{"id":642566,"date":"2025-12-13T01:08:14","date_gmt":"2025-12-13T01:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642566\/"},"modified":"2025-12-13T01:08:14","modified_gmt":"2025-12-13T01:08:14","slug":"schularick-fuer-mehrarbeit-ohne-lohnausgleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642566\/","title":{"rendered":"Schularick f\u00fcr Mehrarbeit ohne Lohnausgleich"},"content":{"rendered":"<p class=\"interview__question w-900\">Herr Professor Schularick, Berlin und Br\u00fcssel wollen das Zulassungsverbot f\u00fcr neue Diesel und Benziner ab 2035 erheblich lockern. W\u00fcrde das VW, BMW und Mercedes echt helfen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Ich bin skeptisch. Die Spritpreise werden durch Einbeziehung des Verkehrs in den Emissionshandel deutlich steigen. E-Autos werden immer billiger. Es gibt immer mehr Lades\u00e4ulen, und die Reichweiten wachsen auf 1000 Kilometer. Und daher wird die Nachfrage nach E-Autos schon bald anspringen. Und in Deutschland wurden f\u00fcr diese r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Beschl\u00fcsse viele Monate lang Unmengen an politischem Sauerstoff mit einem Symbolthema verbrannt.<a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/koalition-will-verbrenner-aus-ab-2035-lockern-49584234\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"> Ich kann der Kehrtwende, ab 2035 doch wieder neue Diesel und Benziner in der EU zuzulassen,<\/a> so viel Gutes nicht abgewinnen. Das ist eine Kopfschmerztablette, keine Heilung.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Das erschwingliche E-Auto mit 1000 Kilometern Reichweite wurde schon sehr oft versprochen. In den USA ist die E-Mobilit\u00e4t vorerst gefloppt. Wird der Verbrenner nicht doch eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen, als von vielen erhofft?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Ich halte das f\u00fcr unwahrscheinlich, zumindest wenn wir den Klimaschutz nicht komplett beerdigen. Aber kann uns das Klima egal sein, sollen wir das Ziel der CO2-Neutralit\u00e4t aus dem Grundgesetz streichen und uns nicht um den Beitrag der Verbrenner zum Temperaturanstieg scheren? Denn darauf l\u00e4uft es hinaus, wenn wir auf Diesel und Benziner setzen und nicht auf Batterieautos und Stromspeicher.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/alles-e-auto-oder-was-was-uns-chinas-verkehrsrevolution-lehrt-48696564\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Nur ein Scheinriese? \u00dcber den E-Auto-Boom in China<\/a><\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Ist es nicht schon zu sp\u00e4t f\u00fcr Deutschlands Autobauer, gegen die chinesische Elektro-Konkurrenz zu \u00fcberleben?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Es ist schon mal gut, dass VW in China produziert, die lernen da eine Menge. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, einen Konsens zu bilden, wie wir mit China als ernsthaftem globalen Wettbewerber auch bei Hightech umgehen. Mein Vorschlag: Wir sollten den Zugang zu unserem Markt davon abh\u00e4ngig machen, dass in substanziellem Umfang hier investiert und produziert wird. Die Wertsch\u00f6pfung muss hier stattfinden. Zuzuschauen, wie China mit seinen Vorteilen in Sachen Kosten, Skalierung und Technologie ein Kernst\u00fcck der europ\u00e4ischen Industrielandschaft demontiert, das ist keine Option.\n            <\/p>\n<p>\n                                VW-Werk hat auch einen Standort in Osnabr\u00fcck.<br \/>\n                            Foto: Swaantje Hehmann<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2025-12-08-sheh-igm-vw-os-07.jpg\" title=\"VW-Werk hat auch einen Standort in Osnabr\u00fcck.\" alt=\"VW-Werk hat auch einen Standort in Osnabr\u00fcck.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"250\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" src=\"\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Wie sicher ist die Zukunft von Volkswagen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wenn die Rahmenbedingungen so bleiben, glaube ich nicht, dass VW eine gro\u00dfe Chance hat. Dazu m\u00fcssten wir die Zollmauern hochziehen und die chinesischen Autos nicht mehr reinlassen. Ein anderes Szenario k\u00f6nnte sein: Wenn die Chinesen bei VW einsteigen und dann in Osnabr\u00fcck und Wolfsburg mit deutschen Arbeitskr\u00e4ften wettbewerbsf\u00e4hige, klimaschonende und tolle Autos produzieren, so wie es die Geely-Gruppe mit Volvo gemacht hat, dann kann ich daran als Volkswirt nichts Schlechtes finden. Das Beispiel Volvo sollten sich die Damen und Herren in Wolfsburg gut anschauen. Sicher ist: Dem deutschen Automobilisten-Hirn wird dieser Gedanke nicht leichtfallen und viel Flexibilit\u00e4t und Spannkraft abverlangen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Die Chinesen sind schlauer und zeigen uns, wie es gemacht wird?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Ihr Vorsprung ist real. Aber das muss kein Drama sein, wenn wir es schaffen, die Wertsch\u00f6pfung, auch bei Batterien, nach Deutschland zu holen. Mercedes ist ja auch schon mehrheitlich im Besitz ausl\u00e4ndischer Investoren. Es gibt tats\u00e4chlich sehr wenige Beispiele daf\u00fcr, dass Platzhirsche, die von einer neuen Technologie \u00fcberrannt werden, es schaffen, sich rechtzeitig anzupassen und die erforderliche Lust auf die Zukunftstechnik aufzubringen. In den Volkswagen-B\u00fcros sitzen noch immer so viele Ingenieure, die im Geiste noch an der Optimierung des Dieselmotors t\u00fcfteln.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Interview: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/vw-chef-oliver-blume-stellt-verbrennerverbot-in-frage-48627383\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">VW-Boss Oliver Blume \u00fcber das Verbrennerverbot<\/a><\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Schon jetzt sind 50.000 Jobs in der Branche verschwunden. Wie schlimm wird es noch werden?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Sch\u00e4tzung der ifo-Kollegen lautet, wir w\u00fcrden bis Ende des Jahrzehnts weitere 200.000 Jobs in der Autoindustrie verlieren. Aber ganz so schlimm muss es nicht kommen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Was w\u00e4re zur Abwendung des Schlimmsten notwendig?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir m\u00fcssten alle die \u00c4rmel hochkrempeln, uns umdrehen und in die andere Richtung schreiten. Nicht nur die Automanager, die gesamte Industrie, die Arbeitnehmer, die Politik. Die Fixierung auf das, was einmal war, steht uns am allermeisten im Weg. Ich bin mir sehr sicher: Die Automobilindustrie wird in den kommenden zehn Jahren nicht wieder zum Wachstumsmotor f\u00fcr die deutsche Volkswirtschaft werden. Wenn wir Wachstum wollen, muss es woanders herkommen. Die Premiummarken BMW und Mercedes werden sicher auch weiterhin einen Platz auf der Weltkarte der Automobilindustrie haben. Die Autos geh\u00f6ren noch immer zu den besten, die es gibt. Aber das wird mehr und mehr zur Nische.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Worauf sollen wir dann setzen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Sicher nicht auf die Stahlbranche, sicher nicht auf die energieintensiven Industrien, \u00fcber die wir die ganze Zeit reden. Wachstum kommt von keinem dieser Bereiche. Die erste Antwort liegt in einer europ\u00e4ischen Binnenmarkt-Agenda inklusive Kapitalmarktunion: Die Bedenken der Sparkassen und Insolvenzverwalter m\u00fcssen beiseitegeschoben werden. Man kann noch immer nicht mit dem Kredit einer deutschen Bank eine Wohnung in Paris kaufen. Die noch immer h\u00e4rteste und widersinnigste Wachstumsbremse, das sind 27 nationale Regulierungen anstatt einer einzigen europ\u00e4ischen. Die radikale Vereinfachung durch Integration w\u00e4re die einzige ad\u00e4quate Antwort auf die Erkenntnis, dass wir in der neuen Weltwirtschaft nur dann stark sind, wenn Europa gemeinsam den Schalter umlegt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Kommentar: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/trumps-anti-europa-strategie-es-kann-nur-eine-antwort-geben-49617064\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Wie Europa auf die Drohungen aus Washington reagieren muss<\/a><\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Kann sich Europa wirklich am eigenen Schopfe aus der Krise ziehen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das muss es ja gar nicht. Wir k\u00f6nnen uns mit einer intelligenten Au\u00dfenwirtschaftspolitik neue M\u00e4rkte erschlie\u00dfen, vor allem in Afrika. Wir m\u00fcssen uns aus der US- und China-Fixierung l\u00f6sen. Das Potenzial ist riesig, weil es verdammt viele L\u00e4nder gibt, die genauso wenig wie wir von den beiden Gorillas erpresst werden wollen. Und die Instrumente liegen bereit: Freihandelsabkommen, Investitionen, Entwicklungszusammenarbeit.\n            <\/p>\n<p>            \u201eKernfusion w\u00e4re ein echter Gamechanger\u201c<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Aber es gibt \u2013 das ist der n\u00e4chste Teil der Antwort \u2013 noch ein gewaltiges Potenzial bei uns in den Bereichen Technologie und Forschung. Wenn wir als Erste die Kernfusion hinkriegen, m\u00fcssen wir uns um sehr vieles keine Sorgen mehr machen. Das w\u00e4re ein echter Gamechanger. Es ist eines der gr\u00f6\u00dften Vers\u00e4umnisse \u00fcberhaupt, dass wir nicht viel mehr in Forschung und Entwicklung stecken. Energietechnologie, Medizin und Gesundheit, Automatisierung und Robotik: Da liegt das Wachstum, wie es die Chinesen vormachen.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">M\u00fcssen wir auch l\u00e4nger arbeiten, um nicht uneinholbar von China und den USA abgeh\u00e4ngt zu werden?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Ich w\u00e4re daf\u00fcr, dass wir alle zehn Prozent mehr arbeiten, auch ohne Lohnausgleich. Wenn wir wieder wachsen wollen, f\u00fchrt an einer Ausweitung des Arbeitsvolumens kein Weg vorbei. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir entweder mehr arbeiten oder deutlich mehr clevere Leute ins Land holen. Was die Lage erschwert: Die Erwerbsbeteiligung der \u00e4lteren Arbeitnehmer ist bei uns im internationalen Vergleich extrem niedrig. <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/lebenswelten\/geld-verbraucher\/artikel\/vorzeitig-in-den-ruhestand-wer-kann-in-rente-gehen-und-ab-wann-48403323\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Weil wir ein Fr\u00fchverrentungsparadies sind.<\/a> Die Skandinavier schaffen es auch, die Menschen mit 65 oder 70 im Arbeitsleben zu halten, warum nicht auch hier.\n            <\/p>\n<p class=\"interview__question w-900\">Die Regierung will an die Baustelle ran, auch die SPD. Ob die Gewerkschaften mitziehen?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wenn jetzt nicht mutig gehandelt wird, wird hier viel mehr ins Rutschen kommen, als den Gewerkschaften lieb ist. Ich hoffe, der Groschen ist inzwischen \u00fcberall gefallen. Die Gewerkschaften sollten der Koalition keine Subventionen f\u00fcr sterbende Altindustrien abpressen, sondern dabei helfen, mutig die Ver\u00e4nderungen zu erm\u00f6glichen, die es braucht, um voranzukommen. Dazu geh\u00f6rt ein flexibleres Arbeitsrecht. Es w\u00e4re voll im Interesse der Arbeitnehmer, wenn mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt kommt: von der Auto- in die R\u00fcstungsindustrie, in die E-Mobilit\u00e4t, in die Planung von Roboterfabriken \u2026 Ja, der K\u00fcndigungsschutz muss gelockert werden, allen voran f\u00fcr Hochverdiener, und ja, das Einstellen von Arbeitnehmern muss billiger werden. Unsere Arbeitsmarktgesetze atmen noch den Geist der 70er- und 80er-Jahre. Die sind ein halbes Jahrhundert vor\u00fcber.\n            <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Professor Schularick, Berlin und Br\u00fcssel wollen das Zulassungsverbot f\u00fcr neue Diesel und Benziner ab 2035 erheblich lockern.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":642567,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1852],"tags":[620,151302,3364,29,548,663,3934,30,13,4949,19805,18380,14,15,12,1971,31304,381],"class_list":{"0":"post-642566","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kiel","8":"tag-arbeitsmarkt","9":"tag-boomer-themen","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-kiel","18":"tag-konjunkturprognose","19":"tag-moritz-schularick","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-schleswig-holstein","24":"tag-volkswagen-vw","25":"tag-wirtschaftspolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115709589334160849","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642566","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642566"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642566\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/642567"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}