{"id":642067,"date":"2025-12-12T19:21:17","date_gmt":"2025-12-12T19:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642067\/"},"modified":"2025-12-12T19:21:17","modified_gmt":"2025-12-12T19:21:17","slug":"mittagstisch-im-cafe-72-mehr-als-ein-warmes-essen-um-8-uhr-stehen-sie-schon-vor-der-tuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642067\/","title":{"rendered":"Mittagstisch im Caf\u00e9 72: Mehr als ein warmes Essen \u2013 \u201eUm 8 Uhr stehen sie schon vor der T\u00fcr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t      \t\t            \t\t             \t\t\t\t   \t\t\t\t\t   <img decoding=\"async\" id=\"article-image\" fetchpriority=\"high\" alt=\"Mittagstisch im Caf\u00e9 72: Mehr als ein warmes Essen   \u2013 \u201eUm 8 Uhr stehen sie schon vor der T\u00fcr\u201c\" title=\"Mittagstisch im Caf\u00e9 72: Mehr als ein warmes Essen   \u2013 \u201eUm 8 Uhr stehen sie schon vor der T\u00fcr\u201c\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.ccd8efeb-4261-48ee-8e9e-a030325df17e.16x9_700.jpg\" data-linkto=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/javascript:void(0);\"\/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tGnocchi hat der Koch an diesem Vormittag zubereitet.\u00a0Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko\t\t\t<\/p>\n<p>Im Caf\u00e9 72 in Bad Cannstatt gibt es einen Mittagstisch f\u00fcr Bed\u00fcrftige. Viele von ihnen leben auf der Stra\u00dfe. Als der Herd schlapp macht, ist die Aktion Weihnachten gefragt.<\/p>\n<p>Es ist ein Kommen und Gehen im Caf\u00e9 72 an diesem Mittwochvormittag. An den Tischen sitzen viele M\u00e4nner und einige Frauen, denen man ihr hartes Leben ansieht. Ihre Kleidung ist abgetragen, teils verschlissen. Sie trinken hei\u00dfen Kaffee, w\u00e4rmen sich auf nach der Nacht. \u201eUm 8 Uhr stehen sie schon vor der T\u00fcr\u201c, erz\u00e4hlt die Sozialp\u00e4dagogin und Krankenschwester Linda Wurfer. <\/p>\n<p>F\u00fcnfeinhalb Stunden hat das Caf\u00e9 72 ge\u00f6ffnet, das ein Fr\u00fchst\u00fcck und f\u00fcr einen Euro ein frisch gekochtes Mittagessen anbietet. In gro\u00dfen T\u00f6pfen blubbert seit dem Morgen die So\u00dfe f\u00fcr die Gnocchi, die es diesmal gibt. Zum Gl\u00fcck kann sie blubbern, finden sie bei der Ambulanten Hilfe. Der alte Gro\u00dfk\u00fcchenherd hatte den Geist aufgegeben \u2013 den neuen hat die Spendenaktion Aktion Weihnachten p\u00fcnktlich vor Beginn der kalten Saison finanziert. <\/p>\n<p>30 bis 40 Essen pro Tag <\/p>\n<p>Bis vor einigen Jahren haben die Klienten der Anlaufstelle der Ambulanten Hilfe f\u00fcr Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit Bedrohten selbst gekocht. Bis das nicht mehr funktionierte. Die Menschen, die heute zu ihnen k\u00e4men, seien so belastet, dass sie dazu gar nicht in der Lage w\u00e4ren, sagt Linda Wurfer. <\/p>\n<p>Entsprechend froh sind sie bei der Ambulanten Hilfe gewesen, eine Hauswirtschaftskraft besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen. Der Koch bereitet 30 bis 40 Essen pro Tag zu. Zumindest noch \u2013 die Stelle ist befristet und Stand jetzt von den Haushaltsk\u00fcrzungen betroffen. Wie das in Zukunft laufen soll? Ob die Sozialarbeiter dann auch das Kochen \u00fcbernehmen m\u00fcssen? Das fragen sie sich im Team, wo sie doch jetzt schon kaum hinterher kommen. St\u00e4ndig will jemand etwas. Eben hat die Sozialp\u00e4dagogin einen Streit geschlichtet, dann eine Waschmaschine bef\u00fcllt, nun sortiert sie die Kleiderspenden. Eigentlich br\u00e4uchten sie Kleidung f\u00fcr M\u00e4nner, vor allem robuste Jeanshosen. Doch das meiste, was sie aus den T\u00fcten zieht, ist f\u00fcr Frauen. <\/p>\n<p>Psychisch kranker Mann ist stolz, \u201ekeinen Cent vom Staat\u201c zu bekommen  <\/p>\n<p>Ihr Kollege Manuel Borrego Beltran h\u00e4lt im B\u00fcro die Stellung. Ihm gegen\u00fcber steht Herr N., der Aufmerksamkeit sucht. In anderen Einrichtungen hat der Obdachlose Hausverbot. Mit seiner unbehandelten Schizophrenie ist er herausfordernd. Er erz\u00e4hlt, dass er fr\u00fcher in einem der besseren Stadtbezirke gelebt habe, dass er sein Geld mit Fernsehwerbung verdient und sehr gut Tennis gespielt habe. Dass seine Partnerin gewaltt\u00e4tig gewesen sei. Ob das stimmt? M\u00f6glich. Ohne Punkt und Komma spricht Herr N., der ein altes Sakko tr\u00e4gt, ohne Socken in den Schuhen. \u201eIch geh\u00f6re gar nicht hierher\u201c betont er. Nur wegen des g\u00fcnstigen Essens komme er und schlafe auch jetzt bei der K\u00e4lte drau\u00dfen. Er ist stolz darauf, \u201evom Staat keinen Cent\u201c zu nehmen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.39aa376d-62ad-44fa-bfd2-54fedcf6e80b.original1024.media.jpeg\"\/>     Ein Wohnungsloser (links) durchsucht die Kleiderspenden. Manuel Borrego Beltran (rechts) gibt das Essen aus.    Foto: Lichtgut\/\/Kovalenko    <\/p>\n<p>80 Prozent der Menschen, die ins Caf\u00e9 72 k\u00e4men, seien nicht im Leistungsbezug, berichtet Linda Wurfer. Sie sind nicht krankenversichert, erhalten kein B\u00fcrgergeld. Psychisch Kranke wie Herr N. z\u00e4hlen dazu, Drogenabh\u00e4ngige, ehemalige Selbstst\u00e4ndige, die aus dem System flogen, Zugewanderte aus EU-Staaten. Manche von diesen haben lange schwarz gearbeitet, bis etwas ihnen den Boden weggezogen hat. Andere waren legal t\u00e4tig, aber zu kurz, um Anspruch auf Leistungen zu haben. <\/p>\n<p>Wie Monika, eine d\u00fcrre schwarz gekleidete Frau, die auch drinnen Sonnenbrille tr\u00e4gt. Die Zeitarbeitsfirma, f\u00fcr die sie am Band gearbeitet habe, habe ihr gek\u00fcndigt, als sie krank wurde. Sie habe sich am Fu\u00df verletzt, konnte nicht stehen. Ohne Job konnte sie die Miete nicht mehr bezahlen. Der Vermieter warf sie raus. Vier Jahre sei das her. So lange lebe sie schon auf der Stra\u00dfe, was \u201ehart\u201c sei. Ins Caf\u00e9 72 kommt sie wegen der Duschen, der Waschmaschine \u2013 und wegen der Sozialarbeiter, die \u201esehr nett\u201c und \u201elieb\u201c seien. Daf\u00fcr erduldet sie die schwierigen Besucher. \u201eManche sind sehr stressig, dabei k\u00f6nnen sie doch froh sein, dass es so etwas gibt.\u201c <\/p>\n<p> Es kommen immer mehr und immer mehr schwierige Menschen  <\/p>\n<p> Linda Wurfer und Manuel Borrego Beltran zweifeln nicht an dem, was sie tun. Was ihnen Sorgen macht: Es k\u00e4men immer mehr und immer schwierigere Menschen zu ihnen, die woanders nicht willkommen seien. \u201ePsychotische und Hochalkoholisierte will sonst niemand haben\u201c, sagt Beltran. Der ehemalige Streetworker kann mit psychisch Kranken umgehen, er hat schon in der Sozialpsychiatrie gearbeitet. Aber die Menge macht es schwerer. Die Zahl der Klienten habe sich verzehnfacht, sch\u00e4tzt er. <\/p>\n<p>11.45 Uhr, es gibt Essen. Ein Mann mit beachtlichem Vollbart schiebt einen Euro r\u00fcber, bekommt seinen Teller, bedankt sich. Eine Rentnerin mit geschientem Fu\u00df, auch sie ist wohnungslos, setzt sich an den n\u00e4chstgelegenen Tisch. Ihr gegen\u00fcber sitzt Stefan, 72, der mit dem Vornamen angesprochen werden will. Der Rentner hat ein Dach \u00fcber dem Kopf und kommt regelm\u00e4\u00dfig ins Caf\u00e9 72. \u201eDas ist eine gro\u00dfe Hilfe f\u00fcr mich, ich habe Kochen nie gelernt\u201c, sagt er. Die Frau mit dem gebrochenen Fu\u00df hat gar keine Kochm\u00f6glichkeit. Die 74-J\u00e4hrige lebt den Winter \u00fcber in einer Notunterkunft. W\u00e4hrend sie isst \u2013 \u201esehr gut\u201c schmecke es \u2013 steckt ihre W\u00e4sche in der Waschmaschine. Sie sei gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass sie hier waschen k\u00f6nne. Bepackt mit zwei vollen Plastikt\u00fcten macht sie sich wenig sp\u00e4ter, gest\u00fctzt auf ihre Kr\u00fccken, auf den Weg. Sie wird wiederkommen. F\u00fcr die n\u00e4chste warme Mahlzeit. <\/p>\n<p> So k\u00f6nnen Sie spenden  <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Spende<\/strong><br \/>Unter <a href=\"https:\/\/stn-hilft.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Link <\/a>k\u00f6nnen Sie direkt und unkompliziert f\u00fcr die Benefizaktion Aktion Weihnachten spenden: <a href=\"https:\/\/stn-hilft.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.stn-hilft.de<\/a>. Wer selbst \u00fcberweisen will, die Konten lauten: Baden-W\u00fcrttembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schw\u00e4bische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden k\u00f6nnen wir aus logistischen Gr\u00fcnden leider nicht annehmen. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Verein<\/strong><br \/>Die Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Au\u00dferdem f\u00f6rdert sie soziale Projekte in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> und der Region. Erm\u00f6glicht wird dies durch die gro\u00dfz\u00fcgigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/aktionweihnachten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.aktionweihnachten.de. <\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gnocchi hat der Koch an diesem Vormittag zubereitet.\u00a0Foto: Lichtgut\/Max Kovalenko Im Caf\u00e9 72 in Bad Cannstatt gibt es&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":642068,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,151221,3364,29,30,33656,8282,1441,5251,111151],"class_list":{"0":"post-642067","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-cafe-72","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-obdachlos","14":"tag-psychisch-krank","15":"tag-stuttgart","16":"tag-stuttgart-bad-cannstatt","17":"tag-wohnungslos"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115708225785610525","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642067\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/642068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}