine Gefahr. Weil jede ideologische \u201eBlase\u201c den offenen Austausch blockiert. Nur die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel, zu dem uns auch die Kunst immer wieder inspiriert, kann in eine gute Zukunft f\u00fchren. Die rege Resonanz auf die Angebote des \u201eDenkraum Deutschland\u201c zeigen, welch gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis es nach Diskurs und Miteinander gibt.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Kurator Miro Craemer in der Ausstellung. Foto:\u00a0 Johann &amp; Erwin Rittenschober<\/p>\n<p>\t\t\tWenn Worte versagen<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstler:innen m\u00f6chten dazu anregen, sich mit den Fragen und Konzepten rund ums Ego in der Gesellschaft auseinandersetzen. Im Zentrum steht die Frage nach dem Selbst: Was ist eigentlich das Ich? Schnell werden die Besucher:innen angeregt, \u00fcber ihre eigene Identit\u00e4t nachzudenken.<\/p>\n<p>Auf die Fragen der Ausstellung kann jedoch niemand so klar antworten \u2013 jedenfalls nicht in Worten. Die ganze Thematik ist komplex aber sie besch\u00e4ftigt uns alle. Was passiert also, wenn Sprache versagt? Wie l\u00e4sst sich das Unaussprechliche ausdr\u00fccken? \u2013 die Gef\u00fchle, das eigene Ich zu verlieren oder nicht zu wissen, wer man selbst oder die anderen sind. An dieser Stelle setzt die Kunst an. Sie kann auch ohne Worte sprechen und dem Unausprechlichen Ausdruck verleihen. In diesem Sinne arbeitet die Ausstellung mit einer Vielfalt der Medien: Licht, Klang, digitale Effekte, Fotografie und Video.<\/p>\n<p>Miro Craemer verdeutlicht, wie vielschichtig das eigene Ich eigentlich sein kann:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eWir alle haben verschiedene Facetten einer Pers\u00f6nlichkeit, viele \u201eIchs\u201c. Insofern ist auch mein Ego an einem Tag ein rosafarbenes Quadrat im Technosound und am n\u00e4chsten ein Silberkreis mit T\u00f6nen der arabischen Oud. Die Aufgabe, die sich stellt, ist alle diese Ichs so zu organisieren, dass sie sich nicht gegenseitig blockieren \u2013 ich arbeite stetig daran, und der \u201eDenkraum Deutschland\u201c hat mir viele Inspirationen dazu geliefert.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\t\t\tDie Rolle der Kunst: Zwischen Reflexion und politischer Verantwortung<\/p>\n<p>Kunst spielt eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Diskurs \u00fcber Selbst- und Gesellschaftsbilder. Sie ist omnipr\u00e4sent und reflektiert die Themen, die unsere Zeit bewegen. Miro Craemer betont:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eIn der Kunst spiegeln sich alle gesellschaftlichen Themen. Und da seit einigen Jahren die Besch\u00e4ftigung mit der eigenen Identit\u00e4t, der einer Generation oder der eines Heimatlandes eine enorme Rolle spielt, tauchen solche Fragen auch in der Kunst auf \u2013 mit vielen Facetten und Widerspr\u00fcchen.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Ausstellung \u201eEGO. Kunst, Gesellschaft und das Ich\u201c zeigt dabei auch, wie Kunst als politischer Raum funktioniert: Sie st\u00f6\u00dft Diskussionen an, liefert jedoch keine fertigen Antworten. Craemer findet:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eJeder Raum ist ein politischer Raum, auch der Raum der Kunst. Aber K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler tragen darin nicht mehr politische Verantwortung als andere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, gerade in einer Demokratie. Ihre Rolle ist es, Diskussionen anzuregen \u2013 nicht, einfache Antworten zu geben.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Foto:\u00a0 Johann &amp; Erwin Rittenschober<\/p>\n<p>\t\t\tKunst als Lern- und Denkraum der Gesellschaft<\/p>\n<p>Der \u201eDenkraum Deutschland\u201c funktioniert f\u00fcr Craemer als beispielhafter Ausschnitt einer offenen Gesellschaft:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eDie Haltungen und Ausdrucksformen von \u00fcber drei\u00dfig K\u00fcnstler:innen und Kunstvermittler:innen zeigen unterschiedlichste Arten und Weisen, die Welt zu sehen und Br\u00fccken zu schlagen. Wenn uns eine Sichtweise besonders gut gef\u00e4llt, k\u00f6nnen wir sie auch au\u00dferhalb der Ausstellung und des Museums vertreten und in unseren Alltag tragen. Eine Ausstellung aktiv und gemeinsam zu erleben, kann eine Anleitung sein, auch sonst aktiv zu werden und die Gemeinschaft noch bewusster auch in der Familie, mit Bekannten oder Arbeitskolleg:innen zu suchen.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Kunst fordert uns auf, eigenst\u00e4ndige Gedanken zu formen und kritisch zu reflektieren. So wird sie laut Miro Craemer zu einem Modell f\u00fcr gesellschaftliches Denken:<\/p>\n<blockquote>\n<p>\n<strong>\u201eWir k\u00f6nnten lernen, wirklich eigene Standpunkte zu entwickeln und nicht der erstbesten oder am lautesten vorgetragenen Meinung hinterherrennen und auf den Social Media Kan\u00e4len zu teilen. Selbst anfangen zu denken, sich ein \u201eWas w\u00e4re, wenn\u201c vorzustellen und dann eine individuelle Haltung dazu entwickeln, sind Gr\u00fcnde, weshalb es die Kunst seit Tausenden von Jahren gibt.\u201c<\/strong>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Beitragsbild oben: Johann &amp; Erwin Rittenschober<\/p>\n<p>Auf einen Blick:<\/p>\n<p><strong>EGO. Kunst, Gesellschaft und das Ich<\/strong><br \/>vom 16.11. bis 14.12.2025<br \/>Pinakothek der Moderne<br \/>T\u00e4glich 10.00 \u2013 18.00 Uhr<br \/><a href=\"https:\/\/www.pinakothek-der-moderne.de\/ausstellungen\/denkraum-deutschland-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programm:<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Blick in die Ausstellung \u201eEGO. 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