{"id":642245,"date":"2025-12-12T21:38:20","date_gmt":"2025-12-12T21:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642245\/"},"modified":"2025-12-12T21:38:20","modified_gmt":"2025-12-12T21:38:20","slug":"hollywood-legende-arthur-cohn-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642245\/","title":{"rendered":"Hollywood-Legende Arthur Cohn ist tot"},"content":{"rendered":"\n<p>Zahlreiche Oscar-Troph\u00e4en, einen Stern auf dem &#8222;Walk of Fame&#8220; in Hollywood, und eine Auszeichnung f\u00fcr sein Lebenswerk am Rande der Berlinale 2019: Der Schweizer Filmproduzent Arthur Cohn wurde mit seinen Produktionen auch in Hollywood zur Legende.\u00a0<\/p>\n<p>Mit 98 Jahren ist er jetzt in Jerusalem gestorben, wie enge Freunde unter Berufung auf die Familie berichten. Cohn war vor einigen Jahren aus Basel nach zu seinem Sohn nach Israel gezogen. Er war davor jahrzehntelang in Basel t\u00e4tig. Noch im vergangenen Jahr arbeitete er nach Angaben seines Sohnes an einem neuen Filmprojekt.<\/p>\n<p>Dort starb er, wie der Chefredakteur der j\u00fcdischen Zeitschrift Tachles, Yves Kugelmann, der dpa nach einem Gespr\u00e4ch mit Cohns Angeh\u00f6rigen sagte. Kugelmann war Anfang der Woche noch in Jerusalem, wie er berichtete, konnte Cohn aber nicht mehr pers\u00f6nlich treffen.<\/p>\n<p> &#8222;Ein Mann mit Visionen und Kreativit\u00e4t&#8220; <\/p>\n<p>Ein langj\u00e4hriger Mitarbeiter von Cohn, Pierre Rothschild, verschickte per E-Mail eine Todesanzeige, die auch der dpa vorliegt. Er habe selbst mit Cohns Familie gesprochen, sagte er der dpa. In der Anzeige hie\u00df es unter der Todesnachricht \u00fcber Cohn: &#8222;Ein Mann mit Visionen und Kreativit\u00e4t, voller lebendiger G\u00fcte, ein H\u00fcter Zions.&#8220; DIe Beerdigung soll nach diesen Angaben am Samstagabend stattfinden und auf einem Youtube-Kanal live gestreamt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Arthur Cohn arbeitete im vergangenen Jahr noch an der Verfilmung des Romans &#8222;Der wiedergefundene Freund&#8220; von Fred Uhlman. Er hatte das Drehbuch nach Angaben seines Sohnes Emanuel, der Schauspieler ist, 2022 weitgehend fertiggestellt. Im Mai 2025, drei Monate nach dem 98. Geburtstag seines Vaters, sagte Emanuel Cohn der Deutschen Presse-Agentur, das Projekt sei &#8222;etwas ins Stocken geraten&#8220;, sei aber weiter in Arbeit.<\/p>\n<p>Cohns Credo war Qualit\u00e4t statt Glamour. Er war befreundet mit Hollywood-Stars wie Al Pacino, Michael Douglas und Jodie Foster. Gro\u00dfe Schauspielerinnen wie Faye Dunaway oder Liv Ullmann bewunderten \u00f6ffentlich seinen Charme. In seinen Filmen gab er aber meist unbekannteren Schauspielern und Regisseuren den Vorzug.<\/p>\n<p> &#8222;Weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt&#8220; <\/p>\n<p>&#8222;Ich habe stets versucht, menschliches Kino zu kreieren und mich von der Emotionalit\u00e4t der Geschichte leiten zu lassen&#8220;, sagte Cohn nach der Auszeichnung in\u00a0Berlin 2019 der Schweizer Zeitung &#8222;Blick&#8220;. &#8222;Ich w\u00fcnsche dem heutigen Kino weniger Spezialeffekte, Sex und Gewalt, daf\u00fcr mehr humanistische Werte.&#8220;<\/p>\n<p>Cohn legte bei seinen Filmen Wert auf subtiles und poetisches Material. Paradebeispiel ist &#8222;Das etruskische L\u00e4cheln&#8220; (2018) nach einem\u00a0Roman von Jos\u00e9 Luis Sampedro, der bei der Berlinale begeistert gefeiert wurde. Es geht darin um einen kauzigen Schotten, der nach einem Leben auf einer entlegenen Insel aus Gesundheitsgr\u00fcnden zu seinem Sohn nach San Francisco zieht, zwar wenig mit dessen modernem Lebensstil anfangen kann, aber trotzdem wieder Lebensfreude findet.<\/p>\n<p>Cohn behielt bei seinen Produktionen stets die F\u00e4den vom Drehbuch bis zum endg\u00fcltigen Schnitt in der Hand und produzierte meistens mit kleinem Budget. &#8222;Das etruskische L\u00e4cheln&#8220; kostete zw\u00f6lf Millionen\u00a0Dollar. Das ist ein Bruchteil von dem, was Actionthriller kosten, die mit Budgets von mehr als 280 Millionen Dollar zu Buche schlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Sechs Oscars <\/p>\n<p>F\u00fcr drei Dokumentarfilme bekam Cohn als Produzent gemeinsam mit anderen Nominierten Oscar-Troph\u00e4en, darunter im Jahr 2000 f\u00fcr &#8222;Ein Tag im September&#8220; \u00fcber den Anschlag einer pal\u00e4stinensischen Terrororganisation auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in M\u00fcnchen. 1962 gewann er die Auszeichnung f\u00fcr &#8222;Nur Himmel und Dreck&#8220;. Darin geht es um eine ehemalige niederl\u00e4ndische Kolonie in S\u00fcdostasien. 1991 bekam er den Oscar f\u00fcr &#8222;American Dream&#8220; \u00fcber den Arbeitskampf von US-Fabrikarbeitern in den 1950er Jahren.\u00a0<\/p>\n<p>Drei weitere von Cohn produzierte Filme wurden mit Oscars als beste fremdsprachige Filme gekr\u00f6nt: das italienisch-deutsche Filmdrama &#8222;Der Garten der Finzi Contini&#8220; (1972), den Antikriegsfilm &#8222;Sehnsucht nach Afrika&#8220; (1977) und das Schach-Drama &#8222;Gef\u00e4hrliche Z\u00fcge&#8220; (1985). Nach den Oscar-Regeln gehen diese Troph\u00e4en aber nicht an den Produzenten, sondern an den Film als Ganzes und das Land, das ihn einreicht.\u00a0<\/p>\n<p> &#8222;Weg von den Computern und Tablets!&#8220; <\/p>\n<p>Cohn freute sich \u00fcber die Renaissance des Dokumentarfilms. &#8222;Man will weg von diesem &#8222;fake&#8220; und zur\u00fcck zur realen Welt, zu echten menschlichen Geschichten&#8220;, sagte er dem Schweizer &#8222;Tages-Anzeiger&#8220; 2018. &#8222;Deshalb ist mein Rat an junge Menschen, insbesondere Dokumentarfilmer: Weg von den Computern und Tablets! Augen \u00f6ffnen, Menschen zuh\u00f6ren, Geschichten aufnehmen!&#8220;<\/p>\n<p>Cohns Mutter war am Kurf\u00fcrstendamm in Berlin aufgewachsen, heiratete einen Schweizer Anwalt und zog deshalb nach Basel, wo Cohn geboren wurde. Er studierte internationales Recht und arbeitete dann jahrelang als Radiojournalist, ehe er \u00fcber die Produktion von Drehb\u00fcchern im Film-Gesch\u00e4ft landete.<\/p>\n<p>Cohn hat sein Privatleben immer privat gehalten. Er betrachtete seine Filme als sein Verm\u00e4chtnis. Beim Film &#8222;Das etruskische L\u00e4cheln&#8220; wirkte sein Sohn Emanuel als Schauspieler, seine Tochter Nurith als musikalische Leiterin mit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zahlreiche Oscar-Troph\u00e4en, einen Stern auf dem &#8222;Walk of Fame&#8220; in Hollywood, und eine Auszeichnung f\u00fcr sein Lebenswerk am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":642246,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1776],"tags":[11966,41184,4633,5001,13038,151251,1801,5308,2520,29,1903,214,553,151248,151250,2701,30,683,30730,107267,151249,21724,4449,1802,7895,24894,21697,215,128085,65260,103],"class_list":{"0":"post-642245","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-action","9":"tag-al-pacino","10":"tag-basel","11":"tag-bericht","12":"tag-bestattung","13":"tag-bruchteil","14":"tag-celebrities","15":"tag-computer","16":"tag-deutsche-presse-agentur","17":"tag-deutschland","18":"tag-dokumentarfilm","19":"tag-entertainment","20":"tag-familie","21":"tag-faye-dunaway","22":"tag-filmproduzent","23":"tag-geburtstag","24":"tag-germany","25":"tag-hollywood","26":"tag-jerusalem","27":"tag-jodie-foster","28":"tag-liv-ullmann","29":"tag-mensch","30":"tag-michael-douglas","31":"tag-prominente","32":"tag-san-francisco","33":"tag-suedostasien","34":"tag-tablet","35":"tag-unterhaltung","36":"tag-vermaechtnis","37":"tag-voelkerrecht","38":"tag-welt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115708762810529772","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642245"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642245\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/642246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}