{"id":642078,"date":"2025-12-12T19:27:23","date_gmt":"2025-12-12T19:27:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642078\/"},"modified":"2025-12-12T19:27:23","modified_gmt":"2025-12-12T19:27:23","slug":"eine-spannende-muenchner-ausstellung-ueber-das-miteinander-von-schrift-und-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642078\/","title":{"rendered":"Eine spannende M\u00fcnchner Ausstellung \u00fcber das Miteinander von Schrift und Bild"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Beide k\u00f6nnen problemlos f\u00fcr sich allein bestehen. Schrift braucht keine gemalte oder gezeichnete Beihilfe, um sich mitzuteilen und verstanden zu werden. Gleiches gilt f\u00fcr das Bild. Es teilt durch seine bildnerischen Mittel mit, was zu sehen sein soll, dazu bedarf es nicht zus\u00e4tzlicher Schriftform.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und doch, seit Beginn der k\u00fcnstlerischen Moderne gehen beide, Bild und Schrift, gerne zusammen, stellen vielgestaltige Gemeinschaft her, man denke nur an die Schrift-Bild-Werke in k\u00fcnstlerischen Stilzusammenh\u00e4ngen wie Kubismus, Surrealismus oder Dada. Das Miteinander hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg eher noch intensiviert, die Forderung nach politisch-gesellschaftlichem Engagement und Appell hat der Verbindung von Schrift und Bild noch einmal zus\u00e4tzliches Potenzial verschafft.\n  <\/p>\n<p>            Eine Sammlung bringt Ost und West zusammen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In Deutschland hat sich seit 2010 eine Privatsammlung, die Written Art Collection, auf das planvolle Zusammentragen dieser hybriden Kunstform spezialisiert. Seit ein paar Jahren pflegt die Pinakothek der Moderne eine Kooperation mit dieser Sammlung \u2013 zum Vorteil des M\u00fcnchner Museums nicht zuletzt deswegen, weil die Written Art Collection nicht nur das westliche Kunstgeschehen in den Blick nimmt, sondern \u00fcber den europ\u00e4isch-nordamerikanischen Tellerrand hinausschaut auf Entwicklungen im Nahen, Mittleren und auch im Fernen Osten. Weltregionen, die \u00fcber reiche k\u00fcnstlerische Traditionen in der Schrift-Bild-Verbindung pflegen. Erstmals widmet die Pinakothek der Moderne ihrer Zusammenarbeit mit der Written Art Collection nun eine umfangreiche und faszinierende eigene Ausstellung, betitelt \u201eSweeter than Honey\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Akzentuiert die bezuggebende Arbeit \u2013 ein schwarzes, f\u00fcr islamische Architektur typisches holzgedrechseltes Fenstergitter mit eingearbeiteten Schriftzeichen \u2013 vor allem den Wert jeglichen Wissens und damit auch dessen Vermittlung durch Schrift (\u201eWissen ist s\u00fc\u00dfer als Honig\u201c lautet der exakte Werktitel bei der \u00e4gyptisch-deutschen K\u00fcnstlerin Susan Hefuna), so entfaltet gleich nebenan ein Quartett hoher B\u00fccherregale das politische Potenzial der Written Art. In dem Werk der indischen K\u00fcnstlerin Shilpa Gupta liegen metallene Abg\u00fcsse\u00a0von B\u00fcchern, auf deren Deckeln und R\u00fccken Zitate aus literarischen Werken stehen \u2013 Hinweise auf B\u00fccher und deren Autoren, die aufgrund von Zensur und Verfolgung nicht die beabsichtigte Wirkung entfalten konnten. Eine nachdenklich stimmende Arbeit, auch der kleinen Gl\u00fchbirnen wegen, welche die Leerstellen zwischen den B\u00fcchern beleuchten und wiederum als Zeichen daf\u00fcr stehen, dass wir von so vielen unterdr\u00fcckten Werken und ihren Autoren gar keine Kenntnis haben. Auch Jenny Holzers \u201eWar Paintings\u201c, die Verh\u00f6rprotokollen des US-Milit\u00e4rs als Bildgrundlage verwenden, sind gerade wegen ihres durch Schrift bezeugten Dokumentencharakters eindrucksvolle Anklagen gegen jegliche Form von Willk\u00fcr.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Bild und Schrift, Schrift-Bilder: Da stellt sich rasch die Assoziation an Kalligrafie, an Kunst mit Tusche und Pinsel ein. Erhellend verweist die Ausstellung \u2013 kuratiert wurde sie von Madeleine Freund und Oliver Kase zusammen mit der Written Art Collection \u2013 auf die Inspirationsanleihen, die Mitte des 20. Jahrhunderts K\u00fcnstler des Westens vornahmen auf der Suche nach unverbrauchten Formen des Ausdrucks, vorneweg K\u00fcnstler des Informel. Aber auch in umgekehrter Richtung gab es Impulse, \u00fcberschritten etwa japanische Kalligrafen die Grenzen der nationalen Tradition.\n  <\/p>\n<p>            Die Kunst-Welten befruchten sich gegenseitig<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aber nicht nur Japan, auch der Nahe und Mittlere Osten verf\u00fcgt \u00fcber eine umfangreiche bildschriftliche \u00dcberlieferung, die von zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlern aufgegriffen wird. Die libanesische K\u00fcnstlerin Mounira Al Solh beispielsweise hat ein Zelt in einem der Ausstellungsr\u00e4ume aufgeschlagen, das subtile Kritik an patriarchalischen Strukturen artikuliert. Waren solche Zelte einst Machtsymbol m\u00e4nnlicher Herrscher, so wird jenes von Mounira Al Solh nun im Innern beherrscht von kurzen Erz\u00e4hlungen \u00fcber weibliche Emanzipation.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zu den eindrucksvollsten der insgesamt rund 120 Arbeiten von knapp 60 K\u00fcnstlern umfassenden Ausstellung geh\u00f6ren vier Schrift-Bilder von Thierry De Cordier. Monumentale Tafeln, eine jede drei Meter hoch und eineinhalb breit, Teile eines noch umfangreicheren Werkzusammenhangs. Der Belgier De Cordier hat eine jede von ihnen handschriftlich beschrieben, die Worte dicht an dicht gesetzt, die Zeilen oft \u00fcberlappend, eine erdr\u00fcckende Masse an Schrift. Es sind nicht beliebige S\u00e4tze, die der K\u00fcnstler hier zu Papier gebracht hat: De Cordier hat tausende, von unterschiedlichsten Autoren stammende Gottes-Definitionen niedergeschrieben. Und man sieht es dem Schriftduktus an in seiner Schr\u00e4glage, seinem Dr\u00e4ngen, dem Furor geradezu, dass den K\u00fcnstler hier ein pers\u00f6nliches Interesse vorw\u00e4rtstrieb \u2013 das jedoch, so scheint die Anmutung dieser Tafeln nahezulegen, nirgendwo in eine letztg\u00fcltige Antwort einm\u00fcnden wollte.\u00a0\n  <\/p>\n<p>            Die Vermessung der Welt mit Tusche und Schrift<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es ist nicht die einzige riesenhafte Arbeit in der Ausstellung. Der Chinese Qiu Zhijie belegt mit 20 Tafeln aus seinem \u201eWorld Map\u201c-Projekt, eine jede immerhin auch zweieinhalb Meter hoch, ein ganzes Kabinett. Tuschezeichnungen, die auf den ersten Blick wie alte Landkarten aus dem Reich der Mitte anmuten mit Umrissen von L\u00e4ndern und K\u00fcsten, Bergen und Fl\u00fcssen \u2013 fiktive Umrisse, die sich zudem bei n\u00e4herem Herantreten als Kartografien des Wissens zu erkennen geben. Gewidmet allen nur denkbaren Themenbereichen wie dem menschlichen K\u00f6rper, den Tieren, der Naturwissenschaft, der Architektur, dem Glauben, dem Reisen und und und, miniaturhaft beschriftet in Chinesisch wie in Englisch. Eine poetisch-wimmelige Vermessung der Welt, in der man sich festsehen, einen ganzen Ausstellungsbesuch lang verlieren kann.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art.<\/strong> Bis 12. April in der Pinakothek der Moderne in M\u00fcnchen. Der Katalog (Hatje Cantz) kostet im Museum 34 Euro.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Stefan Dosch<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Pinakothek der Moderne<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Kunstform<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beide k\u00f6nnen problemlos f\u00fcr sich allein bestehen. 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