{"id":642979,"date":"2025-12-13T06:28:23","date_gmt":"2025-12-13T06:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642979\/"},"modified":"2025-12-13T06:28:23","modified_gmt":"2025-12-13T06:28:23","slug":"machtkampf-zwischen-rom-und-ezb-wem-gehoert-italiens-goldschatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/642979\/","title":{"rendered":"Machtkampf zwischen Rom und EZB: Wem geh\u00f6rt Italiens Goldschatz?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/goldbarren-banca-d-italia-100.jpg\" alt=\"Der Goldtresor der italienischen Zentralbank ist mit gestapelten Goldbarren gef\u00fcllt (undatierte Aufnahme).\" title=\"Der Goldtresor der italienischen Zentralbank ist mit gestapelten Goldbarren gef\u00fcllt (undatierte Aufnahme). | via REUTERS\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>faq<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.12.2025 05:44 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Ein umstrittener Plan der Meloni-Regierung zu den italienischen Goldreserven alarmiert die Europ\u00e4ische Zentralbank. Kritiker f\u00fcrchten einen Pr\u00e4zedenzfall, der das gesamte Euro-System ins Wanken bringen k\u00f6nnte. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p>    Was hat Italiens Regierung mit dem Gold vor?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Abgeordnete der Mitte-Rechts-Partei &#8222;Fratelli d&#8217;Italia&#8220; von Premierministerin Giorgia Meloni wollen die gro\u00dfen italienischen Goldreserven zu &#8222;Volkseigentum&#8220; machen und haben dazu eine \u00c4nderung des Haushaltsgesetzes vorgeschlagen. Konkret wollten sie diesen Satz einf\u00fcgen: &#8222;Die Goldreserven, die von der Banca d&#8217;Italia verwaltet und gehalten werden, geh\u00f6ren dem Staat im Namen des italienischen Volkes.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Inzwischen wurde &#8222;der Staat&#8220; aus dem Gesetzesentwurf gestrichen &#8211; nun hei\u00dft es nur noch, die Goldreserven &#8222;geh\u00f6ren dem italienischen Volk&#8220;. In der neuesten Version wird zudem ausdr\u00fccklich auf die EU-Regeln zum Schutz der Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank verwiesen.<\/p>\n<p>    Was sind die Motive der italienischen Regierung?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit Jahren fordern rechte Politiker in Italien, die Goldreserven der Notenbank als Volkseigentum zu deklarieren. Hintergrund ist, dass die Banca d&#8217;Italia formal eine Privatnotenbank ist &#8211; ihre Anteilseigner sind Banken und Versicherungen. Die heutige Ministerpr\u00e4sidentin Meloni hat daher schon vor \u00fcber zehn Jahren als Oppositionspolitikerin die Gefahr einer m\u00f6glichen &#8222;Enteignung&#8220; des italienischen Volkes heraufbeschworen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Allerdings haben die privaten Anteilseigner der Banca d&#8217;Italia rechtlich und faktisch keinerlei Einfluss auf die Geldpolitik und die Verwendung der Goldreserven. Kritikerinnen und Kritiker werfen Meloni ohnehin vor, ihre ginge es in erster Linie darum, eine der weltweit gr\u00f6\u00dften Goldreserven unter die Kontrolle des Staates bringen. Das k\u00f6nnte dann im n\u00e4chsten Schritt den Weg f\u00fcr Verk\u00e4ufe des Edelmetalls durch die Regierung ebnen &#8211; etwa, um die riesigen Haushaltsl\u00f6cher Italiens zu stopfen.<\/p>\n<p>    Wieso mischt sich die EZB ein?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei den W\u00e4hrungsh\u00fctern der Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) in Frankfurt schrillen angesichts des italienischen Gesetzesvorhabens die Alarmglocken. In einer <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?qid=1600417583098&amp;uri=CELEX%3A52025AB0039&amp;\" title=\"Opinion of the ECB of 2 December 2025\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">offiziellen Stellungnahme<\/a> haben sie die italienischen Beh\u00f6rden erstmals Anfang Dezember aufgefordert, den Gesetzesentwurf zu &#8222;\u00fcberdenken&#8220;. Das sei &#8222;keine Bagatelle&#8220;, stellte EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde klar. Schlie\u00dflich h\u00e4nge das Vertrauen in die Stabilit\u00e4t des Euro und in die Glaubw\u00fcrdigkeit der Reserven auch davon ab, dass politische Eingriffe ausgeschlossen seien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die EZB signalisierte in dieser Woche \u00fcberdies, dass sie <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:52025AB0040\" title=\"Opinion of the ECB of 8 december\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">auch die \u00fcberarbeitete Formulierung der Gesetzesinitiative f\u00fcr problematisch h\u00e4lt<\/a>. F\u00fcr die W\u00e4hrungsh\u00fcter sei weiterhin nicht ersichtlich, was der konkrete Zweck des Gesetzesentwurf ist. Sie sehen die institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit der Banca d&#8217;Italia in Gefahr und verweisen auf die EU-Vertr\u00e4ge: Im Rahmen des Europ\u00e4ischen Systems der Zentralbanken (ESZB) fallen die Haltung und Verwaltung der Goldreserven in die ausschlie\u00dfliche Zust\u00e4ndigkeit der nationalen Zentralbank eines jeden Mitgliedstaates.<\/p>\n<p>    Ist der Euro in Gefahr?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sollte die italienische Regierung Zugriff auf die Zentralbankreserven bekommen, so st\u00fcnde nicht nur die institutionelle Unabh\u00e4ngigkeit der Banca d&#8217;Italia infrage. Eine Reform der Eigentumsverh\u00e4ltnisse der italienischen Notenbank k\u00f6nnte ein Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr andere L\u00e4nder im ESZB schaffen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00fcrde Rom tats\u00e4chlich Teile seiner Goldreserven verkaufen k\u00f6nnen, um beispielsweise Haushaltsl\u00f6cher zu stopfen, k\u00e4me dies einem Dammbruch gleich. An den B\u00f6rsen w\u00fcrden die Anlegerinnen und Anleger enorme Zweifel an der Stabilit\u00e4t des Euro hegen. Dabei ist Vertrauen die wichtigste W\u00e4hrung an den Finanzm\u00e4rkten.<\/p>\n<p>    Wie viel Gold hat Italien?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die italienische Zentralbank verf\u00fcgt \u00fcber eine der gr\u00f6\u00dften staatlichen Goldreserven weltweit &#8211; nur die USA und Deutschland besitzen mehr. Die Banca d&#8217;Italia h\u00e4lt 2.452 Tonnen Gold. Zum Vergleich: Die US-Notenbank Federal Reserve verf\u00fcgt \u00fcber 8.134 Tonnen Gold, die deutsche Bundesbank \u00fcber 3.350 Tonnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei hatte Italien nach dem Zweiten Weltkrieg gerade einmal noch 20 Tonnen Gold. Die Nazis hatten den Gro\u00dfteil der Reserven mithilfe der faschistischen italienischen Regierung gepl\u00fcndert. Doch dank hoher Export\u00fcbersch\u00fcsse in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts stiegen die Deviseneinnahmen der Notenbank massiv &#8211; ein Teil davon wurde in Gold angelegt. Seit vielen Jahren schon ist die Menge des italienischen Goldes weitgehend unver\u00e4ndert &#8211; doch sein Wert ist zuletzt rapide gestiegen.<\/p>\n<p>    Und wie viel ist das italienische Gold aktuell wert?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die italienischen Goldreserven haben derzeit einen Wert von rund 280 Milliarden Euro &#8211; was knapp 13 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Hintergrund sind die stark gestiegenen Goldpreise.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Oktober hat das gelbe Edelmetall an der B\u00f6rse in London ein Rekordhoch bei 4.381 Dollar je Unze erreicht, nachdem es zu Beginn des Jahres noch bei etwa 2.600 Dollar gestanden hatte. Aktuell liegt Gold seit Jahresbeginn \u00fcber 60 Prozent im Plus.<\/p>\n<p>    Wie geht es jetzt weiter?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut Medienberichten will Italiens Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti EZB-Chefin Lagarde nun <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/italy-reassure-ecbs-lagarde-over-ownership-central-bank-gold-2025-12-09\/\" title=\"Italy to reassure ECB - Reuters \" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">einen Brief schreiben<\/a>, um die Motive der italienischen Regierung zu erl\u00e4utern: Demnach habe Rom keine Pl\u00e4ne, die Unabh\u00e4ngigkeit der italienischen Zentralbank zu untergraben. Es handele sich um eine symbolische Formulierung &#8211; und nicht um eine \u00c4nderung der Verwaltung oder des Bilanzrechts.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir sind nicht daran interessiert, das Gold zu verkaufen oder anderweitig zu verwenden. Dies ist eine Grundsatzerkl\u00e4rung, mit der wir keine internationale Aff\u00e4re ausl\u00f6sen wollen&#8220;, sagte Marco Osnato, Abgeordneter der Partei Fratelli d\u2019Italia von Ministerpr\u00e4sidentin Meloni. Ob das die EZB beruhigen wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>    Was h\u00e4tte Italien \u00fcberhaupt von einem Verkauf seiner Goldreserven?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine einfache Rechnung macht klar: Selbst, wenn Italien all seine Goldreserven verkaufen und damit rund 280 Milliarden Euro einnehmen w\u00fcrde, k\u00f6nnte die Regierung damit das Schuldenproblem nicht einmal ansatzweise l\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Italiens Staatsschulden sind mit mehr als drei Billionen Euro n\u00e4mlich mehr als zehnmal so hoch. Innerhalb der EU hat nur Frankreich eine noch h\u00f6here absolute Staatsverschuldung.<\/p>\n<p>    Welche Lehren lassen sich aus fr\u00fcheren staatlichen Goldverk\u00e4ufen ziehen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Geschichte h\u00e4lt ein mahnendes Beispiel parat: Unter Premierminister Tony Blair und seinem Schatzkanzler Gordon Brown verkaufte Gro\u00dfbritannien ab 1999 knapp 400 Tonnen Gold zu einem durchschnittlichen Preis von 275 Dollar je Feinunze. Das sp\u00fclte etwa 3,5 Milliarden Dollar in die Kassen des Vereinigten K\u00f6nigreichs.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein gro\u00dfer Fehler, denn die Verk\u00e4ufe erfolgten zu historischen Tiefpreisen: Gold notierte damals auf einem 20-Jahrestief &#8211; Kommentatoren sprachen sp\u00e4ter vom &#8222;Brown Bottom&#8220;. Ein erheblicher Wertzuwachs wurde damit verschenkt, der Goldpreis hat sich seither mehr als vervierzehnfacht. Zum Vergleich: Heute w\u00e4ren die von Brown verkauften Goldbest\u00e4nde mehr als 50 Milliarden Dollar wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"faq Stand: 13.12.2025 05:44 Uhr Ein umstrittener Plan der Meloni-Regierung zu den italienischen Goldreserven alarmiert die Europ\u00e4ische Zentralbank.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":642980,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,875,782,30,668,33319,355,171,174,25547,173,172],"class_list":{"0":"post-642979","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-business","9":"tag-companies","10":"tag-companies-markets","11":"tag-deutschland","12":"tag-ezb","13":"tag-faq","14":"tag-germany","15":"tag-gold","16":"tag-goldreserven","17":"tag-italien","18":"tag-markets","19":"tag-maerkte","20":"tag-notenbank","21":"tag-unternehmen","22":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115710848754635305","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642979"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642979\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/642980"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}