{"id":642520,"date":"2025-12-13T00:41:13","date_gmt":"2025-12-13T00:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642520\/"},"modified":"2025-12-13T00:41:13","modified_gmt":"2025-12-13T00:41:13","slug":"muenchen-soeder-muedigkeit-in-der-csu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642520\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen | S\u00f6der-M\u00fcdigkeit in der CSU?"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Mit einer solchen Klatsche f\u00fcr CSU-Chef Markus S\u00f6der haben wohl selbst die gr\u00f6\u00dften Pessimisten in der CSU nicht gerechnet: Nur 83,6 Prozent der Delegierten stimmen f\u00fcr die f\u00fcnfte Amtszeit des 58-j\u00e4hrigen Franken an der Spitze der Partei. Mehr noch: 104 Stimmen sind gegen S\u00f6ders Arbeit &#8211; und das ohne eine auch nur ansatzweise absehbare personelle Alternative, geschweige denn einen Gegenkandidaten.<\/p>\n<p>S\u00f6ders bisher schlechtestes Ergebnis bei Wahl zum Parteichef<\/p>\n<p>Es ist mit Abstand das schlechteste Ergebnis, das S\u00f6der seit seiner ersten Wahl Anfang 2019 erreichte. In der CSU-Historie ist es gar das viertschlechteste Ergebnis &#8211; wenn man die wenigen Wahlen mit Kampfkandidaturen herausrechnet.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, dass nach der Verk\u00fcndung des Ergebnisses das Raunen in der M\u00fcnchner Messehalle gef\u00fchlt lauter ist als der H\u00f6flichkeitsapplaus. \u00abJa, ich bedanke mich f\u00fcr das Vertrauen, vielen, vielen Dank, dankesch\u00f6n\u00bb, antwortet S\u00f6der auf die Frage, ob er die Wahl annimmt. Doch wer ihn h\u00f6rt und dabei sieht, wei\u00df: Dies ist keine echte Freude.\u00a0<\/p>\n<p>Ein denkw\u00fcrdiger Freitagabend<\/p>\n<p>Dieser Abend tut S\u00f6der weh. Und dies nicht nur an diesem denkw\u00fcrdigen Freitagabend und nicht nur wegen der 13 verlorenen Prozentpunkte im Vergleich zu vor zwei Jahren. Diese Verletzung wird S\u00f6der l\u00e4nger mit sich herumtragen &#8211; mindestens bis zur n\u00e4chsten Wahl zum Vorsitzenden 2027.\u00a0<\/p>\n<p>2021 hatte S\u00f6der in gewisser Weise schon mal erlebt, wie sich ein D\u00e4mpfer bei dieser Wahl anf\u00fchlen kann. Damals w\u00e4hlten ihn \u00abnur\u00bb 87,6 Prozent der Delegierten, was verglichen zur Wahl Ende 2019 (91,3 Prozent) eine Verschlechterung war. Und auch dieses Mal wurde die 90-Prozent-Marke schon seit Tagen in der CSU als Gradmesser diskutiert. Bei allen Wetten lautete immer die Frage: Mehr oder weniger als 90 Prozent? Schon 2023 wirkte S\u00f6ders vierte Wiederwahl mit 96,6 Prozent wie eine heilsame Medizin.\u00a0<\/p>\n<p>S\u00f6der hat seit Wochen f\u00fcr Zustimmung geworben<\/p>\n<p>Seit Tagen und Wochen hatte S\u00f6der versucht, in der Partei f\u00fcr seine Wiederwahl zu werben. Und dies nicht nur mit Worten. Im Berliner Koalitionsausschuss wie im M\u00fcnchner Kabinett \u00ablieferte die CSU\u00bb, wie S\u00f6der es selbst nannte, am laufenden Band, arbeitete alle Wahlversprechen der CSU ab. Dabei stie\u00df insbesondere der schuldenfreie Doppelhaushalt (\u00abStoibers Erbe\u00bb) auf maximales Wohlwollen in der CSU.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abH\u00e4tte Bayern auch noch neue Schulden gemacht, w\u00e4re das heute richtig schiefgegangen\u00bb, fasst ein hochrangiger Delegierter die Lage zusammen, der selbst nach eigenen Worten f\u00fcr S\u00f6der gestimmt hatte. Eine einfache Erkl\u00e4rung, woran es gelegen hat, kann in den Stunden nach der Wahl niemand geben. Manche schieben es auf die zu wenig k\u00e4mpferische Rede, ein hochrangiger CSU-ler betont unter der Hand, dies sei eine \u00abernste Mahnung zu mehr Teamarbeit und Geradlinigkeit\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte es schon vor dem Parteitag in der CSU immer wieder Misst\u00f6ne bez\u00fcglich des Parteichefs gegeben. Am markantesten zutage trat der br\u00f6ckelnde R\u00fcckhalt nach S\u00f6ders Oktoberfest-Gesangseinlage im Herbst. So viele Klicks und digitale Reichweite sein im Tonstudio produziertes \u00abSweet Caroline\u00bb auch in den sozialen Netzwerken erzielte, gerade bei der konservativen CSU-Basis war das negative Echo deutlich lauter ausgefallen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDie Stimmung war f\u00fcr viele auf dem Tiefpunkt, seither hat er gottlob nicht mehr gesungen und auch deutlich weniger Essen gepostet\u00bb, fasste es damals ein CSU-Vorstand zusammen. In der Tat zeigen S\u00f6ders Aktivit\u00e4ten bei Instagram und Co. in den vergangenen Wochen h\u00e4ufiger Schnipsel seiner politischen Arbeit und weniger, was bei S\u00f6der auf den Tisch kommt. Sogar S\u00f6der selbst hatte sich damals \u00f6ffentlich zur Kritik ge\u00e4u\u00dfert: Er sprach etwa von einer \u00abGratwanderung zwischen zu viel und zu wenig\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Gibt es eine S\u00f6der-M\u00fcdigkeit in der CSU?<\/p>\n<p>Hinzu kommt, so hei\u00dft es von einigen in der CSU, dass mancherorts inzwischen eine gewisse S\u00f6der-M\u00fcdigkeit sp\u00fcrbar sei: \u00abEr ist jetzt seit sechs Jahren im Amt und weiterhin ohne Frage als Parteichef wie Ministerpr\u00e4sident unumstritten und gesetzt, eine gewisse Abnutzung ist aber dennoch vorhanden\u00bb, sagt ein anderer aus dem CSU-Vorstand. S\u00f6der vertritt bei Personalentscheidungen selbst \u00fcbrigens den Ansatz, jedes politische Amt sei nur eine Ehre auf Zeit.\u00a0<\/p>\n<p>Kein gutes Vorzeichen f\u00fcr Kommunalwahl im M\u00e4rz<\/p>\n<p>F\u00fcr ahnungsloses Schulterzucken sorgt das Ergebnis auch, weil f\u00fcr die CSU schon in wenigen Monaten, am 8. M\u00e4rz 2026, die n\u00e4chste wichtige Wahl ins Haus steht: Dann werden in Bayern die Kommunalparlamente neu gew\u00e4hlt, die B\u00fcrgermeister und die Landr\u00e4te. 11.600 kommunalpolitische Mandate hat die CSU aktuell inne &#8211; damit ist sie der unangefochtene Platzhirsch in Bayern.<\/p>\n<p>Viele in der Partei f\u00fcrchten, dass sich die Zahl massiv verkleinern wird. Denn mit der AfD steht in immer mehr Kommunen neue Konkurrenz rechts der Mitte zur Wahl, die der CSU auch schon bei Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen viele Stimmen gekostet hat. Auch S\u00f6der hatte in seiner Rede immer wieder betont, dass die CSU mit Geschlossenheit dagegen ank\u00e4mpfen m\u00fcsse. Ob ihm hier auch Delegierte die Stimme verweigerten, die S\u00f6ders klare Kante gegen die AfD nicht so gut finden &#8211; auch dar\u00fcber spekulieren manche in der Halle.<\/p>\n<p>Der Franke wird nicht nur von seinen politischen Kontrahenten f\u00fcr seine Schlagfertigkeit gef\u00fcrchtet. \u00abBreitbeinig\u00bb nennen viele Kritiker oft sein Auftreten, etwa bei Koalitionsverhandlungen. Dahinter steht nicht nur S\u00f6ders gro\u00dfes Ego, wie ihm oft und gerne vorgeworfen wird. Vielmehr basiert es auch auf einem \u00fcber Jahre und Jahrzehnte gewachsenen Selbstbewusstsein, wie S\u00f6der auch in seiner Rede immer wieder anklingen l\u00e4sst. Etwa als er von seinem ersten Besuch beim Aschermittwoch vor 42 Jahren erz\u00e4hlt: \u00abIch bin seit dieser Zeit s\u00fcchtig nach der CSU.\u00bb<\/p>\n<p>S\u00f6der: \u00abWill Geschichte Bayerns und der CSU fortschreiben\u00bb<\/p>\n<p>\u00abEs ist sch\u00f6n, Ministerpr\u00e4sident zu sein, aber eine ganz gro\u00dfe Ehre Parteivorsitzender zu sein. Das ist eine schwere Aufgabe\u00bb, rief S\u00f6der in seiner knapp 75-min\u00fctigen Rede. \u00abIch will mit euch die Geschichte Bayerns und der CSU fortschreiben. Die CSU war noch nie eine normale Partei.\u00bb Im Gegensatz zum oft pessimistischen Tenor in seiner Rede appellierte S\u00f6der an den Optimismus seiner Parteifreunde \u00abin schwierigen Zeiten\u00bb: \u00abWir sind stark, wir sind einig, wir sind die CSU. Wir f\u00fchren Bayern zu sicheren Ufern. Das ist unser Auftrag und deswegen lasst uns zusammenstehen.\u00bb<\/p>\n<p>Wenn am Samstag Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz in M\u00fcnchen erwartet wird, hatte S\u00f6der diesem schon vorab \u00abR\u00fcckendeckung\u00bb versprochen, er habe sich diese verdient. Nach dieser denkw\u00fcrdigen Wahl d\u00fcrfte S\u00f6der nun auch dessen R\u00fcckendeckung mehr als gut gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen (dpa) &#8211; Mit einer solchen Klatsche f\u00fcr CSU-Chef Markus S\u00f6der haben wohl selbst die gr\u00f6\u00dften Pessimisten in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":642521,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,774,29,30,1268,2403],"class_list":{"0":"post-642520","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-csu","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-muenchen","13":"tag-partei"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115709482427830667","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642520"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642520\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/642521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}